Aufgrund einer immer komplexer werdenden Gesundheitsversorgung erscheint eine potentielle Patientengefährdung durch die Zunahme der Arbeitsplatzbelastung denkbar. Der "OP-Saal 2020", geprägt durch komplexe Mensch-Maschine-Interaktionen, unterscheidet sich auf allen Ebenen von dem historischen "OP-Saal 1920" von Ferdinand von Sauerbruch. Das gesamte OP-Team befindet sich in einer rasant zunehmenden dynamischen Arbeitsplatzveränderung. Kommunikation, Teamtraining und Ausbildung als wichtige Bausteine dienen der Verbesserung der Patientensicherheit.
Die OP-Checkliste stellt ein Hilfsmittel zur Förderung sicherheitsrelevanter Kommunikation dar. In nahezu allen Studien zur der Effektivität von OP-Checklisten wird deutlich, dass der positive Effekt nicht allein auf die Checklistenimplementierung und die daraus resultierenden sicherheitsrelevanten Maßnahmen zurückzuführen ist, sondern vielmehr ein Zusammenspiel von den damit verbundenen Prozessoptimierungen durch Standardisierung, eine veränderte Teamkommunikation (Team-Briefing) sowie der Wandel der Teamarbeit im OP-Verlauf ist. Als entscheidend für eine gelungene OP-Checklistenimplementierung werden die Unterstützung auf der Führungsebene, Schulungen, eine gezielte Teameinbindung sowie ein begleitendes dynamisches Teamtraining genannt.
Inhaltsverzeichnis
1 Problembetrachtung
1.1 Ausgangssituation in der Thoraxchirurgie einer Universitätsklinik
1.2 Handlungsbedarf in der Klinik für Thoraxchirurgie der Universitätsklinik
2 Entwicklung der Fragestellung
3 Thema und Zielsetzung des Projektes
3.1 Thema des Projektes
3.2 Zielsetzung des Projektes
4 Gesundheitspolitische Relevanz des Projektes
4.1 Qualitätsmanagement
4.2 Verbesserung der interprofessionellen Zusammenarbeit
4.3 Personalbindung unter demografischen Aspekten
5 Stand der Forschung und Entwicklung in der Praxis
5.1 Fehler- und Sicherheitskultur im Gesundheitswesen
5.2 OP-Sicherheitscheckliste
5.3 Modell der Gewohnheitsbildung
5.4 Forschungsergebnisse
6 Einschätzung und Realisierbarkeit
6.1 Strategien zur Akzeptanzsicherung
6.2 Umsetzungsprobleme
7 Durchführung und Zeitplanung
7.1 Vorbereitungsphase
7.2 Durchführungsphase
7.3 Evaluationsphase
8 Kosten- und Finanzplanung
9 Evaluation
10 Erwartbare Ergebnisse
11 Übertragbarkeit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Projektarbeit befasst sich mit der Implementierung einer strukturierten OP-Checkliste in der thoraxchirurgischen Abteilung einer Universitätsklinik, um die Patientensicherheit zu erhöhen, Fehlerquellen zu minimieren und die interprofessionelle Teamkommunikation nachhaltig zu verbessern.
- Steigerung der Patientensicherheit durch Standardisierung von Abläufen
- Verbesserung der interprofessionellen und interdisziplinären Teamkommunikation
- Stärkung der Handlungssicherheit des gesamten OP-Personals
- Förderung einer gelebten Fehler- und Sicherheitskultur
- Erhöhung der Mitarbeiterzufriedenheit durch gezielte Einbindung
Auszug aus dem Buch
1 Problembetrachtung
Der berufsethische Leitsatz „Primum nihil nocere“ ist ein elementarer Grundsatz der hippokratischen Tradition und liegt im Zentrum des moralisch geforderten ärztlichen Handelns (Weyhe, 2021, S. 1-12). Somit besteht das Bestreben in erster Linie darin, bei allen Heilversuchen am Patienten zusätzlichen Schaden abzuwenden. Trotz erklärtem Willen sowie dem besten Wissen und Gewissen besteht in einer getroffenen Entscheidung eine zutiefst menschliche Eigenschaft: Das Irren und Verfehlen (Weyhe, 2021, S. 1-12). Welche Auswirkungen diese Eigenschaften im Setting Gesundheitswesen ausmachen wurde erstmals in einer Publikation aus dem Jahre 2000 („To err is human: building a safer Health Care System“) beschrieben und somit die Patientensicherheit erstmalig in den Mittelpunkt gerückt (Kohn, Corrigan & Donaldson, 2000, S. 1). Demnach wird die Mortalität in den USA pro Jahr auf 44.000 bis 98.000 Patienten als Folge medizinisch-menschlicher Fehler geschätzt (Kohn et al., 2000, S. 1). In weiteren internationalen Publikationen konnte ein vergleichbares Bild aufgezeigt werden, wobei für die Patientensicherheit der Anteil der vermeidbaren unerwünschten Ereignisse (UE) von Relevanz ist (Weyhe, 2021, S. 1-12).
Daraus ableitend entstand ein weiterer wichtiger Meilenstein in der Entwicklung der Patientensicherheit, die Entstehung einer World-Health-Organisation (WHO)-Checkliste. Checklisten sind keine Neuerfindung des Gesundheitswesens, sondern werden seit Jahrzehnten routinemäßig in der Luft- und Raumfahrtechnik eingesetzt. Im Rahmen der „Safe-Surgery-Saves-Lives“ Kampagne der WHO wurde für den Operationsbereich eine Operationscheckliste (OP-Checkliste) zum Thema „Sichere Chirurgie“ entwickelt. Auf Grundlage dieser Checkliste erfolgten inzwischen deutschlandweit viele klinik- und fachspezifische Anpassungen, die in den OP-Sälen nicht mehr wegzudenken sind. Somit wird die WHO Checkliste „Sichere Chirurgie“ als Standardinstrument in vielen chirurgischen Abteilungen zur Patientensicherheit eingesetzt (Weyhe, 2021, S. 1-12). Weyhe (2021, S. 1-12) geht bezüglich der Effektivität solcher OP-Checklisten auf diverse Studien ein und kommt angesichts der drastischen Verbesserung von Komplikations- und Mortalitätsraten zu dem Ergebnis, dass ein interdisziplinärer Abgleich entsprechend der WHO Checkliste unverzichtbar sei.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problembetrachtung: Einführung in die berufsethischen Grundlagen und Darstellung der Notwendigkeit einer gesteigerten Patientensicherheit durch strukturierte OP-Checklisten.
2 Entwicklung der Fragestellung: Ableitung relevanter Forschungsfragen aus dem identifizierten Handlungsbedarf und den rechtlichen Anforderungen an das Qualitätsmanagement.
3 Thema und Zielsetzung des Projektes: Definition des Hauptziels der Vollimplementierung der OP-Checkliste sowie spezifischer Nebenziele bezüglich Sicherheit und Kommunikation.
4 Gesundheitspolitische Relevanz des Projektes: Analyse der gesetzlichen Verpflichtungen zum Qualitätsmanagement sowie der Bedeutung von interprofessioneller Zusammenarbeit und Personalbindung.
5 Stand der Forschung und Entwicklung in der Praxis: Übersicht über aktuelle Konzepte zur Sicherheitskultur, die Funktionsweise von OP-Checklisten und das Modell der Gewohnheitsbildung.
6 Einschätzung und Realisierbarkeit: Diskussion von Strategien zur Akzeptanzsicherung im Team sowie Identifikation potenzieller Umsetzungsprobleme.
7 Durchführung und Zeitplanung: Detaillierte Darstellung des fünfzehnteiligen Arbeitspakete-Katalogs zur zeitlichen Umsetzung des Pilotprojekts.
8 Kosten- und Finanzplanung: Übersicht der anfallenden Personalkosten und Sachausgaben für das Projekt.
9 Evaluation: Beschreibung des Evaluationsdesigns mittels IST- und END-Fragebögen zur Messung des Projekterfolgs.
10 Erwartbare Ergebnisse: Prognose der positiven Auswirkungen der Implementierung auf die Patientensicherheit und Teamkommunikation.
11 Übertragbarkeit: Ausblick auf die Ausweitung des Konzepts auf weitere Bereiche der Universitätsklinik und die Verbreitung der Erkenntnisse.
Schlüsselwörter
Patientensicherheit, OP-Checkliste, Thoraxchirurgie, Qualitätsmanagement, interprofessionelle Zusammenarbeit, Fehlerkultur, Sicherheitskultur, Teambriefing, Team-Time-Out, Risikomanagement, Gewohnheitsbildung, Projektkonzeption, Personalbindung, Prozessoptimierung, Handlungssicherheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Implementierung einer OP-Checkliste als Instrument zur Steigerung der Patientensicherheit und zur Verbesserung der interprofessionellen Zusammenarbeit in einer thoraxchirurgischen Klinik.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Patientensicherheit, das Qualitätsmanagement im Krankenhaus, die interprofessionelle Teamkommunikation, die Fehlerkultur und Methoden zur erfolgreichen Implementierung von Verhaltensänderungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist die erfolgreiche Implementierung einer spezifischen OP-Checkliste innerhalb eines Zeitraums von 13 Monaten, um Fehlerquellen zu reduzieren und die Sicherheit für Patienten und Team zu erhöhen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturrecherche als Basis sowie ein methodisches Vorgehen in 15 Arbeitspaketen (PDCA-Zyklus) inklusive IST- und END-Evaluationen durch Fragebögen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die Problemanalyse, die gesundheitspolitische Einordnung, den Stand der Forschung zur Sicherheitskultur, die methodische Projektplanung sowie die Kosten- und Finanzplanung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Patientensicherheit, OP-Checkliste, interprofessionelle Zusammenarbeit, Fehlerkultur, Risikomanagement und Prozessoptimierung.
Welche Rolle spielt die „Sicherheitskultur“ in diesem Projekt?
Sie dient als übergeordnetes Rahmenkonzept, in dem der Mensch (Personal) und das System (Prozesse) so integriert werden sollen, dass ein offener Umgang mit Fehlern und Beinahe-Fehlern möglich ist.
Warum ist gerade die Thoraxchirurgie als Einsatzort gewählt worden?
Sie gilt als Hochrisikobereich, in dem komplexe Eingriffe unter hohem Zeitdruck stattfinden und die interdisziplinäre Zusammenarbeit essenziell für die Vermeidung vermeidbarer Ereignisse ist.
Wie soll die Akzeptanz im Team gesichert werden?
Durch frühzeitige Einbindung des gesamten Personals, Durchführung von Kick-Off-Veranstaltungen, regelmäßige Mitarbeiterschulungen und das Aufzeigen der direkten Vorteile für das Team.
Wie werden die Erfolge des Projekts gemessen?
Der Erfolg wird durch einen Vergleich von IST- und END-Fragebögen evaluiert, die insbesondere die subjektive Handlungssicherheit und die wahrgenommene Teamkommunikation abfragen.
- Arbeit zitieren
- Melanie Keemß (Autor:in), 2022, Einführung einer OP-Checkliste zur Patientensicherheit in der Thoraxchirurgie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1184434