Kritische Auseinandersetzung mit den Erziehungszielen bei Maria Montessori


Hausarbeit, 2021

20 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Begriffsklärungen
2.1.1 Erziehung
2.1.2 Educandus
2.1.3 Erziehungsziele
2.1.4 Reformpädagogik
2.1.5 Zum Begriff der Montessori-Pädagogik
2.2 Über die Person Maria Montessori: von der Ärztin zur Pädagogin
2.3 Grundlegende Ideen bei Maria Montessori

3 Erziehungsziele der Reformpädagogin
3.1 Übergeordnete Erziehungsziele
3.1.1 Erziehung zur Verwirklichung des Weltfriedens
3.1.2 Das freie Individuum und eine organisierte Gesellschaft
3.1.3 Teilziele der Erziehung
3.2 Methoden zur Erreichung der Erziehungsziele
3.2.1 Die Kindliche Entwicklung in Entwicklungsstufen
3.2.2 Schaffung des super-naturellen Umfelds
3.2.3 Polarisation der Aufmerksamkeit
3.2.4 Das Kind als vollwertige, menschliche Persönlichkeit
3.3 Forderung einer Psycho-Pädagogik

4 Umsetzung der Erziehungsziele in der Praxis der Montessori-Pädagogik
4.1 Verständnis der Montessori-Pädagogik heute
4.2 Montessori-Pädagogik am Beispiel der Montessori Schule Augsburg
4.3 Grenzen der Montessori-Pädagogik
4.4 Kritik an der der Theorie Maria Montessoris
4.4.1 Das normal entwickelte Kind
4.4.2 Freiheitskonzept oder Determinismus
4.4.3 Montessoris Erziehungsziele kritisch betrachtet

5 Resümee

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Montessori Schulen, Kindergärten und Fachoberschulen sind in allen Bundesländern Deutschlands und weltweit vertreten, so gibt es rund 20.000 Montessori Einrichtungen (vgl. National Center for Montessori in the Public Sector (NCMPS) 2020). Diese reichen von Tansania über Vietnam und Australien. Dabei sind alleine in Deutschland über tausend Einrichtungen vorzufinden, die nach den Prinzipien der Montessori Pädagogik arbeiten (Montessori Dachverband Deutschland e.V. o. J.b). Was aber bedeutet Montessori Pädagogik? Welche waren die tatsächlichen Erziehungsziele bei Maria Montessori und inwiefern werden diese Erziehungsziele (fehl)interpretiert und weiterentwickelt? In dieser Arbeit werden Antworten auf jene Fragen gegeben. Nach anfänglichen Begriffsklärungen wird die Biographie der Wissenschaftlerin Maria Montessori, die Urheberin der Montessori-Theorie, kurz erörtert. Daran anschließend erfolgt eine Einordnung ihrer Ansätze in die Bewegung der Reformpädagogik. Im Zentrum der Arbeit stehen die Erziehungsziele bei Maria Montessori, das große Thema des Weltfriedens sowie die Ordnung der Gesellschaft durch entsprechende Erziehung. Des Weiteren wird untersucht, inwiefern die ursprünglichen Erziehungsziele der Wissenschaftlerin bis heute in die modernen Montessori-Einrichtungen übernommen werden. Die Ausführungen werden durch das Beispiel einer heute bestehenden Montessori-Einrichtung vertieft. Es erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit der Frage, inwiefern jene Erziehungsziele noch zeitgemäß sind oder Bedarf einer Weiterentwicklung vorliegt bzw. ob die Weiterentwicklung der modernen Einrichtung gerechtfertigt ist. Die Arbeit konzentriert sich dabei auf den deutschsprachigen Raum. Montessori-Ansätze in der familiären Erziehung sind nicht Gegenstand der Ausführungen. Der Fokus liegt auf dem schulischen- und vorschulischen Kontext. Die historische Entwicklung der Verbreitung der Montessori-Einrichtungen wird überdies nicht thematisiert. Die Frage nach der Notwendigkeit bzw. Erziehungsbedürftigkeit wird in dieser Arbeit ebenfalls nicht explizit thematisiert. Auch die konkreten Materialien für die erzieherische Praxis, die von Maria Montessori entwickelt und für die Erreichung der Erziehungsziele von hohem Stellenwert sind, sind nicht Gegenstand dieser Arbeit. Vielmehr geht es um die ausführliche Darstellung der Erziehungsziele und übergeordneten Ansätze, die zur Erreichung jener Ziele als Fundament dienen.

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Begriffsklärungen

Zunächst folgt die Klärung zentraler Begriffe.

2.1.1 Erziehung

Weiteren Ausführungen sei eine Definition des fundamentalen Begriffs der Erziehung vorausgestellt. Eine Definition, die aktuell hohe Zustimmung finden kann, ist die folgende des Pädagogen Werner Loch:

„Erziehung läßt sich […] als die Interaktionsform der Lernhilfe definieren, die der Mensch grundsätzlich immer dann benötigt, wenn es beim Lernen eines kulturellen Sachverhalts aus irgendeinem Grund gehemmt ist. Erziehung ist also jene eigenartige Hilfeleistung, die der Mensch in denjenigen Lebensaltern und Lebenslagen benötigt, wo er eine Lernaufgabe nicht selbständig bewältigen kann“ (Loch 1977, S. 386).

Maria Montessori äußert sich zur Definition der Erziehung jedoch in eine andere Richtung mit den Worten: „Wir verstehen unter Erziehung, der psychischen Entwicklung des Kindes von Geburt an zu helfen“ (Oswald und Schulz-Benesch 2012).

2.1.2 Educandus

Aus dem Lateinischen kommend und übersetzt mit „der zu Erziehende, der erzogen Werdende“ wird der Begriff Educandus neben Zögling verwendet, um denjenigen zu bezeichnen, an den sich Erziehung richtet (vgl. Böhm 2005, S. 189).

2.1.3 Erziehungsziele

Mit Erziehungszielen sind „vorgestellte und erstrebte Endzustände erzieherischen Handelns und Gestaltens“ gemeint (Hamann 1994, S. 96). Dabei wird innerhalb der Erziehungswissenschaft zwischen Gesamt- und Teilzielen der Erziehung sowie zwischen kollektiven und persönlichen Erziehungszielen unterschieden. Zuletzt genannte werden für einzelne Personen formuliert, während kollektive Erziehungsziele sowie Gesamtziele der Erziehung aus gesellschaftlicher Perspektive von hohem Stellenwert sind. Teilziele sind als Zwischenetappen zu verstehen, welche auf dem Weg zu darüberstehenden Gesamtzielen erreicht werden (vgl. Börner 2012).

2.1.4 Reformpädagogik

Reformpädagogik ist ein Sammelbegriff für die ab dem späten 19. Jahrhundert beginnenden „Versuche der Verbesserung und Erneuerung des Bildungssystems“, wobei es u.a. um die Forderung geht, Erziehung mehr „ vom Kinde aus “ und weniger durch Repressalien und Intellektualismus zu gestalten (Schröder 2001, S. 298, Hervorhebung der Autorin).

2.1.5 Zum Begriff der Montessori-Pädagogik

„Soll hier die Rede sein von dem pädagogischen Denken und der pädagogischen Theorie Maria Montessoris, […] handelt es sich um die Pädagogik Maria Montessoris.“ Wenn es aber um „Darstellung und Erläuterung jener praktischen Erziehungslehre geh[t], die sich in einer lehr- und lernbaren Erziehungsmethode – der sog. ‚Montessori-Methode‘ verfestigt hat“, so wird dies mit Montessori-Pädagogik oder Montessori-Methode bezeichnet (Böhm 2010, S. 11, die Autorin).

2.2 Über die Person Maria Montessori: von der Ärztin zur Pädagogin

Maria Montessori wird am 31. August 1870 in Chiaravalle in der Provinz Anconas geboren. Nach der Grundschule besucht das junge Mädchen eine naturwissenschaftlich-technische Sekundarschule. Daran anschließend ist es ihr Wunsch, Medizin zu studieren. Weil der Arztberuf zu dieser Zeit reine Männerdomäne ist, bekommt sie nicht direkt eine Zulassung zum Medizinstudium, weshalb sie zunächst mit dem Studium der Naturwissenschaften beginnt. Im Jahr 1892 nimmt Montessori als erste Frau das Medizinstudium auf. Die Promovier erfolgt 1896. Als erste Ärztin Italiens wird Montessori häufig „Dottoressa“ genannt. Nach dem Studium ist Montessori zunächst in einer chirurgischen Klinik tätig. Später arbeitet sie in einer psychiatrischen Klinik für Kinder mit geistiger Behinderung. Im Jahr 1898 bringt Montessori ihren Sohn Mario zur Welt, welchen sie jedoch zunächst in eine Pflegefamilie gibt, um ihre Karriere weiterführen zu können. Ihre Erfahrungen mit den Kindern der psychiatrischen Abteilung der römischen Universitätskinderklinik prägen die junge Ärztin besonders und veranlassen sie, zu untersuchen, wo die Ursachen für das gestörte Verhalten der Kinder liegen bzw. wie die Umgebung verändert werden kann, um das Benehmen zu bessern (vgl. Schulz-Benesch 2012, S. 260 f.).

Ihr Interesse an der Pädagogik entsteht somit vorrangig nicht um der Pädagogik Willen, sondern weil sie eher ein Mittel zum Zweck der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen ist (vgl. Böhm 2010, S. 7). Montessori beginnt zunächst, die Werke des französischen Arztes Séguin zu studieren und zu ergänzen. Die vorerst nur für beeinträchtigte Kinder gewonnenen Erkenntnisse weitet die Ärztin schließlich auf gesunde Kinder im Vorschulalter aus, als sie im Jahr 1907 die Leitung des neu eröffneten Kinderhauses „Casa dei Bambini“ übernimmt. Sie beginnt, das Verhalten der Kinder zu analysieren und passt die Umgebung entsprechen an. Sämtliche Übungen werden durch Montessori selbst eingeführt, was sie weitere Beobachtungen machen lässt und neue Erkenntnisse bringt. Um das Jahr 1909 wird Montessori dazu verleitet, ihr erstes Buch zu verfassen. Zu Beginn des ersten Weltkrieges liegt dies bereits in zwölf Sprachen vor, was zeigt, wie viel Bekanntheit die Reformpädagogin durch die Erfolge in ihrem Kinderhaus damals schon genießt. Im Jahr 1916 wandert Montessori nach Barcelona aus. Der weitere Verlauf ihres Lebens ist durch politische Gegebenheiten stark beeinflusst. Zeitweise wird die Montessori-Pädagogik unterdrückt und zensiert. Auch während des Nationalsozialismus werden Montessori-Bücher verbrannt. Dennoch findet Maria Montessori stets Wege, ihre Arbeit fortzuführen, so beginnt sie beispielsweise kurz nach ihrer Flucht aus Spanien in England einen Lehrkursus zu eröffnen. Auch während ihrer Internierung in Indien baut sie ein umfangreiches Montessori-Erziehungswesen auf.

Montessori tritt ein für eine totale Erneuerung der Erziehung. „Das Kind war bisher der Willkür des Erwachsenen ausgeliefert [.] Erst das ‚befreite‘ Kind ist in der Lage, durch Arbeit und Tätigkeit seiner Wahl gemäß seinem eigenen Entwicklungsgesetz seine Persönlichkeit aufzubauen“ (Skiera 2003 S. 197, die Autorin). Mit Leidenschaft und vollem Einsatz für die Kinder verbreitet sie ihr Gedankengut in Vorträgen weltweit bis ins hohe Alter. Im Jahr 1952 verstirbt sie (vgl. Schulz-Benesch 2012).

2.3 Grundlegende Ideen bei Maria Montessori

Neben Montessoris wissenschaftlicher Arbeiten und Untersuchungen hat ihre Weltanschauung sowie ihre Spiritualität eine nicht zu vernachlässigende Bedeutung für die Entwicklung ihrer Theorie. Montessori trägt die innere Überzeugung in sich, dass in jedem Kind bereits im „embryonalen Zustand ein immanenter Bauplan vorhanden [sei] und daneben eine innere Antriebskraft“ befindlich sei (Böhm 2010, S. 17, die Autorin, Hervorhebung im Original). Dieser Bauplan ist dabei nicht zufällig gegeben, sondern von Gott vorgesehen. Ihr starker Glaube tritt überdies in vielen ihrer Werke und Reden auf und zeigt sich an einigen Stellen ihrer Theorie. Den Menschen sieht sie als eine Geist-Seele-Leib-Einheit. Den Geist gilt es dabei zu erkennen.

Viele Vorgänger Montessoris sind der Auffassung, dass es ihre Aufgabe sei, den Educandus zu formen, bis daraus ein anständiger Erwachsener werde – ebenso wie auch der Konsens gilt, dass gelungene Erziehung der alleinige Verdienst des Erziehers sei. Bei Montessori jedoch steht das Kind mit den Kräften der göttlichen Schöpfung im Zentrum. So seht sie „[n]icht mehr de[n] Erzieher [als] die Sonne, um die das Kind zu kreisen hat, sondern das Kind enthält in sich alle ‚solare‘ Energie, die es zu seiner eigenen Entwicklung braucht“ (Böhm 2010, S. 19, die Autorin). Für Montessori ist deshalb die Schule nicht als Einrichtung zur reinen Wissensvermittlung zu betrachten, sondern „als eine Vorbereitung für das Leben“ (Montessori 1966b, S.51).

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Kritische Auseinandersetzung mit den Erziehungszielen bei Maria Montessori
Hochschule
Universität Augsburg
Veranstaltung
Grundlagen und Grundbegriffe der Erziehungswissenschaft
Note
2,3
Jahr
2021
Seiten
20
Katalognummer
V1184645
ISBN (Buch)
9783346610539
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Maria Montessori, Erziehungsziele, Grundfragen pädagogischen Denkens und Handelns, Reformpädagogik, Montessori, Erziehungswissenschaft, Pädagogik
Arbeit zitieren
Anonym, 2021, Kritische Auseinandersetzung mit den Erziehungszielen bei Maria Montessori, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1184645

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