"Hartes" vs. "sanftes" Reisen - Zum Konzept des "Sanften Tourismus"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

33 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Ausgangssituation: Entstehung des modernen Massentourismus und seine Folgewirkungen
2.1 Ungebrochener Drang zum Reisen
2.2 Ökologische Probleme des Tourismus
2.3 Entfremdung der Bereisten
2.4 Verschärfung regionaler Disparitäten

3 Entwicklung der Idee des Sanften Tourismus
3.1 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen
3.2 Entstehung, Verbreitung und Definition des Begriffs Sanfter Tourismus
3.3 Ziele und Inhalte des Sanften Tourismus

4 Nachfrage nach Sanften Tourismusformen
4.1 Werte und Werteentwicklung
4.2 Diskrepanz zwischen Bewusstsein und Verhalten
4.3 Paradoxie eines „Sanften Massentourismus“

5 Angebotsseite
5.1 Zielsystem und Zielformulierung
5.1.1 Fallbeispiel: Ökotourismus in Schweden
5.1.2 Fallbeispiel: Strategische Ansätze des Sanften Tourismus der TUI
5.2 Zielbeziehungen
5.3 Zielkonflikt

6 Fazit

Literatur

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Handlungsebenen des Sanften Tourismus

Abbildung 2: Magisches Viereck des Sanften Tourismus

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: 23 Thesen für eine wünschbare Zukunft (nach KRIPPENDORF)

Tabelle 2: Kontrastliste Hartes – Sanftes Reisen (nach JUNKG)

Tabelle 3: Zielsetzung der Umweltplanung am Beispiel der TUI aus dem Jahr 2002 (nach KIRSTGES)

Tabelle 4 Entscheidung für einen branchenweiten Sanften Tourismus als Gefangenendilemma (nach KIRSTGES)

1 Einleitung

Schlangestehen vor den Raffaels und Botticellis in den Uffizien. Zehn Reihen tiefgestaffelt an der Costa Brava rösten. Allabendliches Massengeschiebe am Markusplatz, auf den Ramblas, auf der Ginza und auf den Champs-Elysées. Hunderte von Gipfelstürmern am Fuß des Matterhorns.“1

Diese Situation ist heute kennzeichnend für viele Tourismusdestinationen. Reisen ist alltäglicher Bestandteil unserer modernen Gesellschaft und längst zu einem Massen- phänomen geworden.

Die Entwicklung des Tourismus zu einem der heute weltweit bedeutendsten Wirtschaftszweige, mit über 200 Mio. Beschäftigten, hat seine Anfänge bereits im Zeitalter der Industrialisierung genommen. Zur Ausbildung der modernen Formen des Massen- tourismus ist es jedoch erst in den 1960er Jahren gekommen. An die Stelle anfänglicher Euphorie über einen Tourismus nicht nur für Privilegierte, sondern „für alle“ gepaart mit dem positiven wirtschaftlichen Auswirkungen und den zukünftigen Wachstumsprognosen für diesen Sektor, ist jedoch schnell Ernüchterung getreten. Denn der Massencharakter des Tourismus hat auch seine negativen Seiten: hohe Umweltbelastungen, soziokulturelle Konfliktsituationen und wirtschaftliche Risiken. Die beginnende Diskussion um diese negativen Folgeprobleme und der Suche nach deren möglicher Lösung, hat Ende der 1970er/ Anfang der 1980er Jahre unter dem Schlagwort „Sanfter Tourismus“ alternative Ansätze für einen umwelt- und sozialverträglicheren Tourismus hervorgebracht. Der „Sanfte Tourismus“ wird hierbei dem Begriff „Harter Tourismus“ gegenübergestellt, der alle Formen und Eigenschaften des modernen Massentourismus verkörpert. Ausgehend von der Kritik an den negativen Auswirkungen des Tourismus, ist zunächst hauptsächlich auf theoretischer Ebene die Idee des Sanften Tourismus entwickelt worden, die eine Neuorientierung innerhalb des Reisens eingeleitet hat. Die in der Folgezeit getätigten praktischen Umsetzungsversuche haben schnell die Möglichkeiten und Grenzen dieser Vorstellungen aufgezeigt. Der Anspruch ein Gleichgewicht aus dem gesellschaftlichen Wunsch nach Reisen und Erholung, dem Schutz der Natur und Sozialkultur und dem Erzielen wirtschaftlichen Ertrages für die Einheimischen herzustellen, ist in der Realität jedoch nur schwer zu realisieren, so dass das Leitbild des Sanften Tourismus nicht unumstritten ist. Insbesondere aufgrund der nur bisher geringfügigen Entschärfung der Folgeprobleme des Massentourismus. Nicht zuletzt bleibt es jedoch ein wichtiges tourismuspolitisches Leitbild, das die Notwendigkeit eines Umdenkens und -steuerns im Tourismus begründet hat.2 Seine Hintergründe, Ursachen, Inhalte und Realisierung werden in der vorliegenden Seminararbeit thematisiert. Zunächst soll im folgenden Kapitel 2 die Ausgangssituation, die zur Entstehung des modernen Massentourismus geführt hat, sowie dessen Auswirkungen erläutert werden. Im daran anschließenden Kapitel 3 wird die Entwicklung der Idee des Sanften Tourismus vorgestellt. Dabei wird auf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die geschichtliche Entwicklung des Konzeptes Sanfter Tourismus sowie auf die verschiedenen Begriffsdefinitionen und Zielsetzungen eingegangen. Kapitel 4 und 5 untersuchen die Chancen und Möglichkeiten von Angebot und Nachfrage eines Sanften Tourismus. Im abschließenden Fazit werden die zentralen Aspekte nochmals zusammengefasst und bewertet.

2 Ausgangssituation: Entstehung des modernen Massentourismus und seine Folgewirkungen

2.1 Ungebrochener Drang zum Reisen

Unterschiedlichste Motive haben dazu geführt, dass Reisen (private, berufliche, politische Gründe) schon immer Bestandteil unseres Lebens gewesen ist.3 Die Anfänge des Tourismus reichen zurück bis ins Zeitalter der Industrialisierung Mitte des 18. Jh., wobei die moderne Bedeutung des Begriffs Tourismus erst Mitte des 19. Jh. geprägt worden ist: 1841 bietet Thomas Cook die erste Pauschalreise an.4 Von diesem Zeitpunkt an hat sich der Fremdenverkehr kontinuierlich weiterentwickelt. Besonderen Bedeutungszuwachs hat er jedoch erst seit Ende der 1950er Jahren erfahren: In diesem Zeitraum ist es zur Entstehung des modernen Massentourismus gekommen.5 Während 1954 die Reiseintensität mit 9 Mio. Reisenden (Bundesbürger über 14 Jahre, die eine oder mehrere Reisen von mindestens fünf Tagen Dauer unternommen haben) noch bei knapp 24 % lag, so hat sie sich in der Folgezeit rapide gesteigert. Nach 20 Jahren hat sich die Reiseintensität mit 53 % (1974) mehr als verdoppelt. 1987 erreichte sie mit 31,1 Mio. reisenden Bundesbürgern schon die 65 %-Grenze.6 2001 lag die Reiseintensität schließlich bei 76,1 %.7

Ursachen für diese Entwicklungsdynamik liegen zum einen in den Wohlstands- steigerungen in den 1950er begründet. Die wachsenden Realeinkommen haben dazu geführt, dass auch Angehörige unterer Sozial- und Einkommensschichten am Fremden- verkehr teilhaben konnten. Zum anderen haben Arbeitszeitverkürzungen und die Durch-setzung von Urlaubszeitregelungen den Freizeitanteil der Arbeitnehmer erhöht, so dass dieser zum Reisen zur Verfügung stand. Die Entwicklung und Verbreitung moderner Massenmedien hat ebenfalls den Reisedrang der Bevölkerung gesteigert, da auf diese Weise Informationen über potentielle Reiseziele veröffentlicht worden sind. Einen besonders hohen Stellenwert hat allerdings die technologische Weiterentwicklung des Transport- wesens. Im Zuge der allgemeinen Motorisierung ist durch den PKW die flächendeckende räumliche Erschließung für den Tourismus möglich geworden. Auf internationaler Ebene hat die Ausweitung des Flugverkehrs und damit die Erschließung des Flugzeuges als touristisches Massentransportmittel in den 1960er und 1970er den Tourismus gefördert. Neben diesem gestiegenen Motorisierungsgrad hat die wachsende Verstädterung ebenso zur Zunahme des Fremdenverkehrs geführt.8

Neben diesen Rahmenbedingungen hat auch der Aufbau von Pauschalreisen ins Ausland dazu geführt, dass Reisen auch die für breitere Masse zugänglich wurde. So wurden z. B. 1961/62 erstmals Flugreisen in den Katalogen der Firma Neckermann angeboten.9 Auf diese Weise ist Reisen zu einer neuen gesellschaftlichen Errungenschaft geworden, so dass diese Phase auch als „Demokratisierung des Reisens“ bezeichnet werden kann. Reisen ist von da an nicht nur elitären Kreisen vorbehalten gewesen, sondern erstmals für einen Großteil der Bevölkerung möglich.10 Dies bedeutet zumindest bis Ende der 1980 für ca. 2/3 Drittel der Bevölkerung der Bundesrepublik eine positive Entwicklung. Etwa ein Drittel muss jedoch aufgrund fehlender finanzieller Mittel nach wie vor auf einen Urlaub verzichten.11 Inzwischen ist dieser Anteil sogar auf ein Viertel gesunken.12

Das gestiegene Reiseinteresse lässt sich des Weiteren durch zwei unterschiedliche Ansätze erklären: die Konträr- und die Komplementärhaltung. Erstere ist eher eine pessimistische Betrachtungsweise, die Reisen als einen Kontrast zum Arbeits- und Lebensalltag der modernen Industriegesellschaft sieht. Die touristische Reise übernimmt dabei die Funktion der physischen und psychischen Regeneration. Sie bietet die Möglichkeit zur „Flucht“ aus dem Alltag in dem das Individuum innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft verortet ist. Reisen wird teilweise sogar als eine Art Sucht oder Zwangsverhalten betrachtet, das nur eine Illusion gegenüber der Arbeits- und Alltagswelt darstellt.13

Dem gegenüber steht die Komplementärhaltung. Dieser zweite Erklärungsansatz vertritt die Auffassung, Tourismus sei eine Ergänzung oder Bereicherung der Moderne. Er ermöglicht sich selbst in sozialer, kultureller, sportlicher oder gesundheitsfördernder Weise zu verwirklichen und sich zu entfalten. Darüber hinaus liefert eine Reise die Möglichkeit einer intensiven Begegnung mit fremden Kulturen, die in einem Zeitalter „ökonomischer Vereinheitlichung, aber auch Ungleichheit, verbunden mit dem Anstieg von Flüchtlingsströmen und Ausländerfeindlichkeit“14, wachsende Bedeutung erhält.15

Die Massenentwicklung im Tourismus hat im Zeitverlauf auch die Art der Urlaubs- und Freizeitgestaltung beeinflusst. Während in der Phase des Nachkriegstourismus haupt- sächlich relativ homogene Reisewünsche (z. B. Badeurlaub am Mittelmeer oder winterliche Skireise in den Alpen) vorgelegen haben, haben sich diese nach und nach immer weiter ausdifferenziert, so dass heute sehr heterogene Strukturen im Tourismus vorherrschen. Seit den 1980er Jahren sind insbesondere zwei sehr unterschiedliche Reisevorstellungen mit unterschiedlichen Auswirkungen entstanden. Auf der einen Seite steht der Wunsch nach Freizeitattraktionen und immer schnellerem Vergnügen. Auf der anderen Seite die Bereitschaft zum Verzicht und der Betonung immaterieller Werte, was sich in Bedürfnissen nach unverfälschten, authentischen Naturerlebnissen äußert. Die zuerst beschriebene Form der Urlaubsgestaltung führt jedoch zu einer starken Inanspruchnahme der touristischen Infrastruktur, welche insbesondere negative Auswirkungen auf Natur und Landschaft hat.16 Auf diese und andere negative Folgewirkungen soll in den folgenden Unterkapiteln eingegangen werden.

2.2 Ökologische Probleme des Tourismus

Eine der maßgeblichen negativen Auswirkungen des Massentourismus ist sein verschwenderischer Umgang mit der Ressource Natur. Dies hat vor allem in den 1960er und 1970er Jahren zu irreparablen Umweltschäden geführt, die sich in allen Bereichen der natürlichen Umwelt widerspiegeln.17

Zentrales Problem des Tourismus ist nämlich seine stetige Expansionstendenz. Wie andere Wirtschaftsbereiche unterliegt auch er dem kapitalistischen Wachstumsimperativ, was ihm die von KRIPPENDORF treffend formulierte Bezeichnung „Landschaftsfresser“ eingebracht hat. Stetig neue Trends im Tourismus (wie z.B. durch die Etablierung der Trendsportarten Gletscherskilaufen, Mountainbiking, Drachenfliegen oder Canyoning) erfordern den Ausbau vorhandener oder die Errichtung neuer touristischer Einrichtungen und Infrastruktur, so dass es durch die sukzessive Erschließung immer neuer Räume zu hohem Flächenverbrauch kommt. Im Rahmen dieser Erschließungsmaßnahmen dehnt sich die Siedlungsfläche immer weiter aus mit Zersiedlungserscheinungen als Folge. Die traditionell gewachsene Kulturlandschaft verarmt und verliert auf diese Weise ihre Eigenart.18

Neben der touristischen Erschließung hat jedoch auch die touristische Nutzung negative Folgen für die Naturlandschaft. Hohe Emissionen und Lärm sind die Konsequenzen eines mit dem Tourismus verbundenen erhöhten Verkehrsaufkommen. Am Zielort entstehen darüber hinaus Probleme der Ver- und Entsorgung und sowie der Schädigung des Grundwassers. Durch die touristischen Aktivitäten werden sowohl Flora als auch Fauna in ihrem Lebensraum nachhaltig beeinträchtigt.19

Durch diesen rücksichtslosen Umgang mit einer seiner wichtigsten Ressourcen, droht sich der Tourismus, vermeintlich leider häufig als „weiße Industrie“ bezeichnet, seine eigene Grundlage selbst zu zerstören.20 Optimistischen Einschätzungen zufolge ist es bereits möglich, viele dieser negativen ökologischen Auswirkungen heute unter Zuhilfenahme planerischer Instrumente und technischer Eingriffe zu reduzieren bzw. zu beseitigen. Pessimistische Betrachter sehen für die Zukunft eher das Problem der Verschärfung der tourismusbedingten Umweltprobleme und nur eine Möglichkeit zur Bekämpfung dieser Problematik: nämlich in der Neuorientierung hin zu einem umweltverträglicheren Tourismus.21

2.3 Entfremdung der Bereisten

Die negativen Auswirkungen des Massentourismus beschränken sich nicht nur auf die Ökologie, sondern erstrecken sich auch auf die Soziokultur im Zielgebiet. Denn für die Lokalbevölkerung in den Zielgebieten bedeutet der Tourismus leider nicht nur positive wirtschaftliche Effekte. Touristische Entwicklungen und die Konfrontation der häufig unter- schiedlichen Lebenswelten von Reisenden und Bereisten verursachen immer wieder Konflikte.22

Durch die touristische Erschließung wird die gewachsene örtliche Struktur gestört und teilweise so verändert, dass es zu Überfremdungs- und Entfremdungserscheinungen bei den Einheimischen kommt, wodurch sie ihre kulturelle Identität verlieren. Mancherorts verlieren Gemeinden ihre Eigenart gänzlich, so dass sie als Bestandteil touristischer Inszenierung zu Kulissen degradiert werden.23

Nicht nur die baulichen und infrastrukturellen Veränderungen wirken sich nachteilig auf die ortsansässige Bevölkerung aus, sondern auch das unmittelbare Zusammentreffen mit den Reisenden hat erhebliche Folgen. Die temporäre Begegnung mit dem Lebensstil der Touristen, kann eine schrittweise Auflösung der gewachsenen, traditionellen Lebensstile der Bereisten hervorrufen, was auch psychische Schäden zur Folge haben kann. Als Beispiel dafür kann die Vorverlegung des Weihnachtsfestes einer Familie im österreichischen Gebirgsort aufgrund erwarteter Feriengäste sein.24

Generell werden die touristischen Einflüsse von den Einheimischen unterschiedlich wahrgenommen. Aufgrund der ökonomischen Abhängigkeit vieler Gemeinden betrachtet ein Teil der Lokalbevölkerung nur die positiven Aspekte wie z. B. Arbeitsplätze, Einkommen und verbesserte Infrastruktur, etc. Für den anderen Teil der Betroffenen stehen jedoch die Nachteile im Vordergrund: Verschandelung des Ortsbildes, Lärm, Umweltverschmutzung, etc. Die unterschiedliche Wahrnehmung ist auf die wirtschaftliche Abhängigkeit zurück- zuführen. Sie führt zu einer Beschwichtigung oder Verdrängung der negativen Folge- wirkungen. Nur in wenigen Fällen fördern die touristisch geprägten Veränderungen das dörfliche Gemeinschaftsleben und gemeinsame Tourismusprojekte. Meist führt die geteilte Sichtweise in Verbindung mit den umfangreichen touristischen Erschließungsmaßnahmen zum Auseinanderfallen der dörflichen Gemeinschaft, da wichtige gemeinsame Bezugspunkte für die gemeinsame Identität nicht mehr existieren.25

2.4 Verschärfung regionaler Disparitäten

Ein wichtiges Argument für den Tourismus ist häufig seine positiven ökonomischen Auswirkungen. Insbesondere für ländliche Regionen gilt er als eine bedeutende Einkommensquelle. Er stellt eine Alternative für Räume dar, die einerseits vom Rückgang der Landwirtschaft betroffen sind und andererseits auch keine nennenswerten Anreize für andere gewerbliche Ansiedlungen bieten. Daher wird der Tourismus auch häufig als Instrument der Regionalpolitik und im Rahmen von Förderprogrammen zur Entwicklung von strukturschwachen peripheren Gebieten eingesetzt. Viele ländliche Standorte erhalten innerhalb der Raumordnung Ergänzungs- und Ausgleichsfunktion als Fremden- verkehrsräume.26

Mit dieser Zuweisungsmaßnahme erhalten diese Regionen zwar im Rahmen der touristischen Entwicklung auch die Chance zur Steigerung der regionalen Lebensqualität, aber es besteht auch das Risiko der einseitigen Abhängigkeit vom Wirtschaftszweig Tourismus. Die Ausbildung einer solchen Monostruktur hat Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Es dominieren Arbeitsplätze mit geringer Qualifizierung und hohen Arbeitsbelastungen. Hinzu kommt die hohe Saisonalität der touristischen Arbeitsplätze. Bei einer einseitigen Ausdehnung dieses Arbeitsplatzangebotes kommt es zu einer qualitativen Erosion: der Abwanderung qualifizierter nichttouristischer Arbeitskräfte.27

Ebenso kritisch zu betrachten ist die ungleiche Verteilung der Einnahmen aus dem Tourismus. Einkünfte aus Vermietung entfallen z. B. hauptsächlich nur auf einen geringen Anteil aus der Region (Hotels, Bauunternehmer, Immobilienhändler, etc.). Privatvermieter erwirtschaften dagegen nur geringe Einkommensanteile. Problematisch ist hierbei insbesondere, dass viele Vermieter selbst gar nicht aus der Region sind und somit die Gewinne aus der Region abfließen. Dadurch ist die Einflussnahme „von außen“ auf touristische Entwicklungen einer Region relativ hoch.28

Vor diesem zuvor beschriebenen Hintergrund besteht die Gefahr, das inter- und intraregionale Disparitäten sich eher verschärfen, als abgemildert werden. Die stets hervorgehobenen positiven wirtschaftlichen Auswirkungen des Tourismus und damit seine Entwicklungspotentiale sind also deutlich zu relativieren.29

3 Entwicklung der Idee des Sanften Tourismus

Die zahlreichen im vorherigen Kapitel beschriebenen negativen Folgen und Konflikt- situationen in den ökologischen, soziokulturellen und regionalökonomischen Bereichen haben seit Ende der 1970er Jahre viele kritische Stimmen gegenüber dem Massentourismus hervorgebracht. Es wurde gefordert, die bisherige touristische Entwicklung zu überdenken und nach alternativen Konzepten für umwelt- und sozialverträglichere Reiseformen zu suchen. Eine mögliche Antwort wurde durch die Idee des Sanften Tourismus geliefert. Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die Entstehung, Verbreitung und Definition dieses Begriffs sowie die Ziele des Sanften Tourismus sollen in den nachfolgenden Unterkapiteln näher erläutert werden.30

[...]


1 JUNGK 1980, S. 55

2 vgl. MOSE 1998, S. 1f 1

3 vgl. KIRSTGES 2003, S. 7

4 vgl. MOSE 1998, S. 10f

5 vgl. MOSE 1996, S.3f und vgl. MOSE 1998, S. 10f

6 vgl. ZIMMER 1988, S. 21

7 vgl. KIRSTGES 2003, S. 78

8 vgl. MOSE 1998, S. 11f und vgl. ZIMMER 1988, S. 20

9 vgl. KIRSTGES 2003, S. 8

10 vgl. MOSE 1998, S. 11f und vgl. ZIMMER 1988, S. 20

11 vgl. MOSE 1998, S. 13f

12 vgl. KIRSTGES 2003, S. 78

13 vgl. MOSE 1996, S. 3f und MOSE 1998, S. 12

14 KRÜGER/ LODA 1992, S. 12

15 vgl. MOSE 1998, S. 12 und KRÜGER 1995, S. 117f

16 vgl. MOSE 1998; S. 13

17 vgl. MOSE 1996, S. 4 und SCHLOEMER 1999, S. 15

18 vgl. MOSE 1998, S. 5f und vgl. KIRSTGES 2003, S. 19

19 vgl. MOSE 1998, S. 7 und vgl. KIRSTGES 2003, S. 19f

20 vgl. ebd.

21 vgl. MOSE 1998, S. 7

22 vgl. MOSE 1996, S. 4f und MOSE 1998; S. 7f

23 vgl. ebd.

24 vgl. ebd.

25 vgl. MOSE 1998; S. 9

26 vgl. MOSE 1998; S. 9f

27 vgl. ebd.

28 vgl. ebd., S. 10

29 vgl. ebd.

30 vgl. MOSE 1998, S. 15

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
"Hartes" vs. "sanftes" Reisen - Zum Konzept des "Sanften Tourismus"
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Oberseminar: Tourismus und Nachhaltigkeit
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
33
Katalognummer
V118473
ISBN (eBook)
9783640215393
ISBN (Buch)
9783640215409
Dateigröße
600 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hartes, Reisen, Oberseminar, Tourismus, Nachhaltigkeit, Thema Tourismus
Arbeit zitieren
Michael Kiefer (Autor), 2007, "Hartes" vs. "sanftes" Reisen - Zum Konzept des "Sanften Tourismus", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118473

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