Inwiefern nutzt die in den Res Gestae entwickelte Perspektive zur Getreideversorgung der Selbstdarstellung des Augustus? Getreide war im antiken Rom von besonderer Bedeutung. Es war nicht nur das faktische Hauptnahrungsmittel der Zivilgesellschaft, sondern auch Grundlage für die Versorgung des Militärs. Somit war der ungemahlene Weizen auch politisch von großem Interesse. Auch in den Res Gestae wird mehrmals auf die Getreideversorgung Roms eingegangen. Diese Quelle beschreibt das Lebenswerk und die Erfolge des ersten römischen Kaisers Augustus.
Zunächst werden alle Kapitel der Res Gestae, in denen die Getreideversorgung thematisiert wird, sprachlich und stilistisch analysiert. Neben dem Inhalt wird herausgearbeitet, wer in den Textstellen aktiv ist und wer passiv bleibt. Auffälligkeiten im Text sollen festgehalten werden. Mithilfe einer Stilmittelanalyse soll die Wirkung und Intention einzelner Passagen erläutert werden. In der nächsten Phase wird der historische Kontext ausgewählter Textstellen mithilfe von Quellen und Literatur erläutert. Dabei werden insbesondere die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu den Res Gestae herausgearbeitet. Im letzten Schritt der Argumentation werden die Ergebnisse der sprachlichen Analyse und der vorher erarbeitete historische Kontext miteinander kombiniert und dadurch die Res Gestae gedeutet. Abschließend werden mithilfe dieser Informationen Rückschlüsse auf die Perspektive der Res Gestae gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2.Die Darstellung der Getreideversorgung in den Res Gestae
2.1 Kapitel 5
2.1.1 Die Ablehnung der Diktatur und des Konsulats
2.1.2 Die Annahme der cura annonae
2.2 Kapitel 15
2.2.1 Das Testament Cäsars
2.2.2 Die Begünstigten der Getreideverteilung
2.3 Kapitel 18
2.3.1 Im Namen des Staates
2.4 Wo von schweigt die Quelle?
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, wie Augustus in den "Res Gestae" die Getreideversorgung Roms thematisiert, um sein eigenes Image als Wohltäter und legitimer Herrscher zu konstruieren und gezielt zu beeinflussen.
- Die Darstellung der Getreideversorgung in den "Res Gestae"
- Analyse der rhetorischen und stilistischen Inszenierung von Augustus
- Vergleich der Augustus-Perspektive mit historischen Kontexten durch andere Quellen
- Untersuchung der Auslassungen negativer Aspekte (z.B. Hungersnöte)
- Die Funktion von Wohltätigkeit für die Legitimation der Herrschaft
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Die Ablehnung der Diktatur und des Konsulats
Die Diktatur im antiken Rom war ein zeitlich auf 6 Monate begrenztes Amt, das für Notsituationen gedacht war. Durch ihr wurde unumschränkte Gewalt auf einen einzigen Mann übertragen, damit dieser die Notsituation lösen konnte. Danach wurde sie dieser Person wieder entzogen. Jedoch wurde sie unter anderem von Caesar als politisches Vehikel missbraucht, um sich als Alleinherrscher zu etablieren. Dadurch geriet die Diktatur in Verruf und wurde nach Caesars Tod auch verboten.
Das Angebot der Diktatur erfolgt in der Quelle unter dem Konsulat von Marcellus und Arruntius, was auf das Jahr 22 v. Chr. schließen lässt. Cassius Dio erläutert hierzu weitere Einzelheiten. Anders als es in der Quelle zunächst den Anschein macht, ereigneten sich die Antragung der Diktatur und der cura annonae zum selben Zeitpunkt im Rahmen der Getreideknappheit von 22 v. Chr. Cassius Dio berichtet dazu, dass eine Überflutung des Tibers und die Pest dazu führten, dass kaum noch Menschen auf dem Feld arbeiteten. Dies sei der Auslöser der Getreideknappheit gewesen. Eine andere These besagt hingegen, dass Augustus so viel Getreide aus dem Umlauf nahm und in seinen Speichern deponierte, dass er somit selbst zur Entstehung der Hungersnot mit beigetragen haben soll. Für diese Theorie spricht, dass die Res Gestae explizit die Gründe zur Entstehung der Hungersnot auslassen. Ein weiteres Argument dafür ist die Anordnung der Kapitel in den Res Gestae. In Kapitel 15 der Res Gestae wird erwähnt, dass Augustus nur ein Jahr vor der Hungersnot im Jahr 23 v. Chr. die gesamte Bevölkerung Roms allein mit Getreidespenden versorgte. Dementsprechend muss er sehr viel eigenes Getreide besessen haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung der Getreideversorgung im antiken Rom ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die Darstellung von Augustus in den Res Gestae kritisch zu hinterfragen.
2. Die Darstellung der Getreideversorgung in den Res Gestae: Dieses Kapitel analysiert, wie Augustus durch die gezielte Auswahl und rhetorische Aufbereitung von Ereignissen sein Bild als Fürsorger konstruiert.
2.1 Kapitel 5: Hier wird untersucht, wie Augustus die Ablehnung von Ämtern wie der Diktatur inszeniert, um als bewusster Wahrer republikanischer Ordnung zu erscheinen.
2.1.1 Die Ablehnung der Diktatur und des Konsulats: Dieses Unterkapitel beleuchtet die Diskrepanz zwischen der Darstellung in den Res Gestae und den historischen Hintergründen der Amtsablehnung.
2.1.2 Die Annahme der cura annonae: Es wird analysiert, wie Augustus die Übernahme der Verantwortung für die Getreideversorgung als selbstgewählte Entscheidung und erfolgreiche Rettungsmaßnahme darstellt.
2.2 Kapitel 15: Dieses Kapitel thematisiert die aktive Rolle von Augustus als Wohltäter, der durch Geld- und Getreidespenden seine Popularität und Legitimität festigt.
2.2.1 Das Testament Cäsars: Hier wird analysiert, wie durch das Testament die Nachfolge und Verbindung zwischen Caesar und Augustus rhetorisch legitimiert wird.
2.2.2 Die Begünstigten der Getreideverteilung: Das Kapitel untersucht die Reglementierung und Darstellung der Empfänger von Getreidespenden als Teil von Augustus’ öffentlicher Inszenierung.
2.3 Kapitel 18: Dieses Kapitel behandelt die letzte Erwähnung der Getreideversorgung und die Rhetorik der persönlichen Hilfe durch Augustus.
2.3.1 Im Namen des Staates: Hier wird die rhetorische Unterscheidung zwischen Spenden im persönlichen Namen und im Namen des Staates analysiert.
2.4 Wo von schweigt die Quelle?: Dieses Kapitel deckt die bewussten Auslassungen der Quelle auf, insbesondere in Bezug auf Hungersnöte und administrative Strukturen wie die praefectus annonae.
3. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Res Gestae ein verzerrtes, ausschließlich positives Bild von Augustus zeichnen und kritische historische Aspekte systematisch ausblenden.
4. Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primärquellen und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Augustus, Res Gestae, Getreideversorgung, Rom, Antike, Selbstdarstellung, Propaganda, cura annonae, Hungersnot, Herrschaftslegitimation, Wohltätigkeit, Historische Analyse, Rhetorik, Politische Kommunikation, Machtanspruch
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die inhaltliche und rhetorische Darstellung der Getreideversorgung Roms durch den ersten römischen Kaiser Augustus in seinem Rechenschaftsbericht, den Res Gestae.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die politische Inszenierung von Augustus als Wohltäter, die Verbindung von materieller Versorgung der Bevölkerung mit Herrschaftslegitimation sowie die Diskrepanz zwischen den Res Gestae und anderen historischen Quellen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Augustus durch die selektive Auswahl und stilistische Aufbereitung von Informationen sein Bild als gütiger und legitimer Nachfolger Caesars konstruiert und dabei negative Aspekte bewusst verschweigt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philologisch-historische Methodik, indem sie textanalytische Untersuchungen mit dem historischen Vergleich durch andere Quellen wie Cassius Dio oder Sueton kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Kapitel der Res Gestae (Kapitel 5, 15 und 18), in denen Augustus über seine Ämter, die Getreideversorgung und seine Spenden berichtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Augustus, Res Gestae, Selbstdarstellung, Propaganda, Getreideversorgung und Herrschaftslegitimation beschreiben.
Warum wird im Kapitel 2.4 explizit nach den Auslassungen der Quelle gefragt?
Dieses Kapitel ist zentral, da die Res Gestae nicht als objektive Geschichtsschreibung, sondern als politisches Instrument dienen; das Verschweigen von Problemen wie Hungersnöten ist entscheidend für das Verständnis der beabsichtigten Wirkung des Textes.
Wie geht die Arbeit mit der Figur Cäsars um?
Die Arbeit zeigt auf, wie Augustus in den Res Gestae Caesar als Vaterfigur und Legitimationsgrundlage instrumentalisiert, während er gleichzeitig unangenehme Details wie die Umstände der Nachfolge ausspart.
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- Laurenz Blömer (Author), 2022, Die Darstellung der Getreideversorgung Roms in den Res Gestae, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1184849