Zeit als Grundlage und Fundamentalkategorie der Geschichtswissenschaft


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
12 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zeit
2.1 Zeit und Mensch
2.2 Zeit und Kultur
2.3 Naturale Zeit
2.4 Historische Zeit
2.5 Soziale Zeit

3. Auswertung

4. Literatur

1. Einleitung

Die Zeit ist das im menschlichen Bewusstsein verschieden erlebte Vergehen von Gegenwart, die als Vergangenheit erinnert wird. Demnach ist Zeit immer an den Menschen gebunden, da nur er, als einziges Lebewesen, über ein Temporalbewusstsein verfügt. Ohne Temporalbewusstein ist somit kein Geschichtsbewusstsein denkbar, so dass man anhand dieser logischen Verkettung sagen kann, dass Zeitlichkeit und Geschichtlichkeit nahezu identisch sind. Zeit ist die Fundamentalkategorie der Geschichte[1] und wird als solche in der vorliegenden Arbeit behandelt. Die damit zusammenhängenden unlöslichen Verbindungen zwischen Mensch und Zeit und Kultur und Zeit sollen erläutert, sowie Beziehungen zwischen historischer Zeit, naturaler Zeit und sozialer Zeit aufgezeigt werden.

2. Zeit

2.1 Zeit und Mensch

Wie bereits einleitend erwähnt, besitzt nur der Mensch die Sensibilität für zeitliche Folge. Die Geschichte der Menschheit ist deshalb auch eine Geschichte des Zeitbewusstseins und bereits in den ersten schriftlichen Überlieferung findet man Bemühungen das Jahr zu gliedern.[2]

Die Folge von Tag und Nacht ist wohl die grundlegendste Zeiteinteilung überhaupt, der Mensch und Tier gleichermaßen folgen. Der Sonnenstand bestimmt den Tageslauf, der Mondzyklus bietet die ältesten Gliederungspunkte für längere Zeiträume als den Tag. Somit ist die Zeit anthropologisch in ihrer Regelmäßigkeit eingereiht und bietet dem sozialen Leben in ihrer zyklischen Form Struktur. Zeitliche Einteilungen dieser Art erlauben Planung und Voraussicht und sind somit Grundlage des Menschen als soziales Wesen. Es muss demnach angenommen werden, dass die Vorstellung einer zyklischen Zeit früheren Epochen angehört, während die lineare Zeit einer späteren Entwicklung entstammt.[3]

Lineare Zeit (also „nicht- wiederkehrende Zeit“) ist dennoch heute in der menschlichen Alltagswelt bei genauerer Beobachtung nach wie vor nicht häufig anzutreffen. Der Mensch lebt in seinem Beruf, mit seiner Familie oder in der Freizeit in Zyklen. Alltägliche Dinge wiederholen sich häufig. Dennoch verläuft der grundlegendste Prozess des Lebens linear- nämlich das Altern, welches im Ereignis des Todes mündet.[4]

Zwei weitere Formen der Zeitvorstellungen seien hier nur nebenbei genannt: Als Synthese aus zyklischer und linearer Zeit kennt man noch eine spiralförmige Zeit, die man als evolutorische Weiterentwicklung versteht.

Eine vierte Form des Zeitdenkens stellt die Punktzeit dar. Sie ist aufgrund der neueren Informationstechnik und der in ihr erreichten Geschwindigkeit zu einer realen Zeitdimension mit geradezu infinitesimaler Ausdehnung geworden.[5]

2.2 Zeit und Kultur

Kommunikation und Kooperation gelingen einzig in der Ordnung homogen gemachter Zeit. Soziale Gruppen konstituieren sich nicht zuletzt über Synchronisationen, und zur Einheit einer jeden Kultur gehört die Einheit der Zeit. In jeder bekannten Kultur bilden naturale Perioden die elementaren Maße der Zeit. Das liegt vor allem an der sinnlichen Aufdringlichkeit solcher Perioden und ihrer lebenspraktischen Bedeutsamkeit.

Die Integration von Kulturen, in denen unterschiedliche Zeitmaße gelten, setzt entsprechend Synchronisation dieser Zeitmaße voraus, und auch die Entwicklung von Kulturen verläuft in den Übergängen von älteren zu zweckmäßigeren, das heißt zum Beispiel genaueren Zeitmaßen über solche Synchronisation.[6]

In sogenannten archaischen Gesellschaften werden zunächst Verhaltensweisen als Wiederholung, der in mythischer Vorzeit von einem Gott oder einem Heros eingeführten Handlung gesehen. Das betrifft nicht nur Rituale, sondern auch alltägliche Handlungen zur Nahrungsbeschaffung oder das sexuelle Verhalten. Die gesamte Denkweise ist hier auf Wiederholung (zyklische Zeit) angelegt und insbesondere dienen Feste als Verankerung des Bewusstseins der Wiederkehr. So zum Beispiel bei einer Taufe im christlichen Kulturbereich oder bei einem Pubertätsritus in einer Natur- und volksgemeinschaft, bei den nicht das Unwiederbringliche, sondern die Wiederholung in neuen Formen im Mittelpunkt steht.

Zum Übergang von der zyklischen Zeitvorstellung zur linearen muss ein Fixpunkt vorhanden sein, von dem aus die Jahre gezählt werden. Die Rechnung von einem festen Datum beinhaltet, dass man in der eigenen Geschichte einen Punkt gefunden hat, der über alle noch so wichtigen Ereignisse Gültigkeit behält. Ein derartiger Einschnitt setzt ein gewisses Maß an Geschichtsbewusstsein innerhalb eines Kulturkreises voraus, welches archaischen Lebensformen fehlt. Um über die eigene Generation hinaus mit den Augen künftiger Generationen epochenmachende Ereignisse zu erkennen, bedarf es abstrahierenden Denkens. So verwundert es nicht, dass diese Fähigkeit wohl gleichsam mit der Entstehung der ersten Schriften in Ägypten einhergeht.

Definiert eine Gesellschaft eine Art „Anfangspunkt“ für sich, so muss fast zwangsläufig auch die Frage nach einem Zielpunkt der Geschichte entstehen.[7]

In der israelitischen Religion ist ein solches Denken noch heute feststellbar. Hierzu nur ein Beispiel: In den Deutero-Jesaja zugeschriebenen Teilen des Buches Jesaja, die zwischen 553 und 538 v. Chr. abgefasst wurden, wird in anschaulichen Bildern ein Reich des Friedens ohne Ende ausgemahlt. In dieser Zukunftshoffnung wird über das Volk Gottes hinaus die gesamte Menschheit einbezogen. Nach Auffassung wichtiger Propheten will Gott die Geschichte auf einen Punkt hinleiten, an dem seine Macht aller Welt offenbart wird; und so gibt es weitere Beispiele einer linearen, zielorientierten Konzeption im jüdischen Denken.[8]

[...]


[1] Rohlfes, Joachim: Geschichte und ihre Didaktik. Göttingen 1988, S. 47.

[2] Wendorff, Rudolf: Der Mensch und die Zeit. Opladen 1988, S. 7f.

[3] Vgl. Schlobach, Jochen: Zyklentheorie und Epochenmetaphorik. München 1980, S. 70f

[4] Schmied, Gerhard: Zyklische Zeit- lineare Zeit. In: Wendorff, Rudolf: Im Netz der Zeit, menschliches Zeiterleben interdisziplinär Stuttgart 1989, S. 118f.

[5] Kramer: Phänomen Zeit, S. 29.

[6] Lübbe, Hermann: Im Zug der Zeit, verkürzter Aufenthalt in der Gegenwart. Berlin 1992, S. 379.

[7] Schmied: Zyklische Zeit – lineare Zeit, S. 121f.

[8] Ebenda, S. 122f.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Zeit als Grundlage und Fundamentalkategorie der Geschichtswissenschaft
Hochschule
Universität Rostock  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Geschichtsdidaktik im Spannungsfeld von Geschichtswissenschaft, Pädagogik und Lebenspraxis
Note
1,5
Autor
Jahr
2007
Seiten
12
Katalognummer
V118528
ISBN (eBook)
9783640219698
ISBN (Buch)
9783640219919
Dateigröße
387 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit wurde trotz ihrer relativen Kürze (12 Seiten) mit einer 1,5 bewertet. Der Korrektor bemerkte, dass es eine formale und auch inhaltlich sehr gute Arbeit war, die an einigen Punkten noch weiter ausgebaut werden müsste, um die Note weiter zu verbessern. Geschrieben wurde die Arbeit im WS 2006/7.
Schlagworte
Zeit, Grundlage, Fundamentalkategorie, Geschichtswissenschaft, Geschichtsdidaktik, Spannungsfeld, Pädagogik, Lebenspraxis
Arbeit zitieren
Frank Stüdemann (Autor), 2007, Zeit als Grundlage und Fundamentalkategorie der Geschichtswissenschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118528

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