In der aktuellen Diskussion um die Reform des deutschen Steuerrechts hat sich zu einem Kernpunkt die Zukunft des Prinzips der Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die Gewinnermittlung im deutschen Steuerrecht entwickelt. Bedroht einerseits durch eine Aushöhlung des Grundsatzes durch gegenläufige Gesetzgebung des Steuergesetzgebers, andererseits durch die aufziehende Internationalisierung der handelsrechtlichen Rechnungslegung, mehren sich die Stimmen, die fordern den Schlussstrich ganz zu ziehen und den Grundsatz aufzugeben, um ein eigenes Steuerbilanzrecht zu etablieren. Im Folgenden soll die Zukunft dieses Grundsatzes beleuchtet und in einer rechtlichen Betrachtung eine mögliche zukünftige Abschaffung oder Beibehaltung diskutiert werden.
Der Begriff der Handelsbilanz ist gesetzlich in § 242 I HGB definiert. Eine Definition des Begriffs der Steuerbilanz sucht man im EStG aber vergeblich. Diese findet sich schließlich in § 60 II 2 EStDV, wo es schlicht heißt, eine Steuerbilanz sei eine "den steuerlichen Vorschriften entsprechende" Bilanz. Aber auch diese Definition lässt auf Grund ihrer Schlichtheit genug Spielraum zur Interpretation. Da umfassende steuerbilanzielle Regeln fehlen, muss zur weiteren Ausgestaltung auf die handelsrechtliche Bilanzierungstradition zurückgegriffen werden.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Das Prinzip der Maßgeblichkeit
I. Historische Betrachtung des Prinzips der Maßgeblichkeit
II. Grundlagen des Prinzips der Maßgeblichkeit
1. Materielle Maßgeblichkeit
2. Formelle Maßgeblichkeit
3. Umgekehrte Maßgeblichkeit
III. Bedeutung des Prinzips der Maßgeblichkeit
1. Verfassungsrechtliche Grundlage
2. Rechtfertigung der Maßgeblichkeit
3. „Vertrauensschutz“ auf Maßgeblichkeit
4. Schlussfolgerung
IV. Exkurs: „Maßgeblichkeit“ in anderen Rechtsräumen
1. Anglo-Amerikanischer Rechtsraum
a) Vereinigte Staaten von Amerika
b) Vereinigtes Königreich
c) Kanada
2. Kontinentaleuropäischer Rechtsraum
a) Die „kontinentaleuropäische“ EU der 15
b) Die „Neuen“ in der EU der 25
C. Probleme und Durchbrechungen der Maßgeblichkeit
I. Formen der Durchbrechung
1. „Ob“ der Bilanzierung
2. „Wie“ der Bilanzierung (Bewertung)
II. Interessenskonflikte zwischen Handels- und Steuerbilanz
1. Zwecke der Handelsbilanz
a) Vermögensfeststellung
b) Ausschüttungsbemessung
c) Gläubigerschutz / -informationsinteresse
2. Zwecke der Steuerbilanz
a) Primärer Zweck: Gewinnermittlung
b) Weitere Zwecke
3. Konfliktpotential
a) Gegenläufige Bilanzzwecke
b) Gegenläufiger Empfängerhorizont
III. Internationale Entwicklungen
1. Die EG-Angleichung: Die EG-Bilanzrichtlinien
2. Die Einflüsse der US-GAAP
3. Die Entwicklung der IAS / IFRS
D. Die Zukunft des Prinzips der Maßgeblichkeit
I. Aufgabe der Maßgeblichkeit
1. Eigenes Steuerbilanzrecht
a) „Abstrakte Maßgeblichkeit“
b) Rückstellungen im Steuerrecht
2. Überschuss- oder Cash-Flow-Rechnung
II. Renaissance der Maßgeblichkeit
III. Die Maßgeblichkeit in den vorliegenden Reformvorschlägen
E. Ergebnis / Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Zukunft des Prinzips der Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die steuerliche Gewinnermittlung im deutschen Steuerrecht. Angesichts zunehmender Internationalisierung und gegenläufiger steuerlicher Spezialregelungen wird analysiert, ob eine Abschaffung oder eine Reform dieses Grundsatzes sachgerecht ist.
- Historische Entwicklung und rechtliche Grundlagen der Maßgeblichkeit.
- Analyse der Interessenskonflikte zwischen Handels- und Steuerbilanz.
- Auswirkungen internationaler Rechnungslegungsstandards (IAS/IFRS, US-GAAP) auf das deutsche Bilanzrecht.
- Vergleichende Betrachtung internationaler Rechtsräume.
- Diskussion über ein eigenständiges Steuerbilanzrecht versus die Renaissance der Maßgeblichkeit.
Auszug aus dem Buch
A. Einleitung
In der aktuellen Diskussion um die Reform des deutschen Steuerrechts hat sich zu einem Kernpunkt die Zukunft des Prinzips der Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die Gewinnermittlung im deutschen Steuerrecht entwickelt. Bedroht einerseits durch eine Aushöhlung des Grundsatzes durch gegenläufige Gesetzgebung des Steuergesetzgebers, andererseits durch die aufziehende Internationalisierung der handelsrechtlichen Rechnungslegung, mehren sich die Stimmen, die fordern den Schlussstrich ganz zu ziehen und den Grundsatz aufzugeben, um ein eigenes Steuerbilanzrecht zu etablieren. Im Folgenden soll die Zukunft dieses Grundsatzes beleuchtet und in einer rechtlichen Betrachtung eine mögliche zukünftige Abschaffung oder Beibehaltung diskutiert werden.
Der Begriff der Handelsbilanz ist gesetzlich in § 242 I HGB definiert. Eine Definition des Begriffs der Steuerbilanz sucht man im EStG aber vergeblich. Diese findet sich schließlich in § 60 II 2 EStDV, wo es schlicht heißt, eine Steuerbilanz sei eine „den steuerlichen Vorschriften entsprechende“ Bilanz. Aber auch diese Definition lässt auf Grund ihrer Schlichtheit genug Spielraum zur Interpretation. Da umfassende steuerbilanzielle Regeln fehlen, muss zur weiteren Ausgestaltung auf die handelsrechtliche Bilanzierungstradition zurückgegriffen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Beleuchtung der aktuellen Reformdiskussion um die Maßgeblichkeit vor dem Hintergrund internationaler Einflüsse und gesetzlicher Aushöhlung.
B. Das Prinzip der Maßgeblichkeit: Historische Herleitung und Darstellung der materiellen, formellen sowie umgekehrten Maßgeblichkeit im Steuerrecht.
C. Probleme und Durchbrechungen der Maßgeblichkeit: Analyse der Konfliktpotentiale aufgrund unterschiedlicher Bilanzzwecke und der zunehmenden internationalen Rechnungslegungsnormen.
D. Die Zukunft des Prinzips der Maßgeblichkeit: Erörterung der Optionen für eine Abschaffung zugunsten eines eigenständigen Rechts oder einer Renaissance des Grundsatzes.
E. Ergebnis / Zusammenfassung: Plädoyer für eine Grunderneuerung und die Notwendigkeit, das Steuerrecht von handelsrechtlichen Zwängen zu entkoppeln.
Schlüsselwörter
Maßgeblichkeit, Handelsbilanz, Steuerbilanz, Gewinnermittlung, EStG, HGB, Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung, Bilanzierung, Internationalisierung, IAS, IFRS, Steuerreform, Steuerrecht, Leistungsfähigkeitsprinzip, Einheitsbilanz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der Handelsbilanz als maßgebliche Grundlage für die steuerliche Gewinnermittlung in Deutschland und den damit verbundenen Herausforderungen durch die Internationalisierung des Bilanzrechts.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Mittelpunkt stehen die Grundlagen des Maßgeblichkeitsprinzips, die bestehenden Konflikte zwischen handelsrechtlichen und steuerrechtlichen Zwecken sowie die Auswirkungen internationaler Standards wie IAS/IFRS und US-GAAP auf das deutsche System.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die kritische Analyse, ob das Maßgeblichkeitsprinzip angesichts aktueller Entwicklungen noch zeitgemäß ist oder ob die Einführung eines eigenständigen Steuerbilanzrechts zur Klärung der steuerlichen Gewinnermittlung notwendig ist.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Verfasser nutzt eine dogmatische und rechtliche Analyse, gestützt auf historische Entwicklungen, aktuelle Gesetzesvorschläge sowie eine vergleichende Betrachtung internationaler Rechtsräume.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historischen Grundlagen, die Analyse von Durchbrechungen der Maßgeblichkeit, die Darstellung der internationalen Entwicklungen und die Diskussion zukünftiger Reformansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Maßgeblichkeit, Steuerbilanz, Gewinnermittlung, Bilanzierung, Internationalisierung, Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung und Steuerreform.
Wie bewertet der Autor die Rolle des „Fiskus“ im Vergleich zum Kaufmann?
Der Autor identifiziert den Fiskus als „stärkeren Partner“, der sich aufgrund seiner Kontrollbefugnisse und Informationsrechte bei Betriebsprüfungen einen Wissensvorsprung gegenüber anderen Bilanzadressaten wie Gläubigern oder Anteilseignern sichert.
Warum erscheint dem Autor eine „Einheitsbilanz“ kritisch?
Der Autor argumentiert, dass durch die steuerliche Dominanz seit 1990 keine echte „Einheitsbilanz“ mehr existiert, da handelsrechtliche Prinzipien zugunsten steuerlicher Lenkungszwecke zurückgedrängt werden.
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- Michael Kaiser (Autor:in), 2005, Steuerbilanzvergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118540