"Traumjob" - Führung im Zeitalter von Reality TV


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
103 Seiten, Note: 6 von 6

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen
2.1. Medium Fernsehen
2.1.1. Fernsehen – ein Erfolgsmedium
2.1.2. Entwicklungen der neueren Zeit
2.2. Reality TV
2.2.1. Emotionalisierung
2.2.2. Personalisierung
2.2.3. Stereotypisierung
2.2.4. Dramatisierung
2.3. Realität, Wirklichkeit, Rekonstruktion von Medienwirklichkeit
2.4. Führung
2.4.1. Führung und Management
2.4.2. Das konstruktivistische Führungsverständnis
2.4.3. Entwicklungslinien der Führungsforschung
2.4.4. Das Rollenkonzept der Führung
2.4.5. Führungsrollen
2.4.6. Anforderungen an die Führungsperson
2.4.7. Projektmanagement
2.5. Die Assessment-Center-Methode
2.5.1. Von der Schwierigkeit, Eignung zu messen
2.5.2. Validität
2.5.3. Kritik an der Assessment-Center-Methode

3. Methode
3.1. Untersuchungskonzept
3.1.1. Inhaltsanalyse
3.1.2. Formale Beschreibung
3.1.3. Experteninterviews
3.2. Angaben zu den Stichproben
3.2.1. Inhaltsanalyse
3.2.2. Formale Beschreibung
3.2.3. Experteninterviews
3.3. Datenauswertung
3.3.1. Inhaltsanalyse
3.3.2. Formale Beschreibung
3.3.3. Experteninterviews

4. Ergebnisse
4.1. Gewichtung aller Führungsfähigkeiten und -kompetenzen
4.1.1. Intrapersonale Kompetenz
4.1.2. Leistungsaktivität
4.1.3. Denk- und Planungskompetenz
4.1.4. Soziale Kompetenz
4.1.5. Führungsaktivität
4.1.6. Fachliche Kompetenz
4.1.7. Rangfolge der einzelnen Unterkategorien
4.1.8. Verlaufsanalyse der Fundstellen
4.2. Das Führungsverständnis der „Chefs“
4.3. Das Profil des Siegers
4.4. Formale Umsetzung
4.4.1. Ausstattung
4.4.2. Montage: Geräusche
4.4.3. Montage: Schnitt
4.4.4. Montage: Zwischenschnitte
4.4.5. Rolle von Jürg Marquard
4.4.6. Umgangston
4.5. Kritische Anmerkungen zu den Ergebnissen

5. Diskussion
5.1. Traumjob – ein Format des Reality TV?
5.2. Interpretation der Ergebnisse
5.2.1. Das Führungsprofil des Siegers im Gesamtzusammenhang
5.2.2. Jürg Marquard in der Rolle des Chefs
5.2.3. Traumjob als Assessment Center
5.2.4. Bezug zu den Führungstheorien
5.3. Beantwortung der Arbeitshypothesen
5.4. Methodenkritik
5.5. Ausblick

6. Abstract

7. Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

In der elfteiligen Serie Traumjob – nur einer schafft es, die das Schweizer Fernsehen DRS im Frühjahr 2005 ausgestrahlt hat, geht es um die Auslese von Bewerbern für eine Position als Projektleiter im Verlagsunternehmen von Jürg Marquard. Die Marquard Media AG beschäftigt in der Schweiz, Deutschland, Österreich, Polen und Ungarn 450 Angestellte und setzt jährlich 120 Mio. Schweizer Franken um. Sie gibt im deutschsprachigen Raum Zeitschriften wie Cosmopolitan, Joy, Shape und Celebritiy heraus. In Polen und Ungarn kommen dazu Männermagazine wie der Playboy und verschiedene Sport-Tageszeitungen. Jürg Marquard hat den Grundstein zu seinem Verlagsimperium 1965 mit der Gründung der Jugendzeitschrift Pop (später: Pop/Rocky) gelegt. Die Marquard Media AG befindet sich in seinem Alleinbesitz.

Die Sendung Traumjob basiert auf dem amerikanischen Original The Apprentice mit dem „Self-made“-Mann und Multimillionär Donald Trump. Das erfolgreiche Konzept wurde für die Schweizer Version weitgehend übernommen. Sechs Kandidatinnen und sechs Kandidaten werden während fünf Wochen einem Selektionsverfahren unterzogen, das man als Sonderform eines Assessment Centers verstehen kann. Dem Pressetext von SF DRS ist zu entnehmen, dass es um „Führungsqualitäten in der Wirtschaft“ gehe, die Aufgaben praxisorientiert seien und sich an den Anforderungen der realen Wirtschaftswelt orientierten. Vor Sendestart hat die Fernsehdirektorin in Zeitungsinterviews immer wieder die pädagogischen Absichten des Mehrteilers herausgestrichen: „Das neue Format vermittelt wirtschaftliche Zusammenhänge auf unterhaltende und informative Art“ (Merki, 2004). Und es solle „die schweizerische Berufsrealität spiegeln“ (Sury, 2004).

Der Arbeit liegt die Frage nach diesen Führungsqualitäten zu Grunde: Welche Fähigkeiten und Kompetenzen werden in der heutigen Wirtschaft von einer Führungsperson erwartet, und wie werden diese Fähigkeiten und Kompetenzen in der spezifischen Inszenierung der Serie Traumjob dargestellt? Drei Fragestellungen leiten die empirische Untersuchung, die auf einem qualitativen Ansatz beruht:

- Welches Verständnis von Führung wird in der Sendung Traumjob vermittelt?
- Welche formalen und inhaltlichen Mittel werden dazu eingesetzt?
- Wie steht es mit dem Bezug zu den derzeit aktuellen Führungstheorien und -modellen?
Die Arbeit leiten folgende Arbeitshypothesen:
- Das Sendeformat Reality TV lässt eine realitätsnahe Darstellung des komplexen Geschehens Führung nicht zu.
- Die formale Umsetzung macht aus Führung eine Show; der Inhalt wird sekundär.
- Es wird ein unzeitgemässes Führungsverständnis vermittelt.

In Kapitel 2 werden die theoretischen Hintergründe aufgezeigt, die der Studie zu Grunde liegen. Die Theorie gliedert sich in einen medien- und einen führungspsychologischen Teil. Nach einem kurzen Abriss zur Bedeutung des Fernsehens in der heutigen Gesellschaft und zu seiner rasanten Entwicklung in den letzten Jahren wird dem Sendeformat Reality TV ein besonderes Kapitel gewidmet. Reality TV wird als „Wirklichkeitsfernsehen“ übersetzt. Wie es um diese Wirklichkeit genauer steht, wird im darauf folgenden Kapitel über Realität, Wirklichkeit und Medienwirklichkeit erläutert.

Die Darstellung zum Thema Führung legt ihr Schwergewicht einerseits auf den historischen Rückblick resp. die Entwicklungslinien in der Führungsforschung, andererseits auf Modelle und Konzepte, die man heute als „state of the art“ bezeichnen darf. Da in der Serie Traumjob ein Projektleiter gesucht wird, skizziert das Kapitel Projektmanagement, welche besonderen Anforderungen (Führungskompetenzen) an Projektmanager gestellt werden. Und da das Auswahlverfahren in der Sendung als Assessment Center (AC) inszeniert ist, kommt dieser Selektionsmethode eine grosse Bedeutung zu. Hier beschränkt sich die Arbeit auf eine kurze Darstellung der in der Praxis angewendeten AC-Verfahren, auf die Schwierigkeit, Eignung mittels AC überhaupt messen zu wollen sowie auf das Problem der Validität von AC.

Der empirische Teil beginnt mit der Darstellung der Methodik in Kapitel 3. Sie gliedert sich in drei Teile:

- Zusammenfassende Inhaltsanalyse der elf Boardroom-Sequenzen, in denen jeweils ein Kandidat, eine Kandidatin ausscheiden muss.
- Formale Beschreibung einer einzelnen Boardroom-Sequenz.
- Experteninterviews mit den beteiligten Beiräten der Sendung. Originalzitate daraus unterstreichen oder verstärken gewisse Aspekte der Ergebnisse.

Der genauen Beschreibung von Methode, Stichprobe und Datenauswertung folgt die Darstellung der Ergebnisse in Kapitel 4. Diese werden anschliessend im Kapitel Diskussion miteinander in Beziehung gesetzt und interpretiert – unter besonderer Berücksichtigung der theoretischen Ausführungen zu den Themenschwerpunkten Fernsehen und Wirklichkeit, Führung, Assessment Center sowie Projektmanagement. Nach dieser Verknüpfung von Empirie und Theorie können schliesslich die Arbeitshypothesen geprüft und die Fragestellungen beantwortet werden. In der Diskussion kommen auch gewisse Punkte zur Sprache, die sich zur Arbeit resp. zu der gewählten Vorgehensweise kritisch anmerken lassen. Den Abschluss der Arbeit macht ein Ausblick auf weitere mögliche Forschungsthemen zur Sendung Traumjob.

2. Theoretische Grundlagen

2.1. Medium Fernsehen

Fernsehen ist aufregend. Kein anderes Medium erlaubt eine ähnliche Dichte in der Kommunikation mit dem Empfänger: Intensive Bilder bieten den Zugang zu bislang fremden Erfahrungswelten. Eine fein abgestimmte Kombination von Geräuschen, Musik und Kommentartext schafft grosse emotionale Unterstützung; das Publikum wird in ein Gesamtkunstwerk von Eindrücken und Emotionen gezogen und folgt gefesselt der Dramaturgie des modernen Märchens. Diese Intensität an Erfahrungen, so Reichert (2004), hat das Fernsehen zum oft erwähnten Leitmedium der westlichen Kultur gemacht.

Was allerdings als Leitmedium gilt, sei präzis erst auf den Begriff zu bringen, seitdem es das Fernsehen gibt, meint Kreimeier (2003). Das Leitmedium Fernsehen als Schaltstelle der Alltagskultur und des Alltagswissens; Sinnstiftungsmaschine und Steuerungsinstanz des „common sense“, Organisator von Wahrnehmungsstrategien und Verhaltensweisen. Somit profitiert der Gemeinplatz, dass Fernsehen ein Leitmedium ist, von einem Theorem, welches erst vom Fernsehen ermöglicht wurde (Kreimeier, 2003). Tatsache ist jedoch, dass sich Menschen nur allzu gerne gute Geschichten erzählen lassen. Gut gemachte Geschichten – persönlich, nah, emotional – sind der Kern jedes Spielfilmes, jedes Wirtschaftsmagazins und auch jeder Ratgeber- oder Informationssendung.

2.1.1. Fernsehen – ein Erfolgsmedium

Das Fernsehen ist heute das meist genutzte Medium, obwohl es Stimmen gibt, welche dem Medium Internet – vor allem in Bezug auf den Informationsbereich – in Zukunft einen noch grösseren Stellenwert einräumen. Zwar sind die Nutzungszahlen für das Radio gemäss dem Schweizer Bundesamt für Statistik (Fernseh- und Radiobefragung 2003) auch relativ hoch, jedoch wird das Fernsehen weniger als „Nebenbeimedium“ genutzt und zieht somit mehr ungeteilte Aufmerksamkeit der Konsumentinnen und Konsumenten auf sich. Dem Pressedienst SF DRS (2004) ist zu entnehmen, dass der tägliche TV-Konsum im 2004 in der deutschen Schweiz für Personen älter als drei Jahre im Durchschnitt 148 Minuten betrug. Im europäischen Vergleich steht Bosnien mit 279 Minuten täglichem TV-Konsum an der Spitze.

Einige der Gründe für die Beliebtheit des Mediums Fernsehen erläutern Schramm und Hasebrink (2004, S. 467ff) im Lehrbuch der Medienpsychologie. Obwohl das Fernsehen aufgrund seiner eingeschränkten Portabilität (im Gegensatz zu Radio, Walk- oder Discman) eigentlich weniger Chancen hat genutzt zu werden, sehen die Autoren einen wesentlichen Vorteil darin, dass das Fernsehen als audiovisuelles Medium zwei Sinneskanäle gleichzeitig anspricht und daher ganzheitlicher wahrgenommen wird als z.B. das Radio. Da zudem das alltägliche Sammeln von Sinneseindrücken, die nicht medial vermittelt werden, primär über die Augen und Ohren erfolgt, ist das Fernsehen für die meisten Menschen ein vertrauter Weg der Wahrnehmung und Aufnahme von Informationen. Deshalb ist laut Schramm und Hasebrink auch verständlich, wieso sich Fernsehen so eng in die Strukturen des alltäglichen Lebens und vor allem des Zusammenlebens von mehreren Menschen einfügt.

Doelker (1991, S. 103) spricht in diesem Zusammenhang vom „Lagerfeuer des 20. Jahrhunderts“ und meint, dass Fernsehen somit eine archaische Funktion einnehme. Die archaische Horde wende sich nach Abklingen des Tageslichts von der Aussenwelt ab und suche ihre Orientierung nach innen: „An den flackernden Flammen hängen die Blicke – das Feuer bedeutet elementare Existenzsicherung.“ Diese Fokussierung eines zentralen Lichtscheins, um den die ganze Gruppe hockt, ähnelt laut Doelker in vielem der heutzutage stattfindenden allabendlichen Versammlung vor dem Fernseher.

Ein weiteres Erfolgsgeheimnis des Fernsehens liegt laut Schramm und Hasebrink (2004) in seiner Eigenschaft, in hohem Masse Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Mit den schnell geschnittenen, oftmals grellen Bildern, den ungewöhnlichen Tönen und Lauten schaffe es das Fernsehen, „die individuelle Wahrnehmungsschwelle vieler Menschen zu überschreiten und die Aufmerksamkeit auch über einen längeren Zeitraum auf sich zu ziehen“ (S. 468). Gemäss den Autoren ist es die visuelle Orientierung zum Fernseher, was implizit unter Fernsehen oder Fernsehschauen verstanden wird. Sie führen zudem aus, dass das Fernsehen gegenüber anderen Medien den Vorteil habe, dass der Dekodierungsaufwand für die Rezipientinnen und Rezipienten relativ niedrig gehalten werde und dass die vergleichsweise niedrige Informationsdichte der meisten (Voll-)Programme somit eher an einem Massenpublikum ausgerichtet sei. Die Kombination von Ton und Bild ermöglicht es gemäss Schramm und Hasebrink, dass Informationen, welche auditiv nicht aufgenommen werden, durch die Bildinformation kompensiert werden können. Allerdings weisen sie auch darauf hin, dass das Dekodierungstempo durch die aufeinander folgende Informationsvermittlung der Programme vorgegeben werde und die Zuschauenden es nicht nach ihren persönlichen Vorlieben variieren können. Die Programmgestalter scheinen „die Verarbeitungsanforderungen über alle Angebote hinweg an einer vermeintlich durchschnittlichen Informationsverarbeitungskapazität auszurichten“ (Schramm & Hasebrink, 2004, S. 468).

2.1.2. Entwicklungen der neueren Zeit

Bis Mitte der 1980er Jahre herrschte in der deutschsprachigen Fernsehlandschaft ein Monopol der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten, welche sich getreu den jeweiligen Programmaufträgen Information, Bildung und Unterhaltung widmeten. Seither hat sich diese Medienlandschaft markant verändert. Mit der Einführung der privaten Sendeanstalten haben sich viele neue Trends und Genres etabliert, die sich laufend verändern. Der Hauptunterschied zu der Zeit vor der Einführung des Privatfernsehens sieht Lücke (2002) in der Kommerzialisierung und Ökonomisierung des Fernsehens. Da die privaten Sendeanstalten nicht wie die öffentlich-rechtlichen über die vom Staat festgelegten und in dessen Auftrag eingezogenen Gebühren finanziert werden kann, kommt der Werbung seither eine ungemein wichtige Rolle zu. Privatfernsehen finanziert sich in erster Linie über Werbeeinnahmen. Folglich hätten sich, so Lücke, die Sendeeinheiten noch stärker an den Werbeunterbrechungen orientiert, was sich z.B. inhaltlich bei Serien gut nachvollziehen lässt: Um die Zuschauenden während der Werbepausen nicht an einen anderen Kanal zu verlieren, arbeiten Serien meist mit so genannten „Cliffhangern“. Die Spannungssteigerung kurz vor dem Werbeblock soll den Wechsel auf ein anderes Programm verhindern. Hohe Werbeeinnahmen werden allerdings nur dann generiert, wenn die Einschaltquoten stimmen, d.h. wenn genügend potentielle Kundinnen und Kunden angesprochen werden. Dies bedeutet, dass beim Privatfernsehen vor allem die Quoten ausschlaggebend sind, ob eine Sendung oder ein Sendeformat beibehalten oder „gekippt“ wird.

Infolge der Kommerzialisierung des Fernsehens wirken sich die Einschaltquoten also direkt – via Werbeeinnahmen – auf das Budget des privaten Senders aus. Bezüglich der Ökonomisierung führt Lücke aus, dass die Privatsender zudem „täglich zeitlich und inhaltlich gleichbleibende Programmangebote einführten, um den Zuschauenden die Orientierung im Fernsehprogramm zu erleichtern“ (S. 19). Diese stärkere Ausrichtung des Programms auf Zuschauerwünsche habe zudem zu einer Ausweitung im Angebot an Unterhaltungssendungen geführt. Dies hauptsächlich, um der Werbewirtschaft ein geeignetes Umfeld (hohe Einschaltquoten) zu bieten. Die Ausstrahlung eines Vollprogramms hatte laut der Autorin auch zur Folge, dass grosse Programmflächen mit möglichst niedrigen Produktionskosten gefüllt werden mussten. Hier greift sie den Begriff „industrielle Sendungsproduktion“ von Bleicher auf (1999, S. 97; zit. nach Lücke, 2002, S. 19). Diese sei seither in eine neue Phase getreten und vor allem der Unterhaltungsbereich scheine dafür besonders geeignet zu sein.

All die genannten Veränderungen führen dazu, dass bestehende Programmformen sich verändern. Lücke zählt hierzu Genres auf wie Nachrichten, Magazine, Serien und weist darauf hin, dass von Seiten der Kritiker eine „Magazinierungs- und Serialisierungstendenz“ beklagt werde. Neben die bekannten Politik- und Kulturmagazine seien seit der Einführung des Privatfernsehens „bunte, am Alltagsleben der Zuschauenden ausgerichtete Themen-Magazine (z.B. Boulevard-, Reise-, Auto-, Frauenmagazine)“ (S. 19) gestellt worden. Politische Magazine werden zudem mit unterhaltenden und dramatisierenden Elementen verknüpft und begründen somit ein neues Programmkonzept: das Infotainment. Definitionsgemäss bezeichnet Infotainment die Vermischung von Information und Unterhaltung, welche auch auf die Nachrichtensendungen übergegriffen hat. Winterhoff-Spurk (2001) fasst all diese Veränderungen wie folgt zusammen:

Das private Fernsehen war von Anfang an viel stärker unterhaltungsorientiert als die öffentlich-rechtlichen Sender, es veränderte nahezu alle Programmformen des Mediums in diese Richtung. Infotainment, Docutainment, Confrontainment und Edutainment u. dgl. sind die entsprechenden Schlagworte. (S.174)

2.2. Reality TV

Nebst der Vermischung von Nachrichten und Information gibt es weitere Sendeformen, die sich seit der Privatisierung des Fernsehens stark verändert haben bzw. seither erst entstanden sind. Ein spezielles Sendeformat tauchte anfangs der 1990er Jahre im deutschen Fernsehen auf: Reality TV.

Reality TV lässt sich mit „Wirklichkeitsfernsehen“ übersetzen (Winterhoff-Spurk, Heidinger & Schwab, 1994) und bezeichnet eine komplexe Sendeform, welche Gestaltungsmerkmale sowohl von Spielfilmen als auch von Informationssendungen aufweist. Gemäss Winterhoff-Spurk et al. scheint es „allgemeiner Konsens zu sein, unter Reality TV vor allem die Darstellung erregender und spannender, also dramatischer Ereignisse [...] in einer möglichst realitätsnahen, emotionalisierenden Form [...] zu verstehen“ (S. 13). Ursprünglich aus den USA importiert, wurden in diesen Sendungen Unfälle und Naturkatastrophen entweder nachgestellt (mit den tatsächlichen Opfern oder mit Schauspielerinnen und Schauspielern) oder zufällig aufgenommene Originalaufnahmen gezeigt (Lücke, 2002).

Wegener (1994) dagegen führt aus, dass Reality TV ein diffuses Genre sei und dass sich die charakteristischen Merkmale der Sendeform ebenso in einer Bandbreite von Nachrichten- und Informationssendungen wie auch in Rechtsserien und Magazinsendungen wieder fänden. Sie streicht dazu noch heraus, dass Reality TV ein Genre darstelle, das die Grenzen zwischen Fiktivem und Realem verschwimmen lasse.

Dieselbe Meinung teilt Eberle (2000): „Elemente seiner Darstellung und Kameraästhetik finden sich in anderen Genres und hielten auch Einzug in weitere Sendegattungen des Fernsehens [...]“ (S. 207). Heute lassen sich eine grosse Anzahl unterschiedlichster Sendungen dem Begriff Reality TV zuordnen. Dazu gehören gemäss Eberle u.a. sogenannte „Reality Shows“, „Reality Serien“, „Newsshows“ und „Gaffer-Sendungen“. Der Begriff schliesst daher eine Reihe von Sendungen mit ein, welche sich, von ihrem Anspruch her, mit Realität befassen, allerdings, so Eberle, in besonderer Weise damit umgehen würden. Der Autor schlägt zur allgemeinen Begriffsklärung eine von ihm abgeänderte Zuordnung der Darstellungsformen vor, basierend auf einer Untersuchung des Instituts für Medienanalyse und Gestalterkennung Essen zum Thema Reality TV:

a) Filmdokumente: Echtaufnahmen, die zufällig oder vorgeplant ungewöhnliche Ereignisse dokumentieren.

b) Dokumentationsdramen: Realgeschehnisse, die mit dem im- oder expliziten Anspruch der Wirklichkeitstreue nachgespielt werden und von den Sendungen produziert sind.

c) Reality Shows: Talk-, Psychodrama- und Aktion-Shows, in denen Realkonflikte der Zuschauer dargestellt und teilweise zu einer Lösung gebracht werden sollen.

d) Problemlösesendungen: Programmforen, bei denen die Fernsehtechnik selbst zur Lösung eines Sozialproblems dargeboten wird oder das Fernsehen sich für die Rechte von Zuschauern anwaltschaftlich einsetzt (S. 212).

In den letzten Jahren ist eine deutliche Tendenz des Reality TV hin zur Reality Show festzustellen. Als wichtige Wegbereiter im deutschen Fernsehen nennt Eberle (2000) Sendungen wie „Verzeih mir“, „Bitte melde Dich“ oder „Nur die Liebe zählt“. Weiter bemerkt er, dass „teilweise [...] die Fernsehtechnik zur Lösung von Problemen mit eingesetzt [wurde], so dass manche Reality Shows auch Überschneidungen mit der [...] Kategorie der Problemlösesendungen aufweisen oder ihr ebenfalls zuzuordnen sind“
(S. 214).

Dass heute keine dieser Sendungen mehr mit Reality TV bezeichnet wird, liegt laut
Eberle daran, dass einerseits der Begriff in Misskredit geraten ist und andererseits unter dem Begriff „Talkshow“ heute ein grosses Spektrum von Sendeformen subsumiert wird. Besonders unter dem Gesichtspunkt der gezeigten Emotionen finden sich gemäss Eberle in Reality Shows viele Elemente anderer Reality-TV-Gattungen. Er sagt dazu dezidiert: „Reality TV betreibt [...] die kommerzielle Ausnutzung privater Emotionen“ (S. 241).

2.2.1. Emotionalisierung

Auf den hohen Stellenwert emotionaler Darstellungen im Sendeformat Reality TV weist auch Wegener (1994) hin. Emotionalisierung wird aus der Sicht von Produzenten als Mittel gesehen, Informationen „zu verkaufen“. Somit ist zu befürchten, „dass sich letztendlich der Schwerpunkt einer Sendung umkehrt, insofern, als dass Emotionen unter dem Deckmantel der Information verkauft werden“ (S. 50). Im Reality TV werden ja nicht nur Identifikationsfiguren angeboten, sie zeigen häufig auch drastisch ihre Emotionen. Die Kamera ist immer nahe dabei und der Zuschauer sitzt somit tatsächlich „in der ersten Reihe“ (vgl. Werbespot der ARD und des ZDF in eigener Sache).

Auch Winterhoff-Spurk (2001) ist der Meinung, dass angesichts der Geschwindigkeit, mit der sich das Medium Fernsehen in Richtung Emotionalisierung und Dramatisierung verändert hat, man nicht darum herum komme, sich von Seiten der Medienwirkungsforschung mit den mittlerweile zentralen Wirkungen zu befassen – den Emotionen.

2.2.2. Personalisierung

Ein weiteres Charakteristikum von Reality TV wird als Personalisierung bezeichnet. In Spielfilmen ist Personalisierung selbstverständlich, veranlasst sie doch Identifikation, ermöglicht Involvement und erhöht die Spannung (Eberle, 2000). Während z.B. in Nachrichtensendungen Opfer ohne Angaben persönlicher Daten gezeigt werden, sind im Reality TV die Akteure identifizierbar. Sie sind Menschen mit Namen, mit Freundinnen und Nachbarn und möglicherweise mit einem Wohnort – nichts bleibt anonym, alles wird offen gelegt. Wegener (1994) sagt, dass die dargestellten Menschen allerdings nur solange von Interesse seien, als dass sie sich in einer Situation befänden, welche die Zuschauenden nicht erleben: „Stellvertretend können wir mit ihnen hoffen, zittern, Ängste ausstehen“ (S. 144). Personalisierung bezeichnet die Autorin auch als die Faszination des Intimen, sie gehe mit Intimisierung einher.

2.2.3. Stereotypisierung

Nebst der Personalisierung/Intimisierung wird in Reality-TV-Formaten stark mit Stereotypen gearbeitet. Stereotypisierung gibt es in verschiedenen Arten: der Geschlechter, der Rollen und ihres Verhaltens, der Ursachenerklärungen und Schuldzuweisungen, der Folgen eines Ereignisses wie auch der Ursachen für den glücklichen Ausgang bzw. die Wiederherstellung der Ordnung. Mit der Stereotypisierung geht „eine sehr pauschale, aber auch für manche bestechend einfache und durchschaubare Erklärung der Welt einher“ (Eberle, 2000, S. 241). Menschen handeln jeweils an ihrem zugewiesenen Ort und agieren entsprechend. Wegener (1994) weist zusätzlich auf den Zusammenhang hin zwischen der konzentrierten Darstellung von Emotionen, der Dynamisierung und Dramatisierung von Handlungen und der daraus folgenden Reduktion komplexer Zusammenhänge. Diese Kriterien bringen laut der Autorin die Bildung von Stereotypen zwangsläufig mit sich.

2.2.4. Dramatisierung

Die Intensivierung der Dramatik – oder kurz: Dramatisierung – als Mittel zur Erzeugung von Spannung, ist ein weiteres Merkmal, welches Reality TV aufweist. Bekannt aus Kriminal- und Spielfilmen, die dann als Thriller oder als Actionfilme gekennzeichnet werden, wird Dramatisierung durch filmische Gestaltungsmittel erreicht (Eberle, 2000). Darunter lassen sich schnelle Schnitte, Schwenks und Zooms oder auch überraschende Um- und Überblendungen und weiteres mehr aufzählen. Im Reality TV sei laut Eberle (2000) eine Dramatik der Ereignisse meist an sich schon gegeben, z.B. in Beiträgen über Kata-strophen, Unfälle, Schicksalsschläge, Gewaltdelikte usw. Wo aber die direkte „Action“ fehle, würden durch aktuelle oder zurückliegende Vorgänge bewirkte Emotionen von Betroffenen dramatisch dargestellt. Bestandteile normaler Filmästhetik der Actiongestaltung sind auch im Reality TV zu finden, z.B. von der Inszenierung her mit Filmmusik und Schnitttechnik. Insbesondere im Docudrama wird Action dosiert eingesetzt. In der Reality Show hingegen „hat filmische Action zwangsläufig weniger Raum, wird aber in Filmbeiträgen ebenfalls berücksichtigt“ (Eberle, 2000, S. 244). Die Dramatik der besprochenen Themen kann deutlich erhöht werden durch die Inszenierung der Stimmen im Studio, die Auswahl der geschnittenen (und später gesendeten) Filmszenen wie auch durch die Anwesenheit von Menschen, welche die Emotionen der Betroffenen erneut in Erinnerung zu rufen vermögen.

2.3. Realität, Wirklichkeit, Rekonstruktion von Medienwirklichkeit

Der Begriff Reality TV kann wie in Kapitel 2.2 dargestellt mit „Wirklichkeitsfernsehen“ übersetzt werden. Wie real ist nun aber diese medienvermittelte Wirklichkeit und wie unterscheidet sie sich von dem, was wir landläufig unter Wirklichkeit verstehen?

In der Diskussion rund um „Medienwirklichkeit“ stehen sich realistische und konstruktivistische Ansätze gegenüber (Bentele, 1993). Eine naiv-realistische Position könnte lauten: „Nachrichten bilden die Realität ab“ (S. 153). In diesem Sinne sind z.B. Nachrichten objektive Mitteilungen über Tatsachen, Sachverhalte oder Ausschnitte von Wirklichkeit. Dabei wird davon ausgegangen, dass die Tatsachen und Sachverhalte, die zusammen die Realität ausmachen, weitgehend unabhängig von irgendwelchen Beobachtern (Fernsehmacherinnen, Journalisten usw.) existieren. Als solche können sie gemäss Bentele von Medienschaffenden wahrgenommen und adäquat wiedergegeben bzw. abgebildet werden. Aus dieser Grundposition ergibt sich für Medienschaffende ein zentraler Berufsstandard: die Aufgabe, wahrheitsgemäss und ausgewogen zu berichten. Kommunikationswissenschaftlich betrachtet bedeutet es, dass „ein Vergleich zwischen der Realität und der journalistischen Berichterstattung zumindest möglich ist“ (S. 157).

Die radikal-konstruktivistische Position hingegen geht davon aus, dass keine von den Journalisten und Rezipientinnen unabhängige Realität existiert, sondern dass diese Realität von den Medienschaffenden erst geschaffen bzw. konstruiert wird (Bentele, 1993). Von Glasersfeld (2002, S. 17) verweist in diesem Zusammenhang auf von Foerster, der mit beispielhafter Prägnanz gesagt hat: „Objektivität ist die Illusion, dass Beobachtungen ohne einen Beobachter gemacht werden können.“ Oder auf die Medien bezogen bedeutet dies, dass nichts wirksam und wirklich ist, was nicht in den Massenmedien konstruiert ist (Merten, Schmidt & Weischenberg, 1994). Als wesentliche kommunikationswissenschaftliche Konsequenz ergibt sich daraus die Behauptung, „dass der Versuch, Nachrichten mit dem, ‘was wirklich geschah‘, zu vergleichen, prinzipiell unmöglich ist“ (Schulz, 1976, S. 26; zit. nach Bentele, 1993, S. 158). Die Frage, ob das Bild, das die Medien (bzw. das Fernsehen) von der Realität zeichnen, richtig ist, lässt sich für Schulz mit wissenschaftlichen Mitteln letztlich nicht beantworten. Er bezeichnet sie deshalb als metaphysische Frage.

Diese radikal-konstruktivistische Sicht bezeichnet Bentele (1993) als sehr problematisch, weil ein Teil der Ereignisse, über die Medien berichten, genau für diese Berichterstattung inszeniert würden, z.B. eine Gala-Sonderveranstaltung im Fernsehen als Spendenaufruf für Tsunami-Opfer. Zudem geht auch niemand davon aus, dass Erdbeben, Zugunglücke, Chemieunfälle oder Gipfeltreffen von den Medien „konstruiert“ werden. Ereignisse geschehen in der Natur oder sie passieren unter menschlichem Einfluss. Was „konstruiert“ werde, meint Bentele (1993), sei die Berichterstattung über diese Ereignisse, die zu einer eigenen Wirklichkeitsform, der Medienwirklichkeit führe. „Die Berichterstattung über die Ereignisse ist ein sachlich und sozial davon deutlich zu unterscheidender ‘Konstruktionsprozess‘, der nach ganz anderen Konstruktionsregeln verläuft als der Ereignisprozess“
(S. 161). Wenn Medien Wirklichkeit „konstruieren“, läge eine intentionale Verfälschung bzw. Verzerrung der Wirklichkeit vor, sagt der Autor. Nachrichten sind in diesem Sinne zwar eine Interpretation der Realität, aber es lassen sich richtige von falschen Interpretationen, adäquatere von weniger adäquaten Interpretationen unterscheiden.

Somit muss der Begriff „wirklich“ in der Diskussion um Medienwirklichkeit differenziert werden: einerseits im Sinne von „real existierend“ und andererseits im Sinne von „genau, präzise“ (Bentele, 1993). Medienwirklichkeit ist für die Menschen wirklich (real existierend), weil sie auf ihre Strukturen und ihre Produktionsmechanismen hin untersucht werden kann. Daher lassen sich gemäss Bentele auch falsche und richtige kommunikative Wirklichkeiten unterscheiden. Es sei fundamental wichtig, welchen Wirklichkeitsgrad, d.h. welchen Präzisionsgrad die Berichterstattung aufweise; schliesslich würden andere Wirklichkeiten durch Medienwirklichkeit ja erst erfahrbar. Sie werden für einige Menschen erst dadurch wirklich, obwohl sie für andere bereits wirklich, d.h. real existierend sind. Dazu meint der Autor dezidiert:

Die Übermittlung richtiger – nicht falscher – Information über die Ereignisse und Zustände in der Welt, die ausreichend genaue und damit „wirkliche“ (im zweiten Sinn) Repräsentation anderer Wirklichkeiten, nicht die beliebige Konstruktion von Realität ist für uns letztlich lebens- und überlebensnotwendig. (S. 171)

Medienwirklichkeit bedeutet somit Rekonstruktion anderer Wirklichkeiten: Rekonstruktion realer Ereignisse für Lesende, Hörende und Zuschauende.

Doelker (1991) spricht im Zusammenhang mit dem Medium Fernsehen von drei Wirklichkeiten, die er in einem vereinfachenden Schema wie folgt darstellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung Wahrnehmung

Abbildung 1: Die drei Wirklichkeiten nach Doelker (1991, S. 65)

Damit ersetzt Doelker die Wirklichkeit, an der die Zuschauenden auf dem Bildschirm teilnehmen, durch drei verschieden Wirklichkeiten, die aber in sich zusammenhängend sind. Die Abbildungsachse von W1 zu W3 beschreibt den Weg eines in der primären Wirklichkeit existierenden Gegenstandes oder Ereignisses bis zu dessen Identifizierung im Gehirn des einzelnen Zuschauers. Der Schritt von W1 zu W2 bezeichnet Doelker als Abbildung, die zweite Etappe von W2 zur W3 als Medienwahrnehmung.

Die primäre Wirklichkeit (W1) ist nach Doelkers Schema diejenige, mit der die Menschen (und die Medien) zu tun haben; die sie umgebende und mit den fünf Sinnen wahrnehmbare Wirklichkeit. „Dazu gehört auch eine innere Welt der Gedanken und Gefühle, die aber, um wahrnehmbar zu werden, manifest gemacht werden muss“ (S. 66). Die zweite Wirklichkeit (W2) grenzt nun Repräsentationen ein, wie sie auf Bildschirm und Tonwiedergabe erscheinen oder in Buch und Zeitungen gedruckt sind. Als dritte, nochmals unterschiedene Wirklichkeit (W3) umschreibt Doelker diejenige, wie sie in der Wahrnehmung des Zuschauers, Hörers oder Lesers besteht. W3 existiert also nur im Kopf der Rezipierenden.

Häufig werden diese drei Wirklichkeiten miteinander vermischt bzw. als eine einzige Wirklichkeit angesehen. Doelker meint jedoch, dass die wahrgenommene mediale Wirklichkeit einer gesonderten Betrachtung bedürfe, weil Abbild und Abgebildetes nicht ein und dasselbe seien. Bei der Abbildung nehme man zwangsläufig eine Reduzierung der dreidimensionalen und „fünfsinnigen“ Wirklichkeit in Kauf. Zudem müsse immer in Betracht gezogen werden, dass sich W1, welche Kamera und Mikrofon einzufangen versuchten, unter dem medialen Zugriff verändere: „Allein schon die Anwesenheit eines Mikrofons verändert die Sprechweise einer interviewten Person, und Beleuchtung und Kamera tun das ihre, um Befangenheit, Verkrampfung oder, im Gegenteil, Selbstinszenierung auszulösen“ (S. 67). W2 wirkt nach dieser Definition mehr oder weniger auf die erste Wirklichkeit zurück. Diese zweite Wirklichkeit wird von jeder Zuschauerin, jedem Zuschauer auf eine besondere, von persönlichen Faktoren abhängende Weise wahrgenommen. „Was generell für Wahrnehmung gilt, trifft insbesondere auch für Medienwahrnehmung zu: Sie ist subjektiv“ (S. 78).

Eine weitere Perspektive auf die Wirklichkeit nimmt Müller (1999) ein. In Bezug auf Wirklichkeitsfernsehen bezeichnet er Wirklichkeit (oder eben Reality) als ein „Spiel mit Rahmungen“ (S. 195ff). Mit Rahmen meint Müller eine Situationsdefinition durch Menschen, welche ihre Wirklichkeit nach gewissen sozialen Regeln konstruieren, basierend auf bestimmten Organisationsprinzipien.

Im Reality TV geht es um eine Schichtung von unterschiedlichen Rahmungen, wie es Müller am Beispiel der Sendung „Herzblatt“ beschreibt. Das Kennenlern-Spiel in der Show adaptiert eine kulturelle Gepflogenheit (Konvention) und die Sendung schafft ihrerseits „entscheidende Unterschiede zum Adaptierten, indem sie einen weiteren Rahmen setzt“ (S. 197). Der entscheidende Unterschied ist hier, dass die Sendung die private Situation des Kennenlernens – das erste Telefonat vor einem Blind Date – zu einer öffentlichen Darstellungssituation macht: Aus dem Gespräch „unter zwei Ohren“ wird ein Spiel vor Millionen. Müller meint, dass die Strategien, die ein wirkliches Telefonat vor einem Blind Date verlange, von denen des formalisierten Spiels überlagert würden, und das Setting des Spiels werde wiederum von den Anforderungen der Sendung regiert. Die gesamte Studiosituation wird ja von dem Ziel bestimmt, eine Ausgabe der Show resp. der Sendung herzustellen. Hippel (1993, S. 88; zit. nach Müller, 1999, S. 197) spricht deshalb von einer „Doppelrolle der Kandidaten“, um deren Funktion zu fassen, einerseits an einer Sendung teilzunehmen und andererseits zum Gelingen eben dieser Sendung beizutragen. Bezogen auf die Sendung „Herzblatt“ kann gemäss Müller sogar von einer „Tripel-Rolle der Kandidaten“ oder einer dreifachen Rahmung gesprochen werden, denn es handle sich (1) um eine Sendung, in der (2) ein Spiel gespielt werde, das (3) wirkliche Folgen zeitigen könne.

Eine wichtige Erkenntnis aus all diesen verschiedenen Aspekten von Wirklichkeit scheint, dass die Medien (und insbesondere das Fernsehen) die Wirklichkeit nie abbilden, noch dass ein solches Abbild einer medialen Wirklichkeit direkt im Zuschauenden entsteht.

Abschliessend sei hier noch ein Zitat von Doelker (1979) erwähnt:

Letztlich geht es um die Wirklichkeit jedes einzelnen Menschen, um die Wirklichkeit, die er selber schafft, in der er sich ver-wirk-licht. Dazu bedarf er der Impulse aus der inneren wie aus der äusse-
ren – und damit auch medialen – Wirklichkeit. (S. 185)

2.4. Führung

Führung gibt es als Phänomen, seit Menschen in Gemeinschaften Aufgaben arbeitsteilig erfüllen. Es existieren weder Familien, Gruppen, Organisationen noch Staaten, in denen Fragen der Vorherrschaft, der Macht und des Einflusses – kurz: der Führung – nicht von Bedeutung sind. Das Thema Führung hat Philosophen, Sozialwissenschafterinnen, Feldherren, Intellektuelle und viele andere seit Menschengedenken umgetrieben. Daher erstaunt es kaum, dass sich im Lauf der Zeit hunderte von Begriffsdefinitionen für Führung angesammelt haben. Will man ihre Bedeutungsinhalte verstehen, müssen Definitionen auf dem jeweiligen geschichtlichen, kulturellen und wissenschaftlichen Hintergrund betrachtet werden. An dieser Stelle muss jedoch aus Platzgründen auf eine Zu- und Einordnung der verschiedensten Führungsdefinitionen zu den jeweiligen Paradigmata verzichtet werden; stattdessen soll in diesem Kapitel eine Auswahl von Definitionen und Überlegungen die Vielfalt der möglichen Bedeutungen illustrieren.

2.4.1. Führung und Management

In der Umgangssprache und oft auch in der Literatur werden die Begriffe Führung und Management synonym verwendet. Doch sie unterscheiden sich deutlich: Unter Führung ist gemäss Neuberger (2002, S.48) eine personale und interaktionale Menschenführung zu verstehen, während Management den strukturellen und institutionellen Aspekt der Unternehmensführung meint. Management greift demnach nicht interaktional ein, sondern wirkt über Strukturen, Techniken, Organigramme, Stellenbeschreibungen, Anreizsysteme, die Gestaltung des Arbeitsplatzes und anderes mehr. Unter Führung hingegen ist das Verhalten von Vorgesetzten zu verstehen: ihre Art Probleme zu analysieren, Entscheide zu fällen, Ziele zu verdeutlichen, Aufgaben zu koordinieren, Mitarbeitende zu motivieren oder Ergebnisse zu kontrollieren. Somit lässt sich Führung laut von Rosenstiel (2003, S. 5) als „zielbezogene Beeinflussung von Unterstellten durch Vorgesetzte mit Hilfe der Kommunikationsmittel“ definieren.

Wunderer (2003, S. 4) bezieht in seine Auffassung von Führung auch die Untergebenen mit ein: „Führung wird verstanden als ziel- und ergebnisorientierte, aktivierende und wechselseitige, soziale Beeinflussung zur Erfüllung gemeinsamer Aufgaben in und mit einer strukturierten Arbeitssituation.“ Und Weinert (1989) schliesslich liefert eine weit herum anerkannte und oft zitierte Definition von Führung, die ebenfalls nicht nur auf die Führungsperson oder ihre Führungsverhaltensweisen fokussiert:

1) Führung ist ein Gruppenphänomen (das die Interaktion zwischen zwei oder mehreren Personen einschliesst);
2) Führung ist intentionale soziale Einflussnahme (wobei es wiederum Differenzen darüber gibt, wer in einer Gruppe auf wen Einfluss ausübt und wie dieser ausgeübt wird, u.a.m.);
3) Führung zielt darauf ab, durch Kommunikationsprozesse Ziele zu erreichen. (S.555; zit. nach von Rosenstiel, 2003, S.7)

Dennoch ist die Person des Führenden, der Führenden als eine wichtige Bedingung des Führungserfolgs nicht wegzudenken und soll daher in Kapitel 2.4.6 genauer betrachtet werden.

2.4.2. Das konstruktivistische Führungsverständnis

Wenn zwei oder mehr Menschen miteinander in Beziehung stehen, benutzen sie Sprache zur gemeinsamen Konstruktion von Wirklichkeit (Kapitel 2.3). So schaffen sie eine bestimmte Kultur, die für die jeweilige Gemeinschaft typisch ist. Es entsteht eine Übereinkunft über Dinge, die man tut oder eben nicht tut, über die Art und Weise, wie man etwas benennt und vieles mehr. Durch Sprache wirkt gemäss Burla, Alioth, Frei und Müller (1994) in einem dialektischen Prozess die Gesellschaft auf das Individuum, und das Individuum beeinflusst die Gesellschaft durch seine Sicht der Realität. Auf die Arbeits- und Führungssituation bezogen heisst das:

Alle sind Führende und Geführte, seien dies nun Kollegen, Untergebene oder Vorgesetzte. Sie alle konstruieren an der gemeinsamen Führungswelt mit, indem sie zum Beispiel den Vorgesetzten unterstützen oder ablehnen, für den Untergebenen entscheiden oder ihn machen lassen, den Kollegen als Rivalen oder als Mitstreiter sehen usw. (S. 26)

Für Neuberger (2003) sind Definitionen keine Aussagen über die Wirklichkeit, sondern lediglich „Einladungen, über das, was Führungswirklichkeit genannt wird, verständig zu reden“ (S. 46). Demzufolge müssen Führungsdefinitionen als soziale Konstrukte betrachtet werden, die abhängig sind von gesellschaftlichen Konventionen und von handelnden Individuen.

Unter konstruktivistischer Betrachtung hat Führung folgende wesentliche Aspekte: „Sie ist ein kollektives Phänomen, durchaus aber gleichzeitig etwas Individuelles, und sie ist niemals statisch, sondern stets prozesshaft zu begreifen“ (Burla et al., 1994, S. 23). Demnach sollte eine Führungsperson nie isoliert betrachtet werden, denn sie entwickelt sich zu einer solchen erst in der Interaktion mit anderen Menschen. Kollegen, Untergebene, Vorgesetzte, Kundinnen oder Aktionäre bringen in der Arbeitswelt ihre jeweilige Sichtweise und ihr Selbstverständnis in eine Beziehung ein – erst im Zusammenspiel wird dann eine kollektive Realität konstruiert. Bestandteil dieser Realität ist die Führungskultur. Laut Burla et al. (1994) stellt die Führungskultur eines Kollektivs seinen Mitgliedern ein gemeinsames Vorverständnis von Führung und Geführt-Werden zur Verfügung. Dieses Vorverständnis lässt ein bestimmtes Tun überhaupt erst als Führungsverhalten erkennen und vermittelt ihm akzeptierten Sinn. „Es lässt sich somit längst nicht jedes beliebige Führungsverhalten realisieren. Nur ‚kulturgerechtes’ Führen hat eine Chance innerhalb des betrieblich-sozialen Kollektivs“ (S. 24). Dies ist die eine, die eher kollektive Seite von Führung.

Die andere, eher subjektive Seite: Jede Führungsperson ist geprägt von ihrer Geschichte und von den Erfahrungen, die sie gemacht hat. Ihr Selbstverständnis beruht einerseits auf explizitem, also bewusstem Wissen über sich selber, andererseits auf implizitem Wissen, das oft nicht direkt zugänglich ist, das aber das Handeln leitet (Burla et al., 1994). Zum expliziten Wissen zählen die Autoren neben dem bewussten Denken auch die Handlungsabsichten, die man als Legitimation für das nach aussen gerichtete Denken und Handeln braucht. Zum impliziten Wissen rechnen sie „selbstverständliche“ Regeln, Alltagstheorien, Verhaltensnormen und Wertekonstellationen zum richtigen Verhalten in bestimmten Situationen.

Führung ist ein äusserst komplexes Geschehen. Vieles wirkt zusammen: kulturelle und geschichtliche Einflüsse sowie psychische Faktoren, die Ziel, Motivation und Prozess der Führung und der Gefolgschaft beeinflussen. Steiger (2004) ist deshalb überzeugt, dass es nie gelingen wird, allgemein gültige Regeln zur Beherrschung von Führung zu formulieren. Die Möglichkeit, Führung zu konstruieren oder zu erzeugen, schätzt er als sehr eingeschränkt ein. Und Neuberger (2002, S. 3) schlägt vor, Führung nicht „als etwas Endgültiges, Hermetisches und Objektives“ zu sehen. Stattdessen soll sie als „widersprüchlich, prozessual, vielgestaltig und mehrdeutig begriffen werden.“

2.4.3. Entwicklungslinien der Führungsforschung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts beschäftigt sich die sozialwissenschaftlich und empirisch abgestützte Führungsforschung intensiv mit Fragen nach der guten, der effizienten Führung und nach den Rahmenbedingungen, unter welchen Führung die gewünschte Wirkung entfalten kann. Das Führungsverständnis hat sich stets parallel zu den Menschenbildern einer Zeit verändert. Auf dem Hintergrund dieser Grundannahmen wurde jeweils versucht, Erklärungen für den Erfolg von Führung zu finden sowie Modelle und Anleitungen für die Führungspraxis zu entwickeln. So entstand eine Vielzahl von theoretischen Ansätzen. In der Folge werden nach Steiger (2004, S. 48ff) vier zentrale Entwicklungslinien herausgegriffen werden. Sie sind für das Verständnis des Rollenkonzepts im darauf folgenden Kapitel wichtig.

Der Eigenschaftsansatz, entwickelt in den 1920er Jahren, begründet erfolgreiches Führen mit den Eigenschaften der Führungsperson. Vom gezeigten Verhalten wird dabei auf die Charaktereigenschaften der Persönlichkeit einer Führungsperson geschlossen. Diese Charaktereigenschaften lassen sich jedoch nicht direkt beobachten, sondern sind Konstrukte, die durch Abstraktion aus Verhaltensbeobachtungen gewonnen werden. Es wird davon ausgegangen, dass diese Eigenschaften zeitlich stabil, übersituativ und universell sind. Der Eigenschaftsansatz gilt als überholt, weil sich Führungserfolg oder -misserfolg nicht monokausal mit den Charaktereigenschaften der Vorgesetzten erklären lässt.

Ab den 1930er Jahren hat der Verhaltensansatz an Bedeutung gewonnen. Er ist auch heute noch in der Managementliteratur und in den Köpfen von zahlreichen Vorgesetzen präsent. Dieser Ansatz sucht nach dem typischen, reproduzierbaren Führungsstil, der den gewünschten Führungserfolg bringen soll. Dabei werden zwei Kategorien von Führungsstilen unterschieden: die aufgaben orientierten, wobei sich die Vorgesetzten vor allem auf das Organisieren, Planen und Koordinieren konzentrieren, und die mitarbeiter orientierten, wobei sich die Vorgesetzten vor allem auf die Bedürfnisse und Erwartungen der Untergebenen wie z.B. Arbeitszufriedenheit und Entwicklungsmöglichkeiten konzentrieren. Unter experimentellen Bedingungen wurden verschiedene Führungsstile „hergestellt“: der autoritäre, der demokratische oder kooperative und der „laisser-faire“-Stil. Doch es konnten empirisch keine brauchbaren Zusammenhänge zwischen Führungsstilen und Führungserfolg nachgewiesen werden. Daher können generalisierende Aussagen wie „Kooperative Führung ist überlegen“ weder bestätigt noch verworfen werden (Neuberger, 2002). Die Gründe dafür liegen u.a. in der fehlenden Berücksichtigung der Führungssituation.

Diesem Umstand trugen die Verfechter des Situationsansatzes Rechnung. Sie übernahmen in den 1960er Jahren viele Überlegungen des Verhaltensansatzes bezüglich Führungserfolg und Führungsstil und versuchten, einige Rahmenbedingungen der Führungssituation mit zu berücksichtigen. Sie interessierten sich für die Frage: Welcher Führungsstil bringt unter welchen situativen Bedingungen den besten Führungserfolg? Zu den Merkmalen der Situation gehören die Art und Komplexität der Aufgabe, die Beziehungen zwischen Führungsperson und Untergebenen, die Motivation und Qualifikation der Untergebenen sowie die formalen Befugnisse der Führungsperson. Dem Situationsansatz kann zugute gehalten werden, dass er das Führungsverständnis wesentlich erweitert hat und dass die rezeptartig einfachen Führungsempfehlungen damit zurückgedrängt wurden. Dennoch bleibt er ein „deterministisches Kausalmodell von Ursache und Wirkung, welches davon ausgeht, dass einer spezifischen Führungssituation ein optimaler Führungsstil zugehöre“ (Steiger, 2004, S. 54). Inzwischen hat man in der Führungsforschung herausgefunden, dass sehr viele Verhaltensweisen mit verschiedenen Führungssituationen verträglich sind. Der Führungsstilforschung kommt deshalb nur noch historische Bedeutung zu.

Heute geht man davon aus, dass Führung nicht einfach „machbar“ ist und dass komplexe Einflüsse und Voraussetzungen für einen der Situation angepassten Führungsstil verantwortlich sind. Der in den 1980er Jahren entstandene Systemansatz wandte sich vom deterministischen, mechanistischen Weltbild der früheren Ansätze ab und betrachtete Führung nicht mehr als das gezielte Erzeugen eines gewünschten Verhaltens bei den Untergebenen durch den Einsatz von Führungsinstrumenten. Vielmehr geht es im modernen Führungsverständnis darum, optimale Rahmenbedingungen zu gestalten, damit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Aufgaben selbstverantwortlich und selbstorganisierend angehen können. Führungsperson und Untergebene werden im Kontext der Organisation als offenes System betrachtet.

Soweit der historische Rückblick nach Steiger (2004). Auf den systemtheoretischen Ansatz beruft sich auch das Rollenkonzept der Führung, dem in der Fachliteratur zurzeit weit herum der Vorzug gegeben wird.

2.4.4. Das Rollenkonzept der Führung

Der Begriff der Rolle geht auf die soziologische Rollentheorie zurück. Die Rollentheorie beschäftigt sich mit der Frage, wie Menschen den Ansprüchen der Gesellschaft und den Anforderungen von Organisationen oder Arbeitsgruppen gerecht werden, in denen sie tätig sind. Als Rolle definiert Neuberger (2002, S. 314) „das Insgesamt der Erwartungen […], die an eine Person als Inhaberin einer Position gerichtet werden“. Eine Rolle charakterisiert somit keinen Menschen, sondern eine Position. Eine Position ist eine Stelle in einer hierarchischen Rangfolge und mit dazugehörigen Kompetenzen und Status in einem aufgabenteiligen sozialen System (Steiger, 2004). An das Verhalten des Inhabers oder der Inhaberin einer Position werden von Vorgesetzten, Mitarbeitenden, Kolleginnen, Kunden etc. bestimmte Erwartungen geknüpft. „Jemand übt also eine Rolle aus, spielt eine Rolle, wird Rollenträger, indem er oder sie als Rollenempfänger den Ansprüchen bzw. Erwartungen anderer gerecht wird, indem er sich den Erwartungen gemäss verhält“, schreibt Steiger (2004, S. 57/58). Und Neuberger (2002, S. 314) ergänzt: „Die Rolle ist einerseits das bloss Faktische, Übliche, Normale (Ist-Beschreibung) und andererseits das ‚Billige’, Geforderte, Gesollte (Appell, Imperativ).“

So betrachtet ergibt sich Führungserfolg aus der optimalen Übereinstimmung der Erwartungen der Organisation an die Führungsperson mit dem konkreten Führungsverhalten der Person. Diese Sichtweise des klassischen rollentheoretischen Ansatzes vereinfacht jedoch das Phänomen Führung, weil sie davon ausgeht, dass sämtliche Rollenerwartungen bekannt und bewusst sind und dass es nur eine richtige Verhaltensweise gibt, um diesen Erwartungen nachzukommen. Zudem wird angenommen, dass die Führungsperson als Rollenempfängerin passiv alle Erwartungen aufnimmt, die an sie herangetragen werden. Die Komplexität der Interaktion von Personen und von Organisationen in ihrem jeweiligen Umfeld, so die Kritik, wird dabei nicht angemessen abgebildet.

Rollenerwartungen werden in der Realität weder immer explizit formuliert noch sind sie immer bewusst. Rollenerwartungen werden übermittelt von Personen, die ihrerseits Rollenträger sind und nicht nur die Interessen und Werte einer Organisation vertreten, sondern auch ihre eigenen, diejenigen ihrer Familie etc. Und auch der Rollenträger selber hat Erwartungen, Wünsche und Vorstellungen, mit denen er seine Rolle besetzt und die sein Verhalten bewusst, aber auch unbewusst beeinflussen. Für Steiger (2004, S. 58) ist deshalb klar: „Der Erfolg einer Rolle resp. die Zufriedenheit aller Beteiligten wird also vielmehr das Resultat eines gelungenen dynamischen Prozesses des Aushandelns von Rollenerwartungen sein.“

[...]

Ende der Leseprobe aus 103 Seiten

Details

Titel
"Traumjob" - Führung im Zeitalter von Reality TV
Veranstaltung
Arbeits- und Organisationspsychologie
Note
6 von 6
Autor
Jahr
2005
Seiten
103
Katalognummer
V118547
ISBN (eBook)
9783640219773
ISBN (Buch)
9783640219971
Dateigröße
912 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Traumjob, Führung, Zeitalter, Reality, Arbeits-, Organisationspsychologie
Arbeit zitieren
dipl. Psych. FH Trix Angst (Autor), 2005, "Traumjob" - Führung im Zeitalter von Reality TV, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118547

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