Leseförderung und literarisches Leben in der Schule

Hindernisse und Perspektiven


Seminararbeit, 2008
14 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Aufgaben und Grenzen der Leseförderung
1.1 Wozu Leseförderung?
1.2 Was kann das Leseverhalten negativ beeinflussen?

2. Die Schule als literarisches Umfeld
2.1 Kooperation zwischen Schule und Bibliothek
2.2 Leseförderung mit elektronischen Medien

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

Einleitung

Seit der Erfindung des Kodex im vierten Jahrhundert vor Christus hat sich das Buch rasant über alle Erdteile hinweg verbreitet und begeistert seit jeher Menschen aller Altersstufen. Doch nicht bei allen ist die Lesebereitschaft von Anfang an vorhanden- einige bedürfen in Kinder- und Jugendjahren kleinerer Anregungen um die Lesemotivation zu steigern. Derartige Maßnahmen übernimmt neben dem Elternhaus insbesondere die Schule.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Thematik der Leseförderung und ihrer Realisierung in der Institution Schule. Nachdem zunächst unter besonderer Berücksichtigung der einzelnen Abschnitte literarischer Sozialisation geklärt werden soll, wofür Leseförderung notwendig ist und was sie zu leisten im Stande ist, widmet sich der darauffolgende Teil den Problemen, die sich bei der Umsetzung eines Leseförderungsprojektes ergeben können. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse werden im Anschluss Methoden vorgestellt, die sowohl den theoretischen Ansprüchen einer erfolgreichen Leseförderungsmaßnahme genügen, als auch einfach in die Praxis umzusetzen sind. Neben der hilfreichen Kooperation mit Bibliotheken gilt dem immer größer werdenden Einfluss elektronischer Medien, sowie dem medienintegrativen Deutschunterricht besonderes Interesse.

Diese Arbeit soll mit Hilfe einer kritischen Perspektive auf das derzeitige Schulsystem vor allem auch Ausblicke und Ansätze liefern, inwiefern die Schule und auch das Elternhaus ein leseförderndes Umfeld für das Kind darstellen können.

1. Aufgaben und Grenzen der Leseförderung

Nicht allein die Ergebnisse der PISA-Studie geben Aufschluss darüber, dass dringender Nachholbedarf der deutschen Schüler im Bereich des Lesens besteht[1]. Auch die wachsende Verwendung der Freizeit für die Beschäftigung mit digitalen Medien, wie dem Computer und dem Fernsehen, lässt erahnen, wie das Lesen zunehmend in den Hintergrund gedrängt wird. Während in den letzten Jahrhunderten die Familie die wichtigste Instanz zur Erziehung und der Vermittlung von Bildung war, wurden in den vergangenen Jahren mehr und mehr Aufgaben an die Schule abgetreten, die sich schon lange nicht mehr als reine Bildungsstätte versteht, sondern zunehmend auch verantwortlich für erzieherische Fragen ist.

Auch die Schlüsselkompetenz des Lesens wird den Heranwachsenden in der Schule nahegebracht, die sich mit Übernahme dieser Aufgabe mit zahlreichen Problemen, aber auch Perspektiven konfrontiert sieht. Möglichkeiten und Grenzen sollen im Folgenden näher erläutert werden.

1.1 Wozu Leseförderung?

Über Jahrhunderte genoss das Buch im Bildungskontext eine besondere Vormachtstellung und war Sinnbild des Wissens schlechthin. In einer Zeit jedoch, in der nahezu jedes Buch als Audioversion erhältlich ist und oftmals auch Vorlagen für aufwändig produzierte Filme bietet, wird es zunehmend schwieriger, junge Menschen von den Vorteilen des Lesens zu überzeugen.

Wissenschaftliche Studien mit Kindern verschiedenen Alters belegen die zahlreichen Probleme des Lesesozialisationsprozesses[2]. Der grob in vier Abschnitte teilbare Vorgang der selbstmotivierten Auseinandersetzung mit Literatur verläuft über zwei drastische Tiefpunkte, welche genau jene Momente markieren, an denen die Leseförderung greifen sollte. Nach einer durchschnittlich sechs Jahre andauernden paraliterarischen Kommunikationssituation, die sich meist im Vorlesen äußert, folgt der erste Einschnitt mit dem Eintritt in das Schulleben. Die zuvor aufgebaute Bindung zu literarischen Texten wird abgelöst von Bemühungen um den Erwerb einfacher Lese- und Schreibkompetenz. Während die Kinder vorher Märchen oder Kinderbücher hörten, in denen sprachliche Ästhetik durchaus von Bedeutung ist, werden sie zurückgedrängt in das bloße Aneinanderreihen von Silben. Ist diese Hürde erst einmal überwunden und eine grundlegende Lese- und Schreibqualifikation gesichert, kann sich eine Leseförderungsmaßnahme als äußerst fruchtbar erweisen. Hierbei ist die Auswahl der richtigen Kinderbücher von großer Bedeutung für die spätere Bereitschaft des Kindes zu lesen. Es folgt der als Viellesephase bekannte Abschnitt, in dem Schüler prinzipiell offen und dankbar auf Literaturanregungen jeglicher Art reagieren. Eine Förderungsmaßnahme in dieser Zeit sollte vorrangig die familiäre Unterstützung zum Lesen sein, aber auch die Beschaffung von neuem Lesematerial ist Voraussetzung für ein anhaltendes Interesse. Im Anschluss an die etwa bis zum elften Lebensjahr andauernde Viellesephase stellt sich die schwierigste Phase der literarischen Sozialisation ein. Die sogenannte literarische Pubertät ist nicht allein deshalb so kritisch, weil nicht mehr die Familie, sondern die Gruppe zur einflussreichsten Instanz erwächst, sondern auch, weil sich die Interessen der Heranwachsenden in dieser Zeit grundlegend verschieben. Die literarische Pubertät bildet den wichtigsten Ansatzpunkt für lesefördernde Maßnahmen.

Wie kann Leseförderung in dieser Zeit aussehen und wozu ist sie dienlich? Die literarische Pubertät stellt im menschlichen Entwicklungsprozess lediglich eine Begleiterscheinung der auch ansonsten vorherrschenden Zeit des Umbruchs dar. Gute schulische Leistungen zu erbringen steht nicht mehr im Vordergrund und bringt nur in seltenen Fällen Anerkennung in der Gruppe. Wer sich in einer solchen Situation zusätzlich außerschulisch mit Büchern beschäftigt, gilt schnell als „Streber“ und wird an den Rand des sozialen Gefüges gedrängt. Insbesondere für das Lehrpersonal ist es wichtig, hinreichend über diese Hintergründe informiert zu sein, um dementsprechend kompensatorische Lesemotivation bieten zu können. Ohne eine vorangegangene Diagnostik bezüglich der privaten Leseinteressen ist es kaum möglich, einen auf die Schüler zugeschnittenen Lektüreplan zu erstellen. Sicherlich werden die Interessen stets so vielseitig sein, wie die Charaktere der Schüler selbst; an dieser Stelle ist jedoch das Verhandlungsgeschick des Lehrers gefragt, um einen Konsens zur allgemeinen Zufriedenheit zu erzielen. Um die individuellen Lesepräferenzen optimal zu berücksichtigen, eignet es sich besonders, jeden Schüler sein Lieblingsbuch präsentieren zu lassen. Hierbei gerät kein Schüler in die Verlegenheit, eine Außenseiterposition einzunehmen, denn ein jeder präsentiert sich hierbei als Leser. Weiterhin werden Literaturempfehlungen von Gleichaltrigen positiver aufgenommen, als diejenigen eines Erwachsenen. Ein anderer Weg, sich dem Schüler zu nähern, ist die alternativen digitalen Medien als Einstiegserleichterung für ein Buch zu nutzen. Hierbei können Literaturverständnis und der kritische Umgang mit Medien zu einer fruchtbaren Einheit verschmelzen.

[...]


[1] Innerhalb der PISA- Studie 2006 belegte Deutschland von 40 beteiligten Ländern im Themenkomplex Leseverständnis lediglich Rang 21!

[2] Rosebrock, Cornelia: Lesesozialisation und Leseförderung - literarisches Leben in der Schule. In: Michael Kämper - van den Boogaart (Hrsg.): Deutschdidaktik. Leitfaden für die Sekundarstufe I und II. Berlin 2003, S. 158f.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Leseförderung und literarisches Leben in der Schule
Untertitel
Hindernisse und Perspektiven
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für deutsche und niederländische Philologie)
Veranstaltung
Basismodul Fachdidaktik Deutsch
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
14
Katalognummer
V118599
ISBN (eBook)
9783640216192
ISBN (Buch)
9783640216222
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Leseförderung, Leben, Schule, Basismodul, Fachdidaktik, Deutsch
Arbeit zitieren
Susanne Ackermann (Autor), 2008, Leseförderung und literarisches Leben in der Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118599

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