Verhalten am Beispiel Angst


Referat (Ausarbeitung), 2007

35 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition Verhalten

3 Definition Emotion und Angst

4 Definition ängstliches Verhalten

4.1 Beispiel: Ängstlich-Vermeidendes Verhalten im Alltag

5 Basic Miss-Modell

6 Wissenschaftliche Erklärungsansätze zur Entstehung von ängstlichem Verhalten
6.1 Psychoanalytische Angsttheorie
6.2 Lerntheorien
6.2.1 Klassisches Konditionieren nach Pawlow
6.2.2 Operantes Konditionieren nach Skinner
6.2.3 Zwei-Faktoren-Theorie nach Mowrer (Vermeidungsverhalten)
6.2.4 Sozial-kognitive-Lerntheorie nach Bandura
6.3 Kognitive Angsttheorie
6.4 Psychophysiologische und neuro-physiologische Ansätze

7 Fallbeispiel
7.1 Die Krankheitsgeschichte

8 Klassifizierung

9 Therapieansätze
9.1 Diagnostik
9.2 9.2. S-O-R-K-C-Modell nach Kanfer & Saslow
9.3 S- R- K- Schema nach Leidig/ Glomp am Fallbeispiel
9.4 Die Angsthierarchieliste des Fallbeispiels am Basic-Miss(id)-Modell
9.5 Kognitive Verhaltenstherapie
9.6 Die Flooding-Methode
9.7 Systematische Desensibilisierung/Gegenkonditionieren nach Wolp
9.8 „III Systematische Messung des relativen Erfolges dieser Techniken“

10 Schlusswort

11 Quellenangaben

1 Einleitung

Dieses Referat widmet sich der zentralen Fragestellung, wie ängstliches Verhalten entsteht, wie es aufrechterhalten wird, und wie eine Veränderung herbeigeführt werden kann. Um diese Sachverhalte zu klären und zu erklären ist es nötig, näher auf die Gesichtspunkte der Lerntheorien einzugehen und diese kritisch hinsichtlich ihres Nutzens zu untersuchen. Die Lerntheoretiker beschäftigen sich mit der Kernfrage: „Wie erarbeitet der Mensch sich bestimmte Verhaltensmuster und in wiefern sind diese änderbar?“ Um die Änderbarkeit von komplexen Verhaltensmustern kümmerten sich Psychoanalytiker wie Freud, Psychologen wie Lazarus, die Modelle zur Veränderung von unangepassten ängstlichen Verhaltensweisen entwickelten. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass Emotionen und den daraus resultierenden Verhaltensarten keinerlei Wertung aufzuerlegen ist, Gefühle kommen niemals grundlos auf, sie geben Hinweise. Wobei diese Hinweise im Bezug auf ängstliches Verhalten im Alltag öfter als falsch angesehen werden, als irreführend und behindernd. Oft ist die Ursache von ängstlichem Verhalten auf den ersten Blick nicht erkennbar. Von dieser These geht Sigmund Freud aus und leitet ein psychoanalytisches Verfahren ein. Die Lerntheoretiker sehen für Reaktionen einer Person eine unmittelbare Ursache, was von vielen praktizierenden Therapeuten angezweifelt wird.

Das Referat gibt einige Einblicke in mögliche Erklärungsansätze, die weder vollkommen noch verallgemeinerbar sind. Diese Einblicke geben einen groben Überblick über einen Bruchteil der von der Psychologie und Medizin erforschten Gebiete, es zeigt anhand von mehreren Beispielen, wie Angst erlebt und ängstliches Verhalten nach außen transferiert wird, jedoch immer nah an der betreffenden Person des Fallbeispiels. Die Theorie gibt wertvolle Hinweise ängstliches Verhalten zu erklären. Die theoretischen Ansätze sind Grundlage der Behandlungsmöglichkeiten von ängstlichen Verhaltensweisen. Viele Menschen behandeln ihre Ängste intuitiv richtig: „Augen zu und durch“. Erst beim Ausbleiben dieser Mechanismen greifen die therapeutischen Ansätze zur Angstbewältigung.

Das Referat besteht aus zwei wesentlichen Komponenten, der Theorie mit den dazugehörigen Beispielen aus dem alltäglichen Leben. Erst die Übertragung in die Praxis macht eine Theorie zu einer Methode und gibt ihr durch Erfolg oder Misserfolg Recht oder widerlegt sie.

Auch in der Praxis der sozialen Arbeit ist ängstliches Verhalten ein Arbeitsfeld. Zwar werden hier die Klienten keiner Therapie unterzogen, wie in der Psychologie aber Flooding-Expositionen oder Desensibilisierung finden statt. Oft sind es die Sozialarbeiter die Exkursionen vorbereiten und durchführen. Um an dieser Stelle in der Therapie seine Arbeit beginnen zu können ist es von Nöten zu wissen, was der behandelnde Therapeut bisher getan hat.

Auch in anderen sozialarbeiterischen Kontexten wird ängstlichem Verhalten begegnet. Gerade im Bereich der gesundheitlichen Betreuung kann es passieren, dass ein Klient anfangs das Haus nicht verlässt und es unabdinglich ist, zu dem Klienten nach Hause zu gehen.

2 Definition Verhalten

Allgemein wird Verhalten als sichtbare (also beobachtbare oder messbare) Aktivität in Folge eines Reizes definiert. Als Aktivitäten werden sowohl Bewegungen, wie Mimik und Gestik, als auch innerkörperliche Vorgänge wie beschleunigter Herzschlag, chemisch bedingte Veränderungen oder Gehirnaktivitäten gesehen. (s. auch: Fröhlich Wörterbuch Psychologie 2005; S. 498)

John B. Watson, Gründer des klassischen Behaviorismus, übertrug das Pawlow’sche Reiz-Reaktions-Konzept auf den Menschen (s. Little Albert – Lerntheorien S. 7).

Der strenge klassische Behaviorismus unterteilt zwischen offenem und verborgenem Verhalten, da der klassische Behaviorismus die theoretische Position vertritt, die offenen Reaktionen, also die, die durch den Betrachter beobachtbar sind, festzuhalten, zu analysieren und für Erkenntnisse zu nutzen.

(s. auch: Fröhlich Wörterbuch Psychologie 2005; S. 498; http://de.wikipedia.org/wiki/John_B._Watson)

Das versteckte Verhalten, dass vom klassischen Behaviorismus ausgegrenzt wird, bezieht sich auf innerphysische und innerpsychische Vorgange, die für somatische Abweichungen sorgen aber nicht unmittelbar durch Beobachtung feststellbar sein müssen. Diese nicht nach außen tretenden Erscheinungen werden mithilfe technischer Apparaturen wie dem Blutdruckmessgerät gemessen. Eine wissenschaftlich umstrittene Methode der Verhaltensreaktionsmessung ist der in den USA eingesetzte Lügendetektor, der aufgrund mehrerer Messungen wie Puls, Atmung, Blutdruck und psychogalvanische Reaktion (Abk.:PGR, heute elektrodermale Reaktion, misst minimale Senkungen des Hautwiderstandes) Veränderungen festhalten soll, die in einem Gespräch (Verhör) nicht sichtbar wären. Ausgegangen wird hierbei von einem „Gewissen“ und allgemeiner Ruhe während des Tests.

Der klassische- und der Neo-Behaviorismus klassifiziert Verhaltensweisen, von den Fröhlich 17 Verhaltensweisen genannt und beschrieben hat.

Abweichendem Verhalten, dem deviance Behavior werden verschiedene Maßstäbe zur „Normermittlung“ angesetzt. Im menschlichen Bereich spiegelt es die Norm- und Wertevorstellungen einer bestimmten Kultur wieder. In Italien z.B. ist es üblich Singvögel zu essen, im asiatischen Sprachraum sind Katzen eine Delikatesse. Für einen Großteil der Kulturen gilt Barbarismus als deviantes Verhalten, genauso wie Pädofilie. In den beiden letzten Fällen wurden abweichende Verhaltensweisen gesetzlich festgehalten und diese Abweichungen werden strafrechtlich verfolgt. Ob diese Abweichungen vom „Normalverhalten“ erworben oder angeboren sind, ist umstritten, ebenso in Folge die Möglichkeiten der Rückführung zum „Normverhalten“. (s. auch: Fröhlich Wörterbuch Psychologie 2005; S. 36 und 499)

Ingratiation wird mit einschmeichelndem Verhalten in die deutsche Sprache übersetzt und bezeichnet Handlungen eines Einzelnen um seine Stellung und seine Attraktivität zu verbessern. Gerade bei ängstlichem Verhalten im Umgang mit Mitmenschen wird Ingratiation oft beobachtet. Oft passiert dies unbewusst und ist dennoch aus den gewonnen Erfahrungen in Interaktionen herausgebildet, da eine Bestärkung wie Lob eines anderen Menschen zu weniger Widerständen als bei z.B. Kritik führt. (s. auch: Fröhlich Wörterbuch Psychologie 2005; S. 257 und 499)

Imitatives Verhalten ist Lernen durch Beobachtung (s. auch sozialkognitive Lerntheorie nach A. Bandura S. 11) bei welchem die klassischen soziologischen und sozialpsychologischen Theorien einen sozialen Trieb annehmen, „der als Grundlage der Gleichförmigkeit und Übertragung von Verhaltensweisen angesehen wurde“. Bei der Übertragung von ängstlichen Verhaltensweisen spielt imitatives Verhalten eine große Rolle, da ein Kleinkind, dessen Mutter immer einen großen Bogen um Hunde macht davon ausgehen wird, dass ALLE Hunde böse sind und dass eine Flucht, bzw. ein Vermeiden nötig sei. (s. auch: Fröhlich Wörterbuch Psychologie 2005; S. 499)

Symbolisches Verhalten ist Synonym des verbalen Verhaltens oder -Denkens, es lässt aufgrund von Äußerungen oder Ausdrücken Schlüsse bezüglich des Zustandes des Individuums ziehen. Bei dem symbolischen Denken ersetzt das Gedachte den normalerweise üblichen externen Reiz, ist für die darauf folgende Handlung ausschlaggebend und für Außenstehende nicht immer nachvollziehbar. Das symbolische Verhalten spielt bei der posttraumatischen Belastungsstörung eine große Rolle, bei welcher einer Vielzahl von internen Vorgängen aufgrund von, für den Außenstehenden nicht verknüpfbaren Reizen, das Trauma wieder aufbrechen lässt (Flashbacks). Ebenso äußern sich durch symbolisches Verhalten momentane Gefühlszustände wie Trauer oder Depressionen. Das Verhalten ist für Außenstehende sichtbar und einzuordnen aber die Ursache ist durch diesen Verhaltensausdruck nicht erklärt. (s. auch: Fröhlich Wörterbuch Psychologie 2005; S. 499)

Das vermittelnde Verhalten umfasst die Verhaltensschritte, die nötig sind um an ein Ziel zu gelangen, dass auf einfachem Wege nicht zu erreichen ist. Es sind dazwischengeschaltete Verhaltensweisen, die zwischen Stimulus und Reaktion stattfinden. (s. auch: Fröhlich Wörterbuch Psychologie 2005; S. 499)

Im Gegensatz zum vermittelnden Verhalten steht das zielgerichtete Verhalten, dass durch das Verhalten hinsichtlich eines bestimmten Zieles geprägt ist. (s. auch: Fröhlich Wörterbuch Psychologie 2005; S. 500)

In diesem Auszug der von Fröhlich genannten Verhaltensweisen kann sich auch ängstliches Verhalten abspielen, so ist zum Beispiel eine Flucht ein zielgerichtetes Verhalten die Angst zu mindern. Das vermittelnde Verhalten ist im Bereich der Interaktionen oft zu beobachten, wenn Personen sehr nachgiebig sind, weil sie sich vor den Konsequenzen fürchten, wenn sie auf ihr Recht beharren.

3 Definition Emotion und Angst

Emotion kommt aus dem lateinischen und wird mit „Aufwühlen“ oder „Herhaustreiben“ übersetzt und beinhaltet alle durch Reize hervorgerufenen Gefühlszustände. Gefühlsauslösende Reize können äußerliche Sinnesempfindungen, innerliche Körperempfindungen oder kognitive Prozesse wie Bewertungen, Vorstellungen oder Erwartungen sein, die mit emotionaler Erregung einhergehen, die nicht immer für Außenstehende sichtbar sein muss. Gefühle sind durch „Desorganisation“ des Verhaltens gekennzeichnet und leiten den Übergang zu Annäherung oder Vermeiden ein. (Fröhlich Wörterbuch Psychologie 2005; S. 159)

Ist dieser Zustand nur kurzfristig wird das Verhalten als Affekt gekennzeichnet.

Darwin und Watson erarbeiteten „Zuwendung zu Artgenossen, Liebe, Angriff bei Gefahr bzw. Wut, sowie Rückzug bzw. Angst“ als sog. Grundemotionen hervor, auf deren Grundlage durch Konditionieren weitere, differenziertere Emotionen entstehen können, wie „Situationsbewertungen und Bewertungen im Selbstbezug“ (Fröhlich Wörterbuch Psychologie 2005; S. 159)

Wundt sieht Gefühle in einem „Dreidimensionalen Bezugssystem angenehm-unangenehm, Beruhigung-Erregung und Lösung-Spannung“. (Fröhlich Wörterbuch Psychologie 2005; S. 160)

Angst ist ein emotionaler Erregungszustand der durch (An-) Spannung gekennzeichnet ist und mit einer potentiellen phyischen oder psychischen Bedrohung einhergeht. Angst vor Schmerzen oder lebensbedrohlichen Situationen gehen mit überwiegend körperlichen (somatischen) Symptomen einher, die sich durch Schwitzen, Übelkeit oder Kälteempfindungen äußern können. Nicht lebensbedrohliche Stimuli sind kognitive Bewertungsprozesse, die sich auf ein mögliches Versagen beziehen. Je geringer die Möglichkeit ist eine Situation zu meistern (z.B. Klausur) desto größer ist die damit verbundene Angst. Die Angst vor einer Prüfung wird als „Zustandsangst“ bezeichnet im Gegensatz zu der „Eigenschaftsangst“, die sich nicht auf einen bestimmten Auslöser bezieht, sondern die „Zeitlich überdauernde Bereitschaft eines Menschen mit erhöhter Angst zu reagieren“ (Fachlexikon der sozialen Arbeit 2007: S.36) ausmacht.

Die klassische Psychologie unterscheidet zwischen Angst und Furcht, wobei sich die Furcht auf bestimmte Objekte, Personen, Orte etc. bezieht, während die Angst eher diffus ohne reellen Objektbezug einhergeht. Angst entsteht aufgrund der Ungewissheit und Sorge gegenüber der eigenen Lage. (Fröhlich Wörterbuch Psychologie 2005; S. 60)

4 Definition ängstliches Verhalten

Empfindet eine Person die Emotion Angst geht, sie von einer potentiellen Gefahrensituation aus. Die Person empfindet ihre Angst in drei Ebenen, der körperlich-messbaren, auf der Ebene des sichtbaren Verhaltens, wie Flucht, Weinen oder Schreien und auf der Ebene des subjektiven Erlebens, die sich in der Gedankenwelt des Betroffenen abspielt. Ungewissheit eine Situation bewältigen zu können, Angst vor Schmerzen und die Angst vor dem Tod sind Ängste, bei denen Erwachsene Menschen ängstliches Verhalten nach außen hin schwer verbergen können. Insbesondere die letzten Beiden, die der physischen Bedrohung, beeinflussen das Verhalten stark, so dass Außenstehende die Angst des Betroffenen sehen können. In den meisten Fällen äußert sich ängstliches Verhalten in plötzlicher Flucht, wenn sich die Person in der für sie angstauslösenden Situation befindet oder, in Vermeidungsverhalten, so dass die Person bestimmte Situationen meidet, wie z.B. Theater, Kinos oder öffentliche Veranstaltungen oder bei Phobien vor bestimmten Tieren Zoobesuche oder Campingurlaube.

4.1 Beispiel: Ängstlich-Vermeidendes Verhalten im Alltag

Bei einer 40-Jährigen Frau wurde Eierstockkrebs diagnostiziert. Als sie nach dem Erhalten des Befundes auf eine entfernte Bekannte trifft, fragt diese sofort, was mit ihr los sei. Der Schock der Diagnose aber auch die Angst vor bevorstehenden Operationen, Chemotherapie, Arbeitsplatzverlust und die Angst möglichen Komplikationen standen der Frau ins Gesicht geschrieben. In den darauf folgenden 14 Tagen kam die Frau nicht mehr zur Ruhe, sie kümmerte sich um ihren Garten, den sie seit Jahren vernachlässigt hatte, nahm wieder Kontakt zu ihrer Tochter auf, mit der sie sich im Streit getrennt hatte, putzte das Haus mehrmals von oben bis unten und engagierte eine Haushaltshilfe für die Zeit in der sie im Krankenhaus liegen musste und „für die Zeit danach“. Ihrem Mann und ihren näheren Verwandten verschwieg sie die Diagnose. Zwei Tage vor der geplanten Operation verschob sie den Termin, „weil sie noch wichtige Sachen zu erledigen habe.“ Das Umfeld der Frau konnte mit ihrem Verhalten nichts anfangen, sie schien besser zu funktionieren denn je, erschien aber sehr schreckhaft, zuckte bei dem kleinsten Geräusch zusammen, brach in Tränen aus, wenn etwas nicht so klappte, wie sie es sich vorstellte. Sie hatte Angst, dass vor der Operation, dass etwas schief geht, dass sie nicht mehr aufwacht. Sie hatte aber auch Angst, dass sie ihre nächsten Verwandten in einem Zustand von Trauer und Chaos hinterlässt, den diese nicht bewältigen können. Außerdem hatte ihr eine Freundin einige Tage zuvor erzählt, dass Eierstockkrebs schwer heilbar sei und oftmals erneut aufträte, was dann in den meisten Fällen tödlich sei. Ihre Mutter starb in ihrem Alter an einer Lungenembolie nach einem operativen Eingriff. Zudem kümmerte sich die Frau nicht um einen genauen Befund, nachdem der Arzt ihr mitgeteilt hatte, sie habe Krebs fragte sie nicht nach, wie weit dieser fortgeschritten war und wie die Heilungschancen bei ihr aussähen. Sie fragte aus Angst vor einer niederschmetternden Antwort nicht, aber dieses Nicht-Wissen verstärkte ihre Angst. Sie weihte niemanden ein, weil sie nicht wollte, dass ihre Mitmenschen sich sorgen, aber sie wollte auch nicht auf ihren Krebs angesprochen werden. Sie traute nicht auf die Unterstützung ihres Mannes, sondern beschloss alleine zu dem Operationstermin zu gehen.

Diese Frau setzte zwar alles daran um ihrer Umwelt ihre Ängste und Sorgen nicht mitteilen zu müssen, dennoch war sie unruhig, fahrig, weinerlich und stand ständig unter Strom. Natürlich merkten die Angehörigen, dass sie irgendetwas quälte, da sie früher ausgeglichen, fröhlich, unternehmungslustig und kommunikativ war. In all ihren Bemühungen die Angst und die ängstlichen Verhaltensweisen zu unterdrücken kamen diese doch immer wieder zum Vorschein.

Gerade in dem Bereich Gesundheit zeigen viele Erwachsene starkes Vermeidungsverhalten und große Unlustgefühle. Ein Bekannter, Zahnarzt, hat kaum Patienten die regelmäßig zu ihm kommen. Diejenigen, die die halbjährlichen Kontrollbesuche ernst nehmen sind Patienten, die eigentlich gar keine sind, weil die meisten von ihnen noch nie gebohrt bekommen mussten. Diejenigen, die regelmäßig kommen, haben aber nicht unbedingt die gesünderen Zähle, WEIL sie regelmäßig kommen, es gibt erbliche Faktoren zur Parodontose und Kariesbildung sowie Viren im Speichel die Karies verursachen. Träger solcher Viren werden auch bei noch so guter Pflege immer mal wieder gebohrt bekommen, wenn sie mal einen Zahnarzt besuchen. Würden sie regelmäßig gehen, würden sie auch nicht zwangsweise jedes Mal Füllungen erhalten. Die starken Unlustgefühle und ängstliches Verhalten im Bezug auf Zahnarztbesuche hat viele Ursachen. Erstens wird oft gebohrt, ohne dass vorher Schmerzen bestanden hätten, man bekommt also prophylaktisch Schmerzen zugeführt und wird nicht von Schmerzen befreit. Kassenpatienten müssen auch noch für die Prozedur zahlen, eine direkte unmittelbare Belohnung fällt also weg, das Zahlen der Praxisgebühr wird zusätzlich noch als Bestrafung empfunden. Wenn man also zum Zahnarzt geht ohne Schmerzen zu haben, dieser ein Loch findet, muss man die unangenehme Prozedur des Bohrens und Füllens über sich ergehen lassen und dafür zahlen. Daher muss in einem solchen Fall die Angst vor faulen Zähnen überwiegen um das ängstliche Verhalten überwinden zu können. In diesem Fall wäre die Wegnahme der Angst vor einem verfaulten Gebiss der Lohn für Unannehmlichkeiten, finanziellen Verlusten und Schmerzen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Verhalten am Beispiel Angst
Hochschule
Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes
Veranstaltung
Sozialpsychologie
Note
2,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
35
Katalognummer
V118604
ISBN (eBook)
9783640219797
ISBN (Buch)
9783640219995
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verhalten, Beispiel, Angst, Sozialpsychologie
Arbeit zitieren
Angelika Stopp (Autor:in), 2007, Verhalten am Beispiel Angst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118604

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