Naturmetaphorik und Naturorte in Gottfried von Straßburgs Tristan und Isolde


Seminararbeit, 2008
16 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Vorgeschichte, Struktur und Handlung des Romans
2.2. Naturmetaphorik in Gottfrieds Tristan
2.3. Die Naturorte im Tristan

3. Schluss

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Gottfried von Straßburgs Tristan wird zu den schönsten epischen Gedichten des deutschen Mittelalters gezählt. Die Klarheit und Durchsichtigkeit der Darstellung, der zauberische Reiz des leichten Gedankenflusses, die plastische Geschlossenheit sowie die konsequente Durchführung der Gestalten suchen in der ganzen höfischen Epik und im Volksheldengesang der Blütezeit mittelhochdeutscher Poesie vergeblich ihresgleichen. Gottfried bildet in seiner weltmännischen Lebensanschauung den größten Gegensatz zu seinem Zeitgenossen Wolfram von Eschenbach, mit dem er vermutlich[1] eine literarische Polemik führte.

Mit seiner melodisch wohlklingenden Sprache schildert er im Tristan unvergleichlich innig den sehnenden Zwang der Minne sowohl mit zarter Milde, als auch mit brennender Glut. Dabei kommt seine außergewöhnlich präzise Kenntnis über das menschliche, vor allem das weibliche Herz, zum Vorschein. Es wird deutlich, welche seelischen Eigenschaften für den Dichter am wesentlichsten sind.

In dieser Hausarbeit über den Tristan, im Rahmen des Seminars Einführung in die Mediävistik 2, möchte ich mich mit den Naturbildern und -vergleichen in Gottfried von Straßburgs Sprache beschäftigen. Dabei will ich unter Punkt 2.2 im Hauptteil vor allem auf die Personifikationen im Roman zu sprechen kommen. Auf Gottfrieds Beschreibung der verschiedenen Naturorte und -ereignisse im Roman, deren Bedeutung für die Figuren und das Verständnis des Lesers oder auch den weiteren Verlauf der Handlung, möchte ich im Hauptteil unter Punkt 2.3 eingehen. Ich möchte die Rolle der Natur anhand von einigen Beispielen besprechen. An dieser Stelle möchte ich unter anderem Vermutungen aufstellen, was dem Leser durch diese Naturorte womöglich verdeutlicht werden sollte. Zu Beginn der Hausarbeit möchte ich zum Einstieg die Vorgeschichte, Struktur und Handlung des Romans näher erläutern, um dem Leser einen Überblick zu verschaffen.

Zum Schluss möchte ich eine Zusammenfassung meiner Beobachtungen geben und zumindest ansatzweise versuchen die Faszination um diese berühmte Liebesgeschichte zu erklären.

2. Hauptteil

2.1 Vorgeschichte, Struktur und Handlung des Romans

Der Ursprung des Romans von Gottfried von Straßburg liegt in der keltischen Sagengeschichte und enthält Motive aus antiken, irischen, walisischen und orientalischen Sagen.[2] Das Werk ist realhistorisch und bildete - trotz maßgeblicher Unterschiede - somit eine starke Konkurrenz zum Artusstoff.[3] Die älteste schriftliche Überlieferung ist von dem Franzosen Thomas von Bretagnes, welche Gottfried als Vorlage für seinen Roman diente.[4] Das Ende der Vorlage von Thomas ist nur noch in Fragmenten erhalten, ebenso kann Gottfrieds Werk kein Ende vorweisen. Es wird in der Forschungsliteratur kontrovers diskutiert, ob Gottfried das absichtlich gemacht hat oder ob es andere Gründe für den fehlenden Schluss gab. Ulrich von Türheim schrieb 1230 ein Ende für den Gottfried- Roman, ebenso tat dies Heinrich von Freiberg 1280. Der älteste deutsche Verfasser der Tristangeschichte ist Eilhart von Oberg, der etwa zwischen 1147 und 1190 einen eher märchenhaften Roman schrieb.[5] Richard Wagner komponierte in der Neuzeit eine Oper über den Tristanstoff und feierte 1865 ihre Uraufführung.

Gottfried von Straßburg[6] verfasste ungefähr im Jahr 1210 seinen Roman, der heute den Höhepunkt der Tristan-Dichtung darstellt. Tristanforschung wurde in der vorwiegend geistesgeschichtlich orientierten Wissenschaft immer ausschließlicher „Gottfriedforschung“.[7] Das Werk ist in 11 Handschriften, Fragmenten aus dem 13. Jahrhundert überliefert und umfasst 20.000 Verse.[8] Gottfried hat diese in 30 Kapitel unterteilt und benutzt ausschließlich den höfischen Erzählvers.

Gottfried startet seinen Tristan mit einem Prolog, in dem er die ideale Redesituation herstellt. Er nennt sich und seinen Auftraggeber, umreißt das folgende Thema und seinen Nutzen für das Publikum. Anschließend steht die für den höfischen Roman typische Elternvorgeschichte, in der Tristans Eltern sein Minneschicksal vorleben. Der Fürst Rivalin kommt an König Markes Hof in England und lernt dort Blanscheflur, die schöne Schwester des Gastgebers, kennen. Die beiden haben heimlich ein Verhältnis miteinander, bis Blanscheflur schwanger wird und sie zusammen in Rivalins Herkunftsland fliehen müssen. Nach dem Ortswechsel fällt Rivalin schon bald in einer Schlacht mit seinem Widersacher Morgan. Blanscheflur - mittlerweile seine Frau – zerbricht an der Trauer darüber und stirbt bei der Geburt des Kindes. Der Waise Tristan, wie sie das Kind nennen, wird von Ritter Rual, einem Gefolgsmann und Freund Rivalins, und dessen Frau Floraete aufgezogen. Sie gibt das Kind als ihr eigenes aus und erzieht es mit großer Sorgfalt. Tristan kommt in den Genuss einer standesgemäßen Ausbildung. Im Alter von 14 Jahren wird er auf das Schiff von norwegischen Kaufleuten entführt. Nach einem fürchterlichen Seesturm setzen sie Tristan an der englischen Küste aus, wo er nach einiger Zeit in der Wildnis auf zwei Pilger trifft. Diese bringen den Heimatlosen an den Hofe König Markes. Nachdem der Junge vier Jahre bei Marke lebt, findet Rual ihn wieder. Er hat die ganze Zeit nach Tristan gesucht und ist gewillt, die wahre Herkunft Tristans zu offenbaren. Rual berichtet von Rivalin und Blanscheflur und deren tragischer Geschichte. Marke kann es kaum fassen und erklärt Tristan vor Freude zu seinem Nachfolger und rechtmäßigem Erben.

Bei einem Kampf mit dem Bruder und Feind des irischen Königs tötet Tristan Morgan, den Mörder seines leiblichen Vaters. Er wird dabei allerdings selbst stark verletzt. Isolde, die Schwester des Toten, ist seine letzte Rettung: Die Einzige, die im Stande ist Tristans Wunde zu heilen. Also verkleidet sich dieser als Spielmann, um an den Hof der Dame zu gelangen. Er spielt seine Rolle sehr überzeugend und wird nicht nur geheilt, sondern auch als Lehrer der Tochter, die auch den Namen Isolde trägt, angestellt. Nach kurzer Zeit werden einige Hofbarone eifersüchtig auf den hochbegabten Tristan. Aus Missgunst gegen Tristan drängen sie den König, eine Frau zu nehmen. Isolde von Irland wird vorgeschlagen und Tristan, ihr Lehrer, übernimmt die Werbung um sie. Der Heiratsvermittler tritt die Reise nach Irland als Kaufmann an. Auf dem Weg dorthin besiegt er einen Drachen, der gerade das Land verheert. Wer diesen tötet erlangt den Anspruch auf die Hand der Prinzessin. Nachdem Tristan die Tat vollbracht hat, erwirbt er Isolde für seinen Onkel Marke. (In der Zwischenzeit kommt Isolde nach einer Entdeckung hinter das Geheimnis, dass sich hinter dem Kaufmann und Drachentöter Tantris ihr ehemaliger Lehrer Tristan verbirgt.)

Isolde soll sich aufgrund eines Liebestrankes in Marke verlieben. Irrtümlicherweise trinken auf der Rückreise allerdings Tristan und Isolde dieses Gebräu und sind von da ab unsterblich ineinander verliebt. Damit niemand diese Liebe entdeckt, nimmt Isoldes Zofe in der Hochzeitsnacht deren Platz ein. Es folgt eine Kette listiger Verstellungen, um die Liebe zwischen Tristan und ihr geheim zu halten. Höhepunkt dieser Kette ist die nächtliche Szene im Burggarten, als König Marke, im Baum versteckt, die Liebenden belauscht, aber wiederum von ihnen genarrt wird. Doch bald tappen sie in eine andere Falle. Daraufhin wird Isolde vor Gericht gestellt, doch das Gottesurteil fällt zu ihren Gunsten aus. Die Liebe wird heimlich fortgesetzt, bis Marke die beiden erneut erwischt, sie verjagt und verbannt. Die Liebenden ziehen in eine Minnegrotte in der Wildnis, wo sie eine Weile ein idyllisches und paradiesisches Leben führen. Durch eine erneute List versöhnen sich die beiden wieder mit dem König und dürfen an den Hof zurückkehren.

Doch Tristan muss schon bald von dort fliehen, denn er wird bei einer erneuten Umarmung mit Isolde erwischt und die letzte Chance, die der König ihm gegeben hat, ist vertan. Tristan und Isolde haben nehmen Abschied voneinander. Die Wege der beiden sind nun endgültig getrennt, weswegen Tristan am Ende Isolde Weißhand heiratet. Eine Frau, die bisher keine Rolle in seinem Leben gespielt hat. Seine Liebe und Treue zur blonden Isolde und seine wachsende Neigung zu der Weißhändigen liegen miteinander im Streit. An dieser Stelle bricht der Roman abrupt ab.

Seit dem 12. Jahrhundert wurde dieser Erzählstoff in weit verzweigten mittelalterlichen Nachdichtungen in Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, England und Skandinavien bearbeitet. Der Tristan entwickelte sich zu einem nahezu gesamteuropäischen literarischen Phänomen.[9] Auch aus dem slawischen Raum und Griechenland sind Nacherzählungen des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit bekannt.[10] In den späteren Epochen riss das Interesse an der Geschichte von Tristan und Isolde nicht ab, wie die Novelle „Tristan“ von Thomas Mann oder der Roman „Finnegans Wake“ von James Joyce beweisen. Gottfried von Straßburgs Tristan gilt als klassische Stoffrepräsentation des Mittelalters.

2.2 Naturmetaphorik in Gottfrieds Tristan

Während meiner Lektüre des Tristans ist mir besonders Straßburgs Spiel mit der Metaphorik von Naturbildern aufgefallen. Häufig zieht Gottfried - beziehungsweise auch seine Figuren in direkter Rede - Vergleiche zwischen der Natur und den Figuren im Roman, um ihr Äußeres und/oder ihre Wesensart zu beschreiben. Solche Naturvergleiche in Gottfrieds Sprache durchziehen den Roman vom Anfang bis zum Ende. Sie dienen vor allem zur Veranschaulichung der Figuren, aber auch um deren Gefühlswelt darzustellen.

[...]


[1] Seine Bemerkungen und Anspielungen im Literaturexkurs (Vers 4621- 4820) lassen stark darauf schließen.

[2] Vgl. Bodo Mergell: Tristan und Isolde. Ursprung und Entwicklung der Tristansage des Mittelalters. Mainz: 1949, S.22 ff.

[3] Vgl. Ders., S.23. oder auch Vgl. Christioph Huber: Gottfried von Straßburg. Tristan. 2., verb.Auflage. (Klassiker Lektüren. Bnd. 3) Berlin:2001, S.16. .

[4] Vgl. Ders., S.12.

[5] Vgl. Christioph Huber: Tristan. Berlin:2001, S.17.

[6] Über den mittelhochdeutschen Dichter der ritterlich- höfischen Epoche ist selbst wenig bekannt. Aufgrund seines Literaturexkurses im Tristan im ersten Band konnte die Forschung einen ungefähren Zeitpunkt ausmachen, in dem Gottfried gelebt haben muss. Er macht hier eine Dichterschau, in der man sehen kann wer vor, während oder nach ihm gelebt hat. Man vermutet, dass Gottfried ein clericus war, denn er muss hoch gebildet gewesen sein. Sein Publikum muss von ähnlichem Stand gewesen sein. Man geht davon aus, dass sie Gottfrieds Sicht der Dinge, seine Interessen und Ideen teilten. Gottfried beschäftigte sich mit den Problemen seiner Zeit, was einer der Gründe für seine große Zuhörerschaft war. Vgl. Christioph Huber: Tristan. Berlin:2001, S.27.

[7] Gerhard Schindele. Tristan. Metamorphose und Tradition. Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz: 1971, S.10.

[8] Vgl. Mergell: Tristan und Isolde. Mainz: 1949, S.7. oder auch Huber: Tristan, S.7,18.

[9] Vgl. Mergell: Tristan und Isolde. Mainz: 1949, S.34, 46 ff.

[10] Vgl. Ders., S. 34.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Naturmetaphorik und Naturorte in Gottfried von Straßburgs Tristan und Isolde
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)  (Literaturwissenschaft/ Mediävistik)
Veranstaltung
Mediävistik 2: Tristan
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V118613
ISBN (eBook)
9783640219841
ISBN (Buch)
9783640220038
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Naturmetaphorik, Naturorte, Gottfried, Straßburgs, Tristan, Isolde, Mediävistik
Arbeit zitieren
Steffi Mohr (Autor), 2008, Naturmetaphorik und Naturorte in Gottfried von Straßburgs Tristan und Isolde, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118613

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