Ehrenamtliches Engagement in Freundeskreisen und Fördervereinen von kommunalen und staatlichen Archiven

Tendenzen anhand einer kleinen Umfrage


Seminararbeit, 2008

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Ehrenamtliches Engagement in Freundeskreisen
1.1. Begriffsklärung Ehrenamt
1.2. Motivation für das Engagement in Ehrenamt
1.3. Begriffsklärung Freundeskreise und Fördervereine

2. Auswertung der Umfrage
2.1. Verlauf der Umfrage und Rücklauf
2.2. Auswertung
2.2.1. Eintritt in die Vereine
2.2.2. Motive des Engagements
2.2.3. Finanzielle Unterstützung des Vereins
2.2.4. Zeitaufwand
2.2.5. Arbeitsbereiche des Engagements
2.2.6. Fortbildungen
2.2.7. Vorteile und Nutzen für das Archiv
2.2.8. Anerkennungen
2.2.9. Mitgliederzusammensetzung

3. Schlussbemerkung

4. Anhang
4.1. Fragebogen
4.2. Liste der angeschriebenen Freundeskreise und Fördervereine
4.3. Literatur

Einleitung

Die Politik hat das Ehrenamt schon entdeckt. Im Schloss Bellevue oder im Bundeskanz-leramt werden Hände geschüttelt und Blumensträuße vergeben. Dies ist bis hinunter in die kommunalen Ebenen zu beobachten. Doch auch in Archiven?

Wenn man an ehrenamtliches Engagement in Archiven denkt, erhält man sofort das Kli-schee des Rentners, der sich durch Berge von Akten wühlt, um die Geschichte von Adorf zu erkunden. Ist das so?

Sucht man nach Literatur über das Ehrenamt durch Mitgliedern in Freundeskreisen oder Fördervereinen im Archiv, trifft man, wie so oft im Archivwesen, auf: nichts. Es gibt keine Umfrage, ob und wie viel Ehrenamt, noch ob es Nutzen und Nachteile für beide Seiten gibt. Und wo es keine statistischen Daten gibt, gibt es auch keine Fachliteratur.

Das Bibliothekswesen ist da schon einen Schritt weiter und hat sich mit den ehrenamtlich in ihren Bibliotheken Wirkenden schon auseinandergesetzt, was sich in Literatur und Um-fragen widerspiegelt.[1] Sicher ist das Thema bei den Bibliotheken noch nicht ausgeschöpft, doch gibt es einen Grundstein, auf dem aufgebaut werden kann. Auf der Internetseite des Deutschen Bibliotheksverbandes e.V. (DBV) gibt es zum Beispiel eine Zusammenstellung von Freundeskreisen und Fördervereinen für Bibliotheken.[2] Dies sucht man auf der Seite des Verband Deutscher Archivare und Archivarinnen e.V. (VDA) vergeblich.

Die Freundeskreise und Fördervereine stellen die erste Anlaufstelle für Engagement dar. Diese haben einen Blick von außen auf das Archiv und erkennen Dinge anders, als der Archivar selbst, der in seiner täglichen Routine diese manchmal übersieht.

Um mit Freundeskreisen und Fördervereinen von Archiven in Verbindung zu treten, erfor-dert es eine sehr zeitintensive Recherche. Oft wird von den Archiven nur im Nebensatz erwähnt, dass sie von einem Verein unterstützt werden, was das ganze noch schwieriger macht.

Diese Hausarbeit möchte einen ersten kleinen Grundstein legen. Mit der Anfrage an 15 Freundeskreise und Fördervereine von Archiven mit der Bitte, einen kleinen Fragebogen auszufüllen, sollen statistische Daten erhoben werden, die natürlich nicht repräsentativ sind. Doch diese Stichproben können Tendenzen aufzeigen.

1. Motivation für ehrenamtliches Engagement

1.1. Begriffsklärung Ehrenamt

Es gibt viele Begrifflichkeiten, wie Ehrenamt, freiwilliges Engagement, Freiwilligenarbeit oder Bürgerengagement, die auf verschiedene Weise das selbe umschreiben: Menschen tun etwas freiwillig in ihrer Freizeit, also nebenberuflich, für andere, die Öffentlichkeit oder das Gemeinwohl, ohne dafür grundsätzlich finanzielle Entschädigung zu erwarten, die ge-leistete Arbeit also unbezahlt ist.[3]

In dieser Arbeit wird vorrangig mit dem Begriff Ehrenamt gearbeitet, dieser soll aber alle anderen freiwilligen Arbeiten, die in einem Archiv anfallen, auch wenn es keine „Ämter“ im strengen Sinne sind, mit einschließen.

1.2. Motivation für das Engagement im Ehrenamt

Die Motivation für das Ehrenamt kann grob mit vier Ziele beschrieben werden: Hedonis-mus oder Eigeninteresse, Gemeinwohlbezogenheit, Altruismus oder soziale Hilfsbereit-schaft und das Sozialkontaktmotiv.[4] Speziell können sich zum Beispiel folgende Motive für das Engagement im Ehrenamt in einem Archiv herauskristallisieren: Spaß an der Arbeit, Anerkennung über Qualität und Wichtigkeit der Arbeit, Einsatz von eigener Kenntnis und Erfahrung, Ausprobieren von Neuem,

beruflicher Nutzen, Bewahrung des kulturellen Er-bes, Geschichtsinteresse oder der Aufbau eines eigenen Verantwortungsbereiches.[5]

Die Träger der Einrichtung, bei denen das Ehrenamt ausgeführt wird, sollten sich dieser Ziele bewusst sein.

1.3. Begriffsklärung Freundeskreise und Fördervereine

„Bibliotheken brauchen Freunde, ganz besonders in einer Zeit der Ressourcen-Knappheit. Es müssen allerdings Freunde sein, die es nicht nur dem Namen nach sein, sondern wirk-lich die Absicht haben zu helfen, und zwar mit Rat und Tat, mit Gut und Geld.“[6] Dieses Zi-tat von Georg Ruppelt verliert seine Gültigkeit bei der Anwendung auf Archive nicht.

Vereine sind festgelegt als freiwillige, auf eine bestimmte Dauer angelegte, körperschaftli-che Organisation, die unabhängig von der Fluktuation der Mitglieder bestehen bleibt. Un-ter einem Namen schließen sich Menschen zu einem bestimmten Zweck zusammen.[7]

Freundeskreise und Fördervereine sollen „ihr“ Archiv somit ideell, finanziell und tatkräftig unterstützen. Sie stellen die Mittler zwischen den Archiven, der Öffentlichkeit und den poli-tischen Entscheidungsgremien dar und können dadurch deutlich machen, dass Kommu-nen und Länder Archive, die Archive aber Unterstützung brauchen. Daher sind die Freun-deskreise und Fördervereine sogenannte „Idealvereine“, da sie nicht auf wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb ausgerichtet sind, sondern deren Zweck ideeller Natur ist.[8] Dazu gehö-ren Schlagwörter, wie „Bewahrung des Kulturelles Erbes“ oder „Bildungspolitischer Auf-trag“.[9]

Dabei übernehmen Freundeskreise und Fördervereine diverse Aufgaben, wie: Anschaf-fung von Büchern für die Handbibliothek und Archivalien (z.B. Ankauf von Nachlässen), Bestandserhaltung und Restaurierung, Erschließung von (ausgewählten) Beständen, Aus-stellungskonzipierung, Vorträge oder sogar Tagungen, Unterstützung der Forschung (z.B. Stadtgeschichte), Förderung oder Selbstherausgabe von Publikationen oder Verbes-serung von Nutzungsbedingungen.[10]

Die Finanzierung erfolgt ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden.

In der Regel wird mit der Gründung eines Freundeskreises oder Fördervereins auch die Gemeinnützigkeit, also der Zusatz e.V., angestrebt. Erst dann dürfen Spendenquittungen ausgestellt werden.

2. Auswertung des Fragebogens

2.1. Verlauf der Umfrage und Rücklauf

Der Fragebogen wurde in Anlehnung an eine Umfrage des Verbandes der Bibliotheken des Landes Nordrhein-Westfalen e.V. bei ehrenamtlichen Mitarbeitern von Freundeskrei-sen und Fördervereinen für Bibliotheken erarbeitet. Der Fragebogen wurde per E-Mail und per Post an insgesamt 15 Freundeskreise und Fördervereine für Stadt- und Staatsar-chive versandt[11]. Einsendeschluss war der 11.07.2008.

Insgesamt wurden 29 ausgefüllte Fragebögen zurückgesandt.

2.2. Auswertung

Da mit 29 Fragebögen keine allgemein verbindlichen Aussagen getroffen werden können, sollen Tendenzen aufgezeigt werden, die aus dieser Stichprobe ersichtlich werden.

Von den 29 Fragebögen sind fünf Bögen von sogenannten „passiven Mitgliedern“ ausge-füllt worden. Diese zahlen den Mitgliedsbeitrag und unterstützen den Verein ideell nach Außen, leisten aber keine ehrenamtlichen Tätigkeiten im Verein oder Archiv selbst. Von den fünf Mitgliedern sind drei im Förderverein eines Staatsarchivs organisiert. Ein Reprä-sentant einer Stadt ist ebenfalls ein passives Mitglied eines Vereins. Die passiven Mitglie-der haben entsprechend die Fragen 5 bis 8 des Fragebogens nicht ausgefüllt. Die andere auffällige Gruppe sind die vier Mitglieder, die 30 und mehr ehrenamtliche Arbeitsstunden pro Monat ableisten. Diese sind alle in Vereinen zu Unterstützung von Stadtarchiven tätig. Bei der Auswertung einiger Fragen wird speziell auf diese beiden Gruppen eingegangen werden.

2.2.1. Eintritt in die Vereine

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Ergebnisgrafik zu Frage 1: „Wie kamen Sie zu Ihrem Freundeskreis / Förderverein?“

Deutlich ersichtlich ist hier, dass die sogenannte „Mund-zu-Mund-Propaganda“ immer noch zu den effektivsten Wegen gehört, um Mitglieder zu werben. Jedoch ist das eigene Interesse offensichtlich der treibende Faktor, um in einen Freundeskreis oder Förderver-ein einzutreten.

[...]


[1] Beispiel: Umfrage unter Mitglieder von Freundeskreise und Fördervereinen für Bibliotheken, online abrufbar unter http://vbnw.de/handbuchfreiwilligenarbeit.html oder Hauke, Petra; Busch, Rolf (Hrsg.): „With a Little Help From My Friends“. – Freundeskreise und Fördervereine für Bibliotheken – Ein Handbuch. – Bad Honnef : BOCK + HERCHEN, 2005. – 336 S.

[2] Liste online abrufbar unter http://www.bibliotheksverband.de/cgi-local/fkalle.pl

[3] Harms, Gerd: „Bürgerschaftliches Engagement im Kulturbereich. – in: Kultusministerium des Landes Sach-sen-Anhalt; Kulturpolitische Gesellschaft (Hrsg.): Bürgerschaftliches Engagement im Kulturbereich. - Doku-mentation der 4.. Kulturkonferenz des Kultusministeriums des Landes Sachsen-Anhalts. – Halle/Saale : Fi-scher Druck, 1999. – S. 7.

[4] Burmeister, Joachim: Qualifizierung für Ehrenamt und Freiwilligkeit. – Beiträge zum Ehrenamt 3. – Stuttgart : Robert Bosch Stiftung, 1999. – S. 12.

[5] Stiehr, Karin: Ehrenamtlich helfen. – Das Buch zur Fe

rnsehserie ARD-Ratgeber Recht. – München : Deut-scher Taschenbuch Verlag, 2003. – S. 18-19.

[6] Ruppelt, Georg: Helfen (nicht nur) mit Rat und Tat... in: Hauke, Petra; Busch, Rolf (Hrsg.): „With a Little Help From My Friends“. – Freundeskreise und Fördervereine für Bibliotheken – Ein Handbuch. – Bad Honnef : BOCK + HERCHEN, 2005. – S. 39.

[7] Beyersdorff, Günter: Rechtliche und steuerliche Fragen in der Arbeit von Fördervereinen. aus: Hauke, Petra; Busch, Rolf: „With a Little Help From My Friends“. – Freundeskreise und Fördervereine für Bibliotheken – Ein Handbuch. – Bad Honnef : BOCK + HERCHEN, 2005. – S. 71-72.

[8] Beyersdorff, Günter: Rechtliche und steuerliche Fragen in der Arbeit von Fördervereinen. aus: Hauke, Petra; Busch, Rolf: „With a Little Help From My Friends“. – Freundeskreise und Fördervereine für Bibliotheken – Ein Handbuch. – Bad Honnef : BOCK + HERCHEN, 2005. – S. 72.

[9] Oft vorkommende Schlagwörter in den Werbetexten für den Eintritt in die angeschriebenen Freundeskreise und Fördervereine, Liste unter 3.2.

[10] Dies stellt einen Querschnitt der gestellten Ziele und Aufgaben der angefragten Freundeskreise und Förder-vereine dar, Liste unter 3.2.

[11] Liste der angeschriebenen Freundeskreise und Fördervereine unter 3.2.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Ehrenamtliches Engagement in Freundeskreisen und Fördervereinen von kommunalen und staatlichen Archiven
Untertitel
Tendenzen anhand einer kleinen Umfrage
Hochschule
Fachhochschule Potsdam
Veranstaltung
Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising in Archiven und Bibliotheken
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
20
Katalognummer
V118635
ISBN (eBook)
9783640220601
ISBN (Buch)
9783640222926
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der erste Versuch einer Statistik im Feld der Freundeskreise und Fördervereine für Archive überhaupt.
Schlagworte
Ehrenamtliches, Engagement, Freundeskreisen, Fördervereinen, Fundraising, Ehrenamt, Archiv, Freundeskreis, Förderverein, Archive
Arbeit zitieren
Christiane Arndt (Autor:in), 2008, Ehrenamtliches Engagement in Freundeskreisen und Fördervereinen von kommunalen und staatlichen Archiven, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118635

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