Die Studentenbewegung der 1960er Jahre in Deutschland


Hausarbeit, 2005

20 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Politik und Gesellschaft in den 1960er Jahren
2.1 Die Adenauer - Ära
2.2 Der SDS als Zentrum der Studentenbewegung

3 Schwerpunkte des Protests
3.1 Reform der Hochschulpolitik
3.2 Vietnam Krieg und Antiamerikanismus
3.3 Die Notstandsgesetze

4 Radikalisierung der Studentenbewegung
4.1 Der Besuch des Schah von Persien und der Tod Benno Ohnesorgs
4.2 Attentat auf Rudi Dutschke und die Kampagne gegen die Springer - Presse

5 Der Bewältigungskonflikt der NS - Vergangenheit als Ursache der Studentenbewegung?!

6 Zusammenfassung

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Wenn wir heute über die `68er reden, assoziieren wir eine Vielzahl von Bildern. Man denke an Straßenschlachten zwischen Polizei und rebellischen Studenten, an das legendäre Woodstock - Festival, an Che Guevara oder auch an die terroristische Vereinigung RAF. Jedoch sind diese Bilder nur Momentaufnahmen, die nur einen kleinen Ausschnitt der Studentenbewegung porträtieren und Eindrücke wiedergeben. Aber genau diese Bilder, die sich in den Gedanken der Menschen manifestiert haben, machen die Studentenbewegung zum Mythos. Der Mythos `68 ist nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen Halbwahrheiten von Journalisten, Autoren und Alt - 68er entstanden.

Faktisch entsteht langsam eine Historisierung der Ereignisse, da die Studentenrevolte mittlerweile 37 Jahre zurück liegt[1]. Und gerade weil die Studentenbewegung in die deutsche Geschichte eingeht, ist es von besonderer Bedeutung, die Fakten korrekt darzustellen und die Ziele und Utopien der Bewegung zu analysieren. Es kommt darauf an, die Zusammenhänge zu skizzieren[2].

Unumstritten ist, dass die Hochschüler die allgemeine gesellschaftspolitsche Lage in Westdeutschland beanstandeten[3]. Diese "Ausgangslage" führt automatisch zu einer intensiveren Betrachtung der Lebensumstände, der Politik und der Gesellschaft, in der die Kritiker aufgewachsen waren und in der sie lebten. Inwiefern beeinflussten Faktoren wie die Politik Adenauers, die Teilung Deutschland oder die veralteten Strukturen an den Universitäten die Protesthaltung der Studenten?

Desweiteren kommt es darauf an, die Fakten, also das real Geschehene, zu betrachten. Der Gegenstand der Proteste lässt schließlich Rückschlüsse auf die Ziele der Studentenbewegung zu.

Weiterhin muss der Frage nachgegangen werden, was letztendlich zu einer Radikalisierung der Studentenbewegung geführt hat. Die Ignoranz der Gesellschaft[4] ? Die Berichterstattung der Medien? Oder war die "begrenzte Regelverletzung" nur Mittel zum Zweck?

Neben all den Fakten dieser ereignisreichen Zeit spielen auch die Auslöser oder Ursachen für die Studentenrevolte eine wichtige Rolle. Hierbei soll explizit der Bewältigungskonflikt der NS - Vergangenheit beleuchtet werden. Oftmals wird dieser Zwiespalt auch als Generationskonflikt bezeichnet und deshalb ist es unausweichlich, zu überlegen, inwiefern die Studentenbewegung aufgrund des Verdrängens der nationalsozialistischen Vergangenheit entfachte und ob dies zu einem Generationskonflikt führte.

2 Politik und Gesellschaft in den 1960er Jahren

2.1 Die Adenauer - Ära

Die Anfänge der Studentenbewegung in Deutschland sind auf den Beginn der 1950er Jahre zurückzuführen. Ein Mann, der diesen Zeitabschnitt politisch sowie gesellschaftlich maßgeblich geprägt hat, war der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Konrad Adenauer wurde am 15. September 1949 mit einer knappen Mehrheit der Stimmen der Bundestagsmitglieder zum Bundeskanzler gewählt und am 20. September vor dem Bundestag vereidigt[5]. Adenauer betonte in seiner ersten Regierungserklärung, dass die Bundesrepublik Deutschland nach ihrer Herkunft und Gesinnung Westeuropa zugehörig ist und dass die Teilung Deutschlands schnellstmöglich rückgängig zu machen ist[6]. Die Ziele der anstehenden Legislaturperiode waren damit klar definiert. Der Bundeskanzler legte den Schwerpunkt seiner Regierungstätigkeit auf die Westintegration sowie Wiedervereinigung Deutschlands, um den Status eines souveränen demokratischen Staates für die Bundesrepublik Deutschland wieder zu erlangen.

Seine erste Regierung bildete eine kleine Koalition von CDU/CSU, FDP und der DP

( Deutsche Partei ) sowie der SPD als Opposition, die sich jedoch im Laufe der ersten Amtszeit Adenauers als Widersacher des Bundeskanzlers heraus kristallisierte[7].

Erstmals äußerte sich diese "Mißgunst" der Opposition bei Abschluss des Petersberger Abkommens am 22. November 1949. Der Vertrag verpflichtete die Alliierten, die Demontage von Industriebetrieben im Ruhrgebiet zu stoppen. Adenauer erzielte damit den Abbau der hohen Arbeitslosenzahlen und legte den Grundstein zum wirtschaftlichen Wiederaufbau Deutschlands[8]. Der Bundeskanzler verfolgte die Strategie, die Position Deutschlands im Ausland schrittweise zu verbessern, während die SPD den Standpunkt vertrat, dass die Bundesrepublik Deutschland von Anfang an ihre nationalen Interessen gegenüber dem Ausland geltend machen müsse. Die Opposition titulierte Adenauer als "Bundeskanzler der Alliierten" und verdeutlichte damit, dass sie den eingeschlagenen Regierungskurs nicht unterstützen werde.

Im Mittelpunkt der ersten Legislaturperiode Konrad Adenauers stand die Debatte um die Wiederbewaffnung Deutschlands, die sowohl zum Streitthema zwischen CDU/CSU und SPD als auch in der Öffentlichkeit stark kritisiert wurde. Der Überfall Nordkoreas auf Südkorea am 25. August 1950 war schließlich der Auslöser für Verhandlungen über einen deutschen Wehrbeitrag, da die oft propagierte kommunistische Bedrohung schlagartig real erschien[9]. Zum ersten Mal in der Geschichte der jungen Bundesrepublik Deutschland leistete die breite Öffentlichkeit gegen die, in ihren Augen, restaurative Adenauer - Regierung Widerstand. Vorallem die junge Generation protestierte gegen die Wiederbewaffnung und mündete schließlich in der sogenannten "Ohne - Mich - Haltung" . Die Opposition fühlte aufgrund der Gegenwehr der Bevölkerung in ihrer Haltung gegen die Adenauer - Regierung bestätigt.

Konrad Adenauer beendete die erste Regierungsperiode mit der Ratifizierung der Wiedergutmachungsgesetze am 18. März 1953 und dem Abschluss des Londoner Schuldenabkommens am 27. März 1953. Die Bundesrepublik Deutschland verpflichtete sich auf der Grundlage der Wiedergutmachungsgesetze, Entschädigungen für Verfolgte und Opfer des Nationalsozialismus zu zahlen und gewann damit seine moralische Legitimität wieder und ging eine besondere Verpflichtung gegenüber Israel ein. Das Londoner Schuldenabkommen hingegen regelte die Übernahme der Auslandsschulden des Dritten Reichs, so dass Westdeutschland keine weiteren Reparationszahlungen zu erwarten hatte. Die Regierung Adenauers von 1949 bis 1953 war gekennzeichnet durch die starke Aufwärtsentwicklung der Wirtschaft mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 8% in den 1950er Jahren, wurde jedoch von der Debatte über die Wiederbewaffnung Deutschlands und den dadurch ausgelösten Protesten der Bevölkerung überschattet.

Die zweite Bundestagswahl am 06. September 1953 bestätigte die politische Strategie Adenauers, da die CDU/CSU mit 45,2% der Stimmen und über die Hälfte der Mandate im Bundestag die Wahl erfolgreich für sich entscheiden konnte. Adenauer bildete seine Regierung basierend auf einer Koalition mit FDP, DP und BHE ( Bund der Vertriebenen und Entrechteten ) und gewann damit die nötige 2/3 Mehrheit der Stimmen im Bundestag[10]. Die zweite Legislaturperiode Adenauers zeichnete sich vorallem durch den Abschluss zweier bedeutender Verträge aus. Am 23. Oktober 1954 kam es zur Unterzeichnung der Pariser Verträge und die Bundesrepublik Deutschland wurde in die NATO aufgenommen. Die zwischenzeitlich gegründete Bundeswehr wurde dieser unterstellt. Mit in Kraft treten der Pariser Verträge am 05. Mai 1955 erlangte Deutschland die formale Souveränität wieder[11]. Jedoch war durch dieses Vertragskonstrukt die Chance auf eine deutsche Wiedervereinigung deutlich geschmälert, da auch die innerpolitischen Diskussionen über die Möglichkeiten einer Zusammenführung beider deutschen Staaten nachließen.

Im Jahre 1957 gründete sich letztlich die EWG ( Europäische Wirtschaftsgemeinschaft ). Ihre primäre Aufgabe: die Zusammenarbeit der westeuropäischen Staaten auf dem Sektor Wirtschaft zu fördern[12]. Adenauers Europapolitik erwies sich demzufolge als erfolgreich, auch wenn er für die Westintegration Deutschlands die nationale Wiedervereinigung riskiert hatte.

Trotz des Erfolges beendete Adenauer seine zweite Amtszeit mit einem Eklat über die atomare Wiederbewaffnung der Bundeswehr[13]. Der Bundeskanzler und der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Strauß spielten mit dem Gedanken, die Bundeswehr mit Trägersystemen auszustatten, die unter anderem auch Atomwaffen hätten transportieren können. Jedoch sollte die Verfügung über diese Systeme allein bei den USA liegen. Diese Überlegungen lösten große Proteste aus[14]. Der Höhepunkt der Atomdebatte wurde schließlich im Jahre 1958 erreicht. Aus den ersten Protestgruppen entstand die so genannte Ostermarschbewegung, die als Vorreiter der Studentenrevolte im Jahre 1968 verstanden werden kann. Aufgrund der Atomdebatte hatte zeitgleich auch eine Politisierung der Bevölkerung stattgefunden hatte. Trotz dieser Auseinandersetzungen mit dem gereiften und politisch mündigen Volk kann die zweite Legislaturperiode Adenauers als der Höhepunkt seiner Macht angesehen werden[15].

Die dritte Amtszeit Konrad Adenauers von 1957 - 1961 ist zugleich der Scheitelpunkt seiner Karriere, da hier bereits die Wurzeln seines Sturzes im Jahre 1963 zu finden sind. Außenpolitisch blieb sich der Bundeskanzler treu und verfolgte weiterhin den Kurs der Westintegration. Adenauer plante beispielsweise die gegenseitige Rüstungskontrolle in Europa einzuführen, scheiterte jedoch, da hierfür die offizielle Anerkennung der DDR notwendig gewesen wäre. Des weiteren mündete die Berlin - Krise, die durch ein Ultimatum Chruschtschows ausgelöst wurden war, im Bau der Mauer in Berlin am 13. August 1961. Der große politische Traum Adenauers von der deutschen Wiedervereinigung war gescheitert, da die Westmächte nicht einschritten, um die endgültige Trennung Deutschlands zu verhindern[16]. Den totalen Autoritätsverlust erlitt der Bundeskanzler während des Entscheidungsprozesses um den Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten. Adenauer versuchte mit allen Mitteln, Ludwig Erhard zur Kandidatur zu bewegen, um ihn so als Konkurrenten bei der anstehenden Bundestagswahl auszuschalten und verlor über diesen Kleinkrieg letztendlich sein politisches Ansehen[17]. Diese dritte Legislaturperiode ist des Weiteren von Bedeutung, da die SPD auf der Basis ihres Grundsatzprogrammes, Bad Godesberger Programm, 1959 zur Volkspartei avancierte und erstmals die innere Ordnung der Bundesrepublik Deutschland sowie die Westintegration und Außenpolitik Adenauers anerkannte. Im Jahr 1961 stellte die SPD mit Willy Brandt erstmals einen Kanzlerkandidaten. Jedoch wurde die vierte Bundestagswahl wieder durch die CDU/CSU entschieden und auch diesmal setzte der angeschlagene Adenauer auf eine bürgerliche Koalition mit der FDP. Die "Spiegel - Affäre" im Jahr 1962 versetzte dem Bundeskanzler dann schließlich den entscheidenden Schlag. Das Nachrichtenmagazin Spiegel veröffentlichte am 08. Oktober 1962 einen Artikel, der die Verteidigungsbereitschaft der deutschen Bundeswehr schwer bemängelte und militär - interne Geheimnisse preisgab. Eine Hausdurchsuchung im Firmensitz des Magazines unter dramatischen Umständen und die darauf folgenden Proteste der Öffentlichkeit führten letztendlich zur Auflösung des Parlaments[18]. Der Bundeskanzler stellte zwar am

[...]


[1] Langguth, Gerd. Mythos `68. München 2001, S. 14.

[2] ebd., S. 10.

[3] Uesseler, Rolf. Die `68er: "Macht kaputt, was Euch kaputt macht!", München 1998, S. 19.

[4] ebd., S. 16.

[5] Sontheimer, Kurt. Die Adenauer - Ära. München 1991, S. 26.

[6] Schwarz, Hans-Peter. Konrad Adenauer, Reden 1917 - 1967. Stuttgart 1975, S. 153ff.

[7] Sontheimer, Kurt. Die Adenauer - Ära. München 1991, S.30.

[8] ebd., S, 32.

[9] Sontheimer, Kurt. Die Adenauer - Ära. München 1991, S. 35.

[10] ebd., S. 46.

[11] Sontheimer, Kurt. Die Adenauer - Ära. München 1991, S. 48.

[12] ebd., S. 50.

[13] ebd., S. 51.

[14] ebd., S. 52.

[15] Kohl, Helmut. Konrad Adenauer 1876/1976. Stuttgart 1971, S. 297.

[16] Sontheimer, Kurt. Die Adenauer - Ära. München 1991, S. 55.

[17] Sontheimer, Kurt. Die Adenauer - Ära. München 1991, S. 59.

[18] ebd., S. 63 - 64.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Studentenbewegung der 1960er Jahre in Deutschland
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Allgemeine Pädagogik)
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
20
Katalognummer
V118640
ISBN (eBook)
9783640220632
ISBN (Buch)
9783640466672
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Studentenbewegung, Jahre, Deutschland
Arbeit zitieren
Nina Heise (Autor), 2005, Die Studentenbewegung der 1960er Jahre in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118640

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