Kant: Über Pädagogik und Foucault: Die gelehrigen Körper, „Überwachen und Strafen“


Seminararbeit, 2007

13 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Einordnung der beiden Werke
2.1 Kant: „Über Pädagogik“
2.2 Foucault: Die gelehrigen Körper, “Überwachen und Strafen“

3. Begriff der Aufklärung

4. Quellenangabe

1. Einleitung

Nietzsche nennt den Menschen ein „nicht festgestelltes Tier“ (1) und meint, dass der größte Unterschied darin bestände, dass sich der Mensch im Gegensatz zum Tier selbst deuten könne und Kant beginnt sein Werk „Über Pädagogik“ mit den Worten: „Der Mensch ist das einzige Geschöpf, das erzogen werden muss.“(2) Der Mensch habe den drang dazu, sich immer zu „verhalten“, also wäre praktisch jede vom Menschen ausgeführte Handlung im Vorfeld überlegt, und nicht wie es eben bei den Tieren der Fall ist, aus dem Instinkt heraus entstanden.

Das Bedeutet, dass der Mensch, bevor er eine Handlung begeht, erstmal einen Plan für diese Handlung machen muss. Dieses nach Plessner (3) besondere Wesensmerkmal, auch „exzentrische Positionalität genannt“, ist ein ganz wesentliche Eigenart der menschlichen Natur überhaupt. Also muss der Mensch, nach Nietzsche gesprochen, „festgestellt“ werden und wie es Kant formulierte, „erzogen“ werden. Der Mensch würde möglicherweise durch seine fehlenden Instinkte ohne eine Erziehung anderer ebenfalls schon erzogener Menschen nicht gegen die Tiere bestehen können und somit wäre dann das Überleben der Menschen insgesamt in frage gestellt.

So ist der Mensch gekennzeichnet durch die fundamentale Angewiesenheit auf den Anderen. Hier liegt einerseits die Chance in der Gemeinschaft Schritt für Schritt zur Selbstbestimmung zu gelangen, aber auch die Gefahr, dass innerhalb der erzieherischen Interaktion die letzte Stufe der Selbstgesetzgebung nicht erreicht wird. Für Kant ist der Mensch das, was der Lehrende aus ihm macht. Das zeigt den extrem hohen Stellenwert in Form der Verantwortung für das Zusammenleben der Menschen im Ganzen auf. Die Erziehung sozusagen ist eine Form von mitmenschlicher Hilfe bei der kulturellen Neuerschaffung der Gesellschaft. Ohne eine solche Hilfe ginge der Mensch unaufhaltsam körperlich und geistig zugrunde. Mit der grundsätzlichen Erziehungsbedürftigkeit ist die Verwiesenheit auf den anderen Menschen impliziert.

Eben an diesem Punkt kommt die Pädagogik ins Spiel. Wer pädagogisch handelt, hat ein mehr oder weniger bewusstes Menschenbild. Man kann sogar sagen, „Pädagogik in Praxis und Theorie beruht auf einer impliziten Anthropologie“. Geradezu als Paradebeispiel dafür sollen im Folgenden Verknüpfungspunkte zwischen Anthropologie und Pädagogik im Denken Kants nachgezeichnet werden.

Dass diese Verknüpfung legitim und geradezu notwendig ist, steht außer Frage, denn „hinter der Edukation steckt das große Geheimnis der Vollkommenheit der menschlichen Natur.“(4)

2. Einordnung der beiden Werke

2.1 Kant: „Über Pädagogik“

Kant hat erstmalig im Wintersemester 1767/77 “Über Praktische Pädagogik“, auch Erziehungskunst genannt, gelesen und auch in späteren Semestern Vorlesung über Pädagogik gehalten.

„Der Mensch ist das einzige Geschöpf, das erzogen werden muss“. (5)

Mit diesem Satz beginnt Emanuel Kant sein Werk „Über Pädagogik“ und meint damit, dass der Mensch offensichtlich in dieser Hinsicht gegenüber den Tieren eine Art Sonderstellung innehat. Ein ganz wesentliches Wesensmerkmal des Menschen ist die „exzentrische Positionalität“.

Der Begriff Exzentrische Positionalität bezeichnet die Stellung des Menschen und seine wechselseitige Beziehung zu seiner Belebten und unbelebten Umwelt. Positionalität bezeichnet dabei die Eigenschaft lebender Körper, ihre Grenze zur Umwelt zu erhalten, „exzentrisch“ bezieht sich auf die dem Menschen eigene Reflexivität in Bezug auf seine Stellung als Körper in der Welt.

Der Mensch ist nicht von Natur aus in der Lage, durch instinktives Handeln, wie es bei den Tieren möglich ist, sein Bestehen zu sichern.

Er muss sich erst einen Plan des Überlebens zurechtlegen und diesen auch konsequent verfolgen.

Die Erziehung ermöglicht hierbei die Selbstführung und Selbstgestaltung.

„Der Mensch braucht Wartung und Bildung. Bildung begreift unter sich Zucht und Unterweisung. Diese braucht, soviel man weiß, kein Tier !“ (6)

Der Mensch würde aufgrund seiner Instinktreduziertheit jämmerlich zugrunde gehen, wenn er nicht durch andere Menschen, die ihm nahe stehen und auch wiederum eine Erziehung genossen konnten, erzogen würde.

So ist der Mensch gekennzeichnet durch die fundamentale Angewiesenheit auf den Anderen.

Hier liegt einerseits die Chance, in der Gemeinschaft Schritt für Schritt zur Selbstbestimmung zu gelangen, aber auch die Gefahr, dass innerhalb der pädagogischen Interaktion die letzte Stufe der Selbstgesetzgebung nicht erreicht wird.

Kant versteht es so, dass der Mensch das ist, was der Erzieher aus im macht. Somit kommt der Erziehung eines jungen Menschen eine extreme Verantwortung zu. Erziehung ist die mitmenschliche Hilfe bei der vitalen und kulturellen Genese. Ohne eine solche Hilfe ginge der Mensch unaufhaltsam körperlich und geistig zugrunde. Mit der grundsätzlichen Erziehungsbedürftigkeit ist die Verwiesenheit auf den anderen Menschen impliziert. Die Erziehung hat für Kant jedoch noch eine weitere Funktion. Nur durch die Einwirkung der Erziehung kann der Mensch den Status eines moralischen Wesens erreichen und damit den Sinn der Menschheit erfüllen.

Der in der heutigen Zeit oft und gern benutzte Begriff vom „mündigen Bürger“, den wir last not least auch Kant verdanken, der das pädagogischen Jahrhundert der Aufklärung wie kein anderer geprägt hat, gilt heute als eine Art kleinster gemeinsamer Nenner der demokratischer Erziehungs- und Bildungsziele in unserer Gesellschaft.(7)

„Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ So fordert Immanuel Kant die Menschen auf, aus ihrer „selbstverschuldeten Unmündigkeit“ herauszutreten und ihr Schicksal selbst zu bestimmen.

Diese Idee hat auch Anziehungskraft in Zeiten, in denen man ein „anything goes“ nicht mehr unbedingt auf die „Vervollkommnung der Menschheit“ bezieht, nicht verloren. (8)

Kant hat den Menschen keineswegs zu idealistisch gesehen, wie es immer wieder den Eindruck macht. Im Gegenteil ist er immer der Meinung gewesen, dass es eine nicht leicht zu bewältigende Aufgabe darstellt, dem Menschen den rechten Weg aufzuzeigen.

Kant hat die Aufgabe der Erziehung mit nüchterner Strenge beschrieben. Vor diesem Hintergrund gesehen, gewinnt sie einen umso deutlicheren Aufforderungscharakter

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Kant: Über Pädagogik und Foucault: Die gelehrigen Körper, „Überwachen und Strafen“
Hochschule
Technische Universität Darmstadt  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Transformation des Körpers
Note
2,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
13
Katalognummer
V118641
ISBN (eBook)
9783640220649
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kant, Pädagogik, Foucault, Körper, Strafen“, Transformation, Körpers
Arbeit zitieren
Master of Education Marc Schneider (Autor), 2007, Kant: Über Pädagogik und Foucault: Die gelehrigen Körper, „Überwachen und Strafen“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118641

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