„Eine Übersicht über das innenpolitische Konfliktpotential des iberischen Landes zu geben, fällt angesichts der Fülle der vielen Frontlinien, die seine Gesellschaft durchzogen, außerordentlich schwer, zumal alle sozialen Fragen ihre starken regionalen Wurzeln und Abweichungen hatten, was eine Gesamtdarstellung ohne ungerechtfertigte Vereinfachungen fast unmöglich macht,“ beschreibt Patrick v. zur Mühlen in seinem Buch Spanien war ihre Hoffnung, die deutsche Linke im spanischen Bürgerkrieg, welches 1985 erschien. Zu Beginn dieser Hausarbeit sah ich mich genau dieser beschriebenen Problematik ausgesetzt. Die Frage nach den „Gründen“, „Auslösern“, „Ungleichgewichten“, „strukturellen und aktuellen Ursachen“, etc., die zum spanischen Bürgerkrieg bzw. zu dem am 17. Juli 1936 stattfindenden Militärputsch führten, beschäftigt nach wie vor viele Wissenschaftler. Das Spanienbild, welches uns von dieser Zeit vermittelt wird, ist so eindeutig wie die Farbe eines Chamäleons. Deshalb möchte auch ich ganz zu Beginn sagen, dass diese Hausarbeit ein weiterer Versuch ist, auf Fakten basierend, diesen Ablauf der Geschehnisse, diesen sich immerfort verändernden ideologischen Prozess zu fassen und zu deuten.
Zunächst gebe ich einen kurzen Einblick in die Zeit und somit auch in die Stimmung, die in Spanien herrschte. Im Anschluss folgen Schilderungen die die Hauptproblematiken einbetten. Hierbei wird ein besonderer Schwerpunkt auf die immer wieder Probleme auslösenden Reformen geworfen, welche die Bevölkerung untereinander aufspalteten. Die Reformen betrafen die Trennung von Kirche und Staat, die regionalen Autonomien (Katalonien und das Baskenland), das Militär und die sozialen Verhältnisse in der Landwirtschaft.
Abschließen werde ich diese Arbeit mit einer persönlichen Stellungnahme. Ich werde darin ausführen, warum in meinen Augen der Bürgerkrieg damals unvermeidbar war. Hierbei handelt es sich natürlich um eigene Meinungen und Gedanken und obliegt dementsprechend keiner allgemeinen Gültigkeit.
Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung
1 Eine zerrüttete Gesellschaft
2 Die Zweite Republik und ihren bedeutsamsten Reformen
2.1 Die Agrarreform
2.2 Die Trennung von Staat und Kirche
2.3 Die Militärreform
2.4 Regionale Autonomien
3 Weitere Ursachen
4 Eigene Stellungnahme
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexen innenpolitischen Konflikte und strukturellen Ursachen, die zum Scheitern der Zweiten Republik und letztlich zum Militärputsch vom 17. Juli 1936 in Spanien führten.
- Analyse der sozioökonomischen Situation Spaniens zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
- Untersuchung der radikalen Reformvorhaben der Zweiten Republik (Agrar-, Militär-, Kirchenreform).
- Bewertung der regionalen Autonomiebestrebungen in Katalonien und dem Baskenland.
- Erörterung externer Einflüsse wie der Weltwirtschaftskrise und internationaler politischer Entwicklungen.
- Persönliche Reflexion über die Unvermeidbarkeit der gesellschaftlichen Spaltung und des Bürgerkriegs.
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Agrarreform
Einleitend möchte ich ein Zitat von Adrian Schubert anbringen, in dem er sich zu der sozialen Frage äußert: „Objektiv gesehen war die Agrarreform das dringendste Problem, dem die Republik gegenüberstand, aber die Regierung handelte nicht so, als ob dies der Fall sei. Es dauerte fast ein volles Jahr bis dem Parlament ein Gesetzesentwurf präsentiert und weitere sechs Monate bis daraus ein Gesetz wurde. Und selbst dann war das Gesetz weit davon entfernt, den Notwendigkeiten der Situation zu entsprechen.“
Die Agrarreform war die bedeutungsvollste Reform, da von ihr unmittelbar die Lebensbedingungen der gesamten Bevölkerung abhingen. Wie im ersten Teil schon erläutert, war der wirtschaftliche Landbesitz Spaniens sehr ungleichmäßig verteilt, was zu existentiellen Problemen auf Seite der Bauern führte. Die ländliche Oligarchie konnte das Überangebot der Tages- und/oder Saisonarbeiter nutzen, um diese bei Hungerlöhnen arbeiten zu lassen. Die Agrarreform sollte diesen miserablen Umständen Einhalt gebieten und forderte einen Mindesttageslohn und festgeschriebene Arbeitsstunden.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorbemerkung: Die Autorin legt die Schwierigkeit dar, eine objektive Gesamtdarstellung der komplexen Konfliktlinien Spaniens vor 1936 zu verfassen und definiert das Ziel der Arbeit.
1 Eine zerrüttete Gesellschaft: Es wird die gesellschaftliche und wirtschaftliche Misere Spaniens nach der Restauration von 1885 sowie die tiefe Identitätskrise nach dem Verlust der Kolonien 1898 beleuchtet.
2 Die Zweite Republik und ihren bedeutsamsten Reformen: Dieses Kapitel analysiert die politische Instabilität zwischen 1931 und 1936, die durch den stetigen Wechsel zwischen Reformen und deren Rücknahme geprägt war.
2.1 Die Agrarreform: Untersuchung der gescheiterten Umverteilung von Landbesitz und der damit einhergehenden Enttäuschung sowohl bei den Großgrundbesitzern als auch beim Proletariat.
2.2 Die Trennung von Staat und Kirche: Darstellung der antiklerikalen Politik der Regierung und des damit verbundenen massiven Widerstands konservativer gesellschaftlicher Kräfte.
2.3 Die Militärreform: Analyse des Versuchs, das Militär einer zivilen Kontrolle zu unterstellen und die Folgen dieser Politik für die spätere Erhebung.
2.4 Regionale Autonomien: Erläuterung der nationalen Bestrebungen in Katalonien und dem Baskenland als zusätzliche Faktoren der Fragmentierung Spaniens.
3 Weitere Ursachen: Diskussion externer Faktoren wie der Weltwirtschaftskrise und des Einflusses faschistischer Strömungen auf die Destabilisierung der jungen Demokratie.
4 Eigene Stellungnahme: Die Autorin resümiert die Unausweichlichkeit der Ereignisse aufgrund der tiefgreifenden, unversöhnlichen Spaltung der spanischen Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Spanischer Bürgerkrieg, Zweite Republik, Militärputsch, Reformen, Agrarreform, Kirche und Staat, Militärreform, Regionale Autonomien, Katalonien, Baskenland, Weltwirtschaftskrise, Proletariat, latifundias, Anarchosyndikalismus, Polarisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historischen, politischen und sozialen Ursachen, die zur Eskalation der Lage in Spanien und zum Militärputsch am 17. Juli 1936 führten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der strukturellen Zerrüttung der Gesellschaft, den radikalen Reformbemühungen der Republik, regionalen Autonomiebestrebungen sowie den Auswirkungen externer Krisen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den ideologischen und gesellschaftlichen Prozess zu deuten, der zum Zusammenbruch der demokratischen Ordnung und in den Bürgerkrieg mündete.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse historischer Zusammenhänge, wobei verschiedene Forschungsmeinungen gegenübergestellt und in den Kontext der Zeit eingeordnet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der gescheiterten Agrarreform, das Verhältnis von Kirche und Staat, die Militärreform, die regionalen Unabhängigkeitsbestrebungen sowie ergänzende wirtschaftliche Krisenfaktoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben dem Bürgerkrieg und der Zweiten Republik auch die sozioökonomische Spaltung (latifundias), der Reformprozess und die nationale Identitätskrise.
Warum war die Landwirtschaft der entscheidende Faktor für die Unruhen?
Die extreme Ungleichheit der Landverteilung in Form von latifundias führte zu Massenarmut unter den Landarbeitern, deren Unmut durch die inkonsequente Umsetzung der Agrarreform in politisch explosive Aggression umschlug.
Welche Rolle spielte die Kirche in dieser Auseinandersetzung?
Die Trennung von Staat und Kirche verletzte traditionelle gesellschaftliche Stützpfeiler und provozierte einen massiven Widerstand der konservativen Schichten, was die Polarisierung des Landes drastisch verschärfte.
- Quote paper
- Anna Ritte (Author), 2007, Der Weg zum Militärputsch in Spanien am 17. Juli 1936, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118650