Welche Bedeutung haben Liebe und Hass im Zyklus des Werdens und Vergehens bei Empedokles?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
15 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Welche Bedeutung haben Liebe und Hass im Zyklus des Werdens und Vergehens bei Empedokles?
2.1 Charakteristik von Liebe und Hass
2.2. Liebe und Hass im Zusammenspiel mit den Elementen
2.2.1 Die Elemente bei Empedokles
2.2.2 Kreislauf der Elemente unter Einwirkung von Liebe und Hass
2.3 Werden und Vergehen
2.4. Die Menschwerdung
2.5. Die Porentheorie

3. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Liebe und Hass sind Mächte, die die Menschheit beherrschten und beherrschen, früher und heute. Bei dem vorsokratischen Philosophen Empedokles werden sie sogar als göttliche Mächte[1] definiert. Wie kommt Empedokles zu dieser Bezeichnung?

Der altgriechische Philosoph Empedokles lebte etwa um 485- 425 vor Christus[2]. Er stammt aus Akragas, welches heute Arigento heißt. Der Lebenslauf Empedokles’ ist abenteuerlich und was davon stimmt, ist schwer zu bestimmen. Fest steht, dass er einen ähnlichen Ruf genoss wie Pythagoras, also den eines Schamanen, eines wundersamen Mannes, eines Mystikers und Propheten. Im Gegensatz dazu ist er aber auch ein Naturbeobachter, Physiker und Astronom gewesen. „Er behauptete, das ihm zur Verfügung stehende Wissen bilde den Schlüssel für die Beherrschung der Naturgewalten, mit ihm könne der Mensch die Winde anhalten, den Regen herbeirufen und sogar die Toten aus dem Hades zurückholen. Er glaubte fest an die Seelenwanderung.“[3] Sein Tod ist sagenumwoben, so soll er in den Schlund des Ätna gestürzt sein.

Empedokles hinterließ mehrere Fragmente. Die beiden bekanntesten sind die philosophische Dichtung „Von der Natur“ und die religiösen Gedichte unter dem Titel „Entsühnungen“. Beide sind im Versmaß des homerischen Epos verfasst. Des weiteren soll Empedokles Tragödien, politische sowie medizinische Schriften verfasst haben, von denen manche verschollen sind, manche umstritten.

Empedokles geht von vier Urstoffen aus – Feuer, Wasser, Luft und Erde – die von den beiden Kräften Liebe und Hass bewegt werden. Mit Hilfe dieser Grundkonstruktion erklärt er die Welt und ihre Zusammenhänge.

Doch welche Bedeutung haben die beiden Kräfte genau in seiner Philosophie?

Diese Hausarbeit soll sich mit der Frage beschäftigen: Welche Bedeutungen haben Liebe und Hass im Zyklus des Werdens und Vergehens bei Empedokles? Dabei werde ich zuerst Liebe und Hass charakterisieren, danach werde ich mich mit den vier Elementen beschäftigen, da diese der Grundstein vom Werden und Vergehen sind, welches ich im nächsten Abschnitt erläutern werde. Als letztes erläutere ich Werden und Vergehen im größeren Zusammenhang, nämlich in der Kosmogonie der Weltperioden bei Empedokles.

2. Welche Bedeutung haben Liebe und Hass im Zyklus des Werdens und Vergehens bei Empedokles?

2.1 Charakteristik von Liebe und Hass

Liebe und Hass sind entgegengesetzte Kräfte. Liebe wird auch als Aphrodite, Kypris oder Harmonie bezeichnet. Sie gewinnt abwechselnd mit dem Hass die Oberhand. Der Unterschied zwischen Liebe und Streit liegt im Charakter eben dieser Kräfte. Beide sind überall anwesend, auch der Streit.

Liebe und Hass sind körperliche aber auch persönliche Mächte; sie werden sogar mit Göttern gleichgesetzt, jedoch sind sie nur „triebhaft wirkende Naturkräfte, durchaus keine zweckbewusste Intelligenzen.“[4] Diese Aussage grenzt Liebe und Streit deutlich vom Vergleich mit Göttergestalten ab. Sie sind lediglich Kräfte, die in der Natur wirken und von Anfang an in ihr enthalten waren.

Der Streit steckt in den Gliedern des Sphairos, bis seine Zeit gekommen ist. Der Sphairos ist eine aus der Alleinherrschaft der Liebe durch Allverschmelzung hervorgegangene Gottheit[5]. „Aber als der mächtige Streit in den Gliedern [des Sphairos] herangewachsen und zu Ehren emporgestiegen war, als die Zeit erfüllt ward, die nun wechselseitig von einem breiten Eide gezogen ist [...] (fr. 30)“[6].

Man kann sich Liebe und Streit als Atmosphären vorstellen. Die Atmosphäre des Streits hat eine allseitige Ausdehnung: „[...] und gesondert von ihnen [den Elementen] der verderbliche Streit, gleich stark auf allen Seiten [...](fr. 17)“[7]. Dagegen ist die Liebe nur in Länge und Breite gleich ausgedehnt: „[...] und die Liebe unter ihnen [den Elementen], gleich an Länge und Breite (fr. 17)“[8]. Die Liebe bewegt sich also unter den Elementen, hat keine körperliche Ausdehnung wie der Streit Jedoch sollte die Liebe nicht unterschätzt werden. Sie ist für Empedokles eine Art Macht, die alles einschließt. Sie ist halb Atmosphäre, halb Person (Aphrodite).[9] Der Streit hat zwar eine bessere Ausdehnung aber er ist nicht stärker als die Liebe, weil diese durch ihre immense Macht an Stärke gewinnt.

Der Sphairos ruht in der Liebe, er ist in der Liebe gebettet: „So liegt in dem festen Verlies der Harmonie der kugelförmige Sphairos gebannt, der sich der ringsrum herrschenden Einsamkeit freut. (fr. 27)“[10]. Somit gehören die Liebe und der Sphairos bedingungslos zusammen. Aber in den Gliedern des Sphairos ruht auch der Hass, er gibt sich in diesem Idealzustand der Liebe nur nicht zu erkennen.

Des Weiteren definiert Hippolytos Liebe und Streit als ungeworden und unsterblich: „Und es ist der Schöpfer und Urheber der Entstehung aller gewordenen Dinge der verderbliche Streit, dagegen (die Ursache) des Ausgangs der Welt des Gewordenen und ihre Umwandlung und ihre Rückkehr in die Einheit (des Sphairos) die Liebe. Über sie sagt Empedokles, dass sie beide unsterblich und ungeworden sind und überhaupt keinen Anfang ihres Seins haben, mit folgenden Worten: Denn wie sie (Liebe und Streit) früher waren, so werden sie auch fernhin sein, und niemals wird die unendliche Zeit dieser beiden beraubt sein.“[11]

Aristoteles übt Kritik an Empedokles’ Verwendung von Liebe und Streit. Die Begriffe seien nicht klar und manchmal missverständlich, „denn wenn das All durch die Feindschaft in die Elemente auseinandertritt, so wird dadurch das Feuer in Eins vereinigt und ebenso jedes der anderen Elemente. Die Trennung ist ebenso notwendig Vereinigung. Das Getrennte, auf einer Seite zu stehen Kommende ist selbst ein in sich Vereintes, - seine Selbstständigkeit. Die Scheidung der Elemente, welche im All verbunden sind, ist die Vereinigung der Teile jedes Elements für sich.“[12]

2.2. Liebe und Hass im Zusammenspiel mit den Elementen

2.2.1 Die Elemente bei Empedokles

„Empedokles nimmt als Prinzip die vier (Elemente) an, indem er zu den genannten (Wasser, Luft und Feuer) die Erde als viertes hinzugefügt. Diese nämlich – so meint er – dauerten ewig und hätten keine Entstehung, sondern vereinten sich nur in größerer oder geringerer Menge zur Einheit und trennten sich wieder aus der Einheit.“[13] Die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft tragen bei Empedokles die Namen von Göttern „Höre zuerst von den vier Grundwurzeln alles Dinge: Zeus, der Schimmernde, Hera, die Leben verleihende, und Hades und Nestis, die aus ihren Tränen sterbliche Quell entspringen lässt. (fr.6)“[14] Also sieht Empedokles die Elemente nicht als Stoffe, sondern als Lebewesen.

[...]


[1] Vgl. Mansfeld, Japp: Die Vorsokratiker: griechisch/ deutsch., übers. und erl. Von Japp Mansfeld, Stuttgart: Reclam 1983, S. 58.

[2] Ebd. S. 56.

[3] Guthrie, William.: Die griechischen Philosophen von Thales bis Aristoteles. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1950, S. 41.

[4] Capelle, Wilhelm: Die Vorsokratiker: Die Fragmente und Quellenberichte übersetzt und mit einer Einleitung versehen von Wilhelm Capelle. Berlin: Akademie Verlag 1961, S. 186.

[5] Vgl. Schmitz, Hermann: Der Ursprung des Gegenstandes: von Parmenides bis Demokrit. Bonn: Bouvier 1998, S. 300.

[6] Capelle, Wilhelm: Die Vorsokratiker: Die Fragmente und Quellenberichte übersetzt und mit einer Einleitung versehen von Wilhelm Capelle. Berlin: Akademie Verlag 1961, S. 200.

[7] Capelle, Wilhelm: Die Vorsokratiker: Die Fragmente und Quellenberichte übersetzt und mit einer Einleitung versehen von Wilhelm Capelle. Berlin: Akademie Verlag 1961, S. 196.

[8] Ebd.

[9] Schmitz, Hermann: Der Ursprung des Gegenstandes: von Parmenides bis Demokrit. Bonn: Bouvier 1998, S. 302.

[10] Capelle, Wilhelm: Die Vorsokratiker: Die Fragmente und Quellenberichte übersetzt und mit einer Einleitung versehen von Wilhelm Capelle. Berlin: Akademie Verlag 1961, S. 205.

[11] Ebd. S. 198.

[12] S. 349.

[13] Capelle, Wilhelm: Die Vorsokratiker: Die Fragmente und Quellenberichte übersetzt und mit einer Einleitung versehen von Wilhelm Capelle. Berlin: Akademie Verlag 1961, S. 192.

[13] Schmitz, Hermann: Der Ursprung des Gegenstandes: von Parmenides bis Demokrit. Bonn: Bouvier 1998, S. 189f. nach Aristoteles, Metaphysik I 3

[14] Ebd. S. 192.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Welche Bedeutung haben Liebe und Hass im Zyklus des Werdens und Vergehens bei Empedokles?
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Die Vorsokratiker
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V118699
ISBN (eBook)
9783640220908
ISBN (Buch)
9783640223046
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Welche, Bedeutung, Liebe, Hass, Zyklus, Werdens, Vergehens, Empedokles, Vorsokratiker
Arbeit zitieren
Doreen Kötschau (Autor), 2008, Welche Bedeutung haben Liebe und Hass im Zyklus des Werdens und Vergehens bei Empedokles?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118699

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