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Das Verhältnis von Eigenem und Fremdem in Chateaubriands Atala und Rene

Title: Das Verhältnis von Eigenem und Fremdem in Chateaubriands Atala und Rene

Term Paper (Advanced seminar) , 2001 , 27 Pages , Grade: 1.0 (sehr gut)

Autor:in: M.A. Mario Paulus (Author)

French Studies - Literature
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Ausgangspunkt des Seminars „Fremdbilder in der französischen Literatur vom 18. bis zum
20. Jahrhundert”, in dessen Kontext die vorliegende Arbeit verfaßt worden ist, war die
Frage, wie wir mit Fremdheit umgehen und wie sich dies in entsprechenden literarischen
Texten niederschlägt. Damit rücken automatisch das Verhältnis von Eigenem und
Fremdem sowie dessen literarische Darstellung in das Zentrum des Interesses; es wird also
die Differenz zwischen Eigenem und Fremdem thematisiert.
Die Differenz–Forschung ist von kapitaler Bedeutung für die modernen
Geisteswissenschaften, wobei es sowohl um kulturelle als auch um sexuelle Differenz
geht. Tradierte Beurteilungsmuster des Eigenen und Fremden werden dabei ebenso einer
kritischen Analyse unterzogen wie die Problematik, daß Identität überhaupt als eine
Konstruktion angesehen werden muß, die unterlaufen werden kann1.
Für die Literaturwissenschaft ist dieser Forschungszweig zudem deshalb von besonderer
Bedeutung, weil hier mehrere moderne Literaturtheorien miteinander kombiniert werden.
So befindet sich die Differenz–Forschung auf einer Linie mit dem Dekonstruktivismus
eines Jacques Derrida, der als Vertreter des Poststrukturalismus die Auffassung vertritt,
daß bestimmte Grundprinzipien existieren, die die Basis der bestehenden Ordnung bilden,
die aber nicht etwas Unumstößliches sind, sondern die als „das Ergebnis eines bestimmten
Bedeutungssystems” entlarvt werden können. Denn als Konsequenz kann die These
vertreten werden, daß sich ein Geschlechterverhältnis eingebürgert hat, daß keineswegs als
naturgegeben gelten muß. Damit befindet man sich wiederum zugleich im Umfeld der
Diskursanalyse, die sich mit solchen Problemen befaßt.
Auch die Psychoanalytische Literaturtheorie spielt für die Differenz–Forschung insofern
eine Rolle, als bestimmte unbewußte Denkstrukturen des (männlichen) Individuums als
latent vorhanden dekonstruiert werden können.
In der vorliegenden Arbeit ist dementsprechend versucht worden, die erwähnten literaturtheoretischen
Ansätze zu nutzen, um eine möglichst vielschichtige und schlüssige
Interpretation der zu untersuchenden Texte leisten zu können.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Chateaubriands Ungenügen an der Gegenwart

2.1 Die Zeit um 1800 als Epoche des Umbruchs

2.2 Chateaubriands Zivilisationskritik

3. Das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft in „Atala“ und „René“

3.1 Formprobleme

3.2 Figurenkonstellation

4. Die amerikanische Wildnis als das Fremde in der Ferne

4.1 Natur und Naturempfinden in „Atala“ und „René“

4.2 Die Wildnis als zu kolonisierender Raum

5. Die Frau als das Fremde in der Nähe

5.1 Atala und Amélie als heldenhafte Figuren

5.2 Bestätigung des patriarchalen Diskurses

6. Zusammenfassung

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Eigenem und Fremdem in Chateaubriands Werken „Atala“ und „René“, wobei sie analysiert, wie das moderne Individuum in Zeiten gesellschaftlichen Umbruchs seine Identität konstruiert und das Fremde funktionalisiert.

  • Analyse der Differenzforschung zwischen Eigenem und Fremdem im literarischen Kontext.
  • Untersuchung der Zivilisationskritik um 1800 und der Rolle der christlichen Werteordnung.
  • Erforschung der nordamerikanischen Wildnis als Projektionsfläche für gesellschaftliche Fehlentwicklungen.
  • Dekonstruktion des Frauenbildes als „nahes Fremdes“ im patriarchalen Diskurs.
  • Verbindung von psychoanalytischen Ansätzen mit soziokulturellen Fragestellungen.

Auszug aus dem Buch

3.2 Figurenkonstellation

Zunächst aber soll unter dem Gesichtspunkt der Figurenkonstellation gezeigt werden, wie die Problematik des Verhältnisses von Individuum und Gesellschaft inhaltlich in den beiden Werken zu erkennen ist.

Sieht man einmal von den beiden Missionaren (Père Aubry in „Atala” und Père Souel in „René”) ab, treten insgesamt vier Hauptfiguren auf: Chactas, René, Atala und Amélie. Es fällt auf, daß Verwandtschaftsbeziehungen zwischen diesen Figuren eine wichtige Rolle spielen. So ist Atala in gewisser Weise die Halbschwester Chactas', Amélie ist die Schwester Renés, und Chactas hat René als Sohn adoptiert. Dieser Befund wäre an sich noch nichts Außergewöhnliches, doch es fällt auf, daß außerhalb der Gesellschaftsform der Kernfamilie Chactas' bzw. Renés - mit der bereits erwähnten Ausnahme der beiden Missionare - keine individuellen Figuren auftreten, und diesem Sachverhalt muß Rechnung getragen werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Hinführung zur Differenz-Forschung und der Fragestellung nach dem Verhältnis von Eigenem und Fremdem im literarischen Kontext.

2. Chateaubriands Ungenügen an der Gegenwart: Erläuterung der Epoche um 1800 als Zeit des Umbruchs und Untersuchung der Zivilisationskritik als Ausgangspunkt für die Hinwendung zum Fremden.

3. Das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft in „Atala“ und „René“: Analyse der Identitätsproblematik und formaler sowie inhaltlicher Aspekte der Figurenkonstellation.

4. Die amerikanische Wildnis als das Fremde in der Ferne: Darstellung der Natur als positiver, aber durch die Kolonisierung veränderter Raum zur Überwindung eigener Fehlentwicklungen.

5. Die Frau als das Fremde in der Nähe: Untersuchung der geschlechtsspezifischen Differenz und der Bestätigung des patriarchalen Diskurses durch die Unterordnung der Frau.

6. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse zur Funktionalisierung des Fremden zur Festigung des eigenen, männlich geprägten Identitätsentwurfs.

Schlüsselwörter

Chateaubriand, Atala, René, Differenz-Forschung, Identität, Zivilisationskritik, Fremdbilder, Patriarchat, Kolonialismus, Literaturtheorie, psychoanalytische Literaturtheorie, Individuum und Gesellschaft, Natur und Kultur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das Verhältnis von Eigenem und Fremdem in den Erzählwerken „Atala“ und „René“ von Chateaubriand und untersucht, wie dieses Verhältnis die Identitätskonstruktion des modernen Individuums um 1800 widerspiegelt.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die Zivilisationskritik, das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft, die Funktion von Natur und Wildnis als Projektionsräume sowie die Darstellung der Frau im patriarchalen Kontext.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Chateaubriand das Fremde funktionalisiert, um das moderne männliche Subjekt zu definieren und die bestehende europäisch-christliche Ordnung zu bestätigen.

Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt Ansätze der modernen Literaturtheorie, insbesondere der Differenz-Forschung, der Diskursanalyse sowie psychoanalytische Deutungsmuster zur Untersuchung von Identitäts- und Sozialisationsproblemen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des historischen Kontextes (Umbruchzeit um 1800), die formale und inhaltliche Analyse der Figurenkonstellation, die Deutung der nordamerikanischen Wildnis und die Untersuchung der Frauengestalten als „nahes Fremdes“.

Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Identitätskonstruktion, Zivilisationskritik, patriarchaler Diskurs, Fremdbilder und die Synthese von Kultur und Natur.

Warum spielt das Motiv des Inzests in der Arbeit eine Rolle?

Die Arbeit thematisiert das Inzestmotiv in beiden Werken als Indikator für das Scheitern der Sozialisation der Hauptfiguren, da diese nicht in der Lage sind, eine emotionale Bindung außerhalb ihres familiären Umkreises aufzubauen.

Inwiefern spielt der christliche Glaube eine zentrale Rolle bei der Bewertung des Fremden?

Der christliche Glaube fungiert in der Arbeit als die höchste Instanz, die als Maßstab für die moralische Ordnung dient und bestimmt, wie sowohl die „wilde“ Naturlandschaft als auch das Handeln der weiblichen Figuren bewertet werden.

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Details

Title
Das Verhältnis von Eigenem und Fremdem in Chateaubriands Atala und Rene
College
University of Trier  (Romanistik)
Course
Seminar Fremdbilder in der französischen Literatur vom 18. bis zum 20. Jahrhundert
Grade
1.0 (sehr gut)
Author
M.A. Mario Paulus (Author)
Publication Year
2001
Pages
27
Catalog Number
V11870
ISBN (eBook)
9783638179164
Language
German
Tags
Verhältnis Eigenem Fremdem Chateaubriands Atala Rene Seminar Fremdbilder Literatur Jahrhundert
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Mario Paulus (Author), 2001, Das Verhältnis von Eigenem und Fremdem in Chateaubriands Atala und Rene, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11870
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