Zu Beginn ist es nötig einige Definitionen hinsichtlich des weiteren Inhalts dieser Filmgeschichte zu geben. Für diese Arbeit möchte ich als Bedeutung des Wortes „Film“ den narrativen Kinofilm zu Grunde legen. Dies soll den Spielfilm nicht über den Dokumentar- oder Experimentalfilm, um nur zwei weitere Filmarten zu nennen, erheben sondern lediglich einen Focus für meine Arbeit setzen. Weiterhin entschied ich mich die Geschichte des Films auf den deutschen Film einzugrenzen. Dies schien mir sinnvoll, da ich selbst in der deutschen Gesellschaft geboren und aufgewachsen bin und somit zu Filmen aus Deutschland einen persönlicheren Zugang habe als zu Filmen aus anderen Ländern. Selbstverständlich soll das ausländische Filme und Entwicklungen weder als unwichtig deklarieren noch unterschlagen sondern stellt einzig und allein den für die vorliegende Arbeit gesetzten Focus. Schwerpunktmäßig werde ich zu jeder Epoche Beispielfilme herausgreifen um an ihnen die teilweise enge Verknüpfung des deutschen Films mit der deutschen Geschichte herauszuarbeiten. Dabei müssen zwangsläufig viele wichtige Filme unbeschrieben oder sogar ungenannt bleiben. Alles andere aber würde den Rahmen dieser Arbeit deutlich sprengen. Die Exilfilme der vor dem Nazi-Regime geflohenen Filmkünstler werden in dieser Arbeit nicht behandelt, da sie nicht direkt im Umfeld der deutschen Gesellschaft entstanden sind.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Anfänge und der Weltkrieg (1895-1919)
2.1 Die ersten Filme
2.2 Die Filme bis zum 1. Weltkrieg
2.3 Die Filme während des 1. Weltkriegs
3 Der Weimarer Film (1919-1933)
3.1 Die 1920er Jahre
3.2 Die 1930er Jahre vor der NSDAP
4 Der nationalsozialistische Film (1933-1945)
4.1 Propagandafilm
4.2 Unterhaltungsfilm
5 Filme im Nachkriegs-Deutschland (1945 -1961)
6 Der geteilte Film (1961-1989)
6.1 Film in der DDR
6.1.1 Die 1960er Jahre
6.1.2 Die 1970er Jahre
6.1.3 Die 1980er Jahre
6.2 Film in der BRD
6.2.1 Die 1960er Jahre
6.2.2 Die 1970er Jahre
6.2.3 Die 1980er Jahre
7 Der Film im wiedervereinigten Deutschland (1989-2008)
7.1 Die 1990er Jahre
7.2 Filme im 21. Jahrhundert
8 Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Geschichte des deutschen Kinofilms von den Anfängen im Jahr 1895 bis zum Jahr 2008. Ziel ist es, anhand ausgewählter Beispielfilme die enge Wechselwirkung zwischen der Entwicklung des deutschen Films und den gesellschaftspolitischen Umbrüchen der jeweiligen Epochen aufzuzeigen.
- Die Entwicklung des deutschen Films in verschiedenen historischen Epochen (Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Nachkriegszeit).
- Die Auswirkungen der politischen Teilung Deutschlands auf die Filmproduktion in der DDR und BRD.
- Die Rolle des Films als Spiegel gesellschaftlicher Ängste, Ideologien und Identitätssuchen.
- Die Transformation des deutschen Kinos nach der Wiedervereinigung und aktuelle Tendenzen im 21. Jahrhundert.
Auszug aus dem Buch
Die 1920er Jahre
Zwei bedeutende Arten des deutschen Films zwischen den Weltkriegen waren der expressionistische Film und der Horrorfilm. Auf den ersten Blick scheint der expressionistische Film Spiegel der verletzten Seele der Deutschen zu sein. „Schräge Linien, schiefe Wände, geneigte Ebenen, verzerrte Perspektiven ...“ sind das optische Markenzeichen des ersten expressionistischen Films Das Cabinet des Dr. Caligari (1920) von Robert Wiene. Auch inhaltlich zeigen sich Verbindungen zu der zutiefst verunsicherten Gesellschaft. Die Figur Caligari ist eine Vielschichtige und tritt als „… Psychiater, Mörder und Schausteller …“ auf. Somit verteilt sich die Titelfigur des Films auf das gehobene Bürgertum, das kriminelle Milieu sowie das Proletariat gleichermaßen und verwischt damit traditionellen Grenzen der deutschen Gesellschaft. Caligari lässt den Zuschauer an der gehobenen Klasse ebenso zweifeln wie an der eigenen Schicht und deutet dabei an, „… dass das Böse und Fremde nicht von außen kommt, sondern hinter respektierlichen Fassaden lauert.“ Freilich wird am Ende des Filmes das Publikum beruhigt indem sich der vermeintliche Held (Franzis) als verrückt und Dr. Caligari als sein führsorglicher Arzt herausstellt.
Als expressionistischer Film mit dieser sehr speziellen optischen Gestaltung bleibt Das Cabinet des Dr. Caligari einzigartig. Die Themen des expressionistischen Filmes dagegen finden sich in einer langen Reihe weiterer Filme dieser Epoche. Bevorzugte Handlungen waren: „… Vater-Sohn-Konflikte … Gefahren weiblicher Sexualität … und die Faszination für Chaos, Wahnsinn und Rebellion.“ Weiterer Filme die diese Themen weitestgehend in sich vereinen sind Der müde Tod (1921) und Metropolis (1927) von Fritz Lang, Schatten (1923) von Arthur Robison und Der letzte Mann (1924) von Friedrich Wilhelm Murnau.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Definiert das Verständnis von „Film“ als narrativen Kinofilm und grenzt den Untersuchungsgegenstand auf den deutschen Film ein.
2 Die Anfänge und der Weltkrieg (1895-1919): Beleuchtet die ersten Filmvorführungen, die Etablierung des Kinos sowie die Bedeutung von Genres wie Kriminalfilmen und Melodramen bis zum Ersten Weltkrieg.
3 Der Weimarer Film (1919-1933): Analysiert den expressionistischen Film und Horrorfilm als Spiegel einer durch Krieg und Inflation verunsicherten Gesellschaft.
4 Der nationalsozialistische Film (1933-1945): Beschreibt die Gleichschaltung der Filmwirtschaft sowie die Rolle des Propagandafilms und Unterhaltungsfilms im „Dritten Reich“.
5 Filme im Nachkriegs-Deutschland (1945 -1961): Untersucht den Neuanfang der Filmwirtschaft in den Besatzungszonen und das Verdrängen der NS-Vergangenheit in westdeutschen Produktionen.
6 Der geteilte Film (1961-1989): Analysiert die getrennte Entwicklung der Filmkulturen in der DDR (DEFA) und der BRD (u.a. Neuer Deutscher Film) unter dem Aspekt der Konkurrenz zum Fernsehen.
7 Der Film im wiedervereinigten Deutschland (1989-2008): Betrachtet den Wandel des deutschen Kinos nach der Wende hin zu kommerziellen Unterhaltungsfilmen sowie neue Entwicklungen im 21. Jahrhundert.
8 Schluss: Fasst die Geschichte des deutschen Films als einen Prozess der ständigen Auseinandersetzung mit politischen und sozialen Umbrüchen zusammen.
Schlüsselwörter
Deutscher Film, Filmgeschichte, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, DEFA, Neuer Deutscher Film, Propaganda, Unterhaltungsfilm, Gesellschaftskritik, Identitätssuche, Wiedervereinigung, Filmwirtschaft, Zensur, Exilfilme, Kinokultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen historischen Überblick über die Entwicklung des deutschen Kinofilms von 1895 bis 2008 und untersucht dessen enge Verknüpfung mit der deutschen Geschichte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die filmische Verarbeitung gesellschaftlicher Umbrüche, die Entwicklung von Genres, die politische Instrumentalisierung durch Zensur und Propaganda sowie die Transformation des Films in der DDR und BRD.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, anhand repräsentativer Beispielfilme aufzuzeigen, wie das deutsche Kino auf die wechselvollen politischen und sozialen Verhältnisse im Laufe des 20. und frühen 21. Jahrhunderts reagiert hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine filmhistorische Analyse, bei der ausgewählte Spielfilme als Quelle für gesellschaftliche und politische Stimmungen in den jeweiligen Epochen herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch von den Anfängen über die Weimarer Zeit, die NS-Ära, die Zeit der Teilung bis hin zum wiedervereinigten Deutschland und diskutiert dabei jeweils die prägenden Filmstile und ihre Hintergründe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Deutscher Film, Filmgeschichte, Propaganda, Neuer Deutscher Film, DEFA, Zeitgeschichte, Gesellschaftskritik und filmische Identität.
Welche Rolle spielte das "Oberhausener Manifest" in der Geschichte des deutschen Films?
Das Manifest von 1962 markierte die Geburtsstunde des "Jungen Deutschen Films", mit dem Filmemacher mehr Freiheit von Konventionen und Bevormundung forderten, um einen neuen deutschen Spielfilm zu kreieren.
Wie hat sich die Rolle des Films nach der Wiedervereinigung verändert?
Nach 1989/90 zeigte sich ein Erstarken des kommerziellen Unterhaltungskinos, während sich gleichzeitig neue Filmemacher verstärkt mit den Problemen der multikulturellen Gesellschaft in Deutschland auseinandersetzten.
- Quote paper
- Nadine Müller (Author), 2008, Die Geschichte des deutschen Kinos und seiner Filme, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118704