Inhaltliche und formale Merkmale germanischer Rufnamen und deren Funktionen


Hausarbeit, 2008

17 Seiten, Note: 3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Themenrelevante Definitionen und begriffliche Erklärungen zu „Namen“
2.1. Unterscheidung zwischen Nomen proprium und Nomen appellativum
2.2. Klassifizierung der Namen
2.3. Was ist ein Rufname?

3. Germanische Rufnamen
3.1. Motivierung germanischer Rufnamen
3.2. Zweigliedrigkeit und Komposition germanischer Rufnamen
3.2.1. Funktion der Erst- und Zweitglieder in germanischen Rufnamen
3.2.2. Geschlecht germanischer Rufnamen
3.2.3. Götter- und Tiernamen als Bestandteil germanischer Rufnamen
3.3. Verkürzung germanischer Rufnamen

4. Schlussbetrachtung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen dieser Hausarbeit beschäftige ich mich mit verschiedenen grundlegenden Aspekten germanischer Rufnamen.

Meine Ausführungen beginne ich mit einem begriffstheoretischen Teil, in dem, für das Hauptthema und die eigentliche Untersuchung relevante Begrifflichkeiten, definiert und erklärt werden, um dem Verlauf der folgenden Untersuchung adäquat folgen zu können. Dabei gehe ich explizit auf den Unterschied zwischen Propria (Eigennamen) und Appellativa (Gattungsnamen) ein. Propria bezeichnen stets etwas Individuelles um eine gewisse Abgrenzung und Unverwechselbarkeit zu erzeugen, wobei Appellativa die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Klasse oder Gattung ausdrücken. Des Weiteren erfolgt in diesem Teil die Einteilung der Namen in unterschiedliche Klassen, wobei ich mich auf Anthroponyme (Personennamen), Toponyme (Ortsnamen) und eine Klasse beziehe, welche Namen beinhaltet, die weder in die erste, noch in die zweite Klasse eindeutig eingeordnet werden können. Zudem zeige ich auf, dass bezüglich der Klassifizierung bislang keine Einigung auf ein einheitliches, allgemein akzeptiertes Modell erzielt werden konnte. Im letzten Punkt dieses Abschnitts, gehe ich auf den Begriff ‚Rufname‘ ein, welcher synonym mit dem Begriff ‚Personenname‘ ist und der Bezeichnung eines Individuums dient.

Anschließend beginne ich mit der Untersuchung und wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Hauptthema, mit welchem ich mich anhand einer konkreten Fragestellung auseinandersetze.

Im ersten Teil gehe ich auf die Motivierung germanischer Rufnamen ein, um zu zeigen, auf welcher Grundlage bzw. (beziehungsweise) Grundlagen germanische Rufnamen gebildet worden und durch welche Bereiche die Namen beeinflusst worden. Des Weiteren spielt die Form germanischer Rufnamen eine signifikante Rolle. Damit meine

ich die Eigenschaft der Zweigliedrigkeit und die damit verbundenen Bedeutung des jeweiligen Personennamens. Die Zweigliedrigkeit der germanischen Rufnamen liegt in der Komposition begründet, d.h. (das heißt) bestimmten Regeln der Verknüpfung von zwei Wörtern zu einem Wort. Die Komposition und die Zweigliedrigkeit stellen neben der Motivierung die Bedeutung der formalen Seite germanischer Rufnamen dar. Aufbauend auf die Komposition setze ich mich mit der Funktion des Erst- und Zweitgliedes des Kompositums auseinander. Anknüpfend daran, befasse ich mich mit dem durch das jeweilige Erst- und Zweitglied bedingte Geschlecht germanischer

Rufnamen, um zu zeigen, dass das Erst- und das Zweitglied unter anderem dazu dienten, das Geschlecht einer bestimmten Person festzulegen. Das Auftreten von Tier- und Götternamen als Bestandteil germanischen Rufnamen, stellt einen weiteren Punkt meiner Untersuchung dar, welcher einerseits in den Bereich der Zweigliedrigkeit und Komposition, andererseits aber auch in den der Motivierung fällt. Abschließend gehe ich auf die Verkürzung germanischer Rufnamen ein, um einen Bezug zur Gegenwart herzustellen und zu zeigen, dass diese Wortbildungsart, welche schon zur Zeit der Germanen zur Anwendung kam, immer noch aktuell ist. Des Weiteren gehe ich dabei auf verschiedene Varianten und die Funktion der Verkürzung ein.

Die zentrale Frage, welche der folgenden Ausarbeitung zugrunde liegt, lautet: „ Was sind inhaltliche und formale Merkmale germanischer Anthroponyme und welche Funktion liegt diesen Merkmalen zugrunde?“

Das Ziel welches ich mit der Erarbeitung der Thematik verfolge, ist, in klaren Zügen grundlegende Merkmale und die Funktion einzelner Bestandteile germanischer Rufnamen darzulegen und jene anhand gewählter Beispiele zu verdeutlichen. Der Kernpunkt meiner Untersuchung beschränkt sich demzufolge auf die formale und inhaltliche Seite germanischer Rufnamen.

2. Themenrelevante Definitionen und begriffliche Erklärungen zu „Namen“

2.1. Unterscheidung zwischen Nomen proprium und Nomen

appellativum

Der Eigenname (lat. nomen proprium) verweist im Gegensatz zum Gattungsnamen (lat. nomen appellativum) nicht auf eine Klasse von Gegenständen, Erscheinungen oder Prozessen, sondern auf das Einzelwesen, oder das Individuelle. Armin Burkhardt spricht von der „identifizierenden Beziehung auf ein Referenzobjekt“ (Burkhardt, 2004, 13), welche er als „primäre Bedeutung“ (ebd.) bezeichnet. Damit ist gemeint, dass eine Beziehung zwischen einem Namen und einem entsprechenden Referenten, wie beispielsweise einer Person, herrscht. Das bedeutet, dass das nomen proprium lediglich eine Markierungsfunktion, jedoch im Gegensatz zum nomen appellativum keine Bedeutung besitzt (vgl. Bauer, 1998, 35). Propria zeichnen sich besonders durch ihre Identifizierungsfunktion aus, wodurch „ein Individuum von anderen gleichartigen abgegrenzt“ (Bauer, 1998, 36) wird. Auch wenn sich die Eigenschaften der bezeichneten Person oder Sache wandeln, wenn Personen z.B. älter werden, bleibt die Bezeichnung konstant (vgl. Burkhardt, 2004, 13). Sowohl Burkhardt als auch Bauer sind der Ansicht, dass Propria über ihre Bezeichnungs- und Identifizierungsfunktion hinaus, wie Appellativa funktionieren können. Armin Burkhard spricht von der „sekundären Bedeutung“ (Burkhardt, 2004, 14) von Eigennamen, durch die Eigennamen neben ihrer „Bezeichnungsfunktion noch eine Bedeutung […] entwickeln“ (ebd.), insofern sie als Metaphern gebraucht werden, wie z.B. in „Einstein ist der Kopernikus des 20. Jahrhunderts“ (ebd.). Sobald Propria eine Bedeutung entwickeln, funktionieren sie prinzipiell wie Appellativa (vgl. Burkhardt, 2004, 15). Gerhardt Bauer vertritt dies bezüglich eine ähnliche Meinung, denn auch “den Eigennamen können gewisse Hinweise auf Eigenschaften zukommen, die klassenspezifisch sind“ (Bauer, 1998, 35). So zum Beispiel (z.B.) in Hans und Schwarzwald. In diesem Beispiel ist Hans ein männlicher deutscher Vorname und Schwarzwald ein deutsches Toponym, welches eine natürliche Gegebenheit bezeichnet (vgl. Bauer, 1998, 35).

Appellativa hingegen werden ohne Rücksicht auf ihre individuellen Besonderheiten einer einheitlichen Objektklasse zugeordnet“ (Bauer, 1998, 36.). Ein Appellativ ist beispielsweise Baum, was für verschiedene Arten von Bäumen steht, die gemeinsame Merkmale aufweisen. Dabei müssen nicht alle Merkmale der Objekte einer Klasse oder Gattung übereinstimmen, aber der Großteil. Auch können Appellativa „nur ein einziges, individuelles Objekt bezeichnen“ (ebd.). Dies ist anhand der Beispiele Sonne und Gott recht einfach nachzuvollziehen. Sonne bezeichnet einen Stern, der den Mittelpunkt unseres Sonnensystems darstellt und ist in diesem Kontext eindeutig als nomen proprium anzusehen, da genau diese eine Sonne gemeint ist. Betrachtet man es jedoch als nomen appellativum, wird Bezug auf alle Sonnen des Universums genommen, da jedes Sonnensystem eine andere Sonne besitzt, welche den Mittelpunkt bildet. Selbiges trifft bei Gott zu. Mit Gott ist meistens der christliche Gott gemeint und somit erfolgt eine eindeutige Bezeichnung. Gott, in diesem Kontext, ist folglich als nomen proprium anzusehen. Blickt man jedoch in die Zeit der griechischen Antike zurück, dann wird schnell klar, dass es sich bei dem Begriff Gott auch um ein nomen appellativum handeln kann. Begründet liegt dies in der Tatsache, dass in der griechischen Antike nicht nur ein einziger Gott verehrt und angebetet wurde, sondern viele verschiedene Götter, die gemeinsam eine Klasse bilden, der gemeinsame Eigenschaften und Merkmale zugrunde liegen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Inhaltliche und formale Merkmale germanischer Rufnamen und deren Funktionen
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Veranstaltung
Sprachgeschichte im Überblick
Note
3
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V118714
ISBN (eBook)
9783640217274
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Inhaltliche, Merkmale, Rufnamen, Funktionen, Sprachgeschichte
Arbeit zitieren
Stefan Nehl (Autor), 2008, Inhaltliche und formale Merkmale germanischer Rufnamen und deren Funktionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118714

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