Die Arbeit beschäftigt sich mit den Rahmenbedingungen sowie der Reformnotwendigkeit der Organspende. Des Weiteren werden verschiedene Ansätze vorgestellt, die eine Alternative darstellen können. Zielsetzung dieser Arbeit ist es, anhand der Analyse des Status quo der Organspende die Gründe zu ermitteln, die für den in Deutschland herrschenden Organmangel verantwortlich sind. Darüber hinaus gilt es festzustellen, ob die geltende Entscheidungslösung reformiert werden sollte und welche der vorgestellten Lösungsansätze hierfür eine Option darstellen.
Die Organtransplantation stellt für viele Patienten auf der Warteliste die einzige Therapieform dar. Jedoch herrscht in Deutschland ein akuter Mangel an postmortalen Organen, sodass täglich Patienten versterben. Trotz Einführung der Entscheidungslösung im Jahre 2012 und der Verpflichtung der Krankenkassen zu einer besseren Aufklärung ist kein ausreichender Anstieg zu verzeichnen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellungen und Relevanz der Thematik
1.2 Fragestellung und Zielsetzung
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Methodische Vorgehensweise
2.1 Grundlagenrecherche
2.2 Systematische Literaturrecherche
3 Rahmenbedingungen der Organspende in Deutschland
3.1 Arten der Transplantation
3.1.1 Postmortale Organspende
3.1.2 Lebendspende
3.1.3 Gewebespende
3.1.4 Weitere Transplantationsmöglichkeiten
3.2 Strukturen, Regelungen und Abläufe
3.2.1 Entscheidungslösung
3.2.2 Vergaberegelung der Organe
3.2.3 Kriterien der Organverteilung
3.2.4 Hirntoddiagnostik
3.2.5 Ablauf der postmortalen Organspende
4 Reformnotwendigkeit der Organspende
4.1 Organbedarf in Deutschland
4.1.1 Aktueller Stand des Spendeaufkommens
4.1.2 Entwicklung
4.2 Nutzen und Effekte der Organspende als Therapieform
4.2.1 Perspektive auf der Patientenebene
4.2.2 Perspektive auf der Systemebene
4.2.3 Perspektive auf der volkswirtschaftlichen Ebene
4.3 Entscheidungsgrundlage in der Allgemeinbevölkerung
4.3.1 Aufklärung und Informationslage in Deutschland
4.3.2 Spendenbereitschaft der Bevölkerung
4.3.3 Strukturelle und finanzielle Situation in den Krankenhäusern
5 Lösungsansätze zur Kompensierung des Organmangels
5.1 Anreizmodelle
5.2 Reziprozitätsmodelle
5.3 (Erweiterte) Widerspruchslösung
5.4 Gesetzesentwürfe
5.4.1 Aktueller Reformvorschlag der Bundesregierung
5.4.2 Gegenentwurf
6 Diskussion
6.1 Diskussion der Reformnotwendigkeit der Entscheidungslösung
6.2 Diskussion der Lösungsansätze
6.3 Limitation
7 Empfehlungen für die Praxis
8 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht den akuten Organmangel in Deutschland und analysiert, ob die aktuell geltende Entscheidungslösung reformiert werden sollte. Ziel ist es, die Gründe für das unzureichende Spendeaufkommen zu identifizieren und potenzielle Lösungsansätze, wie Anreizmodelle oder die Widerspruchslösung, auf ihre praktische Umsetzbarkeit und Eignung zur Kompensierung des Mangels zu prüfen.
- Analyse des Status Quo der Organspende und der Gründe für den Organmangel.
- Untersuchung der strukturellen und finanziellen Rahmenbedingungen in Entnahmekrankenhäusern.
- Evaluation verschiedener Lösungsmodelle zur Steigerung der Spendebereitschaft.
- Diskussion der ethischen und rechtlichen Aspekte von Reformmodellen.
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemstellungen und Relevanz der Thematik
Die Organtransplantation ist eine Erfolgsgeschichte der Hochleistungsmedizin (vgl. Motakef 2014, 20). Seit der ersten deutschen Transplantation im Jahre 1963 wurden insgesamt über 135.000 Organe in Deutschland transplantiert (DSO 2018, 14). Jedoch befindet sich Deutschland bei den Organspenden pro Millionen Einwohner1 im unteren statistischen Bereich der europäischen Länder (Weigland 2018,1093-1095). So hatte Spanien im Jahre 2017 pro Mio./Einwohner 46,6 Organspender, wohingegen Deutschland nur 9,7 Organspender aufzuweisen hatte (DSO 2018, 66).
Folglich handelt es sich hierbei um ein nationales Problem (Weigland 2018, 1093; Fliser et al. 2019, 155). Deutschland importiert seit Jahren mehr Organe aus dem gesamten Eurotransplant-Raum, als es in diesen wieder zurückgibt (Weigland 2018, 1092-1094; vgl. DSO 2018). Trotzdem sterben in Deutschland jeden Tag drei Menschen auf der Warteliste, die mit einer Organtransplantation eine Überlebenschance gehabt hätten (Rahmel 2019, 100). Momentan befinden sich fast 10.000 Patienten auf der Warteliste (DSO 2018,11). Dem gegenüber stehen jährlich circa 3.000 Spenderorgane (DSO 2018, 9). Daraus entsteht ein Defizit von 7.000 Spenderorgane, mit steigender Tendenz in der Zukunft (Buyx 2009, 7f).
Obwohl die Mehrheit der Bevölkerung, 84%, Umfragen zufolge ihre Organe nach dem Tod spenden würde, besitzen nur circa 35% der Deutschen einen Organspendeausweis (BZgA 2018). Zwischen der Theorie der Spendenbereitschaft und der Umsetzung der Spendenbereitschaft ist somit eine große Diskrepanz zu erkennen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Organknappheit, Darlegung der Problemstellung und Definition der Forschungsfragen.
2 Methodische Vorgehensweise: Beschreibung der angewandten Literaturrecherche sowie der Auswahlkriterien für die wissenschaftlichen Quellen.
3 Rahmenbedingungen der Organspende in Deutschland: Erläuterung der verschiedenen Arten der Transplantation und der rechtlichen sowie strukturellen Abläufe.
4 Reformnotwendigkeit der Organspende: Analyse des Organbedarfs, des Nutzens der Transplantation und der aktuellen Informationslage in der Bevölkerung.
5 Lösungsansätze zur Kompensierung des Organmangels: Vorstellung verschiedener Modelle wie Anreizsysteme, Reziprozitätsmodelle und die Widerspruchslösung.
6 Diskussion: Kritische Auseinandersetzung mit der Notwendigkeit einer Reform und Bewertung der Lösungsansätze.
7 Empfehlungen für die Praxis: Ableitung konkreter Handlungsempfehlungen basierend auf den Ergebnissen der Analyse.
8 Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und kritische Reflektion zur zukünftigen Entwicklung.
Schlüsselwörter
Organspende, Deutschland, Organmangel, Vergaberegelung, Organallokation, Lösungsansätze, Reformierung, Transplantation, Widerspruchslösung, Anreizmodelle, Patientenperspektive, Eurotransplant, Hirntoddiagnostik, Spendenbereitschaft, Transplantationsgesetz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Problematik des akuten Organmangels in Deutschland und untersucht, wie die aktuelle Entscheidungslösung reformiert werden kann, um das Spendeaufkommen nachhaltig zu steigern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Analyse der aktuellen Spendezahlen, die rechtlichen Rahmenbedingungen der Organspende, die Rolle der Entscheidungslösung sowie die Diskussion alternativer Modelle wie die Widerspruchslösung oder Anreizsysteme.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es zu ermitteln, ob die derzeitige Entscheidungslösung reformiert werden muss und welcher Lösungsansatz am besten geeignet ist, um den Mangel an Spenderorganen in Deutschland zu bekämpfen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit basiert auf einer systematischen Literaturrecherche in wissenschaftlichen Datenbanken wie Google Scholar und Springer Link sowie einer ergänzenden Grundlagenrecherche.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Rahmenbedingungen, die Analyse der Reformnotwendigkeit sowie eine eingehende Untersuchung und Diskussion verschiedener Lösungsmodelle zur Organkompensation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Organspende, Organmangel, Entscheidungslösung, Widerspruchslösung, Transplantation und Organverteilung.
Inwiefern beeinflusst das Gesetz zur Verbesserung der Zusammenarbeit und der Strukturen bei der Organspende (GZSO) die Situation?
Das GZSO soll durch bessere Vergütung und interne Qualitätsmanagementsysteme in den Entnahmekrankenhäusern die Melderaten für potenzielle Spender erhöhen, wobei der tatsächliche Effekt zum Zeitpunkt der Arbeit noch nicht absehbar war.
Warum wird die Widerspruchslösung in der Arbeit als realistische Alternative diskutiert?
Sie wird als realistische Option angesehen, da sie in vielen europäischen Ländern mit hoher Spenderrate bereits erfolgreich praktiziert wird und das Gemeinschaftswohl stärker in den Fokus rückt.
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- Anonym (Autor:in), 2019, Organspende in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1187317