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Einwilligung in eine medizinische Maßnahme aufgrund unzureichender Aufklärung

Eine ethische Fallanalyse

Title: Einwilligung in eine medizinische Maßnahme aufgrund unzureichender Aufklärung

Term Paper , 2000 , 13 Pages , Grade: bestanden

Autor:in: Matthias Riesen (Author)

Medicine - Medical Frontiers and Special Areas
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Diese Arbeit beschäftigt sich mit einer ethischen Fallanalyse zum Thema: Einwilligung in eine medizinische Maßnahme aufgrund unzureichender Aufklärung.

Von der unfallchirurgischen Allgemeinstation wurde eine 84-jährige Patientin auf eine operative Intensivstation verlegt. Die Frau befand sich in deutlich reduziertem Allgemeinzustand, war aber zeitlich, örtlich, situativ und zur Person voll orientiert. Zuvor war sie in der Wohnung des Sohnes, bei dem sie schon seit Längerem wegen Pflegebedürftigkeit wohnte, gestürzt und hatte sich dabei eine Rippenserienfraktur auf der rechten Seite zugezogen.

Nachdem die Patientin stationär aufgenommen war, verschlechterte sich ihr Zustand rapide, was sich hauptsächlich durch eine starke Dyspnoe mit Zyanose zeigte. Die daraufhin veranlasste Röntgenuntersuchung des Thorax ergab rechtsseitig eine ausgeprägte Pneumonie.

Die zuständige Stationsärztin der Intensivstation erläuterte der Patientin ihre Diagnose und erklärte ihr, dass es jetzt notwendig sei, eine endoskopische Untersuchung der Lunge vorzunehmen, um angesammeltes Sekret, welches die Entzündung verursacht hatte, abzusaugen und zu untersuchen. Dazu sei es notwendig, so die Ärztin, dass die Patientin vorübergehend narkotisiert und künstlich beatmet werden müsse.

Dieses jedoch lehnte die Patientin strikt ab. Sie argumentierte, dass sie schon genug durchgemacht hätte und nicht bereit sei, noch weitere Qualen zu ertragen. Außerdem sei sie mit 84 Jahren alt genug, um zu sterben.
Die Stationsärztin, von dieser Reaktion überrascht, wandte sich an ihren Oberarzt. Dieser besprach die Situation zunächst mit den Angehörigen der Patientin, die von der Notwendigkeit der geplanten medizinischen Maßnahme sofort überzeugt waren. Im anschließenden Gespräch versuchten Sohn und Schwiegertochter die alte Frau zu einer Einwilligung zu überreden, zunächst ohne Erfolg.

Die Patientin hatte inzwischen hohe Temperaturen entwickelt, und wurde zunehmend tachykard und hypoton. Es war, medizinisch gesehen, höchste Eile geboten. Nun wandte sich der Oberarzt persönlich an die Patientin. Er erklärte ihr nochmals den geplanten Eingriff und betonte ausdrücklich, dass dieser keine Qualen, sondern Erleichterung herbeiführen und zudem nur wenige Minuten dauern würde. Nach nochmaligem Zuspruch seitens der Angehörigen willigte die Patientin schließlich ein.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Darstellung der Handlungssituation

2. Darstellung des moralischen Problems

3. Darstellung und Diskussion von Lösungsmöglichkeiten

4. Ethische Reflexion und Begründung der in den Lösungsvorschlägen als normativ anerkannten Grundsätze und Argumentationsweisen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert eine ethische Konfliktsituation in der Intensivpflege, in der eine Patientin gegen ihren erklärten Willen medizinischen Maßnahmen unterzogen wurde. Ziel der Untersuchung ist es, die moralischen Dilemmata zwischen Patientenautonomie, ärztlicher Behandlungspflicht und der Rolle des Pflegepersonals kritisch zu beleuchten und ethisch zu reflektieren.

  • Konflikt zwischen Patientenautonomie und medizinischer Interventionspflicht
  • Die Rolle und ethische Belastung des Pflegepersonals in der Hierarchie
  • Ethische Beurteilung von Manipulation und Desinformation bei der Einwilligung
  • Verantwortungsethik versus utilitaristisches Handeln in der Intensivmedizin
  • Einfluss juristischer Ängste auf die ärztliche Entscheidungsfindung

Auszug aus dem Buch

3. Darstellung und Diskussion von Lösungsmöglichkeiten

„Entscheidungen sind unausweichlich. Wir können zwischen verschiedenen möglichen Handlungen wählen, aber wir können nicht wählen, ob wir überhaupt wählen sollen. Auch wenn wir eine Handlung unterlassen, haben wir eine Entscheidung getroffen.“ (F. Ricken 1998: 10)

Wenn wir also akzeptiert haben, dass wir uns für eine Handlungsmöglichkeit entscheiden müssen, ist es notwendig, sich vorher alle möglichen Verhaltensalternativen bewusst zu machen und deren Vor- bzw. Nachteile zu reflektieren. Dadurch wird deutlich, dass Ethik eine praktische Wissenschaft ist, in der es um eine bewusste verantwortbare Praxis geht. (vgl. F. Ricken 1998: 19)

Zunächst möchte ich alle Lösungsmöglichkeiten darstellen, die die moralische Problematik aus pflegerischer Sicht betreffen. Die kategorische Ablehnung aller medizinischen Maßnahmen durch die Patientin war für die Pflegekraft zunächst bindend. Schließlich machte sie einen voll orientierten Eindruck und auch ihre Argumentationsweise bezüglich ihres hohen Alters und ihres Gesundheitszustandes mit den damit verbundenen Qualen waren nachvollziehbar. Die Wahrscheinlichkeit auf Heilung und Rehabilitation waren aufgrund ihres reduzierten Allgemeinzustandes und ihres Krankheitsbildes sehr gering. Jedoch musste sich die Pflegekraft die Frage stellen, ob nicht auch eine Therapie mit geringer Erfolgsaussicht es verdient hatte, in Betracht gezogen zu werden. Bewegen wir uns im Intensivbereich doch ständig in einem Grenzbereich des Machbaren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Darstellung der Handlungssituation: Das Kapitel schildert den Fall einer 84-jährigen Patientin auf der Intensivstation, die trotz anfänglicher Ablehnung einer Bronchoskopie unter Druck zur Einwilligung bewegt wurde und anschließend gegen den ursprünglichen Plan dauerhaft sediert wurde.

2. Darstellung des moralischen Problems: Hier wird das Spannungsfeld zwischen der ärztlichen Pflicht zur Behandlung, der Patientenautonomie und der ethischen Loyalität des Pflegepersonals gegenüber den Ärzten analysiert.

3. Darstellung und Diskussion von Lösungsmöglichkeiten: Das Kapitel evaluiert verschiedene Handlungsoptionen von der Akzeptanz des Patientenwillens bis zur manipulativen Überredung und diskutiert deren ethische Vor- und Nachteile.

4. Ethische Reflexion und Begründung der in den Lösungsvorschlägen als normativ anerkannten Grundsätze und Argumentationsweisen: Die abschließende Reflexion hinterfragt die Handlungsweisen auf Basis ethischer Theorien und kritisiert das vorherrschende medizinische Verständnis sowie die Unterordnung der Pflege unter eine rein ärztlich bestimmte Hierarchie.

Schlüsselwörter

Pflegeethik, Patientenautonomie, Intensivpflege, Einwilligung, Therapieentscheidung, Behandlungspflicht, Moral, Ethische Reflexion, Patientenverfügung, Hierarchie, Verantwortungsethik, Utilitarismus, Sedierung, medizinische Maßnahme, Aufklärung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit untersucht den ethischen Konflikt, der entsteht, wenn eine medizinisch notwendige Behandlung gegen den erklärten Willen einer Patientin durchgeführt wird.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind Patientenautonomie, die ethische Verantwortung von Pflegekräften in der Stationshierarchie und die Rechtfertigung ärztlicher Eingriffe unter dem Druck juristischer Konsequenzen.

Was ist die zentrale Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt nach dem ethisch korrekten Umgang mit einer Patientenentscheidung in einer intensivmedizinischen Notfallsituation und der Rolle der Pflege in diesem Dilemma.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine ethische Fallanalyse, die auf Basis pflegeethischer und philosophischer Prinzipien die Handlungsmöglichkeiten der Akteure reflektiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden der konkrete Fall geschildert, das moralische Problem aus ärztlicher und pflegerischer Sicht erörtert und die ethische Begründung für die gewählten Handlungsweisen hinterfragt.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Patientenautonomie, Behandlungspflicht, ethische Reflexion und das Spannungsfeld zwischen Wollen und Sollen charakterisiert.

Wie bewertet der Autor die Rolle des Pflegepersonals in diesem Fall?

Der Autor kritisiert die Passivität der Pflegekraft, merkt jedoch an, dass die starre Stationshierarchie und der Zeitdruck in Notfällen eine aktive ethische Mitgestaltung erschwert haben.

Warum konnte die Patientin schließlich doch zu der Maßnahme bewegt werden?

Die Einwilligung wurde durch eine gezielte Kombination aus beharrlichem Zuspruch der Angehörigen und die Art der ärztlichen Aufklärung, die den Eingriff verharmloste, erreicht.

Welche Rolle spielten juristische Ängste bei der Behandlung?

Die Angst der Ärzte vor juristischen Konsequenzen bei unterlassener Hilfeleistung führte zu einer utilitaristischen Abwägung, bei der die Behandlungspflicht höher gewichtet wurde als der Patientenwille.

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Details

Title
Einwilligung in eine medizinische Maßnahme aufgrund unzureichender Aufklärung
Subtitle
Eine ethische Fallanalyse
College
Martin Luther University
Grade
bestanden
Author
Matthias Riesen (Author)
Publication Year
2000
Pages
13
Catalog Number
V1187643
ISBN (PDF)
9783346626356
ISBN (Book)
9783346626363
Language
German
Tags
Ethik Moral Dilemma Intensivpflege Gesundheits- und Krankenpflege Intensivmedizin Patientenautonomie Therapiebegrenzung Fallanalyse Patientenaufklärung Patienteneinwilligung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Matthias Riesen (Author), 2000, Einwilligung in eine medizinische Maßnahme aufgrund unzureichender Aufklärung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1187643
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