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Das Stilmittel der Ironie in Marie von Ebner-Eschenbachs "Er laßt die Hand küssen"

Title: Das Stilmittel der Ironie in Marie von Ebner-Eschenbachs "Er laßt die Hand küssen"

Term Paper , 2021 , 17 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Melina Boll (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Diese Arbeit analysiert die Wirkung des Stilmittels Ironie in "Er laßt die Hand küssen" von Marie von Ebner-Eschenbach.

Marie von Ebner-Eschenbachs Novelle bietet wie auch andere ihrer Erzählungen eine Kritik am Adel. In den Dorf- und Schloßgeschichten erschienen, thematisiert die Novelle den bürgerlichen Realismus. Die Autorin selbst stammt aus dem Adel und habe für verbesserte Verhältnisse auf dem Land gestrebt. Sie habe sich erhofft, mit ihrem Handeln Verbesserungen zu erreichen und die Spanne zwischen dem Adel und dem Volk zu minimieren.

Der liberale Erzähler hat ein Ziel, das er mit seiner Geschichte erreichen will, und verwendet dabei eine Reihe von Mitteln, die sich in den Sphären der Ironie bewegen. Dabei ist die konservative Zuhörerin seine Adressatin, bei der er sich einen Wandel erhofft. Was der Erzähler mit seiner Geschichte bezwecken will und welcher Mittel er sich dabei bedient, soll in dieser Hausarbeit analysiert werden.

Um seinen Zweck und die Mittel dazu herauszuarbeiten, soll zunächst der Begriff der „Ironie“ geklärt werden, da diese ein durchgehendes stilistisches Mittel des Erzählers ist. Im Anschluss wird im Hinblick auf dieses Stilmittel der Bereich der Herrschaft näher beleuchtet, indem die Darstellungsweise der Großmutter des Erzählers untersucht wird. So werden die Verhältnisse zwischen der Herrin und ihren Untertanen thematisiert, aber auch ihre ironisch dargestellte Art zu handeln.

Im Kontrast dazu wird der Bereich der Bürgerlichen genauer analysiert, indem die ironische Darstellung der Diener, Mischka, aber auch des bürgerlichen Doktors analysiert wird. Die Diener haben auf der bürgerlichen Seite die größte Nähe zum herrschaftlichen Bereich und werden vom Erzähler dementsprechend übertrieben dargestellt.

Zuletzt wird auf die Zuhörerin eingegangen, die als das kritische Gegenüber Kommentare einwirft und den ironischen Erzähler hinterfragt. Sie entspricht dem Zielobjekt der Geschichte des Erzählers, da ihre Lebenssituation ähnlich wie die der Herrin ist, weshalb er sich einen Sinneswandel bei seiner Zuhörerin erhofft. Schließlich werden in einem Fazit die wichtigsten Ergebnisse rekapituliert.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das erzählerische Mittel der Ironie

2.1 Der Herrschaftsbereich

2.2 Der Bereich der Bürgerlichen

2.3 Die Bedeutung der Zuhörerin

3. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die erzählerischen Mittel, insbesondere die Funktion der Ironie, in Marie von Ebner-Eschenbachs Novelle „Er lasst die Hand küssen“. Ziel ist es, die Absicht des Erzählers herauszuarbeiten, der durch die ironische Distanzierung vom Herrschaftsbereich und die Darstellung der Zuhörerin als kritisches Gegenüber einen Mentalitätswandel bei seiner Adressatin anregen sowie eine kritische Auseinandersetzung mit dem Adel anstoßen möchte.

  • Analyse des Ironiebegriffs und dessen Anwendung im Erzählkontext
  • Untersuchung der Ambivalenz im Herrschaftsbereich anhand der Großmutter
  • Kontrastierung der Sphären von Adel und Bürgertum (Macht vs. Ohnmacht)
  • Rolle des Kammerdieners Fritz und des Doktors als Repräsentanten gesellschaftlicher Strukturen
  • Bedeutung der Zuhörerin als dialogisches und kritisches Korrektiv des Erzählers

Auszug aus dem Buch

2.1 Der Herrschaftsbereich

Die Ironie im Handeln der Großmutter des Erzählers ziehe sich durch die gesamte Geschichte. Um dieses Handeln ironisch zu unterstreichen, wähle der Erzähler speziell ausgewählte Sequenzen, die die Herrin als diejenige darstellen, die stets „das Gute will und das Böse schafft“, wobei andere Sequenzen weniger detailliert erzählt, oder gar ausgelassen würden. Beispielsweise würden alle Hinweise darauf, dass Mischka schuldig an seinem Schicksal sein könnte, ausgelassen, woran erkenntlich werde, auf welcher Seite der Erzähler stehe. So werden einerseits Details ausgeklammert, andererseits werden Hinweise gegeben, die in eine spezielle Richtung lenken: Der Erzähler spreche in seiner Erzählung nur von seinem Vater, jedoch werde sein Großvater nicht thematisiert; so habe er das Bild Mischkas „nicht im Nachlass [s]eines Vaters“ (S. 31) gefunden. Auch in den folgenden Schilderungen wird von keinem Mann an der Seite der Großmutter gesprochen, weshalb sie als eine alleinstehende Frau dargestellt werde, die ihre Herrschaft allein zu verwalten habe.

Der Erzähler hebe ihre Sittenstrenge hervor, die er mit einem ironischen Kommentar markiert: „Im Punkte Moral jedoch verstand sie nur äußerste Strenge, gegen sich selbst nicht minder als gegen andere.“ (S. 36) Auf der einen Seite wolle die Herrin ihre Untertanen vor der „Sittenverderbnis“ (S. 36) schützen, aber auf der anderen Seite würden ihre Bedürfnisse als alleinstehende Frau deutlich, in denen der Erzähler den Antrieb ihrer Handlungen sehe. So werde Mischka nach dem Erntekranzfest nicht aufgrund seines fleißigen Einsatzes befördert, sondern aufgrund seines Auftretens: „[E]r überreichte den seinen schweigend, aber nicht mit gesenkten Augen, sah vielmehr die hohe Gebieterin ernsthaft und unbefangen an“ (S. 31f.). Schließlich kann seine Beförderung nicht an seiner Tüchtigkeit liegen, da „es einer Tracht väterlicher Prügel bedurft hatte, um den Burschen zu diesem Handkuss in Gedanken zu bewegen“ (S. 32).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Adelskritik in Ebner-Eschenbachs Novelle ein und skizziert das methodische Vorgehen der Untersuchung, die den Fokus auf die Rolle des Erzählers und seine ironische Distanzierung legt.

2. Das erzählerische Mittel der Ironie: Dieses Kapitel definiert Ironie als stilistisches Mittel des uneigentlichen Sprechens, das genutzt wird, um soziale und moralische Missstände ohne explizite Belehrung zu kritisieren.

2.1 Der Herrschaftsbereich: Der Text analysiert die ambivalente Darstellung der Großmutter, deren Anspruch auf Sittlichkeit durch ihre willkürlichen Handlungen und geheimen Begierden ironisch unterlaufen wird.

2.2 Der Bereich der Bürgerlichen: Dieses Kapitel befasst sich mit der Darstellung der Diener, insbesondere des Kammerdieners Fritz, und des Doktors, um aufzuzeigen, wie Gehorsam einerseits und bürgerliche Vermittlung andererseits das System der Herrschaft stützen oder kritisieren.

2.3 Die Bedeutung der Zuhörerin: Die Analyse der Zuhörerin verdeutlicht deren Rolle als kritisches Gegenüber, das durch Einwände die Objektivität des Erzählers hinterfragt und die dialogische Struktur der Novelle prägt.

3. Schluss: Der Schlussteil fasst zusammen, wie der Erzähler mittels Ironie seinen Standpunkt verschleiert und durch die Gegenüberstellung von Herrschaft und Bürgertum einen Mentalitätswandel bei seiner Adressatin anstrebt.

Schlüsselwörter

Ironie, Marie von Ebner-Eschenbach, Er lasst die Hand küssen, Bürgerlicher Realismus, Adelskritik, Erzählperspektive, Herrschaftsbereich, Gehorsam, Ambivalenz, Literaturanalyse, Sozialkritik, Zuhörerin, Mischka, Systemkritik, Kommunikation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die spezifischen erzählerischen Mittel, allen voran die Ironie, die die Autorin Marie von Ebner-Eschenbach in ihrer Novelle einsetzt, um eine subtile Kritik an adligen Strukturen zu formulieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Diskrepanz zwischen moralischem Anspruch und tatsächlichem Handeln der Herrschaft, die Rolle von Gehorsam und Unterwerfung sowie die Dynamik zwischen den verschiedenen sozialen Schichten im Bürgerlichen Realismus.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel besteht darin, aufzuzeigen, wie der Erzähler mittels ironischer Distanzierung versucht, seine Zuhörerin zu einem Mentalitätswandel zu bewegen und das System der Herrschaft zu entlarven.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text auf Basis der Rhetorik und Erzähltheorie untersucht und dabei relevante Sekundärliteratur zur Einordnung heranzieht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Herrschaftsbereichs, die bürgerliche Welt (Diener/Doktor) und die Funktion der Zuhörerin als interaktivem Spiegel des Erzählers.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Ironie, Adelskritik, Systemkritik, Ambivalenz und Erzählperspektive charakterisiert.

Warum wird der Kammerdiener Fritz im Text so detailliert analysiert?

Fritz dient als Exempel für den „bestellten Gehorsam“ und zeigt die Verinnerlichung herrschaftlicher Werte, was ihn zu einem zentralen, ironisch porträtierten Vermittler zwischen den sozialen Ebenen macht.

Welche Bedeutung hat die Figur der Zuhörerin für die Erzählstruktur?

Sie fungiert als kritisches Korrektiv, das durch ständige Einwände und Unterbrechungen die Erzählweise des Grafen hinterfragt und somit die Ambivalenz des gesamten Berichtes offenlegt.

Wie unterscheidet sich die Darstellung von Mischka von der der anderen Diener?

Mischka wird als „dummlich“ oder naiv gezeichnet und durch seine Opferrolle in der Herrschaftsstruktur klar von den „einfältigen“, hämischen Dienern unterschieden, wobei der Erzähler explizit Partei für ihn ergreift.

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Details

Title
Das Stilmittel der Ironie in Marie von Ebner-Eschenbachs "Er laßt die Hand küssen"
College
University of Constance
Grade
1,3
Author
Melina Boll (Author)
Publication Year
2021
Pages
17
Catalog Number
V1187646
ISBN (PDF)
9783346625557
ISBN (Book)
9783346625564
Language
German
Tags
Ebner-Eschenbach Er lasst die Hand küssen Ironie Stilmittel Erzähler
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Melina Boll (Author), 2021, Das Stilmittel der Ironie in Marie von Ebner-Eschenbachs "Er laßt die Hand küssen", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1187646
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