Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Besonderheiten des Monologs in "Der Bau" von Franz Kafka.
Die Erzählung „Der Bau“ wurde Ende 1923 und 1924 von Franz Kafka verfasst und im Jahr 1928 durch Max Brod veröffentlicht. Es handelt sich hierbei um eine von Kafkas letzten Erzählungen, die erhalten geblieben sind. „Der Bau“ lässt sich aus der Sicht eines unbestimmten Tieres lesen, welches in Abgeschiedenheit zur Außenwelt in einem unterirdischen, selbst errichteten Bau lebt. Der Bau spielt in der monologischen Erzählung eine zentrale Rolle im Leben des Tieres und schenkt ihm die ersehnte Ruhe und Geborgenheit in der Abgeschiedenheit.
Vor allem aber bietet der Bau ihm durch die vielen eingebauten Vorsichtsmaßnahmen den nötigen Schutz vor den potenziellen Feinden der Außenwelt. Der Bau hat für das Tier dabei nicht nur die Rolle seines Zuhauses übernommen, er ist ebenso der volle Stolz des Tieres und verkörpert die Konstruktion seiner selbst, mit der er durch und durch verschmolzen ist.
Um die Besonderheiten der Erzählung mit dem Fokus auf das Monologische ausführen zu können, muss zunächst geklärt werden, was der Monolog im Eigentlichen ist. Es werden einige Besonderheiten des Inneren Monologs aufgezählt und es wird eine Abgrenzung und Differenzierung des Begriffs Innerer Monolog zu verwandten Begriffen vorgenommen.
Anschließend wird gezielt auf die Eigentümlichkeiten im Monolog von Kafkas „Der Bau“ eingegangen und er wird in eine der zuvor aufgeführten Kategorien eingeordnet. Es wird im Folgenden betrachtet, wie die Gefühls- und Gedankenwelt des Tieres (durch die Betrachtung des Monologs) aufgebaut sind und welche Besonderheiten erkennbar sind.
Danach wird die Verknüpfung zwischen der tierischen Erzählstimme und des Monologs diskutiert, das heißt, ob eine klare Grenze zwischen diesen Gegensätzen gezogen werden kann oder inwiefern dies Schwierigkeiten aufweist. Die Auswirkung des Monologs auf die Erzählung als Konstruktion wird als Nächstes betrachtet. Der Monolog wird hier auf seine Funktion untersucht.
Anschließend werden die zentralen Erkenntnisse in der Schlussbemerkung übersichtlich zusammengefasst und in Form eines Fazits ausformuliert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Der Innere Monolog – Eine allgemeine Auseinandersetzung mit dem Begriff
2.2 Besonderheiten der Erzählsituation des Monologs
2.3 Die Aussagekraft des Monologs über den Erzähler
2.3.1 Probleme und Beziehungen zu sich selbst und mit anderen
2.3.2 Entscheidungsfindung und die Charakteristik der inneren Unruhe
2.3.3 Die Sorgen und Ängste des Erzählers
2.3.4 Selbstkritik und wichtige Erkenntnisse
2.4 Zusammenhang tierischer Erzählstimme und Monolog
2.5 Auswirkungen des Monologs auf den Leser
3. Schlussbemerkung
4. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die spezifischen Merkmale des Monologs in Franz Kafkas Erzählung „Der Bau“. Ziel ist es, die Erzählstruktur sowie die psychologische Tiefe des tierischen Protagonisten zu entschlüsseln und zu analysieren, wie die monologische Form die Wahrnehmung des Lesers beeinflusst.
- Abgrenzung des inneren Monologs von verwandten Erzählformen.
- Analyse der widersprüchlichen Gefühlswelt und Entscheidungsunfähigkeit des Erzählers.
- Untersuchung der tierischen Identität im Kontext des monologischen Erzählens.
- Wirkung der Erzählweise auf die Rezeption durch den Leser.
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Innere Monolog – Eine allgemeine Auseinandersetzung mit dem Begriff
Die Gattung des Monologs ist heutzutage in der modernen Literatur weit verbreitet. Der Monolog an sich stellt jedoch nur einen Überbegriff dar, welcher in verschiedene Unterbegriffe kategorisiert werden kann. Der Unterschied zum ursprünglichen Monolog besteht darin, dass die Handlung bei ihm verbal stattfindet, während bei dem inneren Monolog¹ der Inhalt im „Innenraum des Bewusstseins“² der jeweiligen Figur in der 1. Person Singular in der Gegenwart behandelt wird. Der innere Monolog behandelt also die inneren Gedanken- und Gefühlsprozesse aus der Sicht der jeweiligen Figur, mit der absoluten Abwesenheit des eigentlichen Erzählers. Allerdings können „[...] im Inneren Monolog narrative Informationen in verschiedenen Codierungen getarnt vorliegen [...]“³, damit die Lesbarkeit der Geschichte durch die zwischen den Zeilen gegebenen Informationen ermöglicht wird.⁴
Der innere Monolog lässt sich signifikant von dem „traditionellen Selbstgespräch“⁵ und der „freien indirekten Gedankenwiedergabe“⁶ abgrenzen. Das traditionelle Selbstgespräch unterscheidet sich unter anderem durch den „[...] auktorialen Kontext [...] sowie seine rhetorische Prägung und rationale Argumentationsstruktur in der Form des Dialogs.”⁷ Das „Ich“ geht in den Dialog mit sich selbst, Wolfgang G. Müller spricht hier von einer Debatte, welche in einer Konflikt- oder Entscheidungssituation geführt wird. Die freie indirekte Gedankenwiedergabe unterscheidet sich von dem Erzählerbericht lediglich durch die Ersetzung des üblichen Erzählers durch die „[...] innere Sprache des dargestellten Charakters [...]“⁸. Die freie indirekte Gedankenwiedergabe wiederum ist gekennzeichnet durch das Tempus im Präteritum, die 3. Person Singular durch die „freie indirekte Gedankenwiedergabe“⁹, durch welche der Charakter die Funktion des Erzählers übernimmt. Trotz dessen nennt Müller Gemeinsamkeiten zwischen dem inneren Monolog und der freien indirekten Gedankenwiedergabe. Beide Techniken lenken die Erzählkunst in Richtung der Innenweltdarstellung¹⁰.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Entstehungsgeschichte von „Der Bau“ ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die monologische Erzählstruktur und die Figur des Tieres zu untersuchen.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert theoretische Grundlagen des inneren Monologs, die spezifische Erzählsituation des Protagonisten, dessen Ängste und Selbstreflexionen sowie die ambivalente Wirkung auf den Leser.
3. Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung fasst die Ergebnisse zusammen und hebt hervor, dass die monologische Form essenziell für das Verständnis der Identität und der psychischen Verfassung des Erzählers ist.
4. Literaturverzeichnis: Das Literaturverzeichnis listet alle verwendeten Primär- und Sekundärquellen auf, die zur Analyse der Erzählung herangezogen wurden.
Schlüsselwörter
Kafkas Der Bau, Innerer Monolog, Erzählstruktur, Bewusstseinsstrom, Tiererzählung, Literaturwissenschaft, Identität, Selbstgespräch, narrative Analyse, Identifikation, Ratlosigkeit, Sprachanalyse, psychologisches Erzählen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die besonderen Ausprägungen des Monologs in Franz Kafkas Erzählung „Der Bau“ und untersucht, wie diese Erzählform zur Darstellung der Innenwelt des tierischen Erzählers beiträgt.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Analyse?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung narrativer Begriffe wie „innerer Monolog“ und „Bewusstseinsstrom“, die psychologische Verfassung des Protagonisten sowie das Verhältnis von Mensch und Tier in der Erzählweise.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch die monologische Erzählsituation ein ungefilterter Blick in die Gedankenwelt des Protagonisten gewährt wird und welche Rolle die erzählerische Indiskretion dabei spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die sich auf die Erzähltheorie (u.a. nach G. Genette und M. Martinez/M. Scheffel) stützt, um die Textstruktur und die Erzählweise systematisch zu untersuchen.
Was wird im umfangreichen Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil deckt die Definition des inneren Monologs, die Untersuchung der Ängste, die Entscheidungsunfähigkeit des Erzählers sowie die Analyse des Verhältnisses von tierischer Identität und menschlicher Erzählweise ab.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Kafkas „Der Bau“, „innerer Monolog“, „Erzählperspektive“, „Identitätskonflikt“ und „literarische Indiskretion“.
Wie deutet der Autor das „Zischen“ im Bau?
Der Autor greift Deutungen von H. Henel auf, wonach das „Zischen“ keine reale Bedrohung durch einen Feind darstellen muss, sondern als Projektion der paranoiden Wahrnehmung des Erzählers zu verstehen ist.
Inwieweit lässt sich das Tier als Erzähler klassifizieren?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass das Wesen nicht eindeutig zwischen Tier und Mensch klassifiziert werden kann, da die Erzählstimme sowohl tierische Instinkte als auch menschliche Reflexionsfähigkeit aufweist.
Welche Auswirkung hat die monologische Form auf den Leser?
Die monologische Form erzeugt beim Leser ein Gefühl der Ratlosigkeit und des Befremdens, da er zum Zeugen eines ungeschönten, teils irrationalen Denkprozesses wird, ohne dass ein adressierter Dialog stattfindet.
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- David Müller (Author), 2021, Die Besonderheiten des Monologs in "Der Bau" von Franz Kafka, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1187701