Das Beurteilungssystem der Bielefelder Laborschule


Seminararbeit, 2008
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurzportrait
2.1 Die äußeren Daten
2.2 Die vier Stufen und ihre Merkmale im Überblick

3. Die Beurteilung in der Laborschule
3.1 Aufwachsen ohne Noten – ein Beispiel
3.2 Die Berichte zum Lernvorgang
3.3 Die Umsetzung in den Stufen
3.4 Die Inhalte der Lernberichte

4. Schlusswort

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang

1. Einleitung

„Vergleiche nie ein Kind mit einem anderen, sondern immer nur mit sich selbst“, forderte Johann Heinrich Pestalozzi bereits 1790. Ein hoher Anspruch, den auch die Gründer der Laborschule Bielefeld an sich gestellt haben. Sie entwickelten ein Beurteilungssystem, das die Individualität der Kinder und Jugendlichen berücksichtigt. Noten werden dabei weitestgehend durch persönliche Berichte zum Lernvorgang ersetzt.

Wie die praktische Umsetzung dieser außergewöhnlichen Form der Beurteilung aussieht und welche Besonderheiten es diesbezüglich gibt, ist die zentrale Fragestellung, der ich nachgehen möchte.

Im ersten Teil der Arbeit setze ich mich zunächst mit den äußeren Rahmenbedingungen der Bielefelder Laborschule auseinander und stelle die einzelnen Stufen und ihre Merkmale vor. Sie bilden die Grundlage für das Verständnis des Beurteilungssystems, welches im zweiten Teil der Arbeit ausführlich vorgestellt werden soll. Den Abschluss bildet ein kurzes Schlusswort.

2. Kurzportrait

2.1 Die äußeren Daten

Die Laborschule Bielefeld ist eine Versuchsschule des Landes Nordrhein-Westfalen und zugleich Wissenschaftliche Einrichtung der Pädagogischen Fakultät der Universität Bielefeld.1974 wurde sie gemeinsam mit dem benachbarten Oberstufen-Kolleg (gymnasiale Oberstufe, die zusammen mit der Laborschule die Versuchsschule bildet) nach den Ideen des Pädagogen Hartmut von Hentig gegründet.[1] Von Hentig führte diesbezüglich zwei Gründungsaspekte an: „aus der Absicht, ein Beobachtungs-, Erfahrungsund Experimentalfeld für die Erziehungswissenschaften zu errichten, und aus der Absicht, eine Schule zu gründen, die Kindern unserer Zeit hilft, erwachsen zu werden“[2].

Ihr Auftrag ist es, „neue Formen des Lehrens und Lernens und des Zusammenlebens in der Schule zu entwickeln und in geeigneter Weise der Öffentlichkeit zu präsentieren“[3]. Die Forschungsund Entwicklungsarbeit dazu erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Universität Bielefeld.[4]

Die Laborschule ist eine Angebotsund Ganztagsschule. Sie nimmt Kinder aus ganz Bielefeld im Alter von fünf Jahren nach einem bestimmten Aufnahmeschlüssel auf. Dieser orientiert sich am Bildungsgang der Eltern und gewährleistet, dass alle gesellschaftlichen Schichten in etwa in der Verteilung vertreten sind, wie sie in der Stadt Bielefeld zu verzeichnen sind. So liegt beispielsweise der Anteil der Kinder allein erziehender Eltern bei 50%. Zusätzlich fließen Aufnahmekriterien wie die Ausgeglichenheit der Geschlechter, soziale Härtefälle und die Entfernung zwischen Wohnung und Schule ein. Des Weiteren ist die Versuchsschule eine Gesamtschule besonderer Prägung, da sie die Kinder ohne jegliche äußere Selektion zu den möglichen Abschlüssen der Sekundarstufe I führt.[5]

Jedes Jahr werden ca. 60 Vorschulkinder aufgenommen, die in der Regel bis zum Ende des zehnten Jahrgangs (elf Jahre) an der Schule bleiben. Insgesamt werden also 660 Schülerinnen und Schüler an der Laborschule unterrichtet. [6]

2.2 Die vier Stufen und ihre Merkmale

Die elf Laborschuljahre sind in vier Stufen gegliedert:

Stufe I: Jahrgänge 0 bis 2 (jahrgangsgemischte Gruppen)

Stufe II: Jahrgänge 3 und 4

Stufe III: Jahrgänge 5 bis 7

Stufe IV: Jahrgänge 8 bis 10[7]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Übersicht zu den einzelnen Stufen der Laborschule[8]

Stufe I: In Stufe I werden 15 Kinder – darunter Vorschulkinder, Kinder des ersten und des zweiten Jahrgangs – in jahrgangsgemischten Gruppen von je einer Lehrerin unterrichtet. Es gibt ein integriertes Vorschuljahr, welches den Kindern einen sanften Übergang vom Leben in der Familie zum Leben und Lernen in der Schule ermöglicht. Der Unterricht ist ganzheitlich und ungefächert, d.h. das Lernen orientiert sich nicht am Stundenplan, sondern am Tageslauf. Die Fünfbis Achtjährigen lernen in dieser Zeit zusammen. So können die Kleineren nicht nur von den Erwachsenen lernen, sondern auch von den Größeren. Zudem lernt jedes Kind nach seinem eigenen Arbeitsrhythmus und ohne Zeitund Leistungsdruck. Der Schultag wird durch die Morgenversammlung, die Arbeitszeit, das Frühstück und die Gruppenzeit rhythmisiert. Die Nachmittagsbetreuung erfolgt durch Erzieherinnen.[9] Der Aufenthalt in Stufe I dauert in der Regel drei Jahre. Einige Kinder, die nach Einschätzung der Lehrenden und der Eltern noch nicht ausreichend vorbereitet für die nächste Stufe erscheinen, können ein weiteres Jahr bleiben.[10]

Stufe II: In Stufe II werden neue Gruppen gebildet: aus dem im Normalfall 60 übergehenden Kindern, die aus 13 verschiedenen Gruppen der Stufe I kommen, werden nun drei neue Stammgruppen von ca. 20 Kindern (jahrgangsgleich, aber dennoch mit der üblichen Altersspanne von eineinhalb bis zwei Jahren) gebildet. Der Unterricht ist weiterhin ganzheitlich orientiert und wird überwiegend von einer Betreuungslehrerin oder einem Betreuungslehrer erteilt.[11]

Ein großer Teil der Schulzeit dient dem praktischen Lernen in Form von Gruppenoder Jahrgangsprojekten, deren Ergebnisse öffentlich vorgestellt werden (z.B. Zirkusaufführung, öffentliche Lesung selbstgeschriebener Geschichten). Des Weiteren lernen alle Kinder vom dritten Jahrgang an Englisch in spielerischer und altersgerechter Form.[12]

Stufe III: In Stufe III gliedert sich der Unterricht in Erfahrungsbereiche, d.h. der Unterricht ist noch nicht in Fächer gegliedert, sondern in größere Einheiten, aus denen diese spä- ter hervorgehen:

- Umgang mit Menschen (Sozialwissenschaft)
- Umgang mit Sachen – erfindend, gestaltend, spielend (Künste)
- Umgang mit Sachen – beobachtend, messend, experimentierend (Naturwissenschaft)

[...]


[1] Demmer-Diekmann/Struck 2001

[2] Ziegenspeck 1999, S.375

[3] Demmer-Diekmann/Struck 2001

[4] Demmer-Diekmann/Struck 2001

[5] Ebenda

[6] Ebenda

[7] Ebenda

[8] Demmer-Dieckmann/Struck 2001

[9] Demmer-Dieckmann/Struck 2001

[10] Rieger/Von der Groeben 1991, S. 67

[11] Demmer-Dieckmann/Struck 2001

[12] Thurn/Tillmann 2005, S.254

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Das Beurteilungssystem der Bielefelder Laborschule
Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
18
Katalognummer
V118772
ISBN (eBook)
9783640221189
Dateigröße
1137 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Beurteilungssystem, Bielefelder, Laborschule
Arbeit zitieren
Sophie Männel (Autor), 2008, Das Beurteilungssystem der Bielefelder Laborschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118772

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