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Der Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess – 75 Jahre danach – Rezeption in der deutschen Gesellschaft

Title: Der Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess – 75 Jahre danach – Rezeption in der deutschen Gesellschaft

Seminar Paper , 2021 , 38 Pages , Grade: 9

Autor:in: Leila Posth (Author)

Law - Criminal process, Criminology, Law Enforcement
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Summary Excerpt Details

Im Folgenden werden die Reaktionen der Deutschen sowohl auf den Hauptkriegsverbrecherprozess und die weiteren Maßnahmen der Alliierten untersucht als auch die Rezeption von weiteren NS-Verfahren, die in den Folgejahren von der amerikanischen Militärregierung sowie deutschen Gerichten durchgeführt wurden. Dabei soll es um die persönlichen Reaktionen und Meinungen der Menschen gehen. Untersuchungsgegenstand sind demnach die Einwohner Deutschlands, wobei die Menschen in den westlichen Besatzungszonen, welche später die Einwohner der Bundesrepublik wurden, im Fokus stehen. Diese sind unabhängig von den Institutionen oder Organisationen, denen sie angehörten, zu betrachten, da letztere nicht Teil dieser Arbeit sein sollen.

Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen dabei die Jahre nach dem Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ sowie die Anfangszeit der jungen Bundesrepublik, da diese für den Wechsel hin zur Demokratie maßgeblich waren. Anhand von Meinungsumfragen, Presseberichten und Zuschriften soll herausgearbeitet werden, wie die Menschen, welche das Fundament der Gesellschaft bilden, die Nürnberger Prozesse und das Entnazifizierungsprogramm der Alliierten in dieser Zeit wahrgenommen haben.

Zwar variiert die Quellenlage in den verschiedenen Jahren, insgesamt kann aber dennoch ein guter Überblick darüber gewonnen werden, welche Reaktionen es in der Bevölkerung gab, worüber diskutiert wurde und worüber geschwiegen wurde. Aussagekräftig sind dafür nicht nur empirische Erhebungen, sondern auch die Berichterstattungen und Zuschriften von Zeitzeugen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

A. EINLEITUNG

B. REZEPTION DES HAUPTKRIEGSVERBRECHERPROZESSES SOWIE WEITERER NS-VERFAHREN UND ENTNAZIFIZIERUNGSMABNAHMEN IN DER DEUTSCHEN BEVÖLKERUNG

I. REAKTIONEN AUF DEN HAUPTKRIEGSVERBRECHERPROZESS

1. Pressestimmen während des Hauptkriegsverbrecherprozesses

2. Meinungsumfragen des Office of Military Government for Germany

3. Zuschriften an die Presse und den Internationalen Militärgerichtshof

II. REAKTIONEN AUF DIE NACHFOLGEPROZESSE ANHAND VON UMFRAGEN DES OMGUS SOWIE DES ALLENSBACHER INSTITUTS FÜR DEMOSKOPIE

III. REZEPTION IN DEN 50ER UND 60ER JAHREN

1. Reaktionen auf den Ulmer Einsatzgruppenprozess

a) Pressestimmen während des Prozesses

b) Meinungsumfragen und Zuschriften

2. Reaktionen auf den Adolf Eichmann-Prozess

a) Pressestimmen während des Prozesses

b) Meinungsumfragen des Allensbacher Instituts für Demoskopie

IV. FAZIT

C. AUSWIRKUNG DER BEVÖLKERUNGSREZEPTION AUF DIE DEUTSCHE NACHKRIEGSGESELLSCHAFT

I. VERGANGENHEITSBEWÄLTIGUNG IM KONTEXT DES SYSTEMWECHSELS

1. Konfrontation als Voraussetzung für den Systemwechsel

2. Gegenstimmen und das bundesdeutsche Gegenbeispiel

3. Fazit

II. SPUREN DER VERDRÄNGUNG

D. SCHLUSS

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rezeption der Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozesse sowie nachfolgender NS-Prozesse in der deutschen Bevölkerung der Nachkriegszeit. Das primäre Ziel ist es zu analysieren, ob und inwieweit die von den Alliierten angestrebte konfrontative Aufarbeitung der NS-Vergangenheit tatsächlich eine notwendige Voraussetzung für den Systemwechsel zur Demokratie in Deutschland darstellte.

  • Analyse der öffentlichen Meinung anhand von Pressestimmen und Zuschriften.
  • Auswertung empirischer Meinungsumfragen des OMGUS und des Allensbacher Instituts.
  • Untersuchung der psychologischen Distanzierung und des Abwehrmechanismus der "Kollektivschuld".
  • Diskussion des Zusammenhangs zwischen Geschichtsaufarbeitung und demokratischer Stabilität.
  • Kontrastierung der alliierten Strategie mit bundesdeutschen Verdrängungstendenzen der 1950er Jahre.

Auszug aus dem Buch

1. Pressestimmen während des Hauptkriegsverbrecherprozesses

Als wichtige Beobachter des Zeitgeschehens und der Reaktionen der Menschen stellten sich Pressevertreter heraus. Nicht nur war ihr journalistisches Interesse an der Bevölkerungsmeinung groß. Sie konnten aufgrund verschiedener Faktoren wie Leserbriefen, Absatzzahlen der Pressezeugnisse und öffentlicher Diskussionen einen besonders guten Einblick darüber gewinnen, was in den Menschen vorging.

Die ersten Einschätzungen ausländischer Pressevertreter hinsichtlich der deutschen Bevölkerungsmeinung fielen weitestgehend negativ im Hinblick auf die Anteilnahme an den Verfahren des Nürnberger Prozesses aus. So kamen amerikanische Journalisten zu dem Schluss, überall auf der Welt sei das Interesse an Nürnberg größer als in Deutschland. Ein Pressevertreter der Nürnberger Nachrichten äußerte insoweit, es seien nirgendwo in der Prozessstadt Nürnberg diskutierende Gruppen oder Menschenansammlungen zu finden. Um der Sache auf den Grund zu gehen, führte die „Neue Zeitung“ im Laufe des Prozesses eine Umfrage durch, die wenige Monate später mit dem Titel „Nürnberg und kein Interesse“ veröffentlicht wurde. Ein Großteil der Befragten gab darin zu, kein oder nur wenig Interesse für Nürnberg aufbringen zu können. Manche führten das mangelnde Interesse auf die geringe Beteiligung am Prozess zurück. Zwar sei über Nürnberg berichtet worden, die Menschen seien aber zu wenig in die Anklage und den Prozess eingebunden worden.

Zusammenfassung der Kapitel

A. EINLEITUNG: Die Einleitung erläutert die Strategie der Alliierten, Deutschland durch eine konsequente Aufarbeitung der NS-Vergangenheit und demokratische Umerziehung in eine stabile Demokratie zu überführen.

B. REZEPTION DES HAUPTKRIEGSVERBRECHERPROZESSES SOWIE WEITERER NS-VERFAHREN UND ENTNAZIFIZIERUNGSMABNAHMEN IN DER DEUTSCHEN BEVÖLKERUNG: Dieses Kapitel analysiert detailliert die Reaktionen der deutschen Bevölkerung auf die Nürnberger Prozesse, den Eichmann-Prozess und den Ulmer Einsatzgruppenprozess mithilfe zeitgenössischer Medien und Umfragen.

C. AUSWIRKUNG DER BEVÖLKERUNGSREZEPTION AUF DIE DEUTSCHE NACHKRIEGSGESELLSCHAFT: Das Kapitel reflektiert über die Rolle der Vergangenheitsbewältigung für den demokratischen Systemwechsel und hinterfragt kritisch, ob Konfrontation tatsächlich die angestrebte gesellschaftliche Wirkung erzielte.

D. SCHLUSS: Der Schluss fasst zusammen, dass die alliierten Aufarbeitungsstrategien zwar nur mäßig erfolgreich waren, die junge Bundesrepublik sich jedoch trotz Verdrängungstendenzen zu einer stabilen Demokratie entwickelte.

Schlüsselwörter

Nürnberger Prozesse, NS-Vergangenheit, Vergangenheitsbewältigung, Demokratisierung, Entnazifizierung, Kollektivschuld, öffentliche Meinung, Systemwechsel, Alliierten, Nachkriegsgesellschaft, Erinnerungskultur, Strafverfolgung, Geschichtsaufarbeitung, Adenauer-Ära, NS-Verbrechen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie die deutsche Bevölkerung in der Nachkriegszeit auf die Nürnberger Prozesse und weitere NS-Strafverfahren reagierte und ob diese Prozesse zur demokratischen Reifung beitrugen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die öffentliche Wahrnehmung von Schuld, die alliierten Umerziehungsmaßnahmen, die Rezeptionsunterschiede zwischen den 1940er, 50er und 60er Jahren sowie die Verdrängungsmechanismen in der Bevölkerung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit geht der Frage nach, ob eine aufgeklärte Bevölkerung eine zwingende Voraussetzung für den Systemwechsel von der Diktatur zur Demokratie ist und wie effektiv die alliierten Konfrontationsstrategien diesbezüglich waren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische und politikwissenschaftliche Analyse, die primär auf der Auswertung von zeitgenössischen Presseberichten, Leserbriefen und empirischen Meinungsumfragen der damaligen Zeit basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Reaktionen auf den Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess, den Eichmann-Prozess sowie den Ulmer Einsatzgruppenprozess und diskutiert die soziopolitischen Debatten über Schuld und Vergangenheitsbewältigung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Nürnberger Prozesse, Vergangenheitsbewältigung, Demokratisierung, Kollektivschuld, öffentliche Meinung und Nachkriegsgesellschaft.

Wie unterschied sich die Reaktion der Bevölkerung beim Ulmer Einsatzgruppenprozess von früheren Verfahren?

Beim Ulmer Prozess stieg das öffentliche Interesse im Vergleich zu früheren Jahren merklich an, was den Beginn eines gesellschaftlichen "Erwachens" markierte, auch wenn eine tiefe Auseinandersetzung mit der eigenen Schuld weiter ausblieb.

Welche Rolle spielte der Begriff der "Kollektivschuld" für das Verhalten der Deutschen?

Der Begriff wurde von vielen Befragten zur Abwehr genutzt; durch die Ablehnung der Kollektivschuld konnten sich weite Teile der Bevölkerung als unbeteiligt darstellen und einer tiefergehenden Reflexion ihrer eigenen Rolle entziehen.

Warum war laut den Ausführungen die 68er-Bewegung ein wichtiger Wendepunkt?

Die 68er-Bewegung wird als Zäsur beschrieben, da sie eine Generation hervorbrachte, die nicht mehr durch persönliche Verstrickung belastet war und daher eine kritischere und reflektiertere Aufarbeitung der NS-Vergangenheit fordern konnte.

Zu welchem Fazit kommt die Arbeit bezüglich des demokratischen Erfolgs in Deutschland?

Die Arbeit schlussfolgert, dass die Demokratie in der Bundesrepublik trotz der mangelnden Aufarbeitung und des vorherrschenden Schweigens in den 50er Jahren stabil wurde, womit die These, dass eine intensive Konfrontation zwingende Voraussetzung für Stabilität sei, in Frage gestellt wird.

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Details

Title
Der Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess – 75 Jahre danach – Rezeption in der deutschen Gesellschaft
College
University of Münster
Course
Seminar "Der Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess – 75 Jahre danach"
Grade
9
Author
Leila Posth (Author)
Publication Year
2021
Pages
38
Catalog Number
V1187789
ISBN (PDF)
9783346620712
ISBN (Book)
9783346620729
Language
German
Tags
Nürnberger Prozesse Völkerstrafrecht Vergangenheitsbewältigung Nationalsozialismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Leila Posth (Author), 2021, Der Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess – 75 Jahre danach – Rezeption in der deutschen Gesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1187789
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