Der Begriff der Leistungsmessung bezeichnet einen elementaren Teil des Schulunterrichts der Mittelschule, sowohl für den Lehrer als auch für die Schüler. Wir haben uns dieses Thema für die Gestaltung eines Seminars ausgewählt, weil wir uns der Relevanz dieses Themas als zukünftige Lehrerinnen bewusst sind. Da dieses Thema in unserem bisherigen Studium noch nicht explizit behandelt wurde, wollten wir nun die Chance nutzen, es schon einmal im
Rahmen des Mathematikseminars näher zu beleuchten. Dabei stellten wir fest, dass es sich hierbei noch immer um ein sehr kontroverses Thema handelt. Es stellt auch heute noch eine
Schwierigkeit für einige Lehrer dar und erzeugt teilweise Unsicherheit, weshalb es von jedem unterschiedlich gehandhabt wird. Als wir das Thema Leistungsmessung ausgewählt haben, waren uns weder der Begriffs-, noch der Bedeutungsumfang dessen klar. Außerdem interessierte uns vor allem in zukunftsperspektivischer Sicht, wie wir als angehende Grundschullehrerinnen an dieses
Thema am besten herangehen sollten und wie wir am Beispiel des Mathematikunterrichts Leistungsmessung vornehmen. Daraus ergaben sich für uns folgende Fragestellungen, die im Seminar für die Studenten geklärt werden sollten: Was ist Leistungsmessung in Abgrenzung zu dem Begriff Erfolgskontrolle? Welche wichtigen Formen gibt es im Unterricht und wodurch sind diese gekennzeichnet? Außerdem sollten die Studenten am Beispiel einer Klassenarbeit praktisch arbeiten und Anregungen erhalten, wie sie Leistungsmessung planen und durchführen können. Dies soll in in Form von Hinweisen zum Aufstellen und Bewerten einer Klassenarbeit erfolgen. Zunächst werden wir in dieser Arbeit auf ausgewählte Theorie des behandelten Themas eingehen um eine gewisse Verständnisgrundlage zu schaffen. Anschließend soll von der Planung und der letztendlichen Umsetzung im Seminar berichtet werden. Am Ende dieser Arbeit werden wir noch einmal über das Thema und vor allem über das gehaltene Seminar reflektieren. In unserem zweiten Gliederungspunkt „Theoretische Vorüberlegungen“ beziehen wir uns hauptsächlich (weshalb wir auf eine Quellenangabe mittels Fußnoten verzichten wollen) auf J. Lauter „Fundament der Grundschulmathematik. Pädagogisch-didaktische Aspekte des Mathematikunterrichts in der Grundschule“. Eine Ausnahme bildet der Beobachtungsbogen, dieser ist aus H. Radatz und W. Schipper „Handbuch für den Mathematikunterricht an Grundschulen“.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Vorüberlegungen
2.1 Erfolgskontrolle vs. Leistungsmessung
2.2 Mündliche Leitungsmessung
2.2.1 Problematik
2.2.2 Durchführung mündlicher Leistungsmessung
2.3 Klassenarbeiten
2.3.1 Problematik
2.3.2 Aufstellen einer Klassenarbeit
2.3.3 Durchführung der Klassenarbeit
2.3.4 Bewertung der Klassenarbeit
2.4. Tests
2.4.1 Standardisierte Tests
2.4.2 Informelle Tests
3. Planung des Seminars
4. Umsetzung des Seminars
5. Reflexion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, angehenden Grundschullehrkräften theoretische Grundlagen und praktische Anregungen für die Leistungsmessung im Mathematikunterricht zu vermitteln, um den Umgang mit diesem kontroversen und oftmals mit Unsicherheit behafteten Thema zu professionalisieren.
- Abgrenzung von Leistungsmessung und Erfolgskontrolle
- Methoden der mündlichen Leistungsbeurteilung
- Planung, Durchführung und Bewertung von schriftlichen Klassenarbeiten
- Unterscheidung zwischen standardisierten und informellen Tests
- Reflexion über die Herausforderungen objektiver Leistungsbewertung
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Problematik
Ein großes Problem hierbei ist, dass unter Lehrern weithin Unklarheit darüber herrscht, was mündliche Leistungen eigentlich sind und welche davon beim Schüler bewertet werden sollten. Eine Umfrage von einem gewissen Herr Bong (1983) zu diesem Thema ergab, dass ca. 10 % der Lehrer mündliche Leistungen gar nicht beurteilen und ungefähr die Hälfte lediglich einen allgemeinen Gesamteindruck oder die Häufigkeit des Meldens bewerten.
Es wurden 46 Lehrer gefragt, welche Kriterien sie zur mündlichen Leistungsmessung heranziehen, worauf sie, nach Häufigkeit des Genannten, wie folgt antworteten: Vorrechnen an der Tafel (23); Abfragen von Regeln (19); andere Arten wie z.B. Lösungsvorschläge, richtige Antworten, Stellungnahmen zu Lehrer-/Schüleraussagen, Qualität der Beiträge, Beiträge, die den Unterricht bereichern; Kombinationsvermögen (17); Hausaufgaben (12) und häufiges Melden (6). Weiterhin ist festzustellen, dass sich sehr viele Lehrer beim Beurteilen mündlicher Leistungen unsicher oder sogar sehr unsicher fühlen.
Mündliche Überprüfungen folgen der so genannten klinischen Methode (nach Piaget). Dabei handelt es sich um ein Verfahren, dass vor allem dabei helfen soll, die Fortschritte in der Entwicklung des mathematischen Denkens des einzelnen Schülers beurteilen zu können. Die klinische Methode ist als eine Art Interview zu sehen, das der Lehrer mit seinem Schüler führt. Es handelt sich um ein geistiges Abhorchen, bei dem der Lehrer versucht, den Gedankengängen des Kindes zu folgen und auf diese Weise ihre Struktur zu erkennen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Autoren begründen die Wahl des Themas Leistungsmessung aufgrund seiner hohen Relevanz für den zukünftigen Lehrerberuf und der bestehenden Kontroversen in diesem Bereich.
2. Theoretische Vorüberlegungen: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Leistungsmessung, grenzt sie von Erfolgskontrollen ab und untersucht die drei Hauptformen: mündliche Prüfung, Klassenarbeit und Tests.
3. Planung des Seminars: Hier wird das methodische Vorgehen bei der Vorbereitung eines Seminars beschrieben, das den Teilnehmern sowohl theoretisches Wissen als auch praktische Erfahrungen in der Bewertung von Schülerleistungen vermitteln soll.
4. Umsetzung des Seminars: Die Autoren reflektieren die praktische Durchführung des Seminars, insbesondere die Diskussionen, die durch die Bewertung von Beispiel-Klassenarbeiten bei den Teilnehmern ausgelöst wurden.
5. Reflexion: Das Fazit stellt die Schwierigkeit der individuellen Leistungsbeurteilung heraus und betont die Notwendigkeit, trotz Einflussfaktoren wie Lehrerpersönlichkeit, eine möglichst objektive und gerechte Bewertung anzustreben.
Schlüsselwörter
Leistungsmessung, Mathematikunterricht, Erfolgskontrolle, Klassenarbeit, mündliche Leistungsmessung, Leistungsbeurteilung, Diagnostik, standardisierte Tests, informelle Tests, Notengebung, Lehrkompetenz, Fehleranalyse, Grundschule, pädagogische Diagnostik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Möglichkeiten und Herausforderungen der Leistungsmessung im Mathematikunterricht der Grundschule.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die theoretische Abgrenzung von Leistungsmessung zur Erfolgskontrolle, die Gestaltung mündlicher Prüfungen, das Vorgehen bei schriftlichen Klassenarbeiten sowie die Anwendung von Tests.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Unsicherheiten angehender Lehrkräfte entgegenzuwirken, indem Wege zu einer gerechteren und objektiveren Leistungsbeurteilung aufgezeigt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf didaktische Fachliteratur und verknüpft diese theoretischen Erkenntnisse mit praktischen Erfahrungen aus einem durchgeführten Seminar.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Vorüberlegungen, die Planung und Umsetzung eines Seminars sowie eine kritische Reflexion der Bewertungskriterien und Einflussfaktoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch Begriffe wie Leistungsmessung, Klassenarbeit, Leistungsbeurteilung, Diagnose und Lehrerpersönlichkeit beschreiben.
Wie unterscheiden sich informelle von standardisierten Tests laut dem Text?
Standardisierte Tests sind normorientierte, wissenschaftlich entwickelte Verfahren für große Stichproben, während informelle Tests vom Lehrer für eine spezifische Lerngruppe konzipiert werden.
Warum ist das diagnostische Prüfungsgespräch ein hilfreiches Instrument?
Es ermöglicht dem Lehrer, tiefe Einblicke in die Denkweise, die Stärken und die Schwächen eines einzelnen Schülers zu gewinnen, die in schriftlichen Tests oft verborgen bleiben.
- Quote paper
- Sophie Männel (Author), 2007, Möglichkeiten der Leistungsmessung im Mathematikunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118779