Karate und seine Philosophie in der Schule


Seminararbeit, 2001
10 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Die Geschichte des Karate

2 Das Wesen des Karate ist seine Philosophie

3 Karate im Sportunterricht

4 Zur Problematik der Theorie im Sportunterricht

5 Ausblick und Zusammenfassung

6 Quellen und Literatur

1 Die Geschichte des Karate

„Wie die polierte Oberfläche eines Spiegels alles wiederspiegelt, was davor steht und ein ruhiges Tal auch leise Töne widerhallt, so soll der Karateschüler sein Bewusstsein von Egoismus und Bosheit entleeren, damit er auf alles, was ihm begegnet richtig reagieren kann. Das ist die Bedeutung von “Kara“ oder Leere im Karate.“[1] Karate bedeutet nichts weiter als “mit leeren Händen“. Doch bevor solche Weisheiten in Japan gelebt und niedergeschrieben wurden, hatte Karate einen schweren Stand in Japan. Denn Karate an sich ist keine urjapanische Kampfkunst. Die Basis aller uns heute bekannten asiatischen Kampfkünste liegt weit in der Menschheitsgeschichte verborgen. Faktisch breitete sich jedoch ähnlich wie in Europa, das durch die griechische Kultur einschlägig beeinflusst wurde, eine Kampfkunstkultur aus. So hatten sich territorial und ethnisch verschieden Systeme und Stile von Kampfkünsten in Ostasien herausgebildet. Jene heute näher zu bestimmen ist wegen der fehlenden Schriftlichkeit beinahe unmöglich. Auf Okinawa reichen die Aufzeichnungen und Überlieferungen nur bis ins frühe 18. Jahrhundert zurück und liefern keine konkreten Angaben über die Entstehung des Karate. Bekannt ist nur, dass es schon lange existierte. Deshalb fast man diese frühen Formen unter dem Begriff Kempo zusammen. Diese frühen Zweikampfformen kamen auch nach Okinawa, der größten Insel der Ryukyu- Inseln. Teilsweise wurden sie von Händlern, teilweise von Flüchtigen und schließlich auch durch das Militär fremder Aggressoren nach Okinawa mitgebracht. Jene Handelsbeziehungen bauten sich vor allem um das 13. Jahrhundert auf, als sich das erste Königreich auf den Ryukyu- Inseln formierte. In dieser Zeit unterschieden sich die Kampfkünste Japans und Okinawas noch erheblich. In Japan lebte und formierte sich ein stark vom Feudalismus geprägte Adelsgesellschaft. Auf Okinawa hingegen hatte dieser Prozess gerade erst begonnen. Durch die großen Auseinandersetzungen innerhalb Japans flohen viele japanische Soldaten, nachdem ihre Clans zerschlagen worden waren, in den Süden. Was sie dadurch den Einwohnern der Ryukyu- Inseln brachten waren ihre Waffenkünste. Die wohl wichtigsten unter denen waren der Schwertkampf, das Bogenschießen und der Lanzenkampf. Gerade diese Einführung und das Bekenntnis zum chinesischen Kaisertum verschlechterten die politische Position der Inseln. Denn dadurch begann der chinesisch- japanische Duellismus auch auf Okinawa zu wachsen. Teils durch chinesische, teils durch japanische Herrschaftsinteressen bestärkt, versuchten immer wieder einheimische Adlige sich zu den Alleinherrschern zu putschen. So auch Shahashi, der es im Jahre 1429 schließlich schaffte die Inseln unter seiner Herrschaft zu vereinigen. Letztendlich ist dieses Datum so wichtig, weil er als erster König seinen Untertanen, ausgenommen seinen ergebenen Dienern, verbot Waffen zu tragen. Damit war das Volk der Willkür der Beamten und Soldaten schutzlos ausgesetzt. Es konnte sich auch nicht gegen die räuberischen Banden zu Wehr setzen, die es in nicht geringer Zahl auf den Inseln noch gab. Daher suchten viele Bauern und Händlern ihre Rettung im Kempo. Sie setzten den bewaffneten Kräften ihren Willen, ihre Standhaftigkeit, ihre Schnelligkeit und ihre gut trainierten Körper entgegen. Als sie sich aus der Hilflosigkeit selbst befreit hatten, wurde ihr Kempo zur Kampfkunst der Alltagsgegenstände. Eine speziell fast waffenlose Kampfkunst, deren Hauptwaffen die Arme, Hände und Beine waren. Die meisten japanischen Karategroßmeister sehen diesen Zeitabschnitt als die Entstehungsphase ihrer Kampfkunst, des Urkarate an. Die Königsherrschaft des einheimischen Adels endete im 17. Jahrhunderts und brachte auch für die Inseln neue Repressalien und Belastungen mit sich. Japanische Truppen besetzten die Ryukyu- Inseln, nachdem sich die Bewohner geweigert hatten zusätzliche Tribute zur Finanzierung von Kriegsunternehmungen bereit zu stellen. Okinawa verwandelte sich in ein Protektorat des japanischen Imperiums und die Bevölkerung unterlag von da an noch schwereren Diskriminierungen. Das Volk wehrte sich durch das Überfallen von Samurai- Konvois und das Töten von Steuereinnehmern. Um den Unruhen Herr zu werden erließ der japanische Statthalter im Jahre 1609 einen Befehl über das Verbot Waffen zu tragen. Überall auf den Inseln begann die Schwerterjagd (Katanagari). Jeder der eine Waffe trug und nicht im Dienste der Japaner stand, wurde getötet. Sogar vor Mönchen machte man keinen Halt. Später wurden sogar Schmieden geschlossen und je Dorf war nur noch ein Messer zum Schlachten des Viehs erlaubt. So waren die Bauern immer noch nicht in der Lage sich der gut bewaffneten japanischen Armee zu erwehren, jedoch genügte es die vielen Räuberbanden abzuschrecken. Zum Ende des 17. Jahrhunderts begannen sich die Einwohner Okinawas in Geheimsekten zusammenzuschließen und in ihren Dörfern und Ansiedlungen Selbstschutzvereinigungen zu bilden. Doch wichtige Zentren für die Ausbreitung des Karate waren in erster Linie die Städte. Die ersten relativ zuverlässigen Informationen über das Karate erschienen erst Mitte des 18. Jahrhunderts, als der Befreiungskampf gegen die Japaner merklich zur Ruhe gekommen war und sich der Übergang zu einer friedlichen Verschmelzung der Kulturen bereits abzeichnete.[2] Immer wieder hatten jetzt auch Japaner die Möglichkeit das Okinawa- Te zu trainieren und ihre Kenntnisse im Judo und Aikido dadurch zu ergänzen. Die Legalisierung des Karate auf Okinawa erfolgte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das Karate war erst jetzt zu einer waffenlosen Kampfkunst geworden. Auch Gichin Funakoshi nutzte die Möglichkeit auf Okinawa zu trainieren. Als er Karate erlernte war er bereits ein Meister des Judo und des Aikido. Durch sein Wissen reformierte er das Karate und gab dem Karate seine heutige Form. Er brach die alten starren Formen des Karate auf, machte es damit für alle Bevölkerungsgruppen attraktiv. Er führte das Gürtelsystem und den weißen Anzug ein, die er aus dem Judo übernahm. Er versuchte Karate japanisch zu machen, damit es ansprechender auf die Japaner wirkte. Nachdem er dann viele Jahre durch Japan gereist war und Karate in jeder größeren Stadt vorgestellt hatte, wurde er am 6. März 1921 zu einer Vorstellung für den Kronprinzen eingeladen. Dieser war sehr beeindruckt von Funakoshis Fähigkeiten und wies ihm einen Lehrstuhl an der Keio- Universität zu. Hier eröffnete Funakoshi sein erstes Dojo. Diese Dojo war die Urzelle des modernen Karate der Welt. Alle großen Karatemeister Japans waren Schüler Funakoshis gewesen. Er wird damit zu Recht als der Begründer des modernen Karates angesehen. Deutschlands Karategeschichte begann im Jahre 1956, als der Karatepionier Jürgen Seidel das erste Karatetraining abhielt. Er hatte im zweiten Weltkrieg Kontakte nach Japan knüpfen können, die er später durch Trainingsbesuche weiter ausbaute. Karate hat in Deutschland zurzeit fast mehr als 200000 Mitglieder, die zumeist im DKV e.V. organisiert sind. Ich selbst bin Leistungssportler und Kaderathlet dieses Verbandes und stehe dadurch auch in der Tradition des Gichin Funakoshi.

[...]


[1] Zitiert nach: Jänicke, Bernd: Kempo. Die Kunst des Kampfes. Berlin 1988, S. 352.

[2] Jänicke, S. 370ff.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Karate und seine Philosophie in der Schule
Hochschule
Universität Rostock  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Philosophie im Rahmen der Erziehungswissenschaft
Note
2,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
10
Katalognummer
V118803
ISBN (eBook)
9783640221295
ISBN (Buch)
9783640223275
Dateigröße
381 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Karate, Philosophie, Schule, Rahmen, Erziehungswissenschaft
Arbeit zitieren
Frank Stüdemann (Autor), 2001, Karate und seine Philosophie in der Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118803

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