Leben und Wirken des Peter Simon Pallas


Seminararbeit, 2005

21 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Entwicklung einer akademischen Bewegung im Russischen Reich

3 Zur disziplinübergreifenden Rolle eines P. S. Pallas bei der Entwicklung der Wissenschaften im Russland des 18. Jahrhunderts
3.1 Biographische Daten zur Person P. S. Pallas
3.2 P. S. Pallas und die Gründe für seine Entscheidung zugunsten der AdW
3.3 P. S. Pallas - Erste Expedition anlässlich des Venusdurchganges
3.3.1 Aufgaben der Expeditionen
3.3.2 Stationen seiner Reise
3.3.3 Probleme der Expedition
3.3.4 Gründe für seine Rückbeorderung nach St. Petersburg
3.4 P. S. Pallas - Petersburger Jahre
3.5 P. S. Pallas - Zweite Expedition ins russische Krim-Chanat
3.6 P. S. Pallas - Leben auf der Krim bis zu seiner Rückkehr nach Berlin
3.7 P. S. Pallas - Beiträge im Rahmen deutsch-russischer Wissenschaftsbeziehungen

4 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Setzt man sich mit der über Pallas verfassten Fachliteratur auseinander, so erhält man sehr schnell ein klares und (vielleicht) an einigen Stellen sehr idealisiertes Bild, eines in seinen Erkenntnissen über die Zusammenhänge der Natur der ‚eigenen Zeit’ vorauseilenden Forschers. Ohne Zweifel haben seine Verdienste, die Entwicklung der Wissenschaften im ‚Russischen Reich’ und weit über dessen Grenzen hinaus, bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts, entscheidend beeinflusst und das spätere ‚Bild’ der Person Pallas überaus positiv gefärbt. Umso schwieriger erscheint, angesichts dieser Feststellung, die Aufgabe, den Anspruch auf wissenschaftliche ‚Objektivität’ zu wahren. Soll diesem Anspruch Genüge getan werden, müssen zwei die Untersuchung erschwerende Aspekte besondere Berücksichtigung erfahren.

So sind a) seit dem Ableben von Pallas eine nicht unerhebliche Anzahl von Jahren vergangen und b) die nur in begrenzter Anzahl existierenden zeitgenössisch-authentischen Materialien nur schwer zugänglich – von Pallas Reisebeschreibungen und eigenen literarischen Werken, die in nicht unerheblicher Anzahl gedruckt wurden, einmal abgesehen. Jedoch gibt selbst die für diese Arbeit verwendete Ausgabe seiner Reisebeschreibungen ebenfalls nur Auszüge des Originals wieder. Aus diesen Gründen müssen alle Ergebnisse dieser Arbeit, evtl. Zweifel eingeschlossen, als das Resultat der Analyse vorhandener Zweitliteratur betrachtet werden. Angesichts dieser Probleme bleibt zu fragen, was eine solche Arbeit leisten kann?

Doch zurück zum Gegenstand und den zwei grundsätzlichen Aspekten dieses Aufsatzes. Wer war Peter Simon Pallas? Wie lässt sich sein Wirken in die Geschichte der deutsch-russischen Wissenschaftsbeziehungen eingliedern? Um Pallas in die wissenschaftlichen Begebenheiten des 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts einordnen zu können, soll zunächst einmal die sich neu formierende akademische Bewegung des Russischen Reiches schemenhaft erörtert werden (siehe Kapitel 2). Im Anschluss an diese Ausführungen sollen die zwei Gegenstände dieser Arbeit in den zuvor entwickelten geschichtlichen Kontext eingeordnet und im Einzelnen veranschaulicht werden. Zudem soll es darum gehen, eine spezifische Charakteristik der Person Pallas zu entwerfen. Der Beginn des 3. Kapitels wird sich deshalb einerseits mit den Besonderheiten der Person Pallas befassen und anderseits versuchen, die wesentlichen Gründe herauszuarbeiten, welche ihn schließlich dazu veranlassten, der Petersburger Akademie der Wissenschaften beizutreten. Die Aufdeckung der äußeren Ursachen und inneren (privaten) Vorstellungen des Peter Simon Pallas soll dem Leser ein grundlegendes Verständnis für dessen Drang zum wissenschaftlichen Forschen, welches oft über die Grenzen institutioneller Einrichtungen hinausging und die ihm eigenen Ausprägungen dieses Bedürfnisses vermitteln. Die detaillierten Ausführungen zu Ursachen, Vollzug und Ergebnissen seiner wissenschaftlichen Tätigkeiten, insbesondere die Jahre der zwei großen Expeditionen, liefern vermutlich das klarste Bild des Forschers Pallas und machen zugleich den eigentlichen Gehalt seines Beitrages, zu dem schon erwähnten internationalen Wissensaustausch, aus.

Die Einteilung seines Lebens bzw. Schaffens soll innerhalb der tatsächlichen zeitlichen Abfolge der damaligen Geschehnisse erfolgen und ermöglicht so, die Abgrenzung verschiedener Lebensstationen, welche anhand der jeweils gewählten Überschriften zum Ausdruck kommen sollen. Kapitel 4 wird die Ergebnisse dieser Arbeit zusammenfassen und eventuell aufgetretene Fragen nochmals unterstreichen.

2 Die Entwicklung einer akademischen Bewegung im Russischen Reich

In der Regentschaft Peter I. (*1672, Zar von 1682-1725) kam es einerseits zur schrittweisen ‚Modernisierung’, primär als vorangetriebene ‚Europäisierung’ zu verstehen und anderseits zur damit einhergehenden, forcierten Erforschung des russischen Reiches. Der 1725 gegründeten, kaiserlichen ‚Akademie der Wissenschaften’ (AdW) in St. Petersburg fiel in dieser Entwicklung eine ihr angemessene spezifische Rolle zu. Gestützt und befördert durch das gezielte staatliche Interesse, begann sie im 18. Jahrhundert mit der systematischen Untersuchung, Kategorisierung und schriftlichen Erfassung der natürlichen Ressourcen des Reiches. Die AdW sandte zu diesem Zweck mehrere Expeditionen in die größtenteils noch unerforschten, wenn obgleich auch schon durch verschiedene Volksstämme besiedelten Gebiete des immense Dimensionen umfassenden russischen Territoriums aus. Der allgemeine Auftrag dieser Expeditionen umfasste vor allem geographische, geologische, naturgeschichtliche (Botanik, Zoologie, Mineralogie), medizinische, ethnographische, linguistische und geschichtliche Aspekte, ein besonderes Interesse galt zudem allem Außergewöhnlichen und Unbekannten. Bei der Erschließung des Landes lassen sich drei wesentliche Etappen und ihre Vertreter unterscheiden:

1. Die Expeditionen anlässlich der Akademiegründung – wurden zumeist durch die Arbeit einzelner Forschungsreisender geprägt. Zu den Vertretern dieser wissenschaftlich geleiteten, gezielten Erkundungen gehörten: Gottlob Schober (1672-1739, Expedition 1717-1720), Daniel Gottlieb Messerschmidt (1685-1735, Expedition 1719-1727) und Johann Christian Buxbaum (1694-1730, Expedition 1724-1727). Die Erkenntnisse dieser Zeit lieferten die Grundlagen für die folgenden Erforschungen des russischen Festlandes und vermittelten zugleich einen ersten Einblick in den Reichtum der noch zu erwartenden wissenschaftlich und pragmatisch nutzbaren Ergebnisse.
2. Die zweite Kamtschatka-Expedition (1733-1743) – galt insbesondere der Bestätigung und Ergänzung von Ergebnissen der ersten Expedition (1725-1730). Vitus Jonassen Bering (1681-1741) leitete beide Expeditionen, die hauptsächlich damit beauftragt waren, eine Landbrücke vom asiatischen zum amerikanischen Kontinent ausfindig zu machen. Weiterhin diktierten auch strategische Erwägungen der russischen Führung die Forschungsaufträge, so galt es die weitgehend unbekannte Ostgrenze Russlands kartographisch zu erfassen. Zu diesem mehrere Schiffe und dutzende Menschen fassenden Expeditionskorps, zählten neben dem technischen Personal auch Wissenschaftler und Studenten der AdW – dies war bei der ersten Expedition noch nicht der Fall gewesen. Zu den Forschern zählten auch die Träger (später) so klangvoller Namen, wie die des Naturgeschichts- und Chemieprofessors der AdW Johann Georg Gmelin (1709-1755), seines Adjunkten Georg Friedrich Steller (1709-1746, schloss sich der Erkundung 1739 an), des Historikers Gerhard Friedrich Müller (1705-1783) und des späteren Professors für Botanik an der AdW Stepan Petrowitsch Krascheninnikow (1711-1755) [Lauch (1987, S. 407) verwendet das Geburtsjahr 1713] etc.. Letztgenannter vertrat mit seinem späteren Lehrstuhl (1750) für Naturgeschichte und Botanik an der Akademie, die Riege der russischen Gelehrten die aus den Reihen des AdW hervorgegangen waren. Bering selbst erlag bei der erzwungenen Überwinterung auf einer der Kommandeur-Inseln den Strapazen (> Skorbut) dieser langen Reise, Insel und Meeresenge tragen bis heute seinen Namen. Drei weitere Naturforscher; welche in dieser Zeit das russische Gebiet zum Ziele medizinischer Erkenntnisse, unabhängig vom Tross der Kamtschatka-Expedition bereisten, waren Johann Jacob Lerche (1708-1780), Johann Gottfried Heinzelmann (gest. 1734) und Traugott Gerber (gest. 1773).
3. Die Expeditionen anlässlich des Venusdurchganges (1768-1774) – sollen mittels eines ihrer Vertreter, gemeint ist Pallas, zu einem Gegenstand dieses Aufsatzes gemacht werden und somit an späterer Stelle, in Form einer umreißenden inhaltlichen Ausführung derselbigen Würdigung erfahren. Neben Pallas beteiligten sich des Weiteren Samuel Gottlieb Gmelin (1744-1774) – Enkel des schon erwähnten J. G. Gmelin, Johann Anton Güldenstädt (1745-1781), Iwan Iwanowitsch Lepechin (1740-1802) & Johann Peter Falk (1727-1774) [bei Kol’cinskij & Smagina (1997, S. 300) findet sich die Angabe 1733-1774] an diesem von Katharina II. in Auftrag gegebenen Forschungsauftrag.

3 Zur disziplinübergreifenden Rolle eines P. S. Pallas bei der Entwicklung der Wissenschaften im Russland des 18. Jahrhunderts

3.1 Biographische Daten zur Person P. S. Pallas

Peter Simon Pallas wurde am 22. September 1741 in Berlin geboren. Seit er 13 Jahre alt war, hörte er die Vorlesungen seines Vaters an der Berliner Charité. Schon früh entwickelte er dabei vermutlich eine besondere Vorliebe für die Zoologie. Von 1758 an vollendete er seinen in Berlin erworbenen Wissensstand, durch das Studium der Medizin und Naturwissenschaften in Halle an der Saale und Göttingen. 1758 legte er bereits die anatomische Prüfung ab. Dieser folgte nur zwei Jahre später seine Promotion zum Dr. med. an der Universität zu Leiden (Holland), das Thema seiner Dissertation lautete „De infestis veventibus intra viventia“ („Über die Eingeweidewürmer“). Seinem Studium folgte allerdings nicht, wie vom Vater gewünscht, eine praktizierende Tätigkeit als Mediziner, sondern diverse langjährige Auslandsaufenthalte in den Jahren von 1761 bis 1767. So studierte er u. a. in Großbritannien (1761-1762), bevor er 1762 auf Verlangen seines Vaters, Simon Pallas, nach Berlin zurückkehrte. Welchen Eindruck seine wissenschaftlichen Studien bei seinem kurzen Aufenthalt in London hinterlassen haben müssen, wird aus seiner 1764 erfolgten Berufung zum Mitglied der ‚Royal Society’ ersichtlich. Im selben Jahr wählte ihn überdies die ‚Römisch-Kaiserlich Leopoldinisch-Carolinische Akademie der Naturforscher’ zu ihrem Mitglied. Doch auch Berlin sollte nur zu einer kurzen Zwischenstation werden, denn der Plan seines Vaters, ihn als Militärarzt an die Front zu schicken, scheiterte, nachdem Preußen und Österreich im November 1762 ihre Feindseligkeiten einstellten.

Der 22jährige Pallas kehrte daraufhin für weitere 4 Jahre nach Holland zurück, um sich dort mit der Fortsetzung seiner Studien, wissenschaftlich-literarischer Tätigkeit und der fachlichen Beratung vermögender Naturaliensammler über ‚Wasser zu halten’. Nachdem Pallas Bemühungen eine gut honorierte Dozentenstelle an einer der hiesigen holländischen Universitäten zu finden und der obskure Plan des Prinzen von Oranien – eine Forschungsreise nach Indien unter seiner Leitung zu unternehmen, fehlschlug, riss dem Vater im Jahre 1766 erneut die Geduld. Er forderte vehement die Rückkehr seines Sohnes nach Berlin und Pallas musste diesem Verlangen wahrscheinlich in Einsicht nicht vorhandener Alternativen folgen. Sicher mochte bei Pallas Entscheidung zur Rückkehr, wie schon 1762, die finanzielle Abhängigkeit zu seinem Vater eine entscheidende Rolle gespielt haben. Zwar war er seit geraumer Zeit ein durch seine Schriften bekannter und geachteter Gelehrter (Zoologe), seine Einnahmen aus den eigenen wissenschaftlichen Arbeiten dürften aber kaum ausreichend genug gewesen sein, um mehr als die Kosten des alltäglichen Lebens zu decken.

Doch auch diesmal verfolgte sein Schicksal einen anderen Plan. Kurz nach seiner Ankunft in Berlin Ende 1766 erreichte ihn ein Schreiben Katharina II., diese berief ihn nach St. Petersburg an die AdW. Inwiefern bei dieser Berufung schon die Aussicht auf eine vermeintliche Expedition Erwähnung fand, lässt sich aus der zu diesem Aufsatz studierten Literatur nicht ersehen. Wahrscheinlicher ist aber, dass man einen jungen, fähigen Naturforscher zur Nachfolge des kurz zuvor verstorbenen Lomonossow (1711-1765) suchte. Ein Auftrag der Zarin zur wissenschaftlichen Forschungsreise erging demnach erst 1767 (Lauch 1987, S. 376). Lange kann Pallas jedenfalls nicht überlegt haben, nachdem er das Schreiben über Jakob Stählin (1709-1785) vermittelt bekommen hatte. Die Gründe für seine Entscheidung und der darauf folgende Lebensabschnitt in Russland soll innerhalb dieses Kapitels nur grob schematisiert angerissen werden, da eine ausführlichere Besprechung dieser Jahre Gegenstand der nächsten Kapitel sein wird! Im Juli 1767 trat Pallas seine Reise an.

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Details

Titel
Leben und Wirken des Peter Simon Pallas
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Geschichte)
Veranstaltung
Deutsch-Russische Wissenschaftsbeziehungen
Autor
Jahr
2005
Seiten
21
Katalognummer
V118814
ISBN (eBook)
9783640221370
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Leben, Wirken, Peter, Simon, Pallas, Deutsch-Russische, Wissenschaftsbeziehungen
Arbeit zitieren
Lars Wegner (Autor), 2005, Leben und Wirken des Peter Simon Pallas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118814

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