Die vorliegende Hausarbeit möchte das Phänomen der Jugendkriminalität in Verbindung mit dem Labeling Approach bringen. Die Forschungsfrage hierbei lautet "Inwiefern lassen sich die verschiedenen Labeling-Perspektiven auf das Phänomen der Jugendkriminalität anwenden?". Im Folgenden wird zunächst die Jugendkriminalität als Phänomen kurz umrissen und es werden wichtige Charakteristika genannt. Daraufhin folgt eine kompakte Darstellung der verschiedenen Labeling-Perspektiven nach den Theoretikern Becker, Goffman, Lemert und Sack. Um der Forschungsfrage nachzugehen, wird im letzten Schritt eine Verbindung zwischen Phänomen und Theorie geschaffen. Es sollen Möglichkeiten der Anwendung der Theorien verdeutlicht und ein möglicher Erklärungsansatz für die Jugendkriminalität veranschaulicht werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Jugendkriminalität
2.1 Labeling Approach
2.1.1 Labeling Approach nach Becker
2.1.2 Labeling Approach nach Goffman
2.1.3 Labeling Approach nach Lemert
2.1.4 Labeling Approach nach Sack
2.2 Jugendkriminalität in Verbindung mit Labeling Approach
2.2.1 Beispiel des Labelings in der Jugendkriminalität
3 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Jugendkriminalität unter Anwendung des sogenannten Labeling Approachs (Etikettierungsansatz). Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern die unterschiedlichen Perspektiven dieses kriminologischen Ansatzes auf die Jugendkriminalität übertragen werden können und welche Mechanismen der sozialen Etikettierung dabei eine Rolle spielen.
- Grundlagen der Jugendkriminalität als Phänomen der Lebensphase
- Einführung in den theoretischen Rahmen des Labeling Approachs
- Differenzierte Analyse nach den Theoretikern Becker, Goffman, Lemert und Sack
- Verbindung von Labeling-Perspektiven und jugendstrafrechtlicher Praxis
- Kritische Reflexion der Folgen von Zuschreibungsprozessen für den weiteren Lebenslauf
Auszug aus dem Buch
2.1 Labeling Approach
Eine Theorie der Kriminalisierung bildet der Labeling Approach (Etikettierungsansatz). Dieser löste Ende der 1960er Jahre in der deutschsprachigen Kriminologie heftige Reaktionen aus, da bisherige Sichtweisen gestürzt wurden und ein Paradigmenwechsel bewirkt wurde. Kennzeichnend für diese Theorie ist, dass nicht nach den Ursachen für ein Verhalten gefragt wird, sondern gefragt wird, wieso ein Verhalten überhaupt als kriminell bezeichnet wird. Das Augenmerk der Theorie liegt auf den Instanzen der formellen Sozialkontrolle. Somit wird die Theorie auch als Reaktionsansatz (Kontrollparadigma) bezeichnet. Die soziale Kontrolle wurde als Ursache der Delinquenz gesehen und nicht mehr als Ergebnis. Wird die Theorie radikal zu Ende gedacht, kann man daraus schließen, dass es keine Kriminalität an für sich gibt. Kriminalität hängt von den Definitionen der Rechtsanwender ab (vgl. Neubacher, 2020, S. 114).
Im Folgenden werden die verschiedenen Perspektiven des Labeling Approachs von den Theoretikern Becker, Goffman, Lemert und Sack vorgestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einführung erläutert das öffentliche Interesse am Thema Jugendkriminalität, definiert den theoretischen Rahmen des Labeling Approachs und formuliert die zentrale Forschungsfrage der Hausarbeit.
2 Jugendkriminalität: Hier werden Merkmale der Jugendkriminalität beleuchtet und der Begriff sowie die rechtliche Einordnung dieser Lebensphase in der Gesellschaft analysiert.
2.1 Labeling Approach: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte theoretische Fundierung und stellt die Ansätze von Becker, Goffman, Lemert und Sack gegenüber.
2.1.1 Labeling Approach nach Becker: Der Fokus liegt hier auf der Entstehung abweichenden Verhaltens durch die Anwendung von Regeln und dem Handeln moralischer Unternehmer.
2.1.2 Labeling Approach nach Goffman: Dieser Abschnitt thematisiert das Konzept des Stigmas und dessen Auswirkungen auf das Handeln und die Identität betroffener Personen.
2.1.3 Labeling Approach nach Lemert: Hier wird die Unterscheidung zwischen primärer und sekundärer Devianz sowie das pro-aktive Modell sozialer Kontrolle erklärt.
2.1.4 Labeling Approach nach Sack: Dieser Teil beleuchtet die kritische Kriminologie und die Bedeutung von Selektionsmechanismen der sozialen Kontrolle bei Normbrüchen.
2.2 Jugendkriminalität in Verbindung mit Labeling Approach: In diesem Kapitel wird der Transfer der Theorie auf die deutsche Strafrechtspraxis vollzogen und die Bedeutung von Diversion und Etiketten wie „Intensivtäter“ diskutiert.
2.2.1 Beispiel des Labelings in der Jugendkriminalität: Anhand eines Diebstahlszenarios wird der Zuschreibungsprozess durch Akteure der sozialen Kontrolle in der Praxis verdeutlicht.
3 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Relevanz der Stigmatisierungsprozesse für das Verständnis und die Behandlung von Jugendkriminalität.
Schlüsselwörter
Jugendkriminalität, Labeling Approach, Etikettierung, Soziale Kontrolle, Stigmatisierung, Sekundäre Devianz, Kriminologie, Normbruch, Delinquenz, Strafrechtspraxis, Diversion, Identitätsentwicklung, Selektionsmechanismen, Soziale Ungleichheit, Prävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung der soziologischen Theorie des "Labeling Approach" (Etikettierungsansatz) auf das Phänomen der Jugendkriminalität.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit thematisiert die Entstehung von Kriminalität durch soziale Zuschreibungsprozesse, die Rolle von Kontrollinstanzen sowie die Auswirkungen dieser Etikettierungen auf die Identität Jugendlicher.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, inwiefern sich die verschiedenen theoretischen Perspektiven des Labeling Approachs von Autoren wie Becker, Goffman, Lemert und Sack auf jugendkriminelles Verhalten anwenden lassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die den aktuellen kriminologischen Diskurs sowie relevante fachwissenschaftliche Literatur zum Labeling Approach und zur Jugendkriminalität zusammenführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine phänomenologische Beschreibung der Jugendkriminalität, eine fundierte Vorstellung der verschiedenen Labeling-Theorien und eine abschließende Synthese aus Theorie und strafrechtlicher Praxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Jugendkriminalität, Labeling Approach, Stigmatisierung, soziale Kontrolle, Devianz und Kriminologie.
Wie unterscheidet sich primäre von sekundärer Devianz nach Lemert?
Primäre Devianz beschreibt alltägliches abweichendes Verhalten ohne dauerhafte Folgen für den sozialen Status, während sekundäre Devianz erst durch gesellschaftliche Reaktionen entsteht und das Selbstbild sowie die Rolle des Betroffenen grundlegend verändert.
Warum wird im Beispiel des Kaufhausdiebstahls das Label unterschiedlich vergeben?
Das Beispiel verdeutlicht, dass die Entscheidung, ob jemand als "Dieb" oder als "vergessliche Person" kategorisiert wird, stark von interpersonellen Bewertungen, Kontextbedingungen und dem sozialen Status der betroffenen Person durch die Kontrollinstanzen abhängt.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2021, Der Labeling Approach unter Anwendung des Phänomens der Jugendkriminalität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1188226