Die regelmäßig stattfindenden Welthandelsrunden stellen ein zentrales Element bei der Liberalisierung
des Welthandels dar. Es handelt sich somit um die bedeutendsten internationalen
Verhandlungen in Wirtschaftsfragen. Die Uruguay-Runde als bislang letzte Liberalisierungsrunde
gab der Welthandelsordnung ein völlig neues Gesicht mit weitreichenden Neuerungen
und Erfolgen. Dabei wurde das bisher existierende General Agreement on Tariffs and Trade
(GATT) umfassend erneuert und verändert. Ein zentrales Element sollten dabei die Agrarverhandlungen
sein.
Dafür wird zunächst eine historische Eingliederung der Uruguay-Runde vorgenommen, um
dann auf die einzelnen Kernelemente näher einzugehen. Insbesondere sollen dabei die
wichtigsten Ergebnisse wie GATT, General Agreement on Trade in Services (GATS), Trade-
Related (Aspects of) Intellectual Property Rights (TRIPS) und die Bildung der World Trade
Organization (WTO) hervorgehoben werden. Die Agrarverhandlungen als zentrales Element
des GATT-Vertrages werden in dieser Arbeit intensiv betrachtet. Im weiteren Verlauf wird
dann auf die aktuelle Doha-Runde näher eingegangen. Als Abschluss wird eine spezielle
Prognose über mögliche Auswirkungen für den Agrarbereich gestellt. Die Entwicklung des GATT (Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen) geht bis in das Jahr
1941 zurück, als die Alliierten innerhalb der „Atlantik-Charta“ eine politische und wirtschaftliche
Nachkriegsordnung absteckten. Man wollte u. a. versuchen, frühzeitig protektionistische
Tendenzen zu erkennen, um eine Welthandelsordnung zu schaffen, die sich am Prinzip des
Freihandels orientiert. Damit wollte man handelspolitische Fehler der 1930er Jahre wie etwa
hohe Handelsschranken oder Abwertungswettläufe verhindern.
Im Jahr 1944 wurde versucht, diesen Ansatz durch die Gründung des Internationalen Währungsfonds
(IWF) und der Weltbank umzusetzen. Die politische Neuordnung wurde schließlich
durch die Gründung der Vereinten Nationen (UN) 1945 begonnen. Neben der Weltbank
und des IWF war auch die Etablierung der International Trade Organization (ITO) seitens der
USA vorgesehen. Über die Gründung der ITO wurde 1947 international beraten. Die Ergebnisse
dieser Konferenz dienten als Grundlage für die Anfang 1948 verabschiedete „Havanna-
Charta“ (vgl. Hauser, Schanz 1995, S. 7 ff.).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entwicklung des GATT
3. Die Ergebnisse der Uruguay-Runde
3.1. Das Güterabkommen (GATT), insbesondere das Agrarabkommen
3.2. Das Dienstleistungsabkommen (GATS)
3.3. Das Abkommen über geistige Eigentumsrechte (TRIPS)
4. Die Probleme der laufenden Doha-Runde
4.1. Die Agrarfrage
4.2. Auswirkungen der Agrarhandelsliberalisierungen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die historischen Ergebnisse der Uruguay-Runde des GATT, insbesondere im Hinblick auf das Agrarabkommen und die institutionelle Neugründung der Welthandelsorganisation (WTO), und setzt diese in den Kontext der aktuellen Herausforderungen der Doha-Runde.
- Historische Entwicklung des GATT zur Welthandelsordnung
- Ergebnisse der Uruguay-Runde (GATT, GATS, TRIPS, WTO-Gründung)
- Kritische Analyse der laufenden Doha-Runde und deren Blockadepunkte
- Ökonomische Auswirkungen der Agrarhandelsliberalisierung auf verschiedene Weltregionen
Auszug aus dem Buch
3. Die Ergebnisse der Uruguay-Runde
Am 15. Dezember 1993 konnte die bis dahin sieben Jahre andauernde Uruguay-Runde erfolgreich beendet werden. Die daraus resultierende Schlussakte sowie der GATT-Vertrag von 1947, bildeten die Grundlage für die neue Welthandelsordnung. Als zentrale Ergebnisse sind dabei folgende Resultate zu nennen (vgl. Hauser, Schanz 1995, S. 53 f.):
• Bildung der WTO,
• Liberalisierung und Regelbindung des internationalen Güterhandels (Zollsenkungen, „single package“ Ansatz, einbeziehen der Sektoren Textilien und Agrar, sowie die Stärkung der Welthandelsregeln), Dienstleistungsabkommen (Nichtdiskriminierung, Festschreibung Status Quo, progressive Liberalisierung) und
• das Abkommen über den Handel mit geistigem Eigentum (Nichtdiskriminierung, Schutzbestimmungen, Durchsetzungsmechanismen).
Somit beruht die neue Welthandelsordnung auf drei Säulen (vgl. Senti 1999, S. 38 ff.):
• Die erste Säule stellt das bisherige GATT dar, erweitert um wichtige Sektoren wie Agrarwirtschaft oder Textilverkehr.
• Die zweite Säule bildet das Abkommen über den internationalen Dienstleistungsverkehr.
• Die dritte Säule den Vertrag über geistige Eigentumsrechte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der Welthandelsrunden ein und umreißt die historische sowie inhaltliche Zielsetzung der Arbeit bezüglich der GATT- und WTO-Verhandlungen.
2. Die Entwicklung des GATT: Das Kapitel zeichnet die Entstehungsgeschichte des GATT von 1941 bis zur siebten Verhandlungsrunde (Tokio-Runde) nach und verdeutlicht die institutionellen Probleme des Welthandelssystems.
3. Die Ergebnisse der Uruguay-Runde: Hier werden die zentralen Erfolge der Uruguay-Runde, namentlich die Gründung der WTO, das GATS- und TRIPS-Abkommen sowie das Agrarabkommen, detailliert dargestellt.
4. Die Probleme der laufenden Doha-Runde: Dieses Kapitel untersucht die Blockadefaktoren der Doha-Runde, darunter die Agrarfrage, die Rolle der Schwellenländer und ökonomische Auswirkungen einer weiteren Handelsliberalisierung.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Uruguay-Runde als institutionellen Fortschritt zusammen und bewertet die kritische Lage der aktuellen Doha-Runde unter Berücksichtigung der Interessenkonflikte im Agrarsektor.
Schlüsselwörter
GATT, Uruguay-Runde, Doha-Runde, WTO, Welthandel, Agrarhandel, Liberalisierung, Agrarabkommen, Dienstleistungsabkommen, TRIPS, Zollsenkungen, Subventionsabbau, Welthandelsordnung, Handelsliberalisierung, Handelshemmnisse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit behandelt die Entwicklung des Welthandelssystems vom GATT hin zur WTO und analysiert die Ergebnisse der Uruguay-Runde im Vergleich zu den komplexen Problemen der laufenden Doha-Runde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Schwerpunkten gehören das allgemeine Güterabkommen, das Dienstleistungsabkommen (GATS), der Schutz geistiger Eigentumsrechte (TRIPS) sowie die spezifischen Herausforderungen bei der Liberalisierung des Agrarsektors.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, die Ergebnisse der Uruguay-Runde historisch und inhaltlich einzuordnen und zu untersuchen, warum die Doha-Runde auf erhebliche Schwierigkeiten stößt und welche Auswirkungen eine weitere Agrarhandelsliberalisierung hätte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Wirtschaftsmodellen (Standard-GTAP-Modell) zur Simulation der Auswirkungen einer Agrarhandelsliberalisierung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Uruguay-Runde und deren drei Säulen sowie die detaillierte Problemanalyse der Doha-Runde unter Berücksichtigung von Agrar- und Industriegüterfragen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie GATT, WTO, Doha-Runde, Agrarsubventionen, Liberalisierung und Handelseffekte bestimmt.
Warum stellt das Agrarabkommen eine besondere Herausforderung dar?
Das Agrarabkommen ist politisch sensibel, da es sowohl tiefgreifende Auswirkungen auf die heimische Landwirtschaft und die Beschäftigung hat als auch durch ein komplexes Geflecht aus Subventionen und Schutzzöllen charakterisiert ist.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor für die EU?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die EU bei einer weiteren Liberalisierung des Agrarhandels in vielen Sektoren, insbesondere Zucker und Rindfleisch, als Nettoverlierer hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Regionen hervorgehen könnte.
- Arbeit zitieren
- Sebastian Siebert (Autor:in), 2008, Die Ergebnisse der Uruguay-Runde des GATT und die Probleme bei der laufenden Doha-Runde, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118843