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Freiwillige Selbstverpflichtungen als Instrument der Umweltpolitik

Title: Freiwillige Selbstverpflichtungen als Instrument der Umweltpolitik

Seminar Paper , 2007 , 21 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Patrick Sihler (Author)

Business economics - Economic Policy
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Der Umweltschutz ist nach dem Arbeitsmarkt das zweitgrößte Problemfeld für die deutsche Bevölkerung und wächst in seiner Bedeutung [BMU (2006, S.14)]. Das BMU führt dies mitunter auf die zunehmende öffentliche Wahrnehmung des Klimawandels zurück. So warnt das IPCC in seinem aktuellen Weltklimabericht vor einer Klimakatastrophe, die nur durch eine deutliche Reduktion des laufenden Schadstoffausstoßes verhindert werden kann (Handelsblatt 2007a). Die Wissenschaftler des IPCC halten es für sehr wahrscheinlich, dass die Erderwärmung der letzten 50 Jahre im Wesentlichen durch anthropogene Schadstoffemissionen ausgelöst wird. Vergangene und aktuelle Umweltbelastungen gefährden unsere Lebensgrundlage und die künftiger Generationen. Die Bundesrepublik Deutschland bekennt sich zu einem aktiven Umweltschutz; in den 70er Jahren wurde das erste Umweltprogramm verabschiedet [Bundesregierung (2006)], 1994 wurde mit der Aufnahme des Artikels 20a in das Grundgesetz der Schutz der Umwelt zum Staatsziel ernannt.
Die „Abwesenheit von Umweltverschmutzung“ hat den Charakter eines öffentlichen Gutes. Individuell rationalen Gesellschaftsmitgliedern fehlt also der Anreiz, ihren Anteil zur gesamtgesellschaftlich optimalen Menge dieses Gutes bereitzustellen. Der Markt versagt; es entstehen Wohlfahrtsverluste, die der Staat durch den Einsatz eines umweltpolitischen Instruments vermeiden kann [Schmelzer (1999, S.27)].
Neben ordnungsrechtlichen und ökonomischen Instrumenten wie Verboten oder Steuern werden in zunehmendem Maße freiwillige Selbstverpflichtungen1, also unverbindliche Abmachungen zwischen der Wirtschaft und dem Staat, als Instrument der Umweltpolitik eingesetzt [Knebel et al. (1999, S.303f)].
In der Literatur gehen die Meinungen bezüglich der Qualität von FSV als umweltpolitischem Instrument auseinander. FSV werden teils als Ausdruck politischer Handlungsunfähigkeit betrachtet, mit denen sich kaum eine anspruchsvolle umweltpolitische Zielsetzung verfolgen lässt [vgl. Rennings et al. (1997, S.167)]. Andere Autoren halten den Einsatz von FSV durchaus für begründbar [vgl. Eickhof (2003, S.282)]. Es stellt sich die Frage, inwiefern freiwillige Vereinbarungen als würdige Alternative zu den klassischen Instrumenten dienen können. Dies ist auch die zentrale Frage, mit der sich diese Arbeit beschäftigt. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hinführung und Einordnung

3. Beweggründe der Akteure

4. Gesellschaftliche Konformität

5. Umweltpolitische Würdigung

5.1 Ziele in der Umweltpolitik

5.2 Ökologische Effektivität

5.2.1 Spieltheorie: Zustandekommen der FSV

5.2.2 Spieltheorie: Umsetzung der FSV

5.3 Ökonomische Effizienz

5.4 Administrative Effizienz

6. Realistische Betrachtung

7. Fazit

Zielsetzung und Themen

Diese Arbeit untersucht die Wirksamkeit freiwilliger Selbstverpflichtungen (FSV) als umweltpolitisches Instrument, indem sie theoretische spieltheoretische Modelle mit empirischen Beobachtungen abgleicht, um die Bedingungen für eine erfolgreiche ökologische Zielerreichung zu identifizieren.

  • Charakterisierung von FSV als umweltpolitisches Instrument
  • Analyse der Beweggründe von Staat und Wirtschaft
  • Prüfung der gesellschaftlichen Konformität
  • Spieltheoretische Untersuchung der ökologischen Effektivität und Umsetzung
  • Bewertung der ökonomischen und administrativen Effizienz

Auszug aus dem Buch

5.2.1 Spieltheorie: Zustandekommen der FSV

Linscheidts Modell bildet sowohl die Verhandlungen um das Zustandekommen einer FSV als auch die Frage der Umsetzungsentschlossenheit durch die Verbandsführung ab. Da Staat und Verband nacheinander Entscheidungen treffen, die Reihenfolge der Spielzüge also festgelegt ist, handelt es sich hierbei um ein sequentielles Spiel, welches in extensiver Form dargestellt werden kann. Nicht-kooperatives Verhalten und vollständige Information seien im Folgenden unterstellt. Jeweiliges Ziel der rational handelnden Spieler ist die Maximierung ihrer Pay-offs. Hierfür bieten sich folgende Möglichkeiten:

Der Verband kann nach der Drohung des Staates, eine hoheitliche Zwangsmaßnahme einzuführen, in einem ersten Schritt 3 Typen von FSV anbieten. Zentrales Stellmoment ist hierbei das Emissionsniveau e:

1) (bau) Ein Angebot, das sich auf ein „business-as-usual“ Zielniveau beschränkt, d.h. er unternimmt keine weiterführenden Anstrengungen, somit gilt: e = ealt.

2) (nr) Der Verband ergreift Umweltmaßnahmen, die einerseits umweltförderlich sind, ihm aber keinerlei Zusatzkosten aufbürden (z.B. bei Reinvestitionsmaßnahmen). Das Emissionsziel heißt e0 mit e0 < ealt.

3) (nrplus) Hierunter werden weitreichende Umweltinvestitionen verstanden. Vereinbarungsziel ist ein anspruchsvolles Emissionsniveau e* mit e* < e0 < ealt.

Des Weiteren trifft der Verband die Entscheidung, eine gegebenenfalls genehmigte FSV umzusetzen oder nicht (S, N).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Bedeutung des Umweltschutzes ein und stellt die zentrale Forschungsfrage, inwiefern freiwillige Selbstverpflichtungen eine würdige Alternative zu klassischen umweltpolitischen Instrumenten darstellen.

2. Hinführung und Einordnung: Dieses Kapitel definiert freiwillige Selbstverpflichtungen (FSV) als Abkommen zwischen Staat und Wirtschaft und grenzt verschiedene Typen von Vereinbarungen voneinander ab.

3. Beweggründe der Akteure: Hier werden die Motive der beteiligten Akteure beleuchtet, wobei für die Wirtschaft Planungssicherheit und für den Staat eine schnellere Umsetzung umweltpolitischer Ziele im Vordergrund stehen.

4. Gesellschaftliche Konformität: Es wird untersucht, inwieweit FSV mit den Prinzipien eines marktwirtschaftlichen, demokratischen Rechtsstaates vereinbar sind und ob sie zu Marktverzerrungen führen können.

5. Umweltpolitische Würdigung: Das Kapitel analysiert die ökologische Effektivität mittels spieltheoretischer Modelle sowie die ökonomische und administrative Effizienz des Instruments.

6. Realistische Betrachtung: Hier erfolgt ein Abgleich der theoretischen Erkenntnisse mit der empirischen Realität, wobei die Bedeutung von Vertrauen und Kommunikation zwischen Unternehmen hervorgehoben wird.

7. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass FSV kein beliebig austauschbares Instrument sind, ihr Einsatz aber bei überschaubaren Risiken und gesamtwirtschaftlichen Vorteilen sinnvoll sein kann.

Schlüsselwörter

Freiwillige Selbstverpflichtungen, FSV, Umweltpolitik, Spieltheorie, Ökologische Effektivität, Ökonomische Effizienz, Kooperationsprinzip, Emissionsreduktion, Freifahrerverhalten, Marktwirtschaft, Staatliche Sanktionen, Umweltinvestitionen, Governance, Umweltschutz, Vollzugskosten

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Eignung freiwilliger Selbstverpflichtungen (FSV) als Instrument der deutschen Umweltpolitik unter theoretischen und praktischen Gesichtspunkten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Kernbereichen zählen die theoretische Analyse des Zustandekommens und der Umsetzung von Vereinbarungen, die ökonomische Effizienzbewertung sowie die gesellschaftliche Akzeptanz.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet, inwiefern freiwillige Selbstverpflichtungen als würdige und effektive Alternative zu klassischen ordnungsrechtlichen Instrumenten wie Verboten oder Steuern dienen können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es werden spieltheoretische Modelle eingesetzt, um strategische Interaktionen zwischen dem Staat und der Wirtschaft zu simulieren, ergänzt durch eine Literaturanalyse und empirische Beobachtungen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der Definition der FSV, der Motivation der Akteure, der Prüfung auf gesellschaftliche Konformität sowie einer intensiven spieltheoretischen Analyse der ökologischen Effektivität.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Typische Schlüsselbegriffe sind Freiwillige Selbstverpflichtungen, Spieltheorie, Ökologische Effektivität, Kooperationsprinzip und Marktkonformität.

Warum wird die Spieltheorie zur Analyse herangezogen?

Die Spieltheorie ermöglicht es, das "Tauschgeschäft" zwischen Staat und Unternehmen zu formalisieren und zu untersuchen, unter welchen Bedingungen rationale Akteure tatsächlich kooperieren oder von Vereinbarungen abweichen.

Spielt die "Freifahrerproblematik" eine Rolle in der Untersuchung?

Ja, ein eigenes Modell untersucht, wie individuelles Freifahrerverhalten von Unternehmen innerhalb eines Verbandes die effektive Umsetzung einer FSV gefährden kann und welche Rolle staatliche Sanktionen dabei spielen.

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Details

Title
Freiwillige Selbstverpflichtungen als Instrument der Umweltpolitik
College
University of Hohenheim  (Institut für Volkswirtschaftslehre, Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insbes. Umweltökonomie sowie Ordnungs-, Struktur- und Verbraucherpolitik (520F))
Course
Aktuelle Fragen der Umwelt- und Ordnungspolitik
Grade
1,3
Author
Patrick Sihler (Author)
Publication Year
2007
Pages
21
Catalog Number
V118855
ISBN (eBook)
9783640221530
ISBN (Book)
9783640223473
Language
German
Tags
Freiwillige Selbstverpflichtungen Instrument Umweltpolitik Aktuelle Fragen Umwelt- Ordnungspolitik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Patrick Sihler (Author), 2007, Freiwillige Selbstverpflichtungen als Instrument der Umweltpolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118855
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