In dieser Hausarbeit soll der Frage nachgegangen werden, wie sich die Meissner Chinoiserien entwickelten und welche Abwandlungen sie zu den chinesischen Originalen aufweisen. Nach einer kurzen Einführung zu den Inspirationsquellen für die fernöstlichen Motive, soll sich mit unterschiedlichen Darstellungen beschäftigt werden. Vertieft wird auf die Figurendarstellungen eingegangen, wobei der Schulz-Codex einen besonderen Stellenwert einnimmt. Durch eine Gegenüberstellung von Meissner Figurendarstellungen und chinesischen Originalen, sollen mögliche Unterschiede festgestellt werden. Weiter soll das Zwiebelmuster untersucht werden. Hinterfragt wird, wie sich das Zwiebelmuster entwickeln konnte, wobei auch hier ein chinesisches Original zur Verdeutlichung herangezogen wird. Um den eigentlich symbolischen Wert der chinesischen Darstellung aufzuzeigen, folgt ein Interpretationsversuch. Der zu untersuchende Teller gibt eine Vorstellung, wo das Zwiebelmuster seinen möglichen Ursprung hat. In einem abschließenden Fazit sollen die Erkenntnisse dieser Arbeit zusammengefasst werden.
Die aus Fernost nach Europa exportierten Porzellane, Stoffe oder auch Lackarbeiten lösten im 17. Jahrhundert eine rege China-Begeisterung aus. Die enorme Nachfrage nach den fernöstlichen Raritäten war kaum zu bewältigen. Der Asienreisende Marco Polo (* 1254; † 1324) brachte erstes Wissen über das kostbare chinesische Porzellan nach Europa. Ab dem 15. Jahrhundert lassen sich diese in den Verzeichnissen der fürstlichen Kunstkammern finden. Die seit dem frühen 17. Jahrhundert größtenteils von der niederländischen Ostindien-Kompanie importierten Porzellane erhielten nicht selten ihren Platz in Porzellan-Kabinetten oder Gallerien.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Chinoiserien auf Meissner Porzellan
3. Chinoise Figurendarstellungen und der Schulz-Codex
3.1 Die Rolle des Schulz-Codex in der Meissner Manufaktur
3.2 Gegenüberstellung mit Figurendarstellungen auf chinesischem Porzellan
4. Das Zwiebelmuster
4.1 Zur Genese des Zwiebelmusters
4.2 Chinesisches Zwiebelmuster als Vorbild für Meissen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Entwicklung der Chinoiserien in der Porzellanmanufaktur Meissen sowie deren Abwandlungen gegenüber chinesischen Originalen. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf der Bedeutung des Schulz-Codex für die Motiventwicklung und der Analyse des Zwiebelmusters als eines der prägendsten Dekore.
- Entwicklung und künstlerische Umsetzung von Chinoiserien auf Meissner Porzellan
- Die Funktion und Bedeutung des Schulz-Codex als Vorlagensammlung
- Vergleichende Analyse zwischen Meissner Motiven und chinesischen Vorbildern
- Entstehungsgeschichte und symbolische Deutung des Zwiebelmusters
- Einfluss der europäischen Rezeption asiatischer Kunst auf die Porzellanmalerei
Auszug aus dem Buch
3. Chinoise Figurendarstellungen und der Schulz-Codex
Seit 1960 befindet sich der Schulz-Codex im Besitz des GRASSI Museums in Leipzig. Seinen Namen hat er von dem ehemaligen Besitzer Georg Wilhelm Schulz (* 1873; † 1945). Es handelt sich um eine Zusammenfassung von Meissner Musterblättern, welche größtenteils figürliche, chinoise Szenen zeigen. Die meisten der Blätter tragen Johann Gregorius Höroldts Handschrift. Tatsächlich ist Höroldt selbst nie in Asien gewesen, sondern orientierte sich für seine Zeichnungen an diversen Reiseberichten und besonders an den darin enthaltenen Grafiken. Bis heute haben sich 124 Blätter mit Chinoiserien im Schulz-Codex erhalten.
Die im Schulz-Codex zusammengefassten Blätter 1 - 23 dienten in erster Linie als Vorlagen. War Höroldt anfangs noch selbst in den Prozess des Bemahlens von Porzellan integriert, ging diese Arbeit bald an seine Mitarbeiter über. An den Skizzenblättern konnten diese sich orientieren, aber auch dienten sie als Übungsmaterial für die Malerschüler. Die Blätter haben ein Maß von etwa 200 x 335 mm. Ehemals trugen die Vorlagen Seitenzahlen, wovon sich jedoch nur wenige erhalten haben. Aufgrund der noch wenigen sichtbaren Seitenzahlen kann davon ausgegangen werden, dass es mindestens 68 Blätter waren, welche als Vorlagenmaterial dienten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung gibt einen historischen Überblick über die China-Begeisterung im 17. und 18. Jahrhundert und erläutert die Entstehung der Meissner Porzellanmanufaktur unter August dem Starken.
2. Chinoiserien auf Meissner Porzellan: Dieses Kapitel thematisiert die frühe Auseinandersetzung der Meissner Manufaktur mit ostasiatischen Vorbildern und die Rolle des Hofmalers Johann Gregorius Höroldt.
3. Chinoise Figurendarstellungen und der Schulz-Codex: Hier wird der Schulz-Codex als zentrale Vorlagensammlung analysiert, wobei besonders die Arbeitsweise der Manufaktur und die Unterschiede zu chinesischen Originalen beleuchtet werden.
4. Das Zwiebelmuster: Dieses Kapitel widmet sich der Entstehungsgeschichte des berühmten Zwiebelmusters und hinterfragt die Annahme, es sei eine reine europäische Erfindung ohne chinesische Vorbilder.
5. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse über den starken Einfluss asiatischer Importe auf die Meissner Porzellanmalerei sowie die durch europäische Interpretationen entstandenen künstlerischen Abwandlungen zusammen.
Schlüsselwörter
Chinoiserie, Meissner Porzellan, Johann Gregorius Höroldt, Schulz-Codex, Zwiebelmuster, Porzellanmanufaktur Meissen, Famille verte, Famille rose, Ostasien, Keramikmalerei, Porzellan, August der Starke, Motivgeschichte, Exportporzellan, Kulturgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht, wie die europäische Porzellanmanufaktur Meissen chinoise Motive adaptierte, wie diese sich durch europäische Vorstellungen veränderten und welche Rolle dabei Vorlagensammlungen wie der Schulz-Codex spielten.
Welche Themenbereiche stehen im Fokus der Untersuchung?
Zentral sind die Entstehung der Meissner Chinoiserien, die Bedeutung des Hofmalers J. G. Höroldt, die Analyse des Schulz-Codex sowie die spezielle Motivgeschichte des Zwiebelmusters.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Ziel ist es, die Entwicklung der Chinoiserien nachzuvollziehen und festzustellen, inwieweit sich die Meissner Interpretationen durch Missverständnisse oder bewusste Anpassungen von den chinesischen Originalen unterscheiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit nutzt kunsthistorische Analysemethoden, insbesondere den direkten visuellen Vergleich von Porzellandekoren mit Vorlagen aus dem Schulz-Codex und chinesischen Originalstücken.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Funktion des Schulz-Codex, die Techniken der Porzellanmalerei, die Abwandlungen von Figurendarstellungen sowie die komplexe Genese und Symbolik des Zwiebelmusters.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Chinoiserie, Schulz-Codex, Meissner Porzellan, Zwiebelmuster, ostasiatische Vorbilder, Johann Gregorius Höroldt und kulturelle Rezeption.
Welche Rolle spielt der Schulz-Codex für die Meissner Malerei?
Der Schulz-Codex fungierte als essenzielle Vorlagensammlung für Malerschüler und Mitarbeiter, die selbst nie in Asien waren, und ermöglichte durch seine Musterblätter eine Vereinheitlichung der chinoisen Dekorstile.
Wie lässt sich die Abwandlung der Motive im Vergleich zu China beschreiben?
Die Meissner Motive wurden oft freier, exotischer und prunkvoller gestaltet; bei der Adaption des Zwiebelmusters kam es zu Missverständnissen, etwa der Umdeutung der chinesischen Kürbismelone in eine Zwiebel.
- Arbeit zitieren
- Felicitas Fendel (Autor:in), 2021, Chinoiserien auf Meissner Porzellan. Motive der ostasiatischen Porzellanmalerei, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1188638