Diese Arbeit beschäftigt sich hauptsächlich mit der Frage, auf welche Art und Weise Bertolt Brecht die Lyrik des Exils darstellt. Um diese Fragestellung bestmöglich beantworten zu können, werden zunächst die Hintergründe der Exilliteratur näher erläutert, um dann anhand der Analyse der Gedichte Gedanken über die Dauer des Exils und Zufluchtsstätte aus der Svendborger Sammlung für einen tieferen Einblick und Verständnis der Exilgedichte Brechts zu sorgen. Diese Analyse schließt den formalen Aufbau, den Inhalt sowie die Interpretations- und Sprachebene der Gedichte ein. Abschließend folgt eine ausführliche Erarbeitung der "lyrischen Darstellung des Exils" seitens Bertolt Brecht, die durch die nähere Betrachtung bestimmter Motive, Symbolik und Darstellungsstruktur ausgearbeitet wird.
Aufgrund der politischen Umstände, unter denen die Dichter zur Zeit des Nationalsozialismus litten, hat sich die Poetik bzw. Lyrik dieser hat sich stark verändert, und den Bedingungen angepasst. Sie mussten fliehen, ihre Heimat und teilweise ihre Familie zurücklassen und verloren ihre Arbeitsstellen, "erzwungen durch die "finsteren Zeiten", die alle Lebensäußerungen des Menschen überschatteten".
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 EXILLITERATUR
2.1 BEGRIFFSDEFINITION
2.2 HISTORISCHER HINTERGRUND IN DEUTSCHLAND
2.3 PROBLEME DER EXILLITERATUR
3 SVENDBORGER GEDICHTE
4 ANALYSE DES GEDICHTS GEDANKEN ÜBER DIE DAUER DES EXILS
4.1 FORMALER AUFBAU
4.2 INHALTSWIEDERGABE
4.3 INTERPRETATION
5 ANALYSE DES GEDICHTS ZUFLUCHTSSTÄTTE
5.1 FORMALER AUFBAU
5.2 INHALTSWIEDERGABE
5.3 INTERPRETATION
6 LYRISCHE DARSTELLUNG DES EXILS
6.1 FORMALE DARSTELLUNG
6.2 WICHTIGE MOTIVE
6.2.1 BAUMSYMBOL
6.2.2 BILDLICHKEIT UND FLUCHTWEGE
6.2.3 REALISTISCHE STRUKTUR
6.2.4 DIALEKTIK UND ZEITGESCHICHTE
7 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht, wie Bertolt Brecht in seiner Lyrik die Lebensumstände und das Gefühl des Exils während der Zeit des Nationalsozialismus verarbeitet. Ziel ist es, anhand ausgewählter Gedichte aus der Sammlung „Svendborger Gedichte“ aufzuzeigen, durch welche poetischen Mittel und inhaltlichen Motive Brecht die Realität des Exildaseins gestaltet.
- Die historische Situation exilierter Schriftsteller
- Die Analyse zentraler Gedichte: „Gedanken über die Dauer des Exils“ und „Zufluchtsstätte“
- Die Rolle von Natursymbolik, insbesondere des Baumes
- Die realistische Darstellungsstruktur und der „gestische Rhythmus“
- Die Dialektik zwischen privatem Erleben und politischer Zeitgeschichte
Auszug aus dem Buch
4.3 Interpretation
Im ersten Teil des Gedichtes fällt auf, dass das lyrische Ich, welches in der zweiten Person Singular angesprochen wird, eine Art Monolog zu führen scheint. Durch den Imperativ „Schlage keinen Nagel in die Wand / Wirf den Rock auf den Stuhl.“ (V.1-2) appelliert das lyrische Ich sich selbst dazu, nichts auf Dauer zu befestigen, da es fest davon überzeugt ist, dass der Aufenthalt im Exil begrenzt sein wird. Der Punkt am Ende des zweiten Verses verdeutlicht zudem die Zusammengehörigkeit der beiden Sätze. Darauf folgt die rhetorische Frage „Warum versorgen für vier Tage?“ (V.3), die im nächsten Satz mit „Du kehrst morgen zurück“ beantwortet wird. Durch das Wort „morgen“ wird eine Art Hoffnung des lyrischen Ichs auf baldige Heimkehr deutlich sichtbar gemacht. Auch die zweite Strophe des ersten Teils beginnt mit einem Appell „Lass den kleinen Baum ohne Wasser“ (V.5), wobei der „Baum“ als Symbol für das Leben und für das heimisch werden ist. Somit versucht das lyrische Ich nochmals zu unterstreichen, dass es nicht die Intention hat, sich sesshaft zu machen und auf ein ewiges Leben im Exil zu bleiben. Das Symbol kommt erneut zur Geltung durch die rhetorische Frage „wozu noch einen Baum pflanzen?“ (V.6), die sich das lyrische Ich abermals selbst beantwortet: „Bevor er so hohe wie eine Stufe ist / Gehst du fort von hier.“ (V.7-8) Es handelt sich hierbei um eine hoffnungsvolle Erklärung, bald abzureisen und das lyrische Ich hebt somit hervor, dass es verzichtbar ist, sich in der Fremden einzurichten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Bedeutung Bertolt Brechts als Exilautor ein und formuliert die Leitfrage der Hausarbeit bezüglich seiner lyrischen Exildarstellung.
2 EXILLITERATUR: Dieses Kapitel definiert den Begriff „Exil“, erläutert den historischen Kontext in Nazi-Deutschland und thematisiert die Herausforderungen exilierter Schriftsteller.
3 SVENDBORGER GEDICHTE: Es wird die Entstehung und Bedeutung der Gedichtsammlung von Bertolt Brecht während seiner Exilzeit im dänischen Svendborg beschrieben.
4 ANALYSE DES GEDICHTS GEDANKEN ÜBER DIE DAUER DES EXILS: Dieses Kapitel widmet sich dem formalen Aufbau, der inhaltlichen Wiedergabe und einer detaillierten Interpretation des genannten Gedichtes.
5 ANALYSE DES GEDICHTS ZUFLUCHTSSTÄTTE: Analog zum vorherigen Kapitel wird hier das Gedicht „Zufluchtsstätte“ formal untersucht und inhaltlich interpretiert.
6 LYRISCHE DARSTELLUNG DES EXILS: Dieses Hauptkapitel analysiert übergreifende Merkmale wie die formale Gestaltung, zentrale Motive wie das Baumsymbol, Fluchtwege sowie die realistische Struktur und Dialektik in Brechts Exillyrik.
7 FAZIT: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und beantwortet die eingangs gestellte Forschungsfrage zur lyrischen Gestaltung der Exilerfahrungen bei Brecht.
Schlüsselwörter
Bertolt Brecht, Exillyrik, Svendborger Gedichte, Nationalsozialismus, Exil, Flucht, Lyrik, Realismus, Baumsymbol, Dialektik, Zeitgeschichte, literarische Analyse, Exilautor, politische Lyrik, Hoffnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Bertolt Brecht seine Erfahrungen und Beobachtungen während seines Exils in der Zeit des Nationalsozialismus in seiner Lyrik verarbeitet und darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit behandelt die historische Situation von Exilautoren, die poetische Verarbeitung von Heimatverlust und Flucht sowie die spezifische realistische Ästhetik in Brechts Exilgedichten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage ist, auf welche Weise Bertolt Brecht die Lyrik des Exils gestaltet und welche poetischen Mittel er verwendet, um diese spezifische Lebenssituation auszudrücken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die literaturwissenschaftliche Analyse von Primärtexten (Gedichten) und setzt diese in Bezug zu biografischen Informationen und historischem Kontext.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Interpretation zweier spezifischer Gedichte sowie die systematische Untersuchung übergreifender Motive, der Formensprache und der dialektischen Struktur seiner Exillyrik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte sind Bertolt Brecht, Exillyrik, Nationalsozialismus, Baumsymbolik, Realismus und politische Zeitgeschichte.
Welche Bedeutung hat das Baumsymbol in den untersuchten Gedichten?
Das Symbol des Baumes steht bei Brecht einerseits für Leben und Beständigkeit, dient jedoch im Exil vor allem zur Darstellung der Spannung zwischen der Hoffnung auf baldige Rückkehr und der harten Realität des ungewissen Verweilens.
Wie verändert sich das lyrische Ich zwischen den zwei untersuchten Gedichten?
Das lyrische Ich durchläuft eine Entwicklung von der anfänglichen, fast optimistischen Verweigerung, sich im Exil einzurichten (in „Gedanken über die Dauer des Exils“), hin zu einer resignierteren und realistischen Auseinandersetzung mit der Umgebung und der Bedrohung in „Zufluchtsstätte“.
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- Yaren Erdinc (Autor), 2021, Bertolt Brechts lyrische Darstellung des Exils, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1188718