Das Ziel der vorliegenden Seminararbeit ist es, aus einer soziologischen Analyse des empirischen Phänomens Ehrenamt schlüssige Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie eine Einschätzung des Ehrenamts im Hinblick auf die Konzepte Altruismus und Egoismus aussehen kann. Durch den Bezug auf Altruismus und Egoismus fällt die Aufmerksamkeit auch auf das zwischen diesen beiden Konzepten bestehende Spannungsverhältnis.
In der öffentlichen Meinung wird das ehrenamtliche Engagement oft als altruistisch betitelt. Auch aufgrund der besonderen Bedeutung und Wichtigkeit des Ehrenamtes in Deutschland hat diese Arbeit auch das Ziel, die angesprochen positive Meinung über das Ehrenamt genau zu überprüfen. Letztendlich werden die Ergebnisse in einer Schlussbetrachtung auf den Punkt gebracht.
Die Ermittlung der Erkenntnisse wird in insgesamt vier Schritten erfolgen. Zuerst soll das Ehrenamt in Deutschland dargestellt werden. An zweiter Stelle erfolgt die Bearbeitung der zentralen Konzepte Altruismus und Egoismus. Nach der Darstellung möglicher Motivlagen für ehrenamtliches Engagement werden gewonnene Erkenntnisse in einer abschließenden Bewertung zusammengefasst.
Durch die intensive Auseinandersetzung mit den verwendeten Konzepten und dem empirischen Phänomen Ehrenamt entsteht die Erkenntnis, dass sich die Begriffe Altruismus und Egoismus aufgrund heterogener Motivlagen nur schwer auf das Ehrenamt anwenden lassen. Zur Beschreibung ehrenamtlichen Engagements muss ein Bezug auf das konzeptuelle Spannungsverhältnis erfolgen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Ehrenamt
2.1 Verwandte Begriffe
2.2 Merkmale des Ehrenamts
2.3 Zustand des Engagements in Deutschland
2.4 Formen des Ehrenamtes und bürgerschaftlichem Engagements
2.5 Ursprung und Entwicklung
2.6 Monetarisierung des Ehrenamtes
3 Konzeptuelle Grundlagen
3.1 Altruismus
3.2 Egoismus
3.3 Soziologische Klassiker: Emile Durkheim
4 Motivation und Motive hinter ehrenamtlicher Arbeit
4.1 Begriffliche Fixierung
4.2 Motivlagen für ehrenamtliche Arbeit
4.2.1 Altruistische Motive
4.2.2 Egoistische Motive
4.3 Förderliche und hemmende Faktoren für Engagement
5 Abschließende Bewertung
5.1 Verteilung der Motive für ehrenamtliches Engagement
5.2 Das Ehrenamt als altruistische Tat?
5.3 Das Ehrenamt und Durkheims Soziologie des Altruismus
5.4 Kritik am heutigen Ehrenamt
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht auf soziologischer Basis, inwiefern das Ehrenamt in Deutschland unter Berücksichtigung der Konzepte Altruismus und Egoismus adäquat bewertet werden kann, wobei insbesondere das Spannungsverhältnis zwischen diesen beiden Polen analysiert wird.
- Soziologische Einordnung des Ehrenamts in Deutschland
- Begriffsbestimmung von Altruismus und Egoismus (unter Bezugnahme auf Emile Durkheim)
- Analyse der Motivationsstrukturen ehrenamtlicher Tätigkeiten
- Untersuchung der Monetarisierungstendenzen im Ehrenamt
- Kritische Bewertung des Ehrenamts im Hinblick auf altruistische Zuschreibungen
Auszug aus dem Buch
3.3 Soziologische Klassiker: Emile Durkheim
„Überall, wo es Gesellschaften gibt, gibt es auch den Altruismus, weil es die Solidarität gibt“ (Steiner 2013, 2). Durkheim sieht eine starke Verbindung zwischen Altruismus und dem Gesellschaftsleben, wobei er das Konzept der organischen Solidarität verwendet. Organische Solidarität ist dabei Solidarität, die durch Arbeitsteilung entsteht (Rammstedt 2011, 619f.), wodurch die Gesellschaftsmitglieder aufeinander angewiesen sind. Bei Durkheim wird das Individuum durch die Gesellschaft geformt. Zudem ist seiner Meinung nach das Kollektivbewusstsein eher in primitiven Gesellschaften verbreitet, wodurch dort die Gesellschaft gegenüber den Interessen des Individuums eine übergeordnete Stellung einnimmt.
In seiner Selbstmordstudie fand Durkheim heraus, dass der Suizid in primitiven Gesellschaften durch die starke Integration in die Gemeinschaft verursacht wird (Schallberger o.D.). Das Kollektiv steht in gewissem Maße über allem, wodurch das Individuum nicht in der Lage ist, eigene Interessen zu erkennen und zu verfolgen. Für das Wohl der Gesellschaft verhält sich der Einzelne dann unbewusst selbstlos. In modernen Gesellschaften hingegen wird der Suizid durch die sehr starke Isolation ausgelöst. Hier steht das Individuum an der Spitze und eine Einbettung in ein Kollektiv gestaltet sich problematisch. In modernen Gesellschaften stehen die egoistischen Wesenszüge des Menschen über den altruistischen. Der Egoismus steuert in gewisser Weise die Vorstellungen des Menschen. Die eigenen Ansichten werden bevorzugt vor den fremden behandelt. Der Egoismus stellt in gewisser Weise eine Extremform des Individualismus dar. Für Durkheim liegt die Funktion der Moralität in der Solidarität (Rammstedt 2011, 456f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die soziologische Thematik des Spannungsfeldes zwischen Altruismus und Egoismus ein und stellt das Ehrenamt als empirisches Phänomen vor, an dem diese Konzepte untersucht werden sollen.
2 Das Ehrenamt: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Ehrenamts, erläutert dessen Merkmale, beleuchtet den Status quo in Deutschland sowie historische Hintergründe und aktuelle Tendenzen wie die Monetarisierung.
3 Konzeptuelle Grundlagen: Hier erfolgt eine theoretische Herleitung der Begriffe Altruismus und Egoismus, ergänzt durch die soziologische Perspektive von Emile Durkheim.
4 Motivation und Motive hinter ehrenamtlicher Arbeit: Das Kapitel differenziert zwischen den Begriffen Motiv und Motivation und kategorisiert die Beweggründe für freiwilliges Engagement in altruistische und egoistische Motive.
5 Abschließende Bewertung: Der Autor führt eine kritische Beurteilung durch, in der das Ehrenamt in Bezug auf die Konzepte Altruismus und Egoismus hinterfragt und einer aktuellen gesellschaftlichen Kritik unterzogen wird.
6 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass das Ehrenamt kaum als rein altruistisch zu klassifizieren ist, sondern eher in einem Spannungsverhältnis beider Konzepte steht.
Schlüsselwörter
Altruismus, Egoismus, Ehrenamt, bürgerschaftliches Engagement, Motivlagen, Soziologie, Emile Durkheim, Solidarität, Motivation, Freiwilligenarbeit, Monetarisierung, soziale Verantwortung, Gemeinwohl, Individualisierung, gesellschaftliche Integration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Phänomen des Ehrenamts in Deutschland aus einer soziologischen Perspektive, wobei sie untersucht, wie ehrenamtliches Engagement in Bezug auf die Begriffe Altruismus und Egoismus eingeordnet werden kann.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Zentral sind die begriffliche Klärung von Altruismus und Egoismus, die Analyse von Motivationsstrukturen bei Ehrenamtlichen sowie die kritische Betrachtung des aktuellen Zustands und der Veränderungen des Ehrenamts in Deutschland.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, eine soziologisch fundierte Bewertung des Ehrenamts zu liefern und zu prüfen, ob die in der Öffentlichkeit häufige Betitelung als rein altruistisch haltbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und einer soziologischen Einordnung von Fachbegriffen und Konzepten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme des Ehrenamts, eine Auseinandersetzung mit den Konzepten Altruismus und Egoismus nach Durkheim sowie eine detaillierte Aufschlüsselung der altruistischen und egoistischen Motive von Ehrenamtlichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte sind Altruismus, Egoismus, Ehrenamt, Motivation und das Spannungsverhältnis zwischen diesen Konzepten.
Inwiefern beeinflusst die Monetarisierung die Einschätzung des Ehrenamts?
Die Monetarisierung führt dazu, dass die Grenze zum bezahlten Sektor verschwimmt. Dies gefährdet die Wahrnehmung des Ehrenamts als klassisch "selbstlose" Tat, da finanzielle Anreize die Identität des Engagements infrage stellen können.
Welche Rolle spielt Durkheims Konzept in der Analyse?
Durkheims Theorie dient als Basis, um die enge, fast wechselseitige Verbindung von Altruismus und Egoismus in modernen Gesellschaften zu verstehen und auf die individuelle Motivation im Ehrenamt zu übertragen.
- Arbeit zitieren
- Kevin Bulach (Autor:in), 2021, Altruismus und Egoismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1188851