Die Bibliothek als ein bestimmendes Element der Demokratie

Projektarbeit zu Aufgaben und Funktionen von Bibliotheken über die Jahrhunderte sowie neue Ansätze für die Zukunft


Projektarbeit, 2008

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Auftakt und Begriffsbestimmung

2. Von einer kurzen Definition zu den Anforderungen an die moderne 4 Bibliothek

3. Abriss der Geschichte
3.1. Volkspädagogik und Volksbüchereien Der Weg ins NS-Regime
3.2. Volksbibliotheken und deren Entwicklung in Österreich vor und nach
3.3. Veränderung des Aufgabenprofils von Bibliotheken nach 1945

4. Die moderne Bibliothek im 21. Jahrhundert und ihre Aufgaben
4.1. Verdienst und Integration: Die Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig
4.2. Neue Wege und Ziele von Bibliotheken: Öffentlichkeitsarbeit für 13 Medienkompetenz

5. Abschluss. Bibliotheken: Wissen, Macht und Demokratie

6. Literatur

7. Weitere Quellen (online)

1. Auftakt und Begriffsbestimmung.

Mit dem Begriff „Bibliothek“ verbindet man heute mehrere Bedeutungen. So kann es sich dabei um eine Institution handeln, in welcher Bücher (und andere Medien) ausgeliehen werden können, oder aber auch um den Raum eines Hauses, in dem Bücher in Regalen aufbewahrt werden. Im Zeitalter der Digitalisierung handelt es sich bei einer„Bibliothek“ jedoch auch um ein Computerprogramm, welches Daten sammelt, ordnet und wiedergibt. Die folgende Ausführung beschränkt sich auf die erstgenannte Bedeutung. Es geht um die Aufgaben und Funktionen von Bibliotheken als Institutionen der Bücher- und Mediensamm­lung. Ganz pragmatisch leitet sich der Begriff „Bibliothek“ aus dem Griechischen ab, welches darunter eine simple Bücherablage und ein zur Bücheraufbewahrung genutztes Regal meint.[1]

Die Hauptaufgabe von Bibliotheken, so das planvolle Sammeln, Ordnen, Erschließen und Vermitteln von Informationen in Text-, Bild- und (neuerdings auch) Dateiform als Grund­anspruch ist über die vergangenen Jahrtausende stets die dieselbe geblieben.[2] Mit dieser kurzen Definition kann die Frage nach der Aufgabe und Bestimmung einer Bibliothek präg­nant beantwortet werden. Jedoch haben auch Bibliotheken eine wechselvolle Geschichte, sie haben sich entwickelt und wurden ausgelöscht, erlebten Kriege, Revolutionen und Restriktionen. Diese beeinflussten auch deren Aufgaben und Funktionen – wie in allen Wissenschaften sind auch bei dieser Fragestellung soziokulturelle und historische Kontexte von eminenter Bedeutung. Es gilt also, die Anforderungen an Bibliotheken in verschiedenen Zeiträumen zu untersuchen. Für Deutschland (und später tragischerweise auch Europa) einschneidend war die Zeit von 1933 – 45, ebenso wichtig für die moderne Bibliotheks­entwick­lung die Zeit des Kalten Krieges bis 1990. Um die Entwicklungen während der NS-Zeit zu differenzieren, wird hier auch auf die Gegebenheiten in Österreich vor und nach dem „Anschluss“ im Jahr 1938 eingegangen. Diese, gerade für die deutsche Geschichte, so katastrophalen wie auch prägenden Abschnitte generieren den Gesichtspunkt der Bibliothek als ein die Demokratie tragendes Element. Gleichzeitig sollen die Funktionsweisen und Anforderungen an die moderne Bibliothek im 21. Jahrhundert entwickelt und erörtert werden.

Berlin, im August 2008.

2. Von einer kurzen Definition zu den Anforderungen an die moderne Bibliothek.

Die heute gängige wissenschaftliche Definition einer Bibliothek versteht eine Bücher- und Mediensammlung, welche Information, Wissenschaft, Bildung und Unterhaltung dient. Dabei soll kein kommerzieller Zweck verfolgt werden und die Benutzung möglichst der Allgemein­heit möglich sein.[3] Organisatorisch kann der Nutzerkreis jedoch eingeschränkt sein, falls es sich um eine Universitäts- oder Behördenbibliothek handelt. Die Nutzungsmöglichkeit öffentlicher Bibliotheken sollte sich dabei möglichst breit, von speziellen Inhalten für Kinder bis zu konkreter Literatur für Wissenschaft und Forschung, erstrecken.[4]

Es ist sinnvoll, diese Eingrenzung des Funktionsbegriffes von Bibliotheken bereits an die­ser Stelle zu setzen. Die Beschreibung ist nicht, wie man vielleicht vermuten mag, starr auf die letzten Jahrzehnte des 20. und das jetzige 21. Jahrhundert anzuwenden. Wissenschaften existieren nicht erst seit 60 Jahren und auch das Bedürfnis nach Information und Bildung hegt die Menschheit seit ihrem Ursprung. Dass Bücher auch unterhalten können, scheint in der jetzigen multimedialen Gesellschaft so manchem fremd zu sein – umso eminenter war diese Funktion in anderen Zeiten[5], wie auch der Zugang für Kinder zu Literatur. Dieser Funktionsbegriff hat sich nicht nach der vergangenen Zeit entwickelt, sondern mit der Ver­gangenheit und soll so an dieser Stelle stehen.

3. Abriss der Geschichte.

Die Entwicklung von Bibliotheken geht zurück bis in das 4. Jahrtausend vor unserer Zeit. Parallel zur Ausformung der Hochkulturen in Ägypten, dem Mittleren Osten und China ent­wickelten sich Religionen, Wissenschaften, Bildung und Handel. Dazu mussten Schriften erstellt und gesammelt werden, um sie der Nachwelt später zugänglich und bewusst zu machen. Als erste Bibliothek gilt die Assurbanipals in Ninive, welche die gesamte baby­lonische Literatur auf geschätzten 5.000 bis 10.000 Steintafeln sammelte.[6] Wie heute diente diese Bibliothek bereits dem Sammeln, Ordnen und Benutzen von Schriften. Für das alte Ägypten gestaltet sich eine genaue Bestimmung schwierig, da es hier lange keine klare Trennung zwischen dem Archiv und der Bibliothek gab.[7] Erst unter ptolemäischer Herrschaft (4. Jh. vor Chr.) gab es „Bücherhäuser“ im Sinne von Bibliotheken, welche verschiedenen Tempeln zugeordnet waren. Herausragend für das Altertum war jedoch das „Museion“ von Alexandria mit seinen Bibliotheken. Zusammen mit der Alexandrinischen Gelehrtenschule wurden hier ca. 740.000 Buchrollen aufbewahrt. Die Zerstörung des Museions ist bis heute nicht eindeutig geklärt – die Zerstörung durch Cäsar (47 v. Chr.) ist ebenso unsicher über­liefert wie ein Brand, auch ist es möglich, dass Teile der Bibliothek erst bis zu 7. Jh. n. Chr. zerstört wurden.[8]

Im Mittelalter wurden die Kirche und Klöster die alleinigen Bildungsträger, so konnten Kirchen- und Klosterbibliotheken ihre Bestände beträchtlich ausbauen. Mit den ersten Uni­versitäten in Paris, Oxford und Prag bilden sich auch erste kleine Universitätsbibliotheken als Rechercheorte für die Wissenschaft.[9] Parallel zu dieser Entwicklung von öffentlichen Biblio­theken besaßen große Denker und Literaten von Humanismus und Renaissance (so zum Beispiel Petrarca und Boccaccio) Privatbibliotheken von immensem Umfang und Wert. Dies betraf vor allem Italien mit seinen florierenden Kulturstädten wie Florenz, Venedig und Rom. Diese Privatbibliotheken wurden später der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und gingen dann auch in öffentlichen Besitz, was bereits Demokratisierungsschritte erkennen lässt.

Man geht heute davon aus, dass sich der Buchdruck und die Reformation gegenseitig bedingt haben. Ohne die Möglichkeiten des schnellen Druckes hätten sich die Ideen der Reformation nicht so schnell ausbreiten können – dies löste wiederum die Nachfrage nach mehr Druckmöglichkeiten und Gedrucktem in Buchform aus.[10] Gleichzeitig entwickelten sich mit der Reformation frühe Stadt- und Schulbibliotheken (wie auch von Luther gefordert), was mit der religiösen Ausdifferenzierung auch ein Fortschreiten des Demokratisierungspro­zesses auf Bibliotheksebene mit sich bringt. Während sich in den Städten anderer Länder (Mailand, Oxford, Paris) bereits erste öffentliche Großbibliotheken formen, mündet der Dreißigjährige Krieg auf deutschem Territorium in der Zerstörung früher Bibliotheken oder der Verschleppung ihrer Bestände.[11]

Das mit der Aufklärung nach Leibniz geforderte organisierte Büchersammeln sowie der öffentliche Zugang zu diesen Schriften wurden in Deutschland erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Zuvor verstanden sich Bibliotheken hier eher als Institutionen für Kuriositäten oder Vergangenes und blieben der Öffentlichkeit verschlossen. Mit der Gründung der Uni­versitätsbibliothek Göttingen im Jahr 1735 entwickelte sich ein Vorbild der Bibliotheken in Europa und Amerika.[12] Ihre Grundlagen lassen sie als erste moderne Großbibliothek auf deutschem Boden erscheinen: So gab es einen festgelegten finanziellen Etat zum Bücher­kauf, der eine gezielte Anschaffung der wichtigsten wissenschaftlichen Literatur ermöglichte. Die Bestände waren hervorragend katalogisiert. Zu einer liberalen Benutzungsordnung traten günstige und auch tägliche Öffnungszeiten.[13] Als Universitätsbibliothek sah sie sich ganz im Dienste der Wissenschaft. Mit diesen Grundlagen der die Aufklärung bestimmenden Idee von der Abschaffung einer bloßen Bildung der Eliten waren weitere Schritte zur Öffnung und Demokratisierung von Bibliotheken getan. Bildung galt fortan als Gut der Allgemeinheit. Emi­nent für diese Zeit ist auch, dass Latein als Wissenschaftssprache den sich ausbildenden Nationalsprachen weicht.

Die Französische Revolution und die damit einhergehende Säkularisation wirkten sich auch auf das Bibliothekswesen in Deutschland aus. Mit Säkularisation ist jedoch nicht nur die strikte Trennung von Kirche und Staat gemeint, dies meint auch, dass kirchliche Besitz­tümer durch den Staat zwangsenteignet wurden. Wegen der katholischen Tradition traten die Wirkungen der Säkularisation besonders in Süddeutschland hervor, da die Dichte an katho­lischen Kloster- und Kirchenbibliotheken hier traditionsgemäß höher war. So kam es, dass die Bayerische Hof- und Staatsbibliothek in München im Jahr 1803 auf einmal den enormen Bestand von 500.000 Büchern aufwies und damit die größte deutsche Bibliothek wurde.[14] So wurden der Öffentlichkeit große Mengen an Büchern zugänglich gemacht, was einen wei­teren Schritt zur Demokratisierung des Bibliothekswesens impliziert. Jedoch sollten hier die Umstände der weitgehenden Zwangsenteignung kirchlichen Eigentums durch den Staat keinesfalls verdrängt werden.

[...]


[1] Vgl. ausführlich Hering, 1993: S. 8 bzw. Ruppelt in Franzmann, 1999: S. 394.

[2] Vgl. ebd., S. 394 f.

[3] Vgl. Hering, 1993: S. 31 – 35.

[4] Vgl. ebd., S. 8 f. bzw. Ruppelt in Franzmann, 1999: S. 394.

[5] Gerade in den Endkriegsjahren der NS-Zeit wurde die Unterhaltungs- und Ablenkungsfunktion von Büchern und Bibliotheken wichtiger und wurde von der NS-Führung auch unterstützt und gelenkt; vgl. Boese in Vodosek / Komorowski, 1989: S. 110 f. bzw. Jochum, 1993: S. 172.

[6] Vgl. Jochum, 1993: S. 14 ff. bzw. Ruppelt in Franzmann, 1999: S. 394; Assurbanipal (668 – 631 v.Chr.) war ein assyrischer König. In seinem Palast in Ninive legte er die größte assyrisch-babylonische Bibliothek an. Die darin gesammelten babylonischen Schriften wurden als Kriegsbeute in Babylon geraubt.

[7] Ein Archiv unterscheidet sich von einer Bibliothek insofern, dass seine Bestände organisch wachsen und somit nicht planmäßig gesammelt werden; vgl. Archiv. wissen.de / Geschichte. 13.08.2008 (online).

[8] Vgl. Jochum, 1993: S. 24 – 37. Die neue (an die zerstörte erinnernde) Bibliothek Alexandrias wurde im Jahr 2002 eröffnet.

[9] Für den deutschen Sprachraum treten später noch Heidelberg, Wien und Erfurt hinzu.

[10] Vgl. Jochum, 1993: S. 86 f. bzw. Ruppelt in Franzmann, 1999: S. 398.

[11] So wurden z. B. die Bestände der berühmten kurfürstlich-pfälzischen Bibliothek in Heidelberg, genannt Palatina, im Jahr 1623 nach Rom verschleppt; vgl. Jochum, 1993: S. 92 – 96.

[12] Vgl. ebd., S. 110 – 113 bzw. Ruppelt in Franzmann, 1999: S. 399.

[13] Vgl. Hering, 1993: S. 31 f. bzw. Raabe, 1986: S. 51.

[14] Vgl. Jochum, 1993: S. 114 ff. bzw. Ruppelt in Franzmann, 1999: S. 400.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Bibliothek als ein bestimmendes Element der Demokratie
Untertitel
Projektarbeit zu Aufgaben und Funktionen von Bibliotheken über die Jahrhunderte sowie neue Ansätze für die Zukunft
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft (Abteilung Buchwissenschaft))
Veranstaltung
Seminar Buchwissenschaft
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V118890
ISBN (eBook)
9783640225309
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bibliothek, Element, Demokratie, Seminar, Buchwissenschaft
Arbeit zitieren
Carol Petri (Autor), 2008, Die Bibliothek als ein bestimmendes Element der Demokratie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118890

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Bibliothek als ein bestimmendes Element der Demokratie



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden