Filmton-Produktion

Bedeutung des Tonbereiches in der gesamten Film-Produktion


Diplomarbeit, 1999

32 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Die Entwicklung des Tonfilmes

3. Der Filmton und seine Bestandteile
3.1. Der Dialog
3.2. Die Geräusche
3.3. Die Filmmusik

4. Mikrofonie am Set

5. Die Schallspeicherung
5.1. Magnetton
5.2. Lichtton
5.3. Digitalton
5.4. Qualitätsparameter

6. Die Synchronisation von Bild & Ton
6.1. Herkömmliche Verfahren
6.2. Das Pilottonverfahren
6.3. Der Timecode

7. Die Nachsynchronisation

8. Der Filmschnitt

9. Das Abmischen des Filmtones
9.1. Der Mischprozess
9.2. Mögliche Formate für den Filmton

10. Ein Vergleich zwischen Video- & Filmtechnik

11. Die Praxis in der Filmproduktion

12. Schlußbetrachtung

13. Literaturverzeichnis

1.Vorwort

Mit dieser Arbeit soll ein Überblick über das Feld der Filmton-Produktion gegeben werden. Dem interessierten Leser soll das nötige Hintergrundwissen vermittelt werden, um ein größeres Verständniss der in diesem Bereich verwendeten Technik und ihrer Anwendung zu ermöglichen. Die einzelnen Themen werden sich ungefähr an der Reihenfolge einer großen Filmproduktion orientieren und nach und nach die relevanten Bereiche abdecken.

Auch die allgemeine Bedeutung des Tonbereiches in der gesamten Film-Produktion wird dargestellt, da dies für den Umgang mit dem Filmton unerläßlich ist. Denn die Produktion von Filmton weist doch einige Besonderheiten im Vergleich zu z.B. Studioproduktionen der Musikbranche oder der Werbung auf.

Außerdem wird noch auf die Praxis der Tontechniker am Drehort oder im Synchron- und Mischstudio im einzelnen eingegangen.

Die Arbeit setzt ein gewisses Maß an tontechnischem Grundlagenwissen voraus. Besonders können die Bereiche Schall und Gehör, audio-visuelle Wahrnehmung, Schallwandlung, Effektkunde, Stereophonie und digitale Audiotechnik ergänzend in einschlägiger Fachliteratur nachgelesen werden.

Auf den Bereich der nicht immer klar von der Filmproduktion abzugrenzenden Videoproduktion wird nicht weiter eingegangen, da dies den Umfang dieser Arbeit übersteigt. Lediglich ein Grenzbereich des technischen Gebietes wird in Kapitel 10. näher ausgeführt.

Die Arbeit behandelt zunächst im allgemeinen Teil die Entwicklung und Bedeutung von Filmton. Dann werden im Hauptteil die technischen Aspekte aus den entsprechenden Bereichen erörtert. Zum Schluß wird noch der praktische Teil einer Produktion dargestellt.

2. Die Entwicklung des Tonfilmes

Vor mehr als 120 Jahren entwickelte Thomas Alva Edison den Phonographen. An einen Schalltrichter baute er eine Membran mit einer Nadel. Hinter der Nadel ließ er eine Walze laufen, in die die Schallwellen eingeritzt und später wieder abgespielt wurden. Dieses war die erste Möglichkeit, Schallinformationen aufzuzeichnen und wiederzugeben. Sie wurde 1877 der Öffentlichkeit vorgestellt.

Als Edison sich neuartiges Filmmaterial von George Eastman (KODAK) kommen ließ, um damit zu experimentieren, kam ein Mitarbeiter Edisons (Dickson) im Oktober 1889 auf die Idee, dieses Material gleichzeitig zu der Phonographenwalze laufen zu lassen. Der erste Tonfilm war erfunden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Edisons erste Skizze des Filmmaterials aus seinem Tagebuch. Die Breite des Filmes: 35mm![1]

Die erste öffentliche Kinovorführung fand dann im Dezember 1895 auf dem „Boulevard des Capucines“ in einem Kino der Gebrüder Lumiere statt. Allerdings war dies noch ein Stummfilm.

Die nächsten erfolgreichen Versuche zur Synchronisation von Film und Ton kamen von Messter im Jahr 1906. Er entwickelte eine Vorrichtung, bei der das Grammophon, von dem der Filmton kam, bei jeder Umdrehung einen Kontakt auslöste. Dadurch wurde im Vorführraum eine Klingel aktiviert, nach der sich dann der Operateur (Filmvorführer) richten konnte. Denn er mußte die Filmmaschine noch per Handkurbel betreiben. Ein Klingelzeichen entsprach so einer Umdrehung des Filmantriebes.

Den ersten Lichttonfilm, und somit die Möglichkeit Schallinformationen auf dem Filmmaterial zu speichern und auszulesen, entwickelten im Jahr 1922 die Herren Vogt, Engel und Masonelle. Ihre Technik hat sich im Grunde bis heute im Einsatz bewährt.

Die erste Filmvorführung eines Tonfilmes fand am 6. August 1926 in New York statt. Es war der Film „Don Juan“ mit John Barrymore. Allerdings war er noch im Nadeltonverfahren produziert. Es kamen also Musik, Sprache und Geräusche von einer Schallplatte.

Ab 1945 ersetzte dann weitgehend der Magnetfilm die Schallspeicherung auf einer Schallplatte bzw. den Lichtfilm in den Produktionsstudios. Dies war allerdings erst möglich durch eine entscheidende Weiterentwicklung der magnetischen Aufzeichnungsmöglichkeiten.

In den 80er Jahren erhielt die digitale Technik für Aufzeichnung und Verarbeitung ihren Einzug in die Filmtontechnik. Bedingt durch einfache Handhabung und schnelle Bearbeitungs- und Editiermöglichkeiten verbreitete sie sich bis heute immer weiter.

3. Der Filmton und seine Bestandteile

Der Ton in einem Film spielt eine wichtige Rolle, und wird in seiner Bedeutung oft unterschätzt. Ein paar Grundsätzte sollte jeder, der sich mit Filmton beschäftigt, kennen, denn sie erleichtern das Verständnis der gesamten Materie. Der Ton kann das Filmerlebnis stark in eine bestimmte Richtung lenken und das Verständnis des Zuschauers für das Geschehen fördern. So kommt es auch, daß der Stummfilm in Wirklichkeit nie richtig stumm war. Die Filmvorführungen wurden je nach Größe des „Lichtspielhauses“ und Bedeutung des vorgeführten Filmes von Pianisten, Ensemblen oder ganzen Sinfonieorchestern begleitet und so „vertont“.

Für die wirklich großen Filme gab es eigene Kompositionen, während die Qualität der musikalischen Begleitung von dem Repertoire und dem Können der beteiligten Musiker abhing.

Für die Dialoge gab es Kinoerzähler, die die Illusion eines vertonten Filmes noch weiter vervollständigten.

Speziell für diese Art der Filmvertonung entwickelte die Firma Wurlizter ihre berühmten Orgeln, in denen teilweise sogar die Möglichkeit integriert war, Geräusche wie Pistolenschüsse, Türklingeln oder Sirenen nachzumachen.

Daran wird deutlich, daß der Filmton aus mehreren Bestandteilen besteht. Zum einen die Geräusche (oder auch Sound-Effects), zum anderen die Sprache (oder der Dialog) sowie die Filmmusik (oder auch der Soundtrack).

3.1. Der Dialog

Normal ist in einem Film der „On-Ton“. Man sieht also den Sprecher im Bild. Macht die Kamera jedoch eine Wendung vom Sprecher weg oder springt zum Beispiel in eine Landschaftsaufnahme, so spricht man vom „Off-Ton“. Der Sprecher ist dann nicht mehr im Bild zu sehen. Eine andere Möglichkeit des Off-Tones stellt ein Erzähler dar, der Informationen, Erinnerungen oder auch Gedanken vorträgt, dabei aber nicht zu sehen ist.

Ein wichtiger Punkt des Dialoges liegt in einer sehr konstante Aufzeichnungsintensität, damit man ausreichend Abstand zwischen die Sprache und die Grundgeräusche des Filmes bringen kann. Dies ist unabdingbar für eine gute Sprachverständlichkeit.

3.2 Die Geräusche

Einen wichtigen Punkt stellt die Lokalisation der Geräusche dar. Man unterscheidet hier drei Möglichkeiten:

Als erstes ist der On-Ton zu nennen. Hierzu zählen alle Geräusche, bei denen die Tonquelle im Bild erscheint.

Bei nicht sichtbarer Tonquelle spricht man vom Off-Ton. Hierzu zählt vor allem die Geräuschskulisse. Die realitätsnahe Atmosphäre der Szene hängt sehr stark von ihr ab. Auch wenn sie kaum bewußt wahrgenommen wird, würde ein Fehlen sofort auffallen. Denn auch in der Realität kommen wirklich stille Orte fast nie vor. Zu jedem Ort gehört eine spezielle Geräuschkulisse, die im Film nicht fehlen darf.

Als dritte Möglichkeit gibt es den Off-Ton, der nicht zur Szene gehört. Diese Geräusche werden sehr selten verwendet und können z.B. benutzt werden um das Unterbewußtsein zu manipulieren. So wurden im Film „Alien“ von 1979 langsam beschleunigende Herztöne leise zugemischt, die ein immer bedrohlicher werdendes Gefühl beim Betrachter verursachen sollten.

Um unabhängig von dem Dialog zu sein, werden die Geräusche meistens getrennt aufgenommen. So behält man die Möglichkeit, die Geräuschkulisse („Atmo“) mit tontechnischen Mitteln auch noch nachträglich zu gestalten.

Die verwendeten Geräusche kommen, wenn sie nicht beim Drehen mit aufgenommen werden, aus einem Geräusch-Archiv oder aus der sogenannten „foley stage“. Hier werden Geräusche nachgemacht oder ganz neu erfunden. Letzteres ist gerade bei Science-Fiction immer wieder nötig.So wurde z.B. das Geräusch der Bewegungen von „Robocop“ (1987) durch das Einlegen einer Video-Kasette simuliert, das hinterher stark verfremdet wurde. Oft ist es billiger und schneller, bestimmte Geräusche nachzumachen, als lange in riesigen Archiven zu suchen oder gar neue Geräusche aufzunehmen. Je besser allerdings das Archiv ist, desto billiger wird es, Geräusche von dort zu nehmen.

Oft werden Geräusche und Sound-Effekte aus mehreren Einzelgeräuschen zusammen gemischt und so zu neuen Effekten geformt.

Insgesamt ist die Geräusch-Abteilung eine der wichtigsten bei Filmproduktionen, weil sie nach der Bildgestaltung Ausschlag für die Atmosphäre gibt, die ein Film vermittelt.

3.3. Die Filmmusik

Auch die Filmmusik kann das Verständnis für Szenen erheblich fördern. Sie kann Emotionen verstärken und Szenen betonen und herausheben. Mit ihr ist es möglich, Spannung zu erzeugen und langsam aufzubauen oder besondere Stimmungen im Zuschauer entstehen zu lassen. Szenen lassen sich beschleunigen und das ganze Zeitgefühl beeinflussen. Dies alles ist möglich, da Musik direkt auf die Menschen wirkt, und wird im Film ausgenutzt, um die Wirkung der Bilder zu unterstützen oder völlig neue Aussagen zu schaffen.

Für das bessere Verständnis von Filmmusik sind ein paar Techniken, die oft angewendet werden, hilfreich:

- Werden musikalische Figuren benutzt, um ein kurzes Handlungsmoment zu vertonen, spricht man von einer Pointierung oder auch von „Mickey Mousing“.
- Neue Aussagen kann man durch einen kontrapunktischen Einsatz der Musik schaffen, also dem krassen Gegensatz zwischen Bild und Musik. So wurde z.B. in „Good Morning Vietnam“ (1987) eine Kriegsszene mit dem Song „Wonderful World“ von Louis Armstrong unterlegt.
- Werden separate Szenen durch eine konstante Musik verbunden und ein Zusammenhang geschaffen, so spricht man von einer Klammerfunktion der Musik.
- Wenn der psychische Zustand der Leinwandfigur musikalisch zum Ausdruck gebracht werden soll, so ist dies eine Verwendung der „mood technique“.
- Die Titelmusik soll eine Grundstimmung schaffen und den Zuschauer auf den Film einstimmen. Sie ist meistens zudem das musikalische Leitmotiv, das immer wieder aufgegriffen wird.

Außer aus künstlerischen und gestaltungstechnischen Gründen hat die Filmmusik auch kommerziell Bedeutung. Heutzutage werden die Filme sehr geschickt vermarktet, indem man von dem Titelsong noch eine CD und einen Videoclip produziert, in dem der Zusammenhang zum Film deutlich wird. Diese Produkte werden geschickt und mit teilweise riesigem Aufwand am Markt plaziert und tragen so zu der Vermarktung des Filmes bei.

Die Produktion der Filmmusik gleicht sehr sonstigen Musikproduktionen. Nur wird oft mehr Aufwand getrieben als z.B. im Popbusiness üblich. Der Einsatz von riesigen Sinfonieorchestern ist durchaus nichts Außergewöhnliches. Die Behandlung der hierbei nötigen Mikrofonie und des Abmischens solcher Klangkörper würde jedoch den Rahmen dieser Arbeit übersteigen. Deshalb wird hier auf einschlägige Literatut zu diesem Thema verwiesen.

4. Mikrofonie am Set

Das höchste Ziel der Sprachaufnahmen ist, eine möglichst große Sprachverständlichkeit bei geringem Rauschpegel und möglichst wenig Störgeräuschen zu erreichen. Zudem muß die Tonperspektive an die Kameraperspektive angepaßt sein. Eine verhallte Sprachaufnahme nützt gar nichts, wenn die Kamera sehr dicht an dem Schauspieler ist, da dann Bild und Ton nicht mehr zusammenpassen und so der Zuschauer irritiert wird. Dabei muß unbedingt darauf geachtet werden, daß kein einziges Mikrofon im Bild zu sehen ist.

Die Kriterien für Außenaufnahmen unterscheiden sich deutlich von denen bei Innenaufnahmen. Außen kommt es vor allem auf die maximale Ausblendung von Störgeräuschen an. Die Mikrofone müssen wetterfest und störsicher sein sowie eine geringe Wind- und Poppempfindlichkeit besitzen. Deshalb werden hier gerne dynamische Druckempfänger (Kugelcharakteristik) verwendet, die bauartbedingt nicht so anfällig für solche Faktoren sind.

Wird innen gedreht, so ist wichtig, daß man auch bei sehr halligen Räumen noch einen möglichst unverfälschten Klang erhält. Auch muß auf die unsichtbare Montage der Mikrofone hier ganz besonders geachtet werden, weil sehr viel mehr Möglichkeiten der Mikrofonie als bei Außenaufnahmen bestehen.

Als Konsequenz daraus folgt, daß zu 90% Richtrohrmikrofone Verwendung finden[2]. Diese werden elastisch in Spinnen aufgehängt, oft an Angeln oder „Booms“ (siehe folgende Abbildung) geführt und mit einem Windschutz versehen. Ein solcher Windschutz erreicht in der Praxis eine Dämpfung der Windgeräusche um 20 bis 30dB. Er verändert allerdings auch die Richtcharakteristik des Mikrofons. Kann auf die Tonqualität der Aufnahme geachtet werden, wird eher zu Kondensator-Mikrofonen gegriffen, während sonst dynamische Mikrofone die robustere Alternative sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Richtrohrmikrofon mit Windschutz[3]

[...]


[1] Bild aus Webers, Audio Film- und Videotechnik

[2] Aus Henle, Tonstudio Handbuch

[3] Bild aus Görne, Mikrofone

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Filmton-Produktion
Untertitel
Bedeutung des Tonbereiches in der gesamten Film-Produktion
Hochschule
SAE Institute Frankfurt am Main  (Audio Engineer)
Veranstaltung
Audio Engineer
Note
2,0
Autor
Jahr
1999
Seiten
32
Katalognummer
V11892
ISBN (eBook)
9783638179355
ISBN (Buch)
9783638691277
Dateigröße
809 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Filmton Produktion
Arbeit zitieren
Johannes Glatz (Autor:in), 1999, Filmton-Produktion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11892

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