Grundsätzlich ist festzuhalten, dass eine Fülle von Publikationen zu den Themen Postkolonialismus und Eurozentrismus existiert. Diese Fülle ist kaum mehr zu überblicken. In der Debatte um den Postkolonialismus fällt auf, dass sie vor allem theoretischer Natur ist. Anstatt neue Erkenntnisse anzuwenden, wird eher die gesamte Geschichtswissenschaft in Frage gestellt. Überspitzt formuliert sind sowohl die aufklärerischen Gedanken als auch der europäische Universalitätsanspruch Ursache allen Übels auf der Welt. Dadurch kommt die Frage nach Schuldzuweisungen auf, sowohl bei den Autoren, als auch beim Leser. Dieser Eindruck entstand ebenfalls im Gespräch mit den Teilnehmern des absolvierten Seminars.
Bei der notwendigen Auswahl und Eingrenzung der Literatur wurde der Schwerpunkt auf die im Seminar besprochene Artikel gelegt. Im 1. Kapitel werden die verwandten Arbeiten vorgestellt. Das zweite Kapitel zieht den Bezug zur Geschichtswissenschaft. Es wird untersucht inwieweit die post colonial studies Anwendung in der Forschung und im universitären Alltag finden. Anschließend werden die Erkenntnisse der Geschichtsdidaktik in die Diskussion eingebettet.
Ziel der vorliegenden Arbeit soll die kritische Betrachtung der vorherrschenden Forschungsmeinung sowie deren Anwendung und auch Anwendbarkeit in der Geschichtswissenschaft sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Aktuelle Forschungsmeinungen
2.1 „Jenseits des Eurozentrismus“
2.2 Postkoloniale Soziologie und Sozialwissenschaften
3. Anwendung in der deutschen Geschichtswissenschaft
3.1 In der Forschung
3.2 Im universitären Alltag
3.3 In der Geschichtsdidaktik
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Relevanz und Anwendung der Postkolonialismusdebatte innerhalb der deutschen Geschichtswissenschaft. Das primäre Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen theoretischen Postulaten der postcolonial studies und ihrer tatsächlichen praktischen Implementierung in Forschung und Lehre zu analysieren.
- Theoretische Grundlagen und Debatten zum Eurozentrismus
- Anwendung postkolonialer Ansätze in der geschichtswissenschaftlichen Forschung
- Präsenz postkolonialer Themen im universitären Lehralltag
- Implementierung in der Geschichtsdidaktik
- Kritische Analyse von Ursachen für die zögerliche Rezeption
Auszug aus dem Buch
2.1 „Jenseits des Eurozentrismus“
Im folgenden soll ein kurzer Einblick in die verwendete Literatur gegeben werden. Wie bereits angedeutet, ist es aufgrund der Flut von Veröffentlichungen unmöglich einen umfassenden aktuellen Forschungsstand aufzuzeigen.
Von besonderer Bedeutung für die vorliegende Arbeit ist der von Sebastian Conrad und Shalini Randeria herausgegebene Sammelband „Jenseits des Eurozentrismus. Postkoloniale Perspektiven in den Geschichts- und Kulturwissenschaften“, da gleich mehrere Artikel daraus verwandt wurden. In ihrer Einleitung machen Conrad und Randeria klar, dass es ihr Ziel ist Europa und seine Geschichte nicht mehr losgelöst vom Rest der Welt zu begreifen, besonders seit dem 19. Jahrhundert sei dies nicht mehr vertretbar, so die Autoren. So folgt eine Definition des Begriffes „Eurozentrismus“. Conrad und Randeria verstehen darunter
„die mehr oder weniger explizite Annahme [...], daß die allgemeine historische Entwicklung, die als charakteristisch für das westliche Europa und das nördliche Amerika betrachtet wird, ein Modell darstellt, an dem die Geschichten und sozialen Formationen aller Gesellschaften gemessen und bewertet werden können. Die Spezifität und historischen Unterschiede nichtwestlicher Gesellschaften werden dementsprechend in einer ‚Sprache des Mangels’ beschrieben und als Defizite behandelt.“
Es werden verschiedene Optionen Geschichte neu zu denken vorgestellt und mit Beispielen aus der Vergangenheit untermauert. Ziel des Sammelbandes soll „die Suche nach einer relationalen Perspektive auf die Geschichte der Moderne“ sein, jenseits der bisherigen Gegenüberstellung von Europa und seinem Anderen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Fülle der postkolonialen Literatur und stellt die theoretische Ausrichtung der Debatte der mangelnden praktischen Anwendung in der Geschichtswissenschaft gegenüber.
2. Aktuelle Forschungsmeinungen: Dieses Kapitel gibt einen Einblick in zentrale theoretische Ansätze zum Eurozentrismus und diskutiert die Perspektiven der postkolonialen Soziologie.
3. Anwendung in der deutschen Geschichtswissenschaft: Das Hauptkapitel untersucht, wie postkoloniale Fragestellungen in der Forschung, im universitären Alltag und in der Geschichtsdidaktik aufgegriffen oder ignoriert werden.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und konstatiert, dass eine praktische Anwendung fast ausschließlich im didaktischen Bereich stattfindet, während die Ursachen für die Zurückhaltung in der akademischen Forschung offen bleiben.
Schlüsselwörter
Postkolonialismus, Eurozentrismus, Geschichtswissenschaft, Moderne, postcolonial studies, Geschichtsdidaktik, Kolonialismus, Globalisierung, Forschung, Lehre, Identität, Alterität, Mikrogeschichte, Nationalstaatsbildung, Machtverhältnisse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die Debatte um den Postkolonialismus und den Eurozentrismus und hinterfragt deren Bedeutung sowie praktische Implementierung in der deutschen Geschichtswissenschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Eurozentrismus, die postkoloniale Kritik an der Geschichtsschreibung, die Rolle der Geschichtsdidaktik sowie die Wahrnehmung des Kolonialismus im deutschen Mutterland.
Welches Ziel verfolgt die Autorin mit dieser Untersuchung?
Das Ziel ist eine kritische Reflexion darüber, warum theoretische postkoloniale Ansätze in der deutschen Geschichtswissenschaft bislang nur in begrenztem Maße in die Forschung und den universitären Alltag einfließen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer vergleichenden Sichtung von Publikationen sowie der Untersuchung von Vorlesungsverzeichnissen ausgewählter deutscher Universitäten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung aktueller Forschungsmeinungen und die spezifische Untersuchung der Anwendung postkolonialer Perspektiven in der deutschen Forschung, an Universitäten und im didaktischen Bereich.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die wichtigsten Begriffe sind Postkolonialismus, Eurozentrismus, Geschichtswissenschaft, postcolonial studies und Geschichtsdidaktik.
Warum spielt die Geschichtsdidaktik eine so prominente Rolle für das Ergebnis?
Die Autorin stellt fest, dass postkoloniale Diskurse außerhalb der theoretischen Debatte primär in der didaktischen Ausbildung und Unterrichtsgestaltung Anwendung finden, was einen deutlichen Kontrast zur reinen akademischen Forschung darstellt.
Welche Rolle spielt der Begriff „Eurozentrismus“ im Rahmen der Untersuchung?
Er dient als zentraler analytischer Maßstab, an dem die Autorin aufzeigt, wie westliche Geschichtsschreibung oft unreflektiert als universelles Modell fungiert und dadurch nicht-westliche Perspektiven marginalisiert.
Was schlussfolgert die Arbeit hinsichtlich der Zukunft der Geschichtsschreibung?
Das Fazit bleibt zurückhaltend: Es gibt keine einfachen Lösungen; die Wissenschaft muss sich behutsam und geduldig dem „Anderen“ annähern, um eurozentrische Denkmuster nachhaltig zu überwinden.
- Arbeit zitieren
- Sandra Rehle (Autor:in), 2011, Ein problemorientierter Diskurs der Postkolonialismusdebatte in der Geschichtswissenschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1189403