Grenzen und Spielräume der Jugendberufshilfe

Zur aktuellen Situation von Beschäftigungs- und Qualifizierungsprojekten in Sachsen


Diplomarbeit, 2008

124 Seiten, Note: 1,6


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Ziel der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Lebensphase Jugend und junge Erwachsene
2.1 Die Entstehung der Lebensphase Jugend
2.2 Junge Erwachsene - Übergangsstatus oder Dauerzustand
2.3 Altersmäßige Eingrenzung
2.4 Nicht mehr jugendlich, noch nicht erwachsen
2.4.1 Entwicklungsaufgaben der Jugendphase
2.4.2 Grenzen der Postadoleszenz
2.5 Jugend und Arbeit
2.5.1 Berufliche Sozialisation
2.5.2 Jugend und Arbeitslosigkeit
2.6 Zusammenfassung und Schlussfolgerung für die Befragung

3 Wandel der Jugendberufshilfe
3.1 Grundlagen der Jugendberufshilfe
3.1.1 Gesetzliche Grundlagen
3.1.2 Zielgruppe
3.1.3 Aufgaben und Ziele
3.2 Das Orientierungsdilemma der Jugendberufshilfe
3.2.1 Aktuelle Situation
3.2.2 Grenzen der Jugendberufshilfe
3.2.3 Modernisierungsansätze
3.3 Zusammenfassung und Schlussfolgerung für die Befragung

4 Methodisches Vorgehen
4.1 Intention der Befragung
4.2 Methodenauswahl
4.3 Interviewvorbereitung und –durchführung
4.4 Analyse und Auswertung der Interviews

5 Aktuelle Situation der Jugendberufshilfe und ihrer Zielgruppe - Auswertung der ExpertInneninterviews
5.1 Rahmenbedingungen der befragten Projekte
5.1.1 Projektstandorte
5.1.2 Projektform und Tätigkeitsfeld
5.1.3 Zielgruppe
5.1.4 Zielstellung und Ergebniseinschätzung
5.1.5 Regeln und Sanktionen
5.2 Rolle der sozialpädagogischen Fachkräfte
5.3 Junge Erwachsene in der Jugendberufshilfe
5.3.1 Motivation der Teilnehmer
5.3.2 Sozialer Hintergrund
5.3.3 Berufliche Perspektiven der Teilnehmer
5.4 Modernisierungsansprüche der befragten Sozialpädagogen
5.4.1 Kooperation
5.4.2 Befristung und Nachhaltigkeit der Maßnahmen
5.4.3 Alternative Beschäftigungsformen
5.5 Zusammenfassung

6 Schlussbetrachtung

Quellenverzeichnis

Literatur

Internetquellen

Anhang

Interviewleitfaden

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Arbeitslosenquote von Jugendlichen unter 25 Jahren im europäischen Vergleich

Abbildung 2: Erwerbstätige in Deutschland nach Tätigkeitsniveau (ohne Auszubildende)

Abbildung 3: Junge Menschen in Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit zur Unterstützung der beruflichen Erstqualifizierung (in Tausend)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Statistik der Arbeitslosenquote Jugendlicher unter 25 Jahren in ausgewählten Bundesländern

Tabelle 2: Angebot-Nachfrage-Relation bei Ausbildungsstellen in Deutschland

1 Einleitung

Im September 2003 begann ich mein Praktikum bei IRIS e.V. im Rahmen der EQUAL - Entwicklungspartnerschaft „Arbeitsplätze für junge Menschen in der Sozialwirtschaft“. In den Projekten der Entwicklungspartnerschaft waren junge Erwachsene zwischen 18 und 27 Jahren zeitlich befristet angestellt. Gemeinsam mit ihren Projektberatern versuchten die Teilnehmer neue Beschäftigungsfelder in der Sozialwirtschaft zu erschließen und sich selbst somit nachhaltig einen Arbeitsplatz zu schaffen. Nahezu alle jungen Erwachsenen besaßen einen Schulabschluss und eine Berufsausbildung oder ein abgeschlossenes Studium. Ich erlebte die jungen Erwachsenen als junge Menschen voller Motivation für ihre Arbeit und mit zahlreichen Ideen und Vorstellungen für ihre berufliche Zukunft. Bei Präsentationen der Entwicklungspartnerschaft in der Öffentlichkeit bezeichneten wir „unsere“ jungen Erwachsenen daher meist als die „Elite der jungen Arbeitslosen“, da sie anscheinend alles mitbrachten, was für einen erfolgreichen Einstieg in das Arbeitsleben notwendig war und nicht in das Bild der typisch benachteiligten Klientel der Jugendberufshilfe passten.

Durch Gespräche mit den Projektbetreuern und sozialpädagogischen Fachkräften festigte sich für mich das Bild, dass diese jungen Menschen vor allem im Osten Deutschlands keine Randerscheinung des Arbeitslosenmarktes sind.

Die Gruppe der marktbenachteiligten Jugendlichen wächst vor allem in den neuen Bundesländern. Gerade Jugendliche mit erlernten Berufen, die vom Arbeitsmarkt nicht oder nur in geringer Zahl nachgefragt werden, stehen trotz guter Schul- und Ausbildungsleistungen am Ende ohne Arbeitsstelle da.

Auf dem gleichen Arbeitsmarkt versucht daneben auch die Gruppe der klassisch benachteiligten Jugendlichen und jungen Erwachsenen ihren Platz zu finden. Häufig sind diese Lebensverläufe durch prekäre familiäre Hintergründe, mangelhafte oder fehlende Schulabschlüsse und abgebrochener bzw. gar nicht begonnener Berufsausbildung geprägt. Manche dieser jungen Erwachsenen verbleiben in unterschiedlichen Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen der Jugendberufshilfe bis sie das Ende des förderfähigen Alters erreichen. Danach wird ihre berufliche Laufbahn, wenn sie je startet, häufig von Phasen der Arbeitslosigkeit unterbrochen oder zeichnet sich durch prekäre Arbeitsverhältnisse aus.

Arbeitslosigkeit bewirkt bei jungen Menschen einen Verlust des Selbstwertgefühls und geht häufig mit dem Gefühl, von der Gesellschaft nicht gebraucht zu werden, einher. Die Jugendberufshilfe agiert in einem Feld, in dem sie Jugendliche und junge Erwachsene qualifizieren und fit für den ersten Arbeitsmarkt machen soll. Sie soll junge Erwachsene auf eine berufliche Zukunft vorbereiten, die vielleicht nie stattfindet. (vgl. Galuske 1993) Hier besteht dringend Handlungsbedarf und es ist Zeit für eine Neuorientierung.

1.1 Ziel der Arbeit

Die Arbeitsgesellschaft befindet sich im Wandel. Mit zunehmender Technologisierung von Produktionsprozessen und Flexibilisierung von Arbeitsverhältnissen werden Arbeitskräfte frei gesetzt und in immer geringerer Zahl vom ersten Arbeitsmarkt nachgefragt. In meiner Arbeit gehe ich darauf ein, an welche Grenzen die Jugendberufshilfe unter diesen veränderten Arbeitsmarktbedingungen stößt und wie sie damit umgeht.

„Jugendsozialarbeit ist kein statisches Handlungsfeld. Gesellschaftliche Entwicklungen und Veränderung bei den Lebens- und Problemlagen der Zielgruppen machen es notwendig, dass sie ihre Zielsetzung und ihr Methodenrepertoire permanent hinterfragt und weiterentwickelt.“ (Fülbier 2002, S. 123)

Der Wandel der Arbeitsgesellschaft wirkt sich vor allem auf die Zielgruppe der Jugendberufshilfe aus. Junge Menschen werden in ihrer Jugend auf den ersten Arbeitsmarkt vorbereitet, wobei tatsächlich nicht für alle der Zugang eine realistische Zukunftsperspektive ist. Durch die verschlechterten Integrationschancen in den Arbeitsmarkt werden junge Menschen zunehmend länger in einer Lebensphase „gefangen“ gehalten, die sich durch die weitgehend persönliche Selbständigkeit bei gleichzeitig wirtschaftlicher Abhängigkeit auszeichnet. Auf diese Veränderungen der Zielgruppe der Jugendberufshilfe gehe ich in meiner Arbeit ein und zeige auf, wodurch sich dieser neue Abschnitt innerhalb der Jugendphase kennzeichnet. Weiterhin stelle ich dar, welche Veränderungen die Jugendberufshilfe bei ihren Teilnehmern zur Kenntnis genommen hat und wie sie darauf eingeht.

Mit Hilfe von ExpertInneninterviews mit Fachkräften aus der Jugendberufshilfe möchte ich einen aktuellen Überblick über die Arbeit der Jugendberufshilfe und Antworten auf u.a. folgende Fragen geben.

- Inwieweit hat eine Veränderung in der Zielgruppe der Jugendberufshilfemaßnahmen stattgefunden?
- Wie werden unter den veränderten Rahmenbedingungen die beruflichen Integrationschancen der Zielgruppe eingeschätzt?
- Ist zusätzliche Qualifizierung und Weiterbildung für alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen der Schlüssel für ihren Platz am Arbeitsmarkt?
- Oder sollten wir uns von der „heiligen Kuh“ (Galuske 1998 (b), S. 7) der Vollbeschäftigung lösen und damit Raum schaffen für alternative, nicht auf Erwerbsarbeit ausgerichtete Lebensformen?
- Ist es vielleicht wichtiger, jungen Erwachsenen das Gefühl zu geben, auch ohne Vollzeittätigkeit ein wichtiger Bestandteil der Gesellschaft zu sein, anstatt sie immer weiter durch die Behebung ihrer vermeintlichen Defizite für den Arbeitsmarkt „fit zu machen“?
- Verfügt die Jugendberufshilfe überhaupt über diesen Spielraum oder ist der Druck der Fördermittelgeber zur Vermittlung der Betroffenen auf den ersten Arbeitsmarkt zu groß?
- Welche Rahmenbedingungen können verändert oder neu geschaffen werden, um die Arbeit der Jugendberufshilfe in der Praxis effektiver und für alle Beteiligten zufrieden stellender zu gestalten?

Es ist nicht das Ziel der Arbeit, konkrete Lösungsvorschläge anzubieten, sondern Grenzen aufzuzeigen, an welche die Jugendberufshilfe unter den veränderten Rahmenbedingungen in ihrem Handeln stößt und Impulse zur Verbesserung der Situation zu geben.

1.2 Aufbau der Arbeit

„Wenn die Arbeitsgesellschaft zum Problem wird, dann muß auch die Jugendphase als Phase der biografischen Vorbereitung auf diese Gesellschaft zum Problem werden.“ (12. Shell Jugendstudie 1997, S.1 3)

Mit dem Wandel der Arbeitsgesellschaft und der Verlängerung des Verbleibens im Bildungssystem zur Vorbereitung auf das Erwerbsleben bildet sich ein neuer Abschnitt in der Jugendphase heraus – die Phase der jungen Erwachsenen. Diese Zielgruppe stellt den Hauptteil der von mir befragten Qualifizierungs- und Beschäftigungsprojekte dar, daher beginne ich meine Arbeit damit, die Lebensphase der jungen Erwachsenen näher zu beleuchten und altersmäßig einzugrenzen.

Diese Lebensphase hält Aufgaben und Probleme sowohl der Jugendphase als auch des Erwachsenenalters bereit. In ihren Wert- und Moralvorstellungen meist schon gefestigt und vom Elternhaus gelöst, aber dennoch wegen langen Verbleibens im Bildungssystem noch finanziell und materiell von staatlicher oder familiärer Unterstützung abhängig, sehen sich junge Erwachsene vor besondere Herausforderungen und deren Bewältigung gestellt. Ich möchte auf diese eingehen und aufzeigen, wie junge Erwachsene damit umgehen und an welche Grenzen sie dabei stoßen.

Die berufliche Sozialisation spielt in dieser Lebensphase eine zentrale Rolle. Die Gesellschaft bewertet ihre Mitglieder nach ihrem Erfolg auf dem Arbeitsmarkt und ihrer Motivation zu arbeiten. Diesem Wertesystem schließen sich junge Erwachsene an und stellen Erwerbsarbeit als oberste Priorität zur Erlangung ihres Platzes in der Gesellschaft. Scheitern sie an dieser Aufgabe, wird dies oft als ein persönliches Versagen gedeutet, bedingt durch Defizite in der eigenen Person oder des eigenen Handelns.

Arbeitslosigkeit stellt für junge Erwachsene ein besonderes Problem dar. Sie wurden während ihrer Kindheit und Jugend im Bildungssystem untergebracht, um Wissen zu erwerben und sich auf das Berufsleben vorzubereiten. Wenn ihnen nun dieser Weg in das Berufsleben verwehrt bleibt, fehlt ihnen meist auch die Möglichkeit vollständig in die Phase des Erwachsenenalters einzutreten, da diese mit einer vollständigen (moralischen, ökonomischen, räumlichen) Ablösung vom Elternhaus verbunden ist. Gerade für Männer ist dieses Leben zwischen Jugend- und Erwachsenenalter ohne Einbindung in das Berufsleben schwierig. Während die gesellschaftliche Erwartung den Männern nach wie vor die Rolle des Arbeiters und Familienernährers zuschreibt und die jungen Männer sich dadurch dem nachhaltigen Druck ausgesetzt sehen am ersten Arbeitsmarkt zu partizipieren, ist es jungen Frauen durch Geburt eines Kindes oder Heirat möglich, vorerst gesellschaftlich akzeptiert aus der Arbeitslosigkeit zu entkommen. Auch auf diese geschlechtsspezifischen Aspekte gehe ich im ersten Teil meiner Arbeit ein.

Der folgende Abschnitt meiner Arbeit befasst sich mit dem Wandel der Jugendberufshilfe. Dazu beschreibe ich eingangs kurz die Veränderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen durch die Einführung der Hartz-Gesetze und befasse mich anschließend mit den Rechtsgrundlagen der Jugendberufshilfe. Dabei gehe ich vor allem auf jene gesetzlichen Bestimmungen ein, die für die Arbeit der befragten Praxisprojekte von besonderer Bedeutung sind.

Im Anschluss stelle ich die Zielgruppe, sowie die Aufgaben und Ziele der Jugendberufshilfe dar, wie sie sich aus den jeweiligen Gesetzen ergeben. Anschließend gehe ich, wie anfangs schon umrissen, auf das Orientierungsdilemma der Jugendberufshilfe ein. Dazu beleuchte ich ihre aktuelle Situation und schildere die Grenzen, an welche die Arbeit der Projekte stößt.

Unsere Gesellschaft - als Arbeitsgesellschaft - befindet sich im Wandel. Obwohl noch nie so viele Menschen im Lohnarbeitssektor beschäftigt waren (vgl. Galuske 1993, S. 43), werden durch steigende Produktivität und zunehmende Rationalisierungsprozesse immer mehr, vor allem Einfacharbeitsplätze abgeschafft. Gerade die klassische Klientel der Jugendberufshilfe - die benachteiligten Jugendlichen und jungen Erwachsenen - ist von dieser Entwicklung betroffen. Die Jugendberufshilfe sieht sich so höheren Erwartungen ausgesetzt, denen sie nur teilweise entsprechen kann. Jugendberufshilfe soll beraten, vorbereiten, qualifizieren und auf den ersten Arbeitsmarkt vermitteln. Da jedoch der Arbeitsmarkt meist nicht an anderer Stelle zusätzliche Arbeitskräfte nachfragt, ist auch die Jugendberufshilfe nicht in der Lage, alle ihre Klienten auf den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln. In einigen Fällen wird jedoch der Blick und die Arbeitsweise der Jugendberufshilfe hin zu neuen, alternativen Handlungsweisen und Lebenskonzepten durch den Druck der Fördermittelgeber zur Vermittlung der jungen Erwachsenen behindert. In diesem Themenbereich gehe ich auf Modernisierungsvorschläge aus der Literatur ein und stelle einige näher vor. Dabei handelt es beispielsweise um die verstärkte Kooperation zwischen den einzelnen Trägern und Institutionen der Jugendberufshilfe, da der Konkurrenzdruck an manchen Stellen größer ist als der Wille zusammen zu arbeiten. Weiterhin zeige ich auf, dass sich der derzeitige Defizit-Blickwinkel auf die Klientel der Jugendberufshilfe als hinderlich für die Arbeit der Praxis erweist und in Zukunft verändert werden sollte.

Das anschließende Kapitel beschäftigt sich mit dem methodischen Vorgehen der Befragung sozialpädagogischer Fachkräfte der Praxisprojekte. Zunächst gehe ich darauf ein, welche Absicht mit der Befragung verfolgt wurde und welche Themengebiete daraufhin im Interviewleitfaden besondere Beachtung finden. Anschließend erläutere ich, weshalb die Methode des ExpertInneninterviews gewählt wird und welche Besonderheiten diese Methode aufweist. Die Beschreibung der Durchführungs- und Auswertungsmethodik der Interviews bilden den Abschluss dieses Kapitels.

Die Auswertungsergebnisse der Befragungen bilden die Grundlage des folgenden Abschnitts dieser Arbeit. Ich stelle zunächst die Rahmenbedingungen der befragten Projekte dar, um aufzuzeigen innerhalb welcher Gegebenheiten die dort beschäftigten Sozialpädagogen und jungen Erwachsenen agieren. Um die Anonymität der Interviewpartner zu wahren, werden diese Bedingungen allgemein gehalten und nicht dem konkreten Interviewpartner zugeordnet.

Anschließend beleuchte ich die Rolle der befragten Sozialpädagogen innerhalb ihres Tätigkeitsfeldes, um aufzuzeigen welchen Stellenwert sie vor allem für die jungen Erwachsenen, aber ebenso in der gesamten Projektorganisation einnehmen. Die Rolle der Sozialpädagogen ist die zentralste innerhalb des gesamten Projektes. Sie vermitteln zwischen den verschiedenen Instanzen wie Geschäftsführern, Praxisanleitern und Fallmanagern. Bei ihnen liegt häufig die Entscheidungsgewalt über die Einstellung und Kündigung der Teilnehmer, sie verhängen Sanktionen und tragen zur Lösung von Konflikten zwischen den verschiedenen Parteien bei. Diese Vielzahl an Aufgaben lässt sie jedoch auch an Grenzen stoßen, welches ich ebenfalls in dieser Arbeit darstelle.

Die Krise der Arbeitsgesellschaft hat das Zentrum der Jugendphase erreicht. (vgl. Shell Jugendstudie 1997, S. 11) Dieser Wandel ist nicht spurlos an der Zielgruppe der Jugendberufshilfe vorbeigegangen. Daher war ein Anliegen der Befragung, die Veränderung der Teilnehmer und deren beruflichen Chancen aus der Sicht der befragten Sozialpädagogen zu erörtern. Neben diesen Aspekten lege ich die Motivation und die sozialen Hintergründe der Teilnehmer dar, um in der Gesamtheit aufzuzeigen, welche Teilnehmergruppe momentan die Projekte der Jugendberufshilfe in Anspruch nimmt und welche konzeptionellen Änderungen dies ggf. notwendig macht.

Den Abschluss der Interviewauswertung bildet die Darlegung der Modernisierungserfordernisse von Seiten der befragten Sozialpädagogen. Die Veränderungen des Arbeitsmarktes und der Zielgruppe wurde von den sozialpädagogischen Fachkräften wahrgenommen. Auch von ihnen wurde in den Gesprächen eine konzeptionelle Umorientierung der Jugendberufshilfe- maßnahmen angeregt. Ich lege daher die angesprochenen Aspekte, die aus Sicht der Sozialpädagogen für ein effektives Arbeiten der Projekte unter den derzeitigen Arbeitsmarktbedingungen neu gestaltet werden sollten, dar.

Abschließend zeige ich auf, welche Konsequenzen die Jugendberufshilfe aufgrund der gesellschaftlichen Veränderung und deren Auswirkungen auf ihre Zielgruppe ziehen sollte.

2 Lebensphase Jugend und junge Erwachsene

„Die heutige Jugend ist eine geprellte Generation. Sie will nichts sehnlicher als ins Berufsleben aufgenommen zu werden, muss jedoch laufend Zurückweisungen und Ablehnung erfahren.“ (Stamm 2007, S. 2)

Obwohl aufgrund des demographischen Wandels die Jugend quantitativ abnimmt, ist der Arbeitsmarkt nicht mehr in der Lage, allen Jugendlichen einen Platz in der Erwerbsarbeit einzuräumen. Diese Situation wird von den Jugendlichen mit Besorgnis wahrgenommen. Im Jahr 2006 fürchteten schon 69% aller Jugendlichen ihren Arbeitsplatz zu verlieren oder nie eine adäquate Beschäftigung zu finden. (vgl. Shell Studie 2006, S. 15) Um überhaupt am Arbeitsmarkt teilhaben zu können, müssen junge Menschen einen immer längeren Bildungsweg in Kauf nehmen. Dadurch verlängert sich die Lebensphase Jugend als (Aus-) Bildungsphase zur Vorbereitung auf das Erwerbsleben, ohne dass es möglich ist, den Jugendlichen einen Platz auf dem ersten Arbeitsmarkt zu garantieren.

Junge Menschen werden heute vor immer größere Herausforderungen gestellt. Sie müssen sich bei ihrer Lebensplanung vermehrt auf sich selbst besinnen, da Lebenskonzepte, die durch die Eltern o. ä. vorgegeben sind, aufgrund der rasanten gesellschaftlichen Entwicklung, nicht mehr übernommen werden können, sondern variabel von den jungen Menschen neu entwickelt werden müssen. Dabei benötigen Jugendliche und junge Erwachsene „einen inneren Kompass, um die vielfältigen Handlungsanforderungen bei der Einräumung von persönlicher Autonomie flexibel und sinnvoll zu bewältigen und angesichts der Zukunftsunsicherheit ein Bild von der eigenen Persönlichkeit zu entwerfen.“ (Shell Studie 2006, S. 35)

Durch die Verlängerung der Lebensphase Jugend entwickelt sich ein Zwischenstatus bei jungen Menschen, der sich durch weitgehend soziokulturelle Selbständigkeit bei gleichzeitig wirtschaftlicher Abhängigkeit ausbildet. Diese jungen Erwachsenen werden durch den längeren Verbleib im Bildungssystem und zunehmend schlechter werdenden Übergangschancen in den ersten Arbeitsmarkt in einem Schwebezustand gehalten, der sie als noch nicht erwachsen, aber auch nicht mehr jugendlich kennzeichnet.

Im folgenden Kapitel geht es darum, diese Lebensphase näher zu beleuchten. Neben der Entwicklung der Jugend zu einer eigenständigen, zunehmend länger werdenden Lebensphase, zeige ich u. a. auf wie der Abschnitt der jungen Erwachsenen altersmäßig einzugrenzen ist und welche Besonderheiten er aufweist.

2.1 Die Entstehung der Lebensphase Jugend

In frühen Kulturen fand sich eine Dreiteilung des Lebenslaufes in Kindheit, Erwachsensein und Alter, wobei sich der Übergang von der Kindheit in das Erwachsenenalter oftmals durch einen Initiationsritus kennzeichnete. Die Lebensphase Jugend fand erstmals in Griechenland bei Aristoteles (384-322 v. Chr.) Erwähnung. Bereits damals war die Jugend eng mit Bildungsfreudigkeit und Gesellschaftsreform verbunden. Allerdings blieb diese Lebensphase nur einem geringen Teil der Gesellschaft vorbehalten, welcher von körperlicher Arbeit befreit werden konnte, um sich der Kunst zu widmen. (vgl. Schäfers 1994, S. 55)

„Ohne Übertreibung lässt sich sagen, dass Jugend nicht nur in der Antike, sondern in der Neuzeit bis zur Jugendbewegung des Wandervogels eine Angelegenheit der oberen Schichten und der männlichen Jugend war. Nur hier waren entsprechende Freisetzung von daseinserhaltender Arbeit möglich, verbunden mit der Pflicht, sich in den freien Künsten zu üben.“ (Schäfers 1994, S. 56)

Ab dem 12. Jahrhundert bildete sich mit dem Aufkommen einer Stadtkultur im Mittelalter eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung von stände- spezifischen Jugendgruppen. Die Entstehung von Universitäten und die Spezialisierung von Kunst und Handwerk führten zu längeren Ausbildungsphasen und Wanderschaften. Vor allem Handwerkergesellen und Mitglieder des Rittertums fanden sich in einem Wartestadium des Übens und Vorbereitens wieder und bildeten dabei bestimmte jugendliche Verhaltensweisen heraus. (vgl. Schäfers 1994, S. 57) Dennoch war der Zugang zur Lebensphase Jugend bis zum 18. Jahrhundert nur bestimmten Ständen vorbehalten.

„Die meisten Kinder wuchsen in bäuerlichen oder handwerklichen Familien auf, in denen gesonderte Prozesse schulischer Ausbildung oder gar beruflicher Entscheidungen nicht erforderlich waren. Der Übergang vom Kind zur Arbeitskraft vollzog sich etwa zwischen dem 8. und 10. Lebensjahr, die Pubertät trat sehr viel später ein.“ (Tillmann 1991, S. 189)

Im Zuge der Industrialisierung im 18./19. Jahrhundert entwickelte sich die Jugend zur eigenständigen Lebensphase. Wichtige Voraussetzungen bildeten hierfür die Verhäuslichung und Familiarisierung sowie die Einführung der allgemeinen Schulpflicht. In Deutschland waren vor allem der Einfluss von Jean-Jacques Rousseau und die auf ihn zurückgehende Reformpädagogik ausschlaggebend für die Herausbildung der Jugendphase. Mit seinem Werk „Emil oder über die Erziehung“ prägte Rousseau den Jugendbegriff maßgeblich mit. Nach seiner Auffassung sollte „die Jugend als eigenständige Lebensphase durch ausgedehnte Bildungsprozesse“ (Schäfers 1994, S. 58) sichergestellt werden.

Mit zunehmender Industrialisierung entwickelte sich neben dem Proletariat zeitgleich das Bürgertum. In dieser Schicht war es sehr wichtig das Unternehmen des Vaters auch in den folgenden Generationen zu erhalten, sodass die Ausbildung des männlichen Nachwuchses zur obersten Priorität wurde. Der Status der Familie konnte nur erhalten werden, wenn die Söhne ihr Studium oder ihre Ausbildung erfolgreich abschlossen. Tillmann bezeichnet dies als „die historische Geburtsstunde der uns heute bekannten Jugendzeit". (Tillmann 1991, S. 190) Dennoch beschränkten sich diese Ausbildungsbestrebungen ausschließlich auf den männlichen Nachwuchs. Die Töchter wurden vor allem auf ihre häuslichen Pflichten und die Ehe vorbereitet.

„Erst die Jugendbewegung seit Beginn des 20. Jahrhunderts mit ihren häufig zwei- geschlechtlichen Gruppen und betonter Gleichheit der Geschlechter bringt die Abkehr von der bisher eindeutig im Vordergrunde stehenden männlichen Jugend.“ (Schäfers 1994, S. 62)

Die Wandervogelbewegung, als Oberbegriff für die gesamte deutsche Jugendbewegung, zeigt wie sich die Jugend zunehmend selbstständiger organisierte und für einen immer größeren Teil der jungen Menschen zugänglich wurde. Jugend als eigenständige Lebensphase blieb nicht länger ein Privileg der männlichen Gymnasiasten, sondern dehnte sich schichtübergreifend auf Jugendliche aus. (vgl. Schäfers 1994, S. 62)

Aufgrund der Industrialisierung und Technisierung wurde es für Jugendliche zu Beginn des 20. Jahrhundert immer wichtiger eine Ausbildung zu absolvieren, um den beruflichen Anforderungen gerecht zu werden. Diese Aufgabe wurde vermehrt aus der Familie ausgelagert und ab etwa 1950 von gesellschaftlich organisierten Einrichtungen übernommen. (vgl. Hurrelmann 2007, S. 20) Aufgrund der Ausdehnung der Bildungs- und Ausbildungszeit verlängerte sich gleichfalls die Lebensphase Jugend und (Aus-) Bildung wurde zum Kerninhalt dieser. Mit dieser Entwicklung glichen sich die Jugendphase von jungen Menschen mit bürgerlicher und proletarischer Herkunft einander an, wodurch die Jugend zu einer „allgemeinen gesellschaftlichen Kategorie“ (Hurrelmann 2007, S. 2) wurde.

Seit den 70er Jahren ist zu beobachten, dass die Lebensphase Jugend einen immer länger werdenden Teil im Leben eines Menschen darstellt. Zunächst als relativ kurzer Abschnitt mit einer durchschnittlichen Dauer von fünf Jahren beginnend, umfasst die Jugendphase heute bis zu zwei Jahrzehnte im Leben eines Menschen. (vgl. Hurrelmann 2007, S. 21)

Mit der Verlängerung der Jugend verschwimmen ferner die Abgrenzungsmöglichkeiten zur vorherigen und nachfolgenden Lebensphase. Der Eintritt in die Pubertät erfolgt heute früher, während sich der Übertritt in den Erwachsenenstatus zeitlich immer weiter nach hinten verlagert. Es existieren zwei Hauptursachen für das Hinausschieben des Übergangs zum Erwachsenenalter. Zum einen ist es die „dauerhaft hohe Sockelarbeitslosigkeit, die insbesondere für Berufseinsteiger wie auch für diejenigen, die den Übergang von einer Berufsausbildung zu einer dauerhaften Berufstätigkeit begehen wollen, zu einer kritischen Hürde im Lebensverlauf geworden ist.“ (Junge 1995, S. 40) Andererseits verbleiben Jugendliche immer länger im Bildungssystem, begründet durch die notwendige Erreichung von immer höheren Bildungsabschlüssen, um überhaupt Zugang zum Arbeitsmarkt zu erhalten. (vgl. ebd.)

Durch die Individualisierung von Lebensverläufen vergrößern sich die Möglichkeiten von Jugendlichen, die Statuspassagen des Jugendalters zu bewältigen und in die Lebensphase des Erwachsenalters überzutreten. Mit dieser

„Entritualisierung von Statusübergängen“ (Ferchhoff/Neubauer 1997, S. 112) verwischt die Grenze zwischen Jugend- und Erwachsenenphase und sperrt sich einer klaren Definition. An dieser Stelle scheint sich ein neuer Abschnitt im Lebenslauf zu entwickeln: die Postadoleszenz oder die Phase der jungen Erwachsenen.

2.2 Junge Erwachsene - Übergangsstatus oder Dauerzustand

Erstmals findet der Begriff der jungen Erwachsenen in einer amerikanischen Studie von Keniston 1968 Erwähnung. Er bezeichnet damals mit „Young radicals“ eine kleine Gruppe von amerikanischen Studenten und beschreibt ihren Lebensstil als Vorreiter für die Entwicklung der Jugend in Amerika. (vgl. Junge 1995, S. 9) Gleichfalls beschreibt Tillmann (vgl. 1991, S. 191) die studentische Wohngemeinschaft als typischen Ort für die Postadoleszenz.

Mit dem Begriff junge Erwachsene oder Postadoleszenten ist eine „wachsende Gruppe von Menschen gemeint, die kulturell, politisch sowie freizeitbezogen in der Gestaltung ihrer Lebensformen und in der Wahl ihrer Lebensstile, sieht man einmal von der kultur- und konsumindustriellen Herstellung ab, weitestgehend autonom sind, als auch keiner pädagogischen Betreuung und Kontrolle mehr bedürfen. Beruflich und ökonomisch sind sie weiterhin vom Elternhaus bzw. von - inzwischen erheblich reduzierten - sozialpolitischen Alimentierungen abhängig und damit auch im Rahmen der Durchsetzung ihrer längerfristigen Lebensplanung offen, unbestimmt und noch nicht festgelegt, dennoch nur partiell abhängig.“ (Ferchhoff 2007, S. 88)

Bereits die Begrifflichkeit der „jungen Erwachsenen“ wirft die Frage auf, welcher Lebensphase – Jugend oder Erwachsenenalter – dieser Abschnitt zuzuordnen ist. In einigen sozialpädagogischen Betrachtungsweisen wird dieser Lebensabschnitt ans Ende der Jugendphase gerückt, da der soziale Status und die Verhaltensweisen von jungen Erwachsenen als Differenzierung der Jugendphase interpretiert werden. (vgl. Hurrelmann 1995, S. 50) Weiterhin braucht diese Lebensphase Unterstützungsleistungen, „die näher an den sozialstaatlichen Leistungen für Jugendliche als an dem wohlfahrtsstaatlichen Sicherungssystem der Erwerbstätigen liegen“. (Böhnisch 1997, S. 202)

Dem entgegen betrachtet Junge das Phänomen der jungen Erwachsenen aus soziologischer Sicht. Für ihn ist dieser Lebensabschnitt kein defizitärer Zustand in dem junge Menschen sich befinden, da sie noch nicht die notwendigen Statuspassagen wie ökonomische und soziale Selbständigkeit bewältigt haben, um in das Erwachsenenalter überzutreten. Er bezeichnet diese Phase als einen pluralisierten Erwachsenenstatus, der sich entweder an den Anfang der Erwachsenenphase situieren lässt oder sich als parallele Form zum Erwachsensein als sozialer Dauerzustand einrichtet. Dies begründet er mit einer Flexibilisierung des Jugendendes, die sich dadurch auszeichnet, dass sich unterschiedliche Wege zum Übergang von der Jugendphase in das Erwachsensein ausdifferenzieren. (vgl. Junge 1995, S. 214)

In dieser Arbeit schließe ich mich der sozialpädagogischen Sichtweise von Hurrelmann und Böhnisch an. Zwar wird die Spannbreite der Möglichkeiten zur Bewältigung von Statuspassagen größer, dennoch werden bestimmte Bewältigungsoptionen vorrangig gewählt. So gründen beispielsweise junge Menschen vorrangig erst dann einen eigenen Familienstand, wenn sie ihre Ausbildungszeit beendet haben. (vgl. Silbereisen/Vaskovics/Zinnecker 1996,

S. 360) Dies deutet darauf hin, dass junge Erwachsene noch nicht bereit sind in die Erwachsenenphase mit ihren „verfestigten Rollen- und Institutionszugehörigkeiten“ (Böhnisch 1997, S. 203) überzugehen. Sie fühlen sich noch mit den Lebensmustern des „sich-offen-halten“ und „noch-nicht- festlegen“ der Jugendphase verbunden. Dennoch ist es das Ziel von jungen Erwachsenen in der Zukunft sowohl ökonomische wie auch soziale Selbständigkeit zu erreichen und damit vollständig in die Phase des Erwachsenenalters einzutreten. Daher sehe ich den Abschnitt der jungen Erwachsenen als Übergangsphase im Lebenslauf an.

2.3 Altersmäßige Eingrenzung

Wie ich bereits in den vorhergehenden Kapiteln umrissen habe, ist die Lebensphase der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zeitlich schwer einzugrenzen.

„In den hochentwickelten, postindustrialisierten und erlebnisbezogenen (post)modernen Arbeits- und Dienstleistungsgesellschaften wird meist eine bestimmte Altersphase mit unscharfen Rändern zwischen Kindheit und Erwachsensein im Lebenslauf als Jugendphase gekennzeichnet.“ (Ferchhoff/Neubauer 1997, S. 110)

Die Grenzen der Lebensphase Jugend werden zum Großteil mit dem Eintreten von bestimmten Lebensereignissen gleichgesetzt. Der Anfang der Jugendphase wird zumeist mit dem Einsetzen von biologischen Geschlechtsreifeprozessen, der Pubertät, gleichgestellt. Mädchen haben oftmals einen zeitlichen Vorsprung, da bei ihnen diese Prozesse meist früher, ab einem Alter von 9 Jahren, beginnen. Bei Jungen setzt die Pubertät etwa ab dem 11. Lebensjahr ein. In den letzten 100 Jahren verlagerte sich der Eintritt in die Pubertät bei jungen Menschen zeitlich stark nach vorn. (vgl. Haushahn 1996, S. 16) Mit dieser Vorverlagerung der Geschlechtsreife lassen sich einige jugendtypische Verhaltensformen und kognitive Fähigkeiten bereits im Kindesalter feststellen. Dadurch werden die Grenzen zwischen Kindheit und Jugend fließend und sind vor allem psychologisch und soziologisch kaum absteckbar.

Eine Abgrenzung von Jugend und Erwachsenenalter ist jedoch bedeutend schwieriger. Das Ende der Lebensphase Jugend wird mit dem Eintritt in das Berufsleben, der Heirat, der Gründung einer eigenen Familie oder dem Auszug aus dem Elternhaus in Verbindung gebracht.

Immer mehr junge Menschen streben den Besuch von höheren und weiterführenden Schulen an, um sich bessere Ausgangsbedingungen für den Eintritt in die Erwerbstätigkeit zu schaffen. Diese Verlängerung des Bildungsweges und die teilweise bis vollständige Verlagerung der Berufsausbildung in schulische Institutionen zögern das Berufseintrittsalter hinaus und führen damit zu einer verlängerten Jugendphase.

Während der Auszug aus dem Elternhaus in früheren Zeiten - vor allem für Mädchen und junge Frauen - häufig mit einer Heirat verbunden war und somit die Lebensphase Jugend als beendet betrachtet wurde, ist dieser Zusammenhang in der heutigen Zeit längst nicht mehr gegeben. (vgl. Mitterauer 1986, S. 44ff.) Oftmals verlassen heute junge Menschen ihr Elternhaus und gründen einen eigenen Hausstand, ohne dabei ihre jugendlichen Verhaltensweisen oder ihr subjektives Jugendempfinden abzulegen. Somit kann der Auszug aus dem Elternhaus nicht mehr zwingend mit dem Ende der Jugendphase gleichgesetzt werden.

Die Heirat zeigte früher eine der wichtigsten Zäsuren im Leben an. Sie war entscheidend für den Stand eines Menschen und dessen politische Rechte und besaß das „Monopol auf legitime Sexualität“ (Mitterauer 1986, S. 91f.). Trotz der Tatsache, dass sich diese Verbindung zwischen Ehe, gesellschaftlichem Stand und sexueller Aktivität in der heutigen Zeit voneinander gelöst hat, stellt Heirat als solches dennoch eine wichtige Statuspassage im Leben eines Menschen dar. Sie kennzeichnet ein mögliches Ende der Jugendphase und den Übergang in das Erwachsenenalter.

Durch die Destrukturierung und Entstandardisierung der Jugendphase ist es kaum möglich, einen geregelten Ablauf ihrer Statuspassagen sowie ein einheitliches Ende der Jugend anhand bestimmter Ereignisse fest zu machen.

„Durch den Prozeß der Differenzierung von Zäsuren ist die Jugendphase zu dem geworden, was hier als besonderer Wesenszug von Jugend aufgezeigt werden sollte, einer Phase des Lebenszyklus, die nicht durch einen festen Anfangs- und Endpunkt markiert ist, sondern aus einer Vielfalt sukzessive aufeinanderfolgender und einander überschneidender Teilübergänge besteht.“ (Mitterauer 1986, S. 93)

Die Begrenzung des Jugendendes durch bestimmte Ereignisse kann keine kalendarische sein, da es nicht möglich ist, erwartbare Altersschwellen für diese Übergangspunkte zu nennen. (vgl. Hurrelmann 2007, S. 29) Während biologisch, soziologisch und psychologisch keine klaren Altersgrenzen existieren, sind diese Abgrenzungen juristisch jedoch gegeben.

Laut Gesetz werden Personen bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres als Kinder bezeichnet. Junge Menschen, die 14, aber noch nicht 18 Jahre alt sind, gelten als Jugendliche. (vgl. §7 KJHG) Die Vollendung des 18. Lebensjahres bringt den Eintritt in die wohl wichtigste Mündigkeitsstufe mit sich. Mit der Volljährigkeit kann der junge Mensch von seinem aktiven und passiven Wahlrecht Gebrauch machen. (vgl. § 38 GG) Er erreicht Geschäfts- (vgl. § 105ff. BGB) und Prozessfähigkeit (vgl. § 52 ZPO) und ist von nun an voll deliktfähig (vgl. § 823ff. BGB).

Dennoch wird vom Gesetzgeber ein Schonraum eingeräumt, indem er anerkennt, dass junge Erwachsene mit Erreichen der Volljährigkeit noch nicht vollständig im Erwachsenenstatus angekommen sind. So betrachtet das Jugendgerichtsgesetz junge Menschen, die 18, aber noch nicht 21 Jahre alt sind, als Heranwachsende, bei denen die Möglichkeit besteht weiterhin das Jugendstrafrecht anzuwenden. Mit dem Abschluss des 21. Lebensjahres werden jedoch alle Straftaten nach dem Erwachsenenstrafrecht geahndet. (vgl. § 1 JGG)

Im Gegensatz dazu dehnt das Kinder- und Jugendhilfegesetz die Jugendphase bis zur Vollendung des 27. Lebensjahr aus. Es bezeichnet junge Menschen zwischen 18 und 27 Jahren als junge Volljährige und weitet seine Leistungen auf diese Altersgruppe aus. (vgl. § 7 KJHG )

In meinen weiteren Ausführungen zum Lebensabschnitt der jungen Erwachsenen schließe ich mich der Auffassung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes weitestgehend an, auch wenn in den letzten Jahren zu beobachten war, dass sich die Phase der Postadoleszenz teilweise bis ins vierte Lebensjahrzehnt erstreckt. Da die befragten Praxisprojekte der Jugendberufshilfe eine ähnliche Zielgruppe aufweisen, definiere ich im Folgenden vorwiegend junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren als junge Erwachsene[1]

2.4 Nicht mehr jugendlich, noch nicht erwachsen

Während sich die Lebensphase der jungen Erwachsenen in den alten Bundesländern bereits seit einigen Jahrzehnten als Endphase der Jugend herauszubilden scheint, so ist dies im Osten Deutschlands erst seit der politischen Wende 1989/1990 zu beobachten. Der Lebenslauf in der ehemaligen DDR war stärker strukturiert und in einem höheren Maße staatlich gesteuert als im Westen Deutschlands. Meist gab es in der DDR eine klare Abfolge und starke Altersnormierung von Ausbildung, Berufseintritt und Heirat. Vor allem die zwei letztgenannten Statuspassagen, die meist den Übergang von der Jugend- in die Erwachsenenphase kennzeichnen, fanden zeitlich sehr früh statt. Im Gegensatz dazu wurde im Westen Deutschlands das Ende der Jugendphase oft gewollt nach hinten verschoben, um die positiven Aspekte der Postadoleszenz länger nutzen zu können. (vgl. Ferchhoff 2007, S. 89)

Nach dem Fall der deutschen Mauer haben sich die Lebensverläufe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den neuen und alten Bundesländern noch nicht vollständig aneinander angeglichen. So verlassen zum Beispiel junge Menschen in den neuen Bundesländern die elterliche Wohnung früher, um einen eigenen Hausstand zu gründen, als ihre Altersgenossen in den alten Bundesländern. (vgl. Silbereisen/Vaskovics/Zinnecker 1996, S. 356) Dennoch ist ein Rückgang dieser Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland zu verzeichnen.

„Teils ist dies auf eine Angleichung der neuen Bundesländer an die Verhältnisse in den alten Ländern zurückzuführen (wie z. B: durch Verlängerung der Ausbildungsphase oder die Reduktion des Anteils der Wohnungspendler bzw. den starken Rückgang der Bereitschaft zu Eheschließungen und Familiengründungen in den neuen Ländern). Teils hat sich das Verhalten junger Erwachsener in den alten Ländern an die Strukturen der neuen Länder angepasst (wie z. B. beim wachsenden Anteil Alleinerziehender).“ (Silbereisen/Vaskovics/Zinnecker 1996, S. 365)

Weiterhin lassen sich Gemeinsamkeiten zwischen den neuen und alten Bundesländern in den Wert- und Moralvorstellungen sowie bei den zentralen Lebenszielen feststellen.

Vor allem dem Bereich Arbeit und Berufstätigkeit wird von ost- wie westdeutschen Jugendlichen eine sehr hohe Bedeutung beigemessen und berufliche Karriere als wichtiges Lebensziel angesehen. (vgl. Veen 1994, S. 54) Der Eintritt in den Arbeitsmarkt und der damit verbundene Übergang in den Erwachsenenstatus sind jedoch aufgrund der hohen Sockelarbeitslosigkeit für junge Menschen zunehmend blockiert. Bedingt durch die höhere Arbeitslosenquote in den neuen Bundesländern sind junge Menschen dort häufiger von einer nicht gewollten künstlichen Verlängerung der Jugendphase betroffen. (vgl. Ferchhoff 2007, S. 89) Diese Situation wird von jungen Erwachsenen meist als sehr belastend empfunden, da die Aufnahme einer geregelten Erwerbstätigkeit eine wichtige zu bewältigende Aufgabe darstellt, um den eigenen Platz in der Gesellschaft zu definieren.

Im Folgenden richte ich den Fokus darauf, welche weiteren Entwicklungsaufgaben von jungen Erwachsenen bewältigt werden müssen, um den Übergang in die Erwachsenenphase zu gewährleisten und an welche Grenzen sie dabei stoßen.

2.4.1 Entwicklungsaufgaben der Jugendphase

Jede Lebensphase stellt verschiedene Entwicklungsaufgaben an den Menschen, die es zu lösen gilt, um in die nächste Phase übertreten zu können.

„Unter einer Entwicklungsaufgabe werden die psychisch und sozial vorgegebenen Erwartungen und Anforderungen verstanden, die an Personen in einem bestimmten Lebensabschnitt gestellt werden. Die Entwicklungsaufgaben definieren für jedes Individuum die vorgegebenen Anpassungs- und Bewältigungsschritte, denen es sich bei der Auseinandersetzung mit den inneren und äußeren Anforderungen stellen muss.“ (Hurrelmann 2007, S. 27)

Im Allgemeinen werden diese Entwicklungsaufgaben aufbauend auf Havighurst gegliedert. (vgl. Ferchhoff/Neubauer 1997, S. 117)

An erster Stelle steht dabei das Gewinnen eines eigenen Körpergefühls, dem das Akzeptieren und das Respektieren der eigenen Erscheinung vorausgeht und sich im sinnvollen Nutzen des Körpers ausdrückt. Dies bringt Havinghurst mit der zweiten Anforderung einer eigenen Geschlechtsidentität in Zusammenhang. Der Jugendliche muss sich in eine Geschlechtsrolle einfinden und eigene Lösungen für geschlechtsspezifische Probleme erarbeiten.

Der Aufbau von Beziehungen zu Gleichaltrigen - gleich welchen Geschlechts - ist eine weitere Aufgabe der Jugendphase. Diese macht das Ablösen vom Elternhaus, vor allem in emotionaler Hinsicht möglich. Im Allgemeinen dient die Jugendphase ebenfalls der Vorbereitung auf das Erwachsenendasein, in dem der Jugendliche wirtschaftlich selbständig leben soll. So hat der Mensch in seiner Jugendzeit die Aufgabe, sich durch den Besuch von Schulen oder anderen Ausbildungsstätten auf seine berufliche Karriere und die Aufnahme einer Beschäftigung bestmöglich vorzubereiten.

Gleichfalls ist die Schaffung eines eigenen familiären Hintergrundes eine wichtige Anforderung in der Erwachsenenphase. Darauf soll sich der Heranwachsende bereits durch das Erlernen von sozialen Fertigkeiten für Partnerschaft und Familie in der Jugend vorbereiten. Der Jugendliche muss sich bewusst werden, dass er ein Teil der Gesellschaft ist und sowohl Rechte als auch Pflichten für diese hat. Er soll Verantwortung tragen, sowohl gesellschaftlicher als auch politischer Natur und dafür ein eigenes Wertesystem als Orientierung für sein Handeln entwerfen. (vgl. Baacke 2000, S. 54)

Im Regelfall haben junge Erwachsene einen Großteil dieser Entwicklungs- aufgaben bereits bewältigt. Sie haben beispielsweise ein eigenes Werte- und Normensystem aufgebaut, sind sich ihres Körpers bewusst und emotional unabhängig von ihren Eltern.

Bildung und berufliche Qualifikation nehmen als Entwicklungsaufgaben den wohl wichtigsten Stellenwert ein. Vor allem für Schüler höherer Schulen und Hochschulen verlängert sich die Bildungszeit teilweise bis weit ins dritte Lebensjahrzehnt und ist damit als Entwicklungsaufgabe noch präsent.

„Jugendliche weisen im Hinblick auf die psychische Entwicklung oder in Hinsicht auf den sozioökonomischen Status einen unabgeschlossenen Entwicklungsprozess auf und haben folglich einen unvollständigen Gesamtstatus. Der vollständige Status des Erwachsenen hingegen wird über Berufstätigkeit, die Gründung eines eigenen Haushalts und erfolgte Familienbildung definiert.“ (Junge 1995, S. 10)

Während die Heirat in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung verloren hat und an ihre Stelle alternative Formen von Zweierbeziehungen und Lebensgemeinschaften getreten sind, hat sich die Bedeutung von Berufstätigkeit vergrößert. Die Auswahl und die Festlegung auf den späteren Beruf ist eine der wichtigsten Entscheidungen in der Postadoleszenz. (vgl. Silbereisen/Vaskovics/Zinnecker 1996, S. 351) Die Vorbereitung auf den Eintritt in den Arbeitsmarkt durch Bildung und Ausbildung umfasst nahezu die gesamte Jugendphase und ist deren wichtigster Inhalt geworden. Die Jugend als Schon- und Experimentierraum hat sich zu einem großen Teil aufgelöst und ist zu einer Phase geworden, in der alles auf die Qualifizierung und Vorbereitung für die spätere Berufstätigkeit ausgerichtet ist.

Der Faktor Berufsorientierung teilt die Gruppe der jungen Erwachsenen in zwei Hauptgruppen. Zum einen sind es junge Menschen, die mit höheren Bildungsabschlüssen und damit verbunden der Verlängerung ihrer Bildungs- und Ausbildungszeiten bessere Qualifikationen erreichen wollen, um ihre Einstiegschancen für den Arbeitsmarkt zu erhöhen. Auf der anderen Seite befinden sich junge Erwachsene, die von Arbeitslosigkeit betroffen und „strukturell erzwungen“ (Junge 1995, S. 31) in dieser Lebensphase „gefangen“ sind.

Eine Gemeinsamkeit beider Gruppen findet sich unter anderem in ökonomischen Belangen wieder. Beide sind nicht berufstätig und dadurch auf finanzielle Unterstützung von Außen angewiesen. Das Einkommen von jungen Erwachsenen ist häufig eine Mischung aus elterlichen Zuwendungen, sozialpolitischen Alimentierungen und Verdiensten aus Jobs, die neben der Schule, Ausbildung oder Hochschule getätigt werden. (vgl. Ferchhoff 2007, S. 88)

Trotz dieser vielfältigen Einkommensquellen können sich junge Erwachsene meist nur ein Existenzminimum sichern. Demzufolge begründet sich auch im Konsumverhalten eher die Nähe zur Jugendphase als zum Erwachsenenalter. Mit den geringen finanziellen Mitteln, die jungen Erwachsenen zur Verfügung stehen, können sie sich das Konsumverhalten von Erwachsenen kaum leisten und tendieren eher zur Konsumwelt der Jugend. Sie halten daher den Kontakt zu Jugendszenen, da sie hier noch Ansehen genießen, während sie in der Erwachsenenwelt noch nicht mithalten können. (vgl. Böhnisch 1997, S. 205)

2.4.2 Grenzen der Postadoleszenz

Die Individualisierung von Lebensverläufen hat großen Einfluss auf die Lebensphase der Jugendlichen und jungen Erwachsenen und das Konzept der Entwicklungsaufgaben. „Entwicklung und Bewältigung gehen ineinander über, oft zu Lasten der Entwicklung.“ (Böhnisch 1997, S. 197) Es gibt kaum erprobte Handlungsschemata, mit deren Hilfe junge Menschen den Entwicklungsaufgaben der Jugend begegnen können. Diese Aufgaben müssen vermehrt individuell gelöst werden, wobei die Chance des Gelingens und das Risiko des Scheiterns nah beieinander liegen. (vgl. Böhnisch, S. 144)

Vor allem im Bereich der Berufs- und Ausbildungswahl wird Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine wachsende Vielfalt von Zukunftsoptionen geboten. Nicht selten führt dies zu Orientierungsproblemen und äußert sich im Hinausschieben der Festlegung auf einen Ausbildungsweg oder sogar dem vorzeitigen Abbruch einer bereits begonnenen Ausbildung. (vgl. Silbereisen/Vaskovics/Zinnecker 1996, S. 351)

Bedingt durch das Ziel, eine bestmögliche Qualifikation für den Arbeitsmarkt zu erhalten, sehen sich die jungen Menschen bereits im frühen Alter mit Entscheidungen konfrontiert, die ihre Zukunftspläne beeinflussen. Hier zu nennen sind beispielsweise die Schulform, Schulfächer oder Hobbys. Bei der Auswahl des Berufes spielen jedoch kaum noch die Vorlieben der Jugendlichen eine Rolle, sondern vielmehr die Angebote des Arbeitsmarktes. Hier wirkt bereits der Konkurrenzdruck der späteren Arbeitswelt auf die Jugend ein und macht es für jeden einzelnen nötig, sich individuell bestmöglich auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten.

Dennoch kann der Einstieg in die Arbeitswelt nicht garantiert werden. Die Lebensphase Jugend, früher mit einer relativen Sicherheit und einer vergleichsweise berechenbaren Zukunft verbunden, wurde von einer „schwer überschaubaren Optionsvielfalt und einer Perspektive existentieller und kultureller Unsicherheit“ abgelöst. (Silbereisen/Vaskovics/Zinnecker 1996, S. 350) Jugendliche können nicht mehr damit rechnen trotz gelungener Schul- und Berufsausbildung auch tatsächlich einen Arbeitsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden. Nicht selten werden Jugendliche und junge Erwachsene durch eine Zweit- oder Drittausbildung, Weiterbildungen, Arbeitslosigkeit oder anderen Warteschleifen in der Jugendzeit festgehalten. (vgl. Ferchhoff 2007, S. 93) Dabei müssen sich die Betroffenen in diesem Stadium des Wartens und Nicht- Gebraucht-Werdens zurechtfinden.

Angesichts dieser Aussichten scheint es nachvollziehbar, dass Jugendliche und junge Erwachsene das Erhalten irgendeines Arbeitsplatzes vor ihre persönliche Wünsche bezüglich eines bestimmten Berufsfeldes stellen.

Neben den Unterschieden zwischen den neuen und den alten Bundesländern (vgl. Kapitel 1.4) kommen bei der Betrachtung der Bewältigungsgrenzen der Lebensphase Jugend ebenfalls geschlechtsspezifische Aspekte zum Tragen.

Diese werden besonders im Zusammenhang mit Arbeit beziehungsweise Arbeitslosigkeit deutlich. Während sich junge Männer vor allem über die Rolle des Familienernährers definieren und sich ihr Status überwiegend „durch Mechanismen bestimmt, die auf den Statuserwerb durch den Prozess der Arbeitsmarktintegration rekurrieren“ (Junge 1995, S. 57), können sich junge Frauen bei nicht gelingender Integration in den Arbeitsmarkt auf ihre Mutterrolle besinnen und mit dem Prozess der Familiengründung beginnen. (vgl. ebd.) Es sind immer noch vorwiegend die Frauen, die sich um die Kinderbetreuung kümmern. Dies birgt die Möglichkeit, der sonst vielleicht unausweichlichen Arbeitslosigkeit zu entkommen. Dennoch wirkt sich dies nachteilig auf den Lebenslauf von jungen Frauen aus. Durch das Aussetzen der Berufstätigkeit entsteht eine Lücke in der beruflichen Laufbahn, die später negativ auf die Einstiegschancen in den Arbeitsmarkt nach der Mutterzeit wirkt, da Arbeitgeber bei ihrer Personalauswahl immer größeren Wert auf eine bruchlose Berufsbiographie legen. (vgl. Heinz 1991, S. 400)

Im Bereich der Bildung und der damit verbundenen Vorbereitung auf die Arbeitswelt scheinen die Mädchen und jungen Frauen den Bildungsvorsprung ihrer männlichen Altersgenossen eingeholt und in manchen Bereichen sogar hinter sich gelassen zu haben. So gelten Mädchen in ganz Deutschland als die besseren Schüler. (vgl. Der Spiegel 23/2007, S. 62) Junge Frauen sind eher in der Lage, sich von der elterlichen Wohnung zu trennen und einen eigenen Hausstand zu gründen.

[...]


[1] In der Arbeit werden mit dem Begriff Jugendliche, junge Menschen unter 18 Jahren bezeichnet. Die Begrifflichkeit „junge Menschen“ fasst im Folgenden Jugendliche und junge Erwachsene zusammen.

Ende der Leseprobe aus 124 Seiten

Details

Titel
Grenzen und Spielräume der Jugendberufshilfe
Untertitel
Zur aktuellen Situation von Beschäftigungs- und Qualifizierungsprojekten in Sachsen
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Sozialpädagogik, Sozialarbeit und Wohlfahrtswissenschaften)
Note
1,6
Autor
Jahr
2008
Seiten
124
Katalognummer
V118948
ISBN (eBook)
9783640221882
Dateigröße
907 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grenzen, Spielräume, Jugendberufshilfe
Arbeit zitieren
Kristin Zöllner (Autor), 2008, Grenzen und Spielräume der Jugendberufshilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118948

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