Systemrelevante Jugend. Die Rolle von Jugendorganisationen im Aufbau von sozialistischen Systemen

Am Beispiel der Freien Deutschen Jugend und dem Sowjetischen Komsomol


Seminararbeit, 2021

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Aufbau und Eingliederung in das politische System
2.1 Komsomol
2.2 Freie Deutsche Jugend

3. Funktion der Jugendorganisationen in den Jahren 1945-59
3.1 Komsomol
3.2 Freie Deutsche Jugend

4. Aktivitäten und Programm
4.1 Komsomol
4.2 Freie Deutsche Jugend

5. Fazit

6. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Damit ein Staat überlebensfähig ist, benötigt er die Unterstützung durch die jungen Generatio­nen, dies gilt nicht nur für sozialistische, sondern für sämtliche politischen Systeme, denn diese bilden die Zukunft eines Staates. Um diese zu erreichen, ist ein politisches Einwirken auf die Jugend essenziel. Wie also sollte man dieses Ziel besser erreichen als durch die Kontrolle der Organisationen, welche sie in ihrer Freizeit, beim Lernen und beim Sport betreuen und erzie­hen.

Die Indoktrinierung und Organisierung der Jugend sei eine der auffallendsten Charakteristika des modernen Totalitarismus, schrieb Merle Fainsod, und die Sowjetunion setzte in dieser Hin­sicht neue Maßstäbe.1 Seine Studien des Komsomol waren wegweisend, um die Bedeutung des sowjetischen Komsomol nicht nur für Sowjetunion, sondern vor allem für Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU) zu erfassen. In der Forschung über die Stellung und Bedeu­tung der FDJ innerhalb der DDR, sind die Veröffentlichungen Peter Skybas zu benennen. Hier wurden bereits die Erwartungen durch die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) analysiert, und eignen sich somit gut für den geplanten Vergleich dieser Arbeit.2 3

Um also die Bedeutung von Komsomol und FDJ zu analysieren, muss die Frage gestellt wer­den, welche Funktion Jugendorganisationen beim Aufbau sozialistischer Systeme spielten. Welche Rolle wurde ihnen durch die politischen Führungskräfte angedacht? Und wie gestaltete sich diese tatsächlich? Das sind Fragen, welche hier beantwortet werden sollen. Darüber hinaus, ermöglicht die Auswahl und der Vergleich der beiden Jugendorganisationen einen spezifischen Blick auf sozialistische Politstrukturen und den damit verbundenen Besonderheiten. Betrachtet wird dabei der Zeitraum von 1945 bis 1959.

Zu Beginn wird erst einmal der Aufbau der Jugendorganisationen und ihre Eingliederung in das politische System beleuchtet. Dabei wird zuerst der Komsomol und anschließend, wie auch in allen folgenden Kapiteln, die FDJ betrachtet. Darauf aufbauend wird die Funktion der Jugend­organisation in ihrem jeweiligen System beleuchtet. Zuletzt folgt eine Betrachtung der Aktivi­täten und des Programms der Jugendorganisationen, welche Bedeutung spielten also die Ju­gendlichen selbst in der Arbeit von Komsomol und FDJ. Im abschließenden Fazit wird ein Überblick über die Ergebnisse geliefert und daraufhin die Frage beantwortet, welche Rolle Ju­gendorganisationen spielten.

2. Aufbau der Jugendorganisationen und ihre Eingliederung im politischen System

Der Aufbau der beiden Jugendorganisationen ist dahingehend von Interesse, als dass sich hier be­reits die tieferliegenden Problemmatik, induziert durch die der Organisation immanenten Macht­strukturen und ihre gesellschaftlichen Konsequenzen zeigen. Darüber hinaus ist die Schnittstelle zwischen Staat und Jugendorganisation ebenso aufschlussreich wie der innere Aufbau.

2.1 Komsomol

Offiziell erklärte sich der Sowjetische-Komsomol bei seiner Gründung durch den ersten Kom­somol-Kongress vom 19. Oktober bis 4. November 1919 als eine autonome Organisation. Je­doch wurde auch die Solidarisierung mit der KPdSU und auf dem 2. Kongress 1919 die Unter­ordnung gegenüber der KPdSU beschlossen. Der Aufbau des sowjetischen Komsomol war stark an die Struktur der KPdSU angelegt.4

In der pyramidenförmigen Struktur des Komsomol bildeten die primären Organisationen in Fabriken, kollektiven Farmen, staatlichen Farmen, Bildungseinrichtungen und anderen staatli­chen Einrichtungen das Fundament. Dabei galt als Voraussetzung für die Gründung einer pri­mären Organisation, dass diese aus mindestens 3 Mitglieder besteht und von einem darüber liegenden Stadt- oder Distriktkomitee genehmigt wurde. Bei einer Mitgliederanzahl von über 100 Mitgliedern, bestand die Möglichkeit der Unterteilung nach Gruppen, an einer Universität also beispielsweise nach Fakultäten. In jeder primären Gruppe wurde ein Komitee oder Büro gewählt, welches gemeinsam mit einem gewählten Sekretär in meist ehrenamtlicher Arbeit die Führung übernahm. Gruppen welche aus weniger als 10 Mitgliedern bestanden, wählten nur einen Sekretär als Führungsperson.5

Wie bereits erwähnt unterstanden diese primären Gruppen, den darüber liegenden Stadt- und Bezirkskomitees. Ausnahme bildeten hier Gruppen in Betrieben mit eigener Politabteilung, in welchen sie direkt dem jeweiligen Leiter unterstellt waren. Die Aufsicht über Komsomolgrup­pen in Militäreinheiten, unterlag den Politkommissaren der jeweiligen Einheit und gliederte sich somit in die militärische Rangfolge ein6. Mitglieder der Bezirks- und Stadtkomitees wähl­ten, wie die primären Gruppen, ein Büro und, je nach Größe und Anzahl der unterstehenden Gruppen, eine bestimmte Anzahl an Sekretären. Dabei war der erste Sekretär, wie auch in allen folgenden Komitees, die wichtigste Führungsperson. Ihr unterlag die Aufsicht aller unterstell­ten Komsomol-Gruppen. Die Zuständigkeiten der nachfolgenden Sekretäre wurden in Arbeits­gebieten, wie der Aufsicht über Sport, Kultur und Politischer-Bildung, festgelegt. Als Bedin­gung für die Ernennung dieser Sekretäre galt auf der Bezirks- und Stadteben, dass die Kandi­daten über mindestens zwei Jahre Arbeitserfahrung im Komsomol verfügten und zudem Mit­glieder der KPdSU waren.7

Auf der nächsten Stufe folgten die in gleicher Art der Organisation, bestehend aus einem ge­wählten Büro als Kern und einer Mehrzahl an Sekretären, die Komsomol-Funktionäre der Ge­biete in Autonomen Republiken. Hier wurden nun neben einer Parteimitgliedschaft, mindestens drei Jahre Erfahrung in der Komsomol-Arbeit gefordert. Während auf, den darunter liegenden Ebenen, die Arbeit im Komsomol meist ehrenamtlich war, handelt es sich bei den Mitgliedern der Gebiets- und Republikkomitees, wie auch den darüber liegenden Komitees, fast ausschließ­lich um hauptamtliche Komsomol-Funktionäre.8

Oberstes Organ des Komsomol war laut Statut eigentlich der Allunions-Komsomolkongress, bestehend aus gewählten Delegierten aller Komsomol-Gruppen. Dieser sollte alle drei Jahre zusammenkommen. Praktisch jedoch bildete die Komsomol-Zentrale die oberste Führungs­ebene. Diese setzte sich aus einem Büro, dem Zentralkomitee, einer Kontroll-Kommission und fünf Sekretären zusammen. Hier wurden die politische Linie und programmatische Ausrichtung des gesamten Komsomol, unter der Leitung und nach den Vorgaben des Generalsekretärs fest- gelegt.9 Der Generalsekretär war zudem auch Mitglied des Zentralkomitees der KPdSU und Angehöriger des Orgbüros, welches in seinem Einfluss nur durch das Politbüro übertroffen wurde. Somit war eine direkte Verbindung zur Führung der KPdSU gegeben.

2.1 Freie Deutsche Jugend

Aufgrund der Einflüsse der KPdSU auf die Ausgestaltung der Jugendpolitik durch die KPD/SED während und nach dem zweiten Weltkrieg10, gestaltete sich die Struktur der FDJ beinahe identisch zu der des sowjetischen Komsomol. In der Verfassung der FDJ wurde die Struktur wie folgt festgehalten: Gruppen in Betrieben, Schulen, Dörfern etc., Ortsgruppen, Kreisverbände, Landesverbände, Verband der Freien Deutschen Jugend11. Das höchste Organ

[...]


1 Fainsod, Merle. „The Komsomols--A Study of Youth Under Dictatorship“. The American Political Science Re­view 45, Nr. 1 (1951): S.18

2 Skyba, Peter; Vom Hoffnungsträger zum Sicherheitsrisiko / Jugend in der DDR und Jugend-politik der SED 1949 -1961. Köln ; Weimar; Wien: Böhlau, 2000.

3 Skyba artikel

4 Fainsod, Merle. „The Komsomols--A Study of Youth Under Dictatorship“. The American Political Science Review 45, Nr. 1 (1951): S. 30

5 Ebd.

6 Ebd. S 31

7 Fainsod, Merle. „The Komsomols--A Study of Youth Under Dictatorship“. The American Political Science Re­view 45, Nr. 1 (1951): S.31

8 Ebd. S.31

9 Ebd. S.32

10 Skyba, Peter; Vom Hoffnungsträger zum Sicherheitsrisiko / Jugend in der DDR und Jugend-politik der SED 1949 - 1961. Köln ; Weimar; Wien: Böhlau, 2000. S. 40

11 „Die Verfassung der Freien Deutschen Jugend“. Berlin: Neues Leben 1949. S.27

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Systemrelevante Jugend. Die Rolle von Jugendorganisationen im Aufbau von sozialistischen Systemen
Untertitel
Am Beispiel der Freien Deutschen Jugend und dem Sowjetischen Komsomol
Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,7
Autor
Jahr
2021
Seiten
15
Katalognummer
V1189503
ISBN (Buch)
9783346619914
Sprache
Deutsch
Schlagworte
systemrelevante, jugend, rolle, jugendorganisationen, aufbau, systemen, beispiel, freien, deutschen, sowjetischen, komsomol
Arbeit zitieren
Simon Geiger (Autor:in), 2021, Systemrelevante Jugend. Die Rolle von Jugendorganisationen im Aufbau von sozialistischen Systemen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1189503

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