Das Thema der Examensarbeit befasst sich mit Ostrock in der DDR, dabei wird sich mit dessen Entwicklung und den Problematiken näher auseinandergesetzt.
Um dies darzustellen, muss im Vorfeld darüber informiert werden, welche Geschichte das Deutsche Reich nach dem Zweiten Weltkrieg bis hin zu seiner Trennung durchlebte. Deshalb ist es wichtig, einen kurzen Abriss darüber zu geben, welche Ursachen dazu führten, dass Deutschland geteilt wurde und welche Auswirkungen deren Entscheidungen schließlich auf die Bevölkerung, Politik oder Kultur hatten. So kann später der Verlauf der Musikbranche in beiden Teilen Deutschlands hinreichend dargestellt werden. Angeschnitten werden soll in diesem Zusammenhang auch, was die Deutschen als Volk verband und warum man sie als Volk nie vollständig entzweien konnte. Des Weiteren wird dargestellt, welches politische Programm beide Staaten nach der Trennung verfolgten, da dieses einen wichtigen Einfluss auf die kulturelle Entwicklung in Ost und West ausübte.
In dieser Ausarbeitung soll dann der Bereich Musik aus dem Themengebiet Kultur herausgegriffen werden. Ein Schwerpunkt wird dabei auf die Rockmusik gelegt, da diese zwischen den 50-er Jahren und dem Fall der Mauer eine völlig neue Stilrichtung in der Musikgeschichte begründete, welche anfangs einherging mit einem intensiven Aufruhr der älteren Bevölkerung und Verboten seitens der Regierung. Aus diesem Grund werden die Entwicklungen und deren Einflüsse durch benachbarte Staaten überblicksartig für beide Teile Deutschlands vorgestellt. Dabei wird unter anderem zu untersuchen sein, welche Unterschiede in Ost und West zu verzeichnen waren und wie die führenden Politiker im eigenen Land mit der kulturellen Veränderung umgingen. Ebenso soll durch Interviews analysiert werden, welche Erfahrungen die Bevölkerung selbst mit der neuen Musikrichtung machte. In diesem Zusammenhang ist es allerdings extrem wichtig, auch andere Stile wie den Schlager, den Jazz oder die Klassik mit einzubeziehen, um einen Gesamtüberblick über die gehörte Musik zur damaligen Zeit zu erhalten und diese der Rockmusik gegenüberstellen zu können. Bekannt ist, dass in der DDR Künstler oftmals mit Zensur, Verboten, zwanghafter Ausreise oder sogar Haft konfrontiert waren. Inwiefern diese Maßnahmen nun auch die Musikbranche tangierte und welche Unterscheidungen man machte, wird Hauptgegenstand dieser Arbeit sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorgeschichte: Deutschland nach dem 2.Weltkrieg und die Entstehung von BRD und DDR
3. Die Entwicklung der Rockmusik in beiden Teilen Deutschlands
3.1 Entstehung und Verlauf der Rockmusik in der BRD – ein Überblick
3.2 Vom Beat zum Rock – die Entwicklungen der Musik im Osten
4. Die Staatssicherheit im Osten
4.1 Kontrolle in der Musikbranche seitens des DDR-Staates
4.2 Die Medien – Rundfunk und Fernsehen in der DDR
5. Zwischen Verbot und Legalisierung – ausgewählte Rockbands des Ostens
5.1 Die Puhdys vs. Renft – Bandgeschichte und Umgang mit dem politischen System
6. Ausblick: Ostrock nach dem Fall der Mauer – allgemeine Entwicklung in der Musikbranche und das Verhältnis der Künstler aus Ost und West heutzutage
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die Entwicklung der Rockmusik in der DDR unter Berücksichtigung politischer Restriktionen sowie des Einflusses der Staatssicherheit und der Medien zu analysieren und deren Auswirkungen bis in die Gegenwart zu untersuchen.
- Historischer Kontext der Teilung Deutschlands und deren kulturelle Folgen
- Analyse der staatlichen Kontrollmechanismen in der DDR-Musikbranche
- Gegenüberstellung der Bandgeschichten "Puhdys" und "Renft" hinsichtlich Systemkonformität
- Untersuchung des Medieneinflusses (Rundfunk und Fernsehen) als Propagandamittel
- Reflektion über die Situation ostdeutscher Künstler nach der Wiedervereinigung
Auszug aus dem Buch
3.2 Vom Beat zum Rock – die Entwicklungen der Musik im Osten
Um die Entwicklung der Rockmusik in der Deutschen Demokratischen Republik zu untersuchen, ist es wichtig, die Vorläufer der aufkommenden Rock-Ära zu charakterisieren. Die Zeit der Beatmusik spielt dabei für den weiteren musikalischen Verlauf im Osten eine entscheidende Rolle. Um den Beat und seine Merkmale näher zu beschreiben, ist es zunächst jedoch notwendig, die Entwicklungslinien des historischen Vorfelds darzustellen.
Zu einem wichtigen Musikgenre der 50-er Jahre zählte in der DDR der Jazz. Dieser erlebte ein stetiges Auf und Ab – zwischen partieller Förderung und offizieller Ablehnung bis hin zu massiver Repression. Ebenso musste der Boogie Woogie, ein Tanzstil des Swings, schärfste Kritik hinnehmen. Der Vorwurf des sozialistischen Staates lautete: verstärkte Amerikanisierung in der Musik. Wie bereits oben dargestellt, wollte man sich zunehmend von dem kapitalistischen System des Westens abgrenzen. Zugespitzt wurde die Abgrenzungsdoktrin noch in der Diversionsthese, derzufolge Tanz- und Unterhaltungsmusik zukünftig als psychologische Waffe der beiden Staaten fungieren sollte. Musik wurde also zunehmend zum Politikum, da man überzeugt war von der Macht der Töne.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Thematik des Ostrocks im Kontext der deutschen Teilung und heutiger Relevanz, ergänzt durch die Forschungsfrage.
2. Vorgeschichte: Deutschland nach dem 2.Weltkrieg und die Entstehung von BRD und DDR: Überblick über die Ursachen der deutschen Teilung, die Rolle der Siegermächte und die daraus resultierenden unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Entwicklungen.
3. Die Entwicklung der Rockmusik in beiden Teilen Deutschlands: Analyse der Musikgeschichte im Westen und Osten, insbesondere der Ursprünge von Beat und Rockmusik sowie deren Bedeutung für die Jugend.
4. Die Staatssicherheit im Osten: Untersuchung der Kontrollmechanismen des DDR-Staates, der Überwachung in der Musikbranche sowie des Einflusses von Rundfunk und Fernsehen.
5. Zwischen Verbot und Legalisierung – ausgewählte Rockbands des Ostens: Vergleich der Bandgeschichten von Puhdys und Renft, um den Umgang mit staatlichen Restriktionen und die Bandbreite an Karrieremöglichkeiten aufzuzeigen.
6. Ausblick: Ostrock nach dem Fall der Mauer – allgemeine Entwicklung in der Musikbranche und das Verhältnis der Künstler aus Ost und West heutzutage: Analyse der Veränderungen in der Musikbranche nach 1990 und der heutigen Situation ostdeutscher Künstler im Vergleich zu westdeutschen Kollegen.
Schlüsselwörter
Ostrock, DDR, Musikbranche, Staatssicherheit, Zensur, Puhdys, Renft, Beatmusik, DDR-Fernsehen, Wiedervereinigung, Musikzensur, Kulturpolitik, Systemkonformität, Systemkritik, Ostalgie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehung und Entwicklung der Rockmusik in der ehemaligen DDR sowie dem Spannungsfeld zwischen künstlerischer Freiheit, staatlicher Zensur und politischer Instrumentalisierung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf der historischen Vorgeschichte der deutschen Teilung, dem Einfluss der Staatssicherheit auf Kulturschaffende, der Kontrolle durch staatliche Medienorgane und dem Vergleich verschiedener Bandbiografien.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich Rockmusik in einem restriktiven sozialistischen System entwickeln konnte und welche langfristigen Auswirkungen diese Erfahrungen auf die Künstler und das Musikbusiness bis heute haben.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin nutzt eine Kombination aus historischer Literaturanalyse, Dokumentenstudien (Gesetzblätter, Parteibeschlüsse) sowie empirischen Zeitzeugeninterviews, um die Perspektive der Betroffenen und Beobachter abzubilden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der kulturellen und politischen Rahmenbedingungen im geteilten Deutschland, die detaillierte Analyse staatlicher Kontrollorgane sowie die konkrete Fallstudie zur unterschiedlichen Karrieregestaltung der Bands Puhdys und Renft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Ostrock, Zensur, Staatssicherheit, DDR-Medienpolitik, Systemkonformität und die Transformation des Musikgeschäfts nach 1990.
Warum ist der Vergleich zwischen den Puhdys und der Band Renft so bedeutsam?
Dieser Vergleich verdeutlicht die Bandbreite an Handlungsspielräumen für DDR-Musiker: Er zeigt, wie sich eine Band durch Anpassung erfolgreich im System etablieren konnte, während eine andere durch systemkritische Haltung und Verbote an den Rand gedrängt wurde.
Wie bewertet die Arbeit den Einfluss der westlichen Medien auf die DDR-Bevölkerung?
Die Arbeit stellt fest, dass westliche Medien trotz staatlicher Versuche der Störsender-Politik und Indoktrination einen erheblichen Einfluss auf die musikalische Prägung der DDR-Jugend ausübten und somit eine kulturelle Verbindung über die Grenze hinweg aufrechterhielten.
- Arbeit zitieren
- Sue Lorenz (Autor:in), 2012, Ostrock in der DDR. Zwischen Verbot und Legalisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1189818