Riskanter Alkoholkonsum und Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Konzepte der Gefährdetenhilfe am Beispiel der Jugendarbeit


Hausarbeit, 2020

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Abkürzungsverzeichnis

2. Einleitung

3. Zielgruppe
3.1 Altersdefinition
3.2 Rechtliche Grundlage

4. Alkoholkonsum
4.1 Aktuelle Zahlen
4.2 Risiko- und Problemfaktoren
4.3 Gefahren des Alkoholmissbrauchs im Jugendalter

5. Theoretischer Erklärungsansatz
5.1 Sozialpsychologischer Erklärungsansatz
5.2 Sozialarbeiterischer Theorieansatz

6. Ziele

7. Methode
7.1 Aufsuchende Jugendarbeit
7.2 Motivierende Gesprächsführung

8. Schlussfolgerung

9. Literaturverzeichnis

1. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Einleitung

Alkohol - eine gesellschaftlich anerkannte Droge, die durchweg von der Bevölkerung konsumiert wird. Laut WHO konsumierten über alle Nationen hinweg im Jahr 2016 die Bevölkerungen 6,4 Liter Reinalkohol im Alter ab 15 Jahren pro Kopf. Auffallend ist, dass Deutschland innerhalb Europa mit 13,4 Litern relativ weit oben liegt.1 Außerdem ist zu erwähnen, dass Alkoholkonsum und seine Effekte unterschiedlich angesehen werden, je nach Form des menschlichen Zusammenlebens und den kulturellen und historischen Unterschieden.2 Alkohol gilt als das am weitesten verbreitete Suchtmittel im Vergleich zu anderen legalen und illegalen Drogen, deshalb beschäftigt sich diese Seminararbeit genau mit diesem Thema und beantwortet abschließend die Frage, wie missbräuchlicher Alkoholkonsum im Jugendalter erklärt werden kann und mit welchen Methoden eigene Ziele erreicht werden können. Interessant ist außerdem, dass die ersten Berührungspunkte schon im Kindesalter stattfinden, dabei beginnt in diesem Alter schon die erste Auseinandersetzung mit dem Thema Alkohol und mindestens die Hälfte der Grundschüler im Alter von sechs bis zehn Jahren verfügt über ein Alkoholkonzept.3

Anhand eines Konzepts mit einer Zielgruppenbeschreibung, theoretischen Erklärungsansätzen, Zielen und Methoden wird der riskante und missbräuchliche Konsum näher erläutert. Ziel ist es auch, den Alkoholkonsum bei Jugendlichen nicht nur auf ein risikobehaftetes Gruppenphänomen zu schieben, sondern auch den sozialen Kontext zu betrachten.4

3. Zielgruppe

3.1 Altersdefinition

Die vorliegende Seminararbeit wird sich mit dem riskanten und missbräuchlichen Alkoholkonsum von Jugendlichen und jungen Erwachsenen beschäftigen. Wie das Alter der hier behandelten Zielgruppe definiert wird, erfolgt im weiteren Verlauf. Es gibt verschiedene Meinungen in Bezug auf die Altersdefinition.

Allgemein gesagt, ist das Jugendalter die Phase zwischen der Kindheit und dem Erwachsenwerden. Man kann diese wiederum in drei verschiedene Phasen untergliedern. Die Pubertät, in der der Körper beginnt, sich geschlechtlich zu entwickeln und zu reifen. Hier findet auch ein Selbstfindungsprozess statt, in dem der Jugendliche sich auf seine Gedankenwelt und auf seine Gefühle konzentriert. Darauf folgt die Adoleszenz, in welcher die körperliche Entwicklung endet und auf die geistige und wirtschaftliche Unabhängigkeit hingearbeitet wird. Abschließend folgt die Postadoleszenz, welche nicht jeden Jugendlichen betrifft, sondern meist nur die, die durch den Besuch der Universität oder Hochschule ihre Jugendzeit verlängern. Dabei bleiben die meisten gebunden an ihr Elternhaus und sind von diesem wirtschaftlich abhängig.5 Allgemein kann man festhalten, dass die Adoleszenz sich auf Grund längerer Ausbildungszeiten, Ungewissheit beim Berufsstart und phasenweiser Arbeitslosigkeit zur Post­Adoleszent, welche bis zum 25. Lebensjahr reicht, entwickelt hat.6

Im achten Sozialgesetzbuch wird das Alter als Begriff bestimmt. Demnach ist Jugendlicher, wer das 14. Lebensjahr, aber noch nicht das 18. erreicht hat. Als junger Volljähriger wird man bezeichnet, wenn man schon 18 Jahre alt ist, aber noch nicht 27 Jahre und als junger Mensch wird der bezeichnet, der noch unter 27 Jahren ist.7 In der vorliegenden Arbeit wird sich aufgrund der verschiedenen Ansichten der Definition des Alters von Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf die Altersspanne von 12- bis 25-jährigen fokussiert.

3.2 Rechtliche Grundlage

Der Konsum von Alkohol wird im sogenannten Jugendschutzgesetz geregelt. Folgendes darf in Gaststätten, Verkaufsstellen oder sonst in der Öffentlichkeit nicht an Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren abgegeben werden: Bier, Wein, weinähnliche Getränke, Schaumwein und Mischungen.8 Interessant ist dabei, dass dies nicht gilt, wenn Jugendliche von einer Personenberechtigten Person begleitet werden. Ab 18 Jahren, und somit mit der Volljährigkeit9, ist der Konsum von Spirituosen erlaubt.

Das Jugendschutzgesetz ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass Alkohol schon früher konsumiert wird, auch wenn es im öffentlichen Raum gilt. Die häufigsten Orte für den Konsum sind die Öffentlichkeit, der Weg zur Disko oder vor Diskobesuchen in der Wohnung bei Freunden als sogenanntes Vorglühen - hier finden kaum Alterskontrollen statt und die Jugendlichen haben somit die Möglichkeit nach Belieben zu konsumieren.10

4. Alkoholkonsum

4.1 Aktuelle Zahlen

Eingehend möchte ich in diesem Abschnitt im Zusammenhang mit der bereits genannten Post­Adoleszenz folgendes zitieren: ,,Nicht die Dinge ändern sich: Wir ändern uns.“11

Es zeigt sich, dass sich der Alkoholkonsum im Alter von 12 bis 25 Jahren in den letzten zehn Jahren verringert hat und der Erstkonsum sich nach hinten verschoben hat (er lag 2011 bei 14,5 Jahren). Außerdem ging der regelmäßige Konsum bei den 12- bis 17-Jährigen von 25,4% im Jahr 1979 auf 14,2% im Jahr 2011 zurück. Die sogenannte 30-Tage-Prävalenz, welche in der BZgA-Studie dem nacheinander folgenden Konsum von fünf oder mehr Gläsern Alkohol in den letzten 30 Tagen entspricht und als exzessiven oder riskanten Alkoholkonsum bezeichnet wird, ist bei den 12- bis 25-Jährigen im Vergleich zu 2004 um 7,4% zurückgegangen im Jahr 2011 (15,2%). Die aufgezeigten Daten aus den Studien zeigen also, dass sich ein Trend zu weniger Alkoholkonsum abzeichnet.12

Die BZgA hat im Zuge einer Präventionskampagne im Jahr 2018 sowie in den zehn Jahren zuvor Alkoholumfragen durchgeführt. Dabei wurde der Alkoholkonsum im Jahr 2018 erfasst. Herausgestellt hat sich, dass 62,9 % der 12-17-Jährigen schon einmal Alkohol getrunken haben. Regelmäßig und somit mindestens ein Mal in der Woche trinken 9,8 % dieser Altersgruppe. Gesondert betrachtet wird die Gruppe der jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren. 95,5% dieser Altersgruppe geben an, schon einmal Alkohol getrunken zu haben, 34 % trinken regelmäßig Alkohol und 38,9% geben an, dass sie in den letzten 30 Tagen Rauschtrinken praktiziert haben.13 Diese Zahlen zeigen, dass der Konsum von Alkohol schon früh beginnt und mit dem Lebensalter ansteigt, auch wenn er im Allgemeinen in den letzten Jahren gesunken ist. Hinzuzufügen ist, dass der Missbrauch von Alkohol dann vorliegt, wenn ein schädlicher Gebrauch besteht. Das wird dann erfüllt, wenn mindestens eins der folgenden Kriterien in den letzten zwölf Monaten vorlag: Versagen bei der Erfüllung wichtiger Pflichten bei der Arbeit, in der Schule oder zu Hause durch wiederholten Alkoholkonsum; wiederholter Konsum in Situationen, in denen es zu körperlichen Gefährdungen kommen kann; im Zusammenhang mit Alkoholkonsum kommt es zu wiederholten rechtlichen Problemen; der Alkoholkonsum wird fortgesetzt trotz ständiger Probleme, die durch den Konsum verstärkt beziehungsweise verursacht werden.14

4.2 Risiko - und Problemfaktoren

Im Jugendalter kommen viele Veränderungen in den körperlichen, kognitiven und sozialen Bereichen auf die Adoleszenten zu. Diese gilt es zu bewältigen, was sich jedoch nicht als einfach herausstellt. Zu diesen Veränderungen zählen beispielsweise folgende sogenannte Entwicklungsaufgaben: die Akzeptanz des eigenen, sich veränderten Körpers, das Entdecken der Sexualität, die Zugehörigkeit zu einer Peer-Group sowie das Ablösen vom Elternhaus.15 Diese Lernaufgaben stellen für die Jugendlichen Hürden dar.

Ein Grund für das frühe Trinken ist, dass das Alter der Pubertät sich insgesamt weiter nach vorne verschobene hat. Folglich strebt der Jugendliche früher erwachsenes Verhalten an, welches er mit Alkoholkonsum verbindet. Außerdem ist der Jugendliche vom Übergang zum Erwachsenen geprägt und lernt früh, dass Alkohol von Erwachsenen als Hilfsmittel, um in gesellschaftlichen Fertigkeiten zu bestehen, genutzt wird. So zum Beispiel trinken Erwachsene, wenn sie Stress haben, als Belohnung oder zur Kontaktaufnahme mit anderen. Man findet einen großen Zusammenhang zwischen Jugendlichen, die Geselligkeit und Beliebtheit als persönliche Ideale nennen zum Alkohol. Dies liegt daran, dass sie durch das Konsumieren in einer Gruppe Gleichgesinnter sind. Meistens verläuft der Konsum im Jugendalter nicht so, dass ein exzessiver Missbrauch entsteht - trotz einiger Tunkenheitserfahrungen. Dies ist nur dann wahrscheinlich, wenn andere bestimmte Risikofaktoren vorliegen. Als Risikogruppe gelten zum Beispiel Jugendliche, die an ADHS litten, Sozialverhaltensstörungen hatten oder Alkoholprobleme im Elternhaus haben. Außerdem wird Alkohol häufig dann missbraucht, wenn Entwicklungsaufgaben, wie das Erreichen des angestrebten Berufsabschlusses, nicht erfüllt werden.16 Ein weiterer Risikofaktor ist die anfängliche Toleranz von Alkohol, denn es ist nachgewiesen, dass Kinder von alkoholabhängigen Eltern sich weniger betrunken fühlen als Kinder von Eltern, die kein genetisches Risiko der Alkoholabhängigkeit haben. Daraus resultiert häufig, dass genau die Jugendlichen mit hoher Alkoholtoleranz mehr trinken können als ihre Freunde, was dann dahingehend fehlinterpretiert wird, dass ihnen der Alkohol weniger ausmache. Doch in Wirklichkeit schädigt der Alkoholkonsum ihre Gesundheit noch stärker.17

[...]


1 Vgl. John/ Hanke/ Freyer- Adam/ Baumann/ Meyer, 2019, S. 39

2 Vgl. Litau, 2017, S. 9

3 Vgl. Litau, 2017, S. 14-15

4 Vgl. Litau, 2017, S. 15

5 Vgl. Haushahn, 1996, S. 66-73

6 Vgl. Hagen/ Papastefanou, 2013, S. 20

7 Vgl. §7 Absatz 1 Nummer 1-4 SBG VIII

8 Vgl. § 9 Absatz 1 Nummer 1 JuSchG

9 Vgl. § 2 BGB

10 Vgl. Goecke/ Orth/ Awolin/ Lang, 2013, S. 15

11 Miller/ Rollnick, 2015, S. 17

12 Vgl. Litau, 2017, S. 31

13 Vgl. Orth/ Merkel, 2019

14 Vgl. Sokya/ Küfner, 2008, S. 10

15 Vgl. v. Hagen/ Papastefanou, 2013, S. 19

16 Vgl. Settertobulte, 2010, S. 57-61

17 Vgl. Zimmermann, 2010, S. 34-35

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Riskanter Alkoholkonsum und Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen
Untertitel
Konzepte der Gefährdetenhilfe am Beispiel der Jugendarbeit
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Veranstaltung
Methodisches Arbeiten in den Feldern der Gefährdetenhilfe
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
20
Katalognummer
V1189919
ISBN (eBook)
9783346624727
ISBN (Buch)
9783346624734
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alkoholmissbrauch, Alkohol, riskanter Alkoholkonsum, Alkoholabhängigkeit, Sucht, Jugendliche, Jugendhilfe, junge Erwachsene, Hans Thiersch, Lebensweltorientierung, Konzept, Methode, Theorie, Ziele, Sozialpsychologie, Aufsuchende Jugendarbeit, Motivierende Gesprächsführung, Motivational Interviewing
Arbeit zitieren
Leonie Staudenecker (Autor:in), 2020, Riskanter Alkoholkonsum und Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1189919

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