Das Interesse der Geographen an neuen Informations- und Kommunikationstechnologien ist vor allem in Deutschland ein eher junges. So klingt es im ersten Moment auch etwas abstrakt Informations- und Kommunikationsströme zu analysieren, zu verfolgen und räumlich einzuordnen. Abstrakter jedoch wird es noch, sobald man realisiert, dass dadurch ein zweiter Raum geschaffen wird, der zwar nicht physischer Gestalt ist, aber dennoch den Erdball in einer anderen Dimension umspannt: Der „Space of Flows“.
Prinzipiell besteht der „Space of flows“ aus Informations- und Kommunikationsströmen.
Würde man nun versuchen einen „Space of flows“ des Jahres 1600 darzustellen und ihn mit einer Darstellung des heutigen „Space of flows“ vergleichen, würde man feststellen, dass die Erde innerhalb der letzten vierhundert Jahre vor allem durch neue Informations- und Kommunikationstechnologien, erheblich geschrumpft wäre, zumindest in diesem mehr oder weniger fiktiven Raum der Ströme.
Neue Informations- und Kommunikationstechnologien ermöglichen es heute innerhalb von Sekunden mit einer Person nahezu unabhängig von Orten zu kommunizieren und interagieren.
Neue Möglichkeiten in Bereichen der Wirtschaft, Politik und Ökologie ergeben sich daraus und bestimmen heutige Entwicklungen weitgehend. Sie unterstützen die Entwicklung einer globalen Informationsgesellschaft.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. NEUE INFORMATIONS- UND KOMMUNIKATIONSTECHNOLOGIEN – IuK
2.1 Begriffserklärungen
2.2 Entwicklung neuer IuK
2.3 Entwicklung der Telekommunikation in Deutschland
2.4 theoretische Ansätze zur Raumwirksamkeit neuer IuK
3. BEISPIEL TELEARBEIT
3.1 Entwicklung der Telearbeit
3.2 Räumliche Effekte der Telearbeit
4. FAZIT
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die räumlichen Auswirkungen moderner Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK) auf die Gesellschaft und Wirtschaft, wobei die Telearbeit als zentrales Fallbeispiel dient, um theoretische Raumkonzepte kritisch zu hinterfragen.
- Grundlegende Definitionen und Einordnung von IuK-Technologien
- Entwicklung und Liberalisierung des deutschen Telekommunikationsmarktes
- Theoretische Raummodelle und deren empirische Überprüfbarkeit
- Analyse verschiedener Formen und Potenziale der Telearbeit
- Diskussion raumwirksamer Thesen (z.B. Dezentralisierung vs. Konzentration)
Auszug aus dem Buch
3.2 Räumliche Effekte der Telearbeit
An Hand der vorher aufgestellten Thesen über die Raumwirksamkeit neuer Informations- und Kommunikationstechnologien möchte ich nun die Tatsächliche Situation veranschaulichen.
• Zur Überprüfung der Substitutionsthese: Durch den Einsatz neuer IuK sei es möglich physische Wege zu reduzieren oder zu vermeiden. Am Beispiel der Telearbeit ist diese These zu bestätigen. Wohnortnahe Satteliten- oder Nachbarschaftsbüros, Teleheimarbeit und mobile Telearbeit bergen das Potential zur Einschränkung von Fahrten.
Empirisch jedoch ist festzustellen, dass Faktoren wie Wegekopplung bei der Formulierung dieser These nicht bedacht wurden. Zwar konzentriert sich das Aktionsfeld von Telearbeitern stärker auf das Wohnumfeld, und führt somit zur Minimierung von Pendlerströmen und Verkehrsspitzen, dennoch bewirkt die Nutzung neuer IuK eine „Erhöhung des Aktivitätsniveaus von Wirtschaft und Gesellschaft und fördert damit auch eine Zunahme des Individualverkehrs“.
Im Zuge der Telearbeit kommt also eher zu einer Verlagerung des Verkehrsaufkommens als zu einer Verminderung. (vgl. GEBAUER, 2001, S. 84)
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Es wird das steigende Interesse der Geographie an Informations- und Kommunikationsströmen dargelegt und die Bedeutung des „Space of Flows“ für eine globale Informationsgesellschaft eingeführt.
2. NEUE INFORMATIONS- UND KOMMUNIKATIONSTECHNOLOGIEN – IuK: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe, beschreibt den historischen Prozess der Marktliberalisierung in Deutschland und stellt verschiedene theoretische Modelle zur Raumwirksamkeit vor.
3. BEISPIEL TELEARBEIT: Ausgehend von einer Definition und Typisierung verschiedener Formen der Telearbeit werden die Auswirkungen dieser Arbeitsform auf den Raum und das Mobilitätsverhalten diskutiert.
4. FAZIT: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass IuK als technische Basisinnovation den gesellschaftlichen Wandel maßgeblich prägen und Hypothesen zur Raumwirksamkeit immer im spezifischen lokalen Kontext betrachtet werden müssen.
Schlüsselwörter
Informations- und Kommunikationstechnologien, Telearbeit, Space of Flows, Geographie der Kommunikation, Liberalisierung, Raumwirksamkeit, Standortstrukturen, Dezentralisierung, Konzentration, Individualisierung, Mobilität, Netzinfrastruktur, Arbeitsorganisation, Informationsgesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie sich neue Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK) räumlich auf Wirtschaft und Gesellschaft auswirken.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Entwicklung des Telekommunikationsmarktes, theoretische Ansätze der Geographie zur Kommunikation und das Fallbeispiel der Telearbeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, theoretische Thesen zur räumlichen Wirkung von IuK (z.B. Substitution von Verkehr) anhand des Beispiels Telearbeit kritisch zu prüfen und zu veranschaulichen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine geographische Analyse, die theoretische Ansätze und existierende Fallbeispiele zusammenführt, um die Auswirkungen von IuK zu diskutieren.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die technologische Entwicklung und Marktregulierung, eine theoretische Einordnung in die Geographie und die detaillierte Betrachtung der Telearbeit.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Begriffe wie Telearbeit, räumliche Effekte, Informationsgesellschaft, Liberalisierung und Infrastruktur beschreiben die Arbeit treffend.
Welchen Einfluss hat die Liberalisierung auf den Telekommunikationssektor laut der Autorin?
Die Liberalisierung führte durch Wettbewerb und Privatisierung zu Innovationen, Preisrückgängen und einer allgemeinen Beschleunigung der Verbreitung neuer IuK.
Warum wird die Substitutionsthese im Kontext der Telearbeit als teilweise widerlegt betrachtet?
Obwohl Telearbeit Fahrten einsparen kann, führt sie empirisch oft zu einer Verlagerung und durch ein erhöhtes Aktivitätsniveau zu einer Zunahme des Individualverkehrs.
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- Alexandra Appel (Author), 2004, Räumliche Effekte neuer Informations- und Kommunikationstechnologien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118993