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Nützlichkeit als Anforderung an Erkenntnis im modernen Bildungssystem. Ursachen und philosophische Betrachtungen

Titel: Nützlichkeit als Anforderung an Erkenntnis im modernen Bildungssystem. Ursachen und philosophische Betrachtungen

Hausarbeit , 2020 , 14 Seiten , Note: 1,5

Autor:in: Fabian Hoppe (Autor:in)

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Seit den 1990er Jahren wurden auf europäischer sowie nationaler Ebene verstärkt umfangreiche Bildungsreformen durchgeführt, die das deutsche Bildungssystem wesentlich geprägt haben. Im Schulwesen soll durch "Kompetenzorientierung" die Fähigkeit entwickelt werden, Wissen nicht nur zusammenhanglos aufzunehmen, sondern dieses vielmehr situativ zu bewerten und anschließend praktisch in flexiblen Kontexten anzuwenden, "Bildungsstandards" hingegen zielen auf eine gewisse Einheitlichkeit von Inhalten ab, sodass Transparenz und Überprüfbarkeit der Lernergebnisse von Schülern gewährleistet sind. Gleiches gilt in Bezug auf den Bologna-Prozess im Hochschulwesen, wo die Vergleichbarkeit von Bildungsabschlüssen vereinfacht und Studiengänge modularisiert wurden, damit Abschlüsse nun um ein bis zwei Jahre schneller erreicht werden können.

Um diese und weitere Neuerungen ist eine hitzige Debatte entbrannt, die bis heute anhält. Die grundsätzliche Kritik an den Bildungsreformen gilt dem Verdacht, dass – trotz der aus pädagogischer und didaktischer Perspektive durchaus schlüssigen Argumentation für diverse Änderungen – Sonderinteressen der Wirtschaft verfolgt werden. Aus philosophischer Sicht stellt sich dabei die Frage, inwiefern es sich dabei wirklich um Reformen im Sinne der Denker der Aufklärung handelt, also solche die darauf abzielen, Missstände zu beheben und dabei Allgemeininteressen
berücksichtigen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 HAUPTTEIL

2.1 Historisch bedingte Prämissen des Berufsbegriffs

2.1.1 Reformation und protestantische Ethik als Paradigmenwechsel

2.1.2 Die Bildung des protestantischen Berufsbegriffs

2.1.3 Merkmale der calvinistischen Berufsethik

2.1.4 Entstehung kapitalistischer Strukturen und Säkularisierung

2.1.5 Menschenbild des etablierten Kapitalismus im Sinne von Berufs- und Fachmenschentum

2.2 Systematisierung des Verhältnisses von Beruf und Bildung

2.3 Kritik

3 SCHLUSS

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht kritisch die Instrumentalisierung von Bildung im modernen kapitalistischen System und hinterfragt, inwieweit die einseitige Ausrichtung auf berufliche Verwertbarkeit mit einem ganzheitlichen Bildungsverständnis und dem gesellschaftlichen Allgemeininteresse vereinbar ist.

  • Historische Entwicklung des modernen Berufsbegriffs
  • Einfluss der protestantischen Ethik nach Max Weber auf den Kapitalismus
  • Verhältnis von zweckfreier Bildung und ökonomischer Verwertbarkeit
  • Kritik an der Reduktion des Menschen auf ein reines Fachmenschentum
  • Suche nach gesellschaftlichen Alternativen und politischen Reformansätzen

Auszug aus dem Buch

2.1.3 MERKMALE DER CALVINISTISCHEN BERUFSETHIK

Die calvinistische Berufsethik beruht auf der doppelten Prädestinationslehre, welche besagt, dass der Status des göttlichen Auserwählt- oder Verdammtseins weder durch den Menschen erkennbar ist noch durch weltliche Taten beeinflusst werden kann. Diese religiöse Unsicherheit hatte zur Folge, dass Gläubige nach Merkmalen suchten, um ihren eigenen Heilsstatus bestimmen zu können (vgl. ebd.: 91f.). Zum einen “wurde es zur Pflicht gemacht, sich für auserwählt zu halten”, damit Selbstgewissheit erlangt werden kann, zum anderen “rastlose Berufsarbeit” eingeschärft, um religiöse Zweifel zu unterdrücken (ebd.: 94).

Zu dieser religiös motivierten Berufsethik kamen noch weitere Merkmale rationalisierter Lebenspraxis, welche später die Berufsarbeit im modernen Verständnis prägten. Von besonderer Bedeutung ist hierbei die Herausbildung einer methodischen Lebensführung bzw. der Durchrationalisierung des Lebens im Sinne einer systematischen Kontrolle, ob Handlungen dem Zweck eines heiligen Lebens dienen (vgl. Guttandin 1998: 139ff.). Hier spielen einerseits Werte wie Selbstbeherrschung und Selbstkontrolle eine entscheidende Rolle sowie andererseits ein sachlich-unpersönlicher Charakter der Berufsarbeit, da der Gehorsam vor Gott dem Gehorsam vor Menschen unbedingt übergeordnet ist. Dies steht auch in Zusammenhang mit einer fortschreitenden Individualisierung durch das für den Protestantismus typische, persönliche Gottesverhältnis sowie den Wegfall religiöser Gemeinschaftspraktiken (vgl. ebd.: 135f ). In diesem Kontext führte auch das Ausbleiben religiöser Zeremonien und Heilspraktiken zu einer Entzauberung und Veralltäglichung des Lebens, was durch den für den Calvinismus charakteristischen asketisch-enthaltsamen Lebensstil noch verstärkt wurde (vgl. ebd.: 141ff). Dieser zielte nicht zuletzt auf die Steigerung und Konzentrierung der Kräfte des Individuums ab, welche durch den Wegfall psychischer Entlastung mittels Buße mobilisiert werden mussten. Der gesteigerte Kräftehaushalt diente außerdem der Verfolgung weltlicher Ziele, um Gottes Ruhm zu mehren und somit den Status der Auserwähltheit zu bekräftigen (vgl. ebd.: 136f).

Zusammenfassung der Kapitel

1 EINLEITUNG: Es wird die Debatte um aktuelle Bildungsreformen und deren Fokus auf berufliche Verwertbarkeit und ökonomische Interessen im Kontext der Aufklärung skizziert.

2 HAUPTTEIL: Basierend auf Max Webers Analyse wird die historische Entstehung des Berufsbegriffs durch die protestantische Ethik hergeleitet und das Verhältnis zwischen kapitalistischer Arbeit und zweckgebundener Bildung kritisch analysiert.

3 SCHLUSS: Es wird gefordert, politische Rahmenbedingungen zu schaffen, die Bildung unabhängig von Sonderinteressen der Wirtschaft ermöglichen, um den Menschen als ganzheitliches Wesen außerhalb reiner Verwertbarkeitslogik zu begreifen.

Schlüsselwörter

Bildung, Beruf, Kapitalismus, protestantische Ethik, Max Weber, Bildungsreform, Nützlichkeit, Zweckfreiheit, Allgemeininteresse, Fachmenschentum, Aufklärung, Erwerbsarbeit, Gesellschaftskritik, Individuum, Subjektivität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die philosophischen und historischen Hintergründe des modernen, auf Nützlichkeit ausgerichteten Bildungsbegriffs und dessen Verbindung zur kapitalistischen Erwerbsgesellschaft.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zu den Schwerpunkten zählen die Entwicklung des Berufsbegriffs durch die Reformation, Webers Kapitalismustheorie, das Spannungsfeld zwischen ökonomischer Zweckmäßigkeit und humaner Bildung sowie gesellschaftspolitische Reformfragen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die Reduktion des Menschen auf eine rein berufliche Verwertbarkeit dem menschlichen Wesen nicht gerecht wird und Bildungsreformen daher eine stärkere Orientierung am Allgemeininteresse benötigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine hermeneutische und philosophische Analyse, wobei insbesondere auf Max Webers Werk zur protestantischen Ethik sowie bildungstheoretische Ansätze wie die von Wolfgang Klafki zurückgegriffen wird.

Was steht im Hauptteil im Fokus?

Der Hauptteil widmet sich der historischen Herleitung des modernen Arbeitsethos und der systematischen Untersuchung, warum Bildung heute zunehmend als Mittel zur Sicherung der Arbeitsmarktfähigkeit instrumentalisiert wird.

Welche Schlüsselbegriffe prägen die Argumentation?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Berufsmensch", "Fachmenschentum", "Zweckfreiheit", "Protestantische Ethik" und "Ökonomisierung von Bildung" charakterisiert.

Warum spielt die protestantische Ethik eine so zentrale Rolle für die Argumentation?

Der Autor nutzt Webers Theorie, um zu erklären, dass die heutige Auffassung von Arbeit als "Selbstzweck" kein Naturgesetz ist, sondern sich aus einer spezifischen religiösen Umdeutung weltlicher Tätigkeit im Protestantismus entwickelt hat.

Wie bewertet der Autor den Einfluss aktueller Bildungsreformen?

Der Autor steht den Reformen skeptisch gegenüber, da sie seiner Ansicht nach primär wirtschaftliche Interessen verfolgen und dazu beitragen, den Bildungsbegriff einseitig auf "Employability" zu reduzieren, anstatt die ganzheitliche Entfaltung des Menschen zu fördern.

Was wird als Gegenpol zur beruflichen Arbeit vorgeschlagen?

Als Gegenpol wird die Bedeutung von "Muße" und nicht-interessengeleiteter Tätigkeit hervorgehoben, die dem Menschen die Freiheit gibt, sich über seine Rolle als Arbeitnehmer hinaus als Individuum zu entfalten.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Nützlichkeit als Anforderung an Erkenntnis im modernen Bildungssystem. Ursachen und philosophische Betrachtungen
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Einführung in die Philosophie und ihr Studium
Note
1,5
Autor
Fabian Hoppe (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2020
Seiten
14
Katalognummer
V1189932
ISBN (PDF)
9783346628619
ISBN (Buch)
9783346628626
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Max Weber Bildung Protestantische Ethik Berufsethik Nützlichkeit Luther Calvin Bildungswesen Bologna PISA Bildungsstandards Kompetenzorientierung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Fabian Hoppe (Autor:in), 2020, Nützlichkeit als Anforderung an Erkenntnis im modernen Bildungssystem. Ursachen und philosophische Betrachtungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1189932
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Leseprobe aus  14  Seiten
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