Sigelwörter und Akronyme sind in vielen Sprachen ein omnipräsentes und daher auch in der alltäglichen Kommunikation beobachtbares Phänomen, das sich sowohl in der schriftlichen als auch in der mündlichen Sprache niederschlägt. Im deutschen Sprachraum wurde dieser linguistischen Erscheinung bereits ein popkulturelles Denkmal gesetzt, welches zahlreiche bekannte Initialkürzungen (IK), darunter das gebräuchliche Verabschiedungs-Kürzel "MfG", aus diversen Lebensbereichen enthält. Für die englische Wissenschaftssprache konnte in einer Metastudie gezeigt werden, dass sich der Anteil an IK in Fachtexten seit den 1950er Jahren bis heute mehr als verdreifacht ha.
Im Französischen, auf dem in dieser Arbeit der Fokus liegen soll, kann die Relevanz und Verbreitung dieses sprachlichen Phänomens anhand der Beobachtung aufgezeigt werden, dass ca. jeder vierte journalistische Online-Artikel der
Tageszeitung "Le Monde" bereits in der Überschrift oder innerhalb des ersten Textabschnitts Siglen oder Akronyme enthält. Diese im Rahmen der vorliegenden Arbeit durchgeführte Untersuchung soll beispielhaft aufzeigen, dass IK im französischen Sprachraum, sowohl im "code écrit" als auch im "code oral", relativ stark präsent sind. Der letztgenannte Aspekt kann von der Annahme abgeleitet werden, dass "Le Monde" als die auflagenstärkste französische Tageszeitung mit einer breiten Zielgruppe ein Vokabular aufgreift, dass zumindest teilweise auch in der mündlichen Kommunikation Anwendung findet.
Ziel dieser Arbeit ist es also, IK als aktuelles und in der französischen Sprache weitverbreitetes Phänomen kenntlich zu machen, indem es zunächst – unter Zuhilfenahme wissenschaftlicher Quellen, welche vorwiegend aus dem frankophonen Sprachraum stammen - aus morphologischer, lexikalischer, phonologischer und semantischer
Perspektive näher beleuchtet wird. Im Anschluss daran sollen variätetenlinguistische Aspekte von IK in den Blickpunkt gerückt werden, zu denen neben dem bereits angesprochenen Verhältnis von mündlicher und schriftlicher Verwendung (Diamesik) auch diastratische und diaphasische Verwendungsweisen zählen. Die dort getroffenen Aussagen sollen daraufhin in einem weiteren Schritt mit den in der wissenschaftlichen Beobachtung gesammelten Daten verknüpft und im Anschluss daran interpretiert werden, bevor schließlich die Eckpunkte der Arbeit noch einmal rekapituliert und weitere mögliche Forschungsfelder aufgezeigt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 EINFÜHRUNG
2 HAUPTTEIL
2.1 Sigelwörter, Akronyme und Initialkürzungen - begriffliche Abgrenzung und Einordnung innerhalb der Linguistik
2.2 Initialkürzungen als modernes, gesellschaftliches Phänomen
2.3 Systemlinguistische Aspekte von Initialkürzungen
2.3.1 Morphologische und lexikalische Gesichtspunkte
2.3.2 Phonologische Gesichtspunkte
2.3.3 Semantische Gesichtspunkte
2.4 Varietätenlinguistische Aspekte von Initialkürzungen
2.4.1 Diamesik
2.4.2 Diastratik
2.4.3 Diaphasik
2.5 Initialkürzungen in journalistischen Texten – Untersuchung anhand der Online-Inhalte von „Le Monde“
2.5.1 Vorgehen und Aufbau der Untersuchung
2.5.2 Aufbereitung und Präsentation der Daten
2.5.3 Diskussion
3 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das linguistische Phänomen der Initialkürzungen im Französischen, wobei sowohl theoretische systemlinguistische Grundlagen als auch varietätenlinguistische Aspekte analysiert werden, um deren Verbreitung und Funktion im modernen Sprachgebrauch, insbesondere in journalistischen Medien, zu beleuchten.
- Begriffliche Abgrenzung von Sigelwörtern, Akronymen und Initialkürzungen
- Systemlinguistische Analyse (Morphologie, Phonologie, Semantik)
- Varietätenlinguistische Einordnung (Diamesik, Diastratik, Diaphasik)
- Empirische Untersuchung von Initialkürzungen in Online-Artikeln von „Le Monde“
- Diskussion über gesellschaftliche Faktoren und Verwendungshäufigkeit
Auszug aus dem Buch
2.3.1 MORPHOLOGISCHE UND LEXIKALISCHE GESICHTSPUNKTE
Die Bildung von IK erfolgt i.d.R. mittels großgeschriebener Anfangsbuchstaben der Einheiten des zu verkürzenden Syntagmas, welche ursprünglich noch durch Punkte voneinander getrennt wurden, was mittlerweile jedoch nicht mehr üblich ist (Géhénot 1973, S. 170). Auch eine Zusammensetzung aus mehreren Anfangsbuchstaben der jeweiligen Einheiten des Syntagmas ist grundsätzlich möglich6, findet sich jedoch seltener im Französischen (Paulikat 2017, S. 168). Zudem gibt es bei lexikalisierten bzw. im Sprachgebrauch weit verbreiteten IK eine Tendenz zur Schreibweise als Eigenname mit Großbuchstaben lediglich am Wortanfang und ohne Punkte7. Einige besonders stark lexikalisierte Akronyme wie „laser“ oder „radar“8 werden zudem komplett klein geschrieben und sind dementsprechend nicht einmal mehr als IK erkennbar.
Insgesamt gilt im Französischen die Lexikalisierung von Siglen und Akronymen als sehr produktiv (Sokol 2001, S. 97). Die Bildung von IK kann grundsätzlich auch spontan erfolgen, setzt aber voraus, dass das Ursprungssyntagma eine linguistische Einheit bildet sowie dass im Text Mehrfachnennungen des Syntagmas, welches aus mindestens zwei Einheiten bestehen sollte, vorliegen, die eine Kürzung sinnvoll erscheinen lassen (Calvet 1973, S. 33). Die schriftliche und mündliche Verbreitung von IK, deren Akzeptanz im Sprachgebrauch sowie der damit in Verbindung stehende Lexikalisierungsgrad kann ferner dadurch begünstigt werden, dass die Kürzung eine möglichst hohe Relevanz für eine bestimmte Zielgruppe oder Population aufweist, dass ein gewisses Vereinfachungs- oder Verkürzungspotential im Verhältnis zur Länge des ursprünglichen Syntagmas besteht und dass kein äquivalenter Ausdruck (Synonym) für die von der IK bezeichnete Sache vorhanden ist (Trescases 1976, 708f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINFÜHRUNG: Die Einleitung definiert Initialkürzungen als omnipräsentes Phänomen in der Sprache und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, diese aus verschiedenen linguistischen Perspektiven sowie anhand einer beispielhaften Untersuchung journalistischer Online-Texte zu beleuchten.
2 HAUPTTEIL: Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Begriffe, eine systemlinguistische Analyse der Kürzungsprozesse, eine Einordnung in varietätenlinguistische Konzepte sowie eine empirische Untersuchung der Verwendungshäufigkeit in der Tageszeitung „Le Monde“.
3 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK: Das Fazit rekapituliert die Produktivität von Initialkürzungen als Wortbildungsverfahren, reflektiert über die Ergebnisse der Untersuchung und weist auf das Potenzial weiterführender Studien, insbesondere zur mündlichen Sprachpraxis, hin.
Schlüsselwörter
Initialkürzungen, Sigelwörter, Akronyme, Wortbildung, Französisch, Systemlinguistik, Varietätenlinguistik, Lexikalisierung, Morphologie, Phonologie, Semantik, Diamesik, Diastratik, Diaphasik, Journalistische Sprache
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem linguistischen Phänomen der Initialkürzungen, wie Sigelwörtern und Akronymen, im Französischen und untersucht deren Struktur und Verwendung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die begriffliche Einordnung, die systemlinguistische Beschaffenheit, die varietätenlinguistische Einbettung sowie die reale Verwendung in aktuellen journalistischen Texten.
Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, Initialkürzungen als weitverbreitetes sprachliches Phänomen zu analysieren und aufzuzeigen, wie sie morphologisch, lexikalisch, phonologisch und semantisch konstituiert sind und in verschiedenen Sprachdomänen auftreten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung der Fachliteratur sowie eine kleine empirische Datenerhebung, bei der Artikelüberschriften der Online-Ausgabe von „Le Monde“ quantitativ und qualitativ ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretische Abgrenzung der Begriffe, die systemlinguistischen Bedingungen von Initialkürzungen sowie deren varietätenlinguistische Aspekte im Hinblick auf Diamesik, Diastratik und Diaphasik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Initialkürzungen, Akronyme, Sigelwörter, Wortbildung, Varietätenlinguistik und Systemlinguistik charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Tageszeitung „Le Monde“ in dieser Untersuchung?
„Le Monde“ dient als Datenbasis für eine beispielhafte Untersuchung, um die Häufigkeit und Verteilung von Initialkürzungen in aktuellen journalistischen Online-Beiträgen praktisch nachzuweisen.
Was sind laut der Arbeit Gründe für die häufige Verwendung von Initialkürzungen?
Zu den Hauptgründen zählen das Bedürfnis nach effizienter Nutzung von Zeit und Raum, die Entstehung komplexer neuer Begriffe in Wissenschaft und Technik sowie der Wunsch nach sprachlicher Vereinfachung.
- Arbeit zitieren
- Fabian Hoppe (Autor:in), 2021, Sigelwörter und Akronyme. Varietätenlinguistische Betrachtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1190015