Mädchenarbeit als Teilbereich der Jugendarbeit. Historische Entwicklung, Ziele und Grundsätze


Hausarbeit, 2022

16 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

II. Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historische Entwicklung der Mädchenarbeit

3. Gegenwärtige Gestaltung der Mädchenarbeit

4. Ziele

5. Grundsätze
5.1 Entwicklung der Handlungsprinzipien und Grundsätze
5.2 Aktuelle Grundsätze

6. Methodische Umsetzung

7. Themen der Mädchenarbeit innerhalb der Jugendarbeit
7.1 Rassismus als Thema in der Mädchenarbeit
7.2 Heteronormativitätskritik als Thema in der Mädchenarbeit

8. Fazit

III. Literaturverzeichnis

II. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Traditionelle Rollenbilder haben sich in Deutschland in den vergangenen Jahren entwickelt und verändert (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2007, S. 2). Dabei ist deutlich geworden, dass sich besonders das Rollenbild der Frau stark verändert hat (vgl. Sozialpädagogisches Fortbildungsinstitut Berlin Brandenburg 2008, S.6): Es ist mittlerweile alltäglich, dass die Frau nicht nur für den Haushalt und für die Kindererziehung zuständig ist, sondern auch andere Lebensentwürfe möglich sind, wie die Karriere oder den Job als (kinderlose) Frau zu verfolgen. Zudem hat sich der Anteil der Frauen mit Hochschulabschluss sowie der Anteil an Frauen in Führungspositionen in den vergangenen Jahren deutlich erhöht (vgl. ZukunftsInstitut o. J.). Durch die Veränderung der Rollenbilder, soll Frauen heutzutage die Möglichkeit geboten werden, sowohl eine Entwicklung der Gleichheit, als auch diverse Wahlmöglichkeiten zu erlangen (vgl. ebd.). Aufgrund dieser Entwicklungen ist es unerlässlich, dass die Frau bereits als Mädchen selbstbewusst aufwächst und ein Standing in der heutigen Gesellschaft entwickelt, um all die ihr offenen Möglichkeiten ausschöpfen zu können. Für einige Mädchen können diese Entwicklungen bzw. Möglichkeiten erhebliche Spannungsfelder bspw. aufgrund der Erziehung oder der Kultur herbeiführen (vgl. Sozialpädagogisches Fortbildungsinstitut Berlin Brandenburg 2008, S. 6).

Diese Entwicklungen, Herausforderungen und Spannungsfelder zeigen, dass Mädchen und Jugendliche einen gesonderten Ansatz benötigen, der sie bei diesen Herausforderungen und in der Stärkung des Selbstbewusstseins neben der Schule und der Erziehung zu Hause unterstützt und stärkt.

Grundlegendes Ziel dieser Arbeit ist es, die Inhalte der Mädchenarbeit im Handlungsfeld der Kinder- und Jugendarbeit darzustellen. Die Arbeit soll erste Einblicke in die Mädchenarbeit ermöglichen und als Basis für weitere Ausarbeitungen dienen. Zuerst wird die Mädchenarbeit in ihrer historischen Entwicklung beschrieben, darauf folgt eine Begriffserläuterung, die ein Eingehen auf die Ziele und Grundsätze der Mädchenarbeit ermöglicht. Diese werden in Bezug auf ihre Entwicklung innerhalb der Kinder- und Jugendarbeit und der Mädchenarbeit betrachtet, sodass nachfolgend auf die aktuellen Prinzipien innerhalb der Mädchenarbeit eingegangen werden kann. Im Anschluss wird die methodische Umsetzung der Angebote innerhalb der Mädchenarbeit erörtert. Aufgrund der zuvor erarbeiteten Grundlagen der Mädchenarbeit werden abschließend zwei relevante, aktuelle Themengebiete innerhalb dieses Ansatzes beschrieben: Die Auseinandersetzung mit Rassismuserfahrungen und dem Umgang mit diversen sexuellen Orientierungen bzw. der geschlechtlichen Identität.

2. Historische Entwicklung der Mädchenarbeit

Im Folgenden wird die historische Entwicklung der Mädchenarbeit skizziert, um im darauf anschließenden Kapitel auf die gegenwärtige Gestaltung der Mädchenarbeit einzugehen.

Erst durch densechsten Jugendbericht aus dem Jahr 1984 wurde die Mädchenarbeit in die Jugendhilfe aufgenommen (vgl. Sozialpädagogisches Fortbildungsinstitut Berlin Brandenburg 2008, S. 10). Dies erfolgte allerdings nur durch überzeugende Analysen und Nachweise, die bestätigten, dass Mädchen benachteiligt wurden und einen geschützten Raum zur Entfaltung und zum Austausch benötigten (vgl. Forster/ Thiel 2005, S. 456). So wurde Anfang der 90er Jahre ein Mädchenprogramm aufgesetzt, das auf den Bundesjugendplan (heute: Kinder- und Jugendplan des Bundes) basierte (vgl. Sozialpädagogisches Fortbildungsinstitut Berlin Brandenburg 2008, S. 10). Es entstanden unterschiedliche Konzepte und Angebote, diedie Akzeptanz der Mädchenarbeit in der Jugendhilfe erhöhten (vgl.ebd.).Die Einführung des § 9 Nummer 3 SGB VIII bestärkte diesen Ansatz durch die Verpflichtung, bei allen Angeboten und Leistungen (vgl.ebd.)„…die unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen und Jungen zu berücksichtigen, Benachteiligungen abzubauen und die Gleichstellung von Mädchen und Jungen zu fördern.“ (Die Bundesregierung 2000). „Ende der 90er Jahre wurde das Mädchenprogramm des Bundes wieder abgeschafft und durch die Verpflichtung der Träger zur Umsetzung von Gender Mainstreaming1 als Förderbedingung ersetzt.“ (Sozialpädagogisches Fortbildungsinstitut Berlin Brandenburg 2008, S. 10). Dadurch organisiert sich der Arbeitsansatz gegenwärtig durch Landes- und Bundesarbeitsgemeinschaften, die in der Beratung, Vernetzung und Entwicklung sowohl bundesweit als auch vor Ort unterstützen (vgl. LAG Mädchenpolitik Baden- Württemberg 2022; Bundesarbeitsgemeinschaft Mädchen*politik 2022).

3. Gegenwärtige Gestaltung der Mädchenarbeit

Mit der Mädchenarbeit wird Mädchen ein (sicherer) Raumanhand von außerschulischen und geschlechtshomogenen Angeboten geboten, in denen die Zielgruppe Themen rund um das Geschlecht behandeln kann (vgl.Forster/ Thiel 2005, S. 455). Die Mädchenarbeit wird häufig auch als niedrigschwellige „Komm-Struktur“ beschrieben, da die Mädchen jederzeit ohne Anmeldung an den Angeboten teilnehmen können (vgl.Gandouz-Touati/ Heidbreder/ Nacro 2021, S. 545). Das Angebotsspektrum umfasst das Behandeln der Mädchen- und Frauenrolle sowohl unter gesellschaftlichen Ansprüchen als auch aus der individuellen Sicht (vgl.Forster/ Thiel 2005, S. 455). Anhand des Austausches und der stattfindenden Angebote wird den Mädchen die Möglichkeit geboten, veraltete Frauenbilder zu erkennen, sich damit auseinanderzusetzen und selbst zu entscheiden, ob diese konservativen Bilder mit ihren Lebensentwürfen übereinstimmen oder eigene Vorstellungen verfolgt werden (vgl. ebd.).

4. Ziele

Der Arbeitsansatz Mädchenarbeit verfolgt grundsätzlich die Ziele, Mädchen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu fördern, mit ihnen ein positives Frauenbild zu erarbeiten und sie in ihrer Unabhängigkeit und ihrem Selbstwertgefühl zu stärken (vgl. Lugstein 2005, S. 477).

Den Mädchen wird durch die Mädchenarbeit das Wissen zur Durchsetzung eigener Wünsche sowie Verhaltensweisen und Grenzen vermittelt (vgl. Forster/ Thiel 2005, S.456 f.). Durch verschiedene Angebote können sie ihre Fähigkeiten, Stärken und Interessen entdecken und ausbauen. Anhand dessen, können sie ihre Leistungsfähigkeit und Kompetenzen besser einschätzen und selbstsicher sowie entscheidungsfähig auftreten (vgl. Dachverband offene Kinder- und Jugendarbeit Schweiz, o. J., S. 7). Ein weiteres Ziel der Mädchenarbeit ist, die Vielseitigkeit von Lebensentwürfen wahrzunehmen, um sich der eigenen Identität zu nähern (vgl. ebd.).

5. Grundsätze

Zur Beschreibung der aktuell geltenden Grundsätze der Mädchenarbeit, wird vorab dargestellt, wie sich diese in der Vergangenheit und im Zusammenhang mit der Jugendhilfe entwickelt haben.

5.1 Entwicklung der Handlungsprinzipien und Grundsätze

Bereits in den 60er Jahren, als die Mädchenarbeit noch nicht der Jugendhilfe zugeordnet wurde, sind erste Grundsätze für die Mädchenarbeit formuliert worden (vgl.Sozialpädagogisches Fortbildungsinstitut Berlin Brandenburg 2008, S. 12): Gemeinsam mit der Zielgruppe sollten die Angebotsziele so formuliert werden, dass die Bedürfnisse der Mädchen adressiert werden und sie in der Auseinandersetzung dessen unterstützen (vgl. ebd.). Diese Grundsätze waren widersprüchlich zur damaligen Jugendhilfe, da in diesem Bereich noch sehr stark der Kontroll- und Sanktionscharakter herrschte (vgl. ebd.). Somit waren die ersten Grundsätze der Mädchenarbeit Ausdruck eines einschneidend veränderten pädagogischen Verständnisses (vgl. ebd.). Durch die in den vergangenen Jahren erfolgte Entwicklung der Jugendhilfe, hat sich das pädagogische Verständnis an die ersten Grundsätze der Mädchenarbeit angepasst, sodass diese Prinzipien keine Besonderheit mehr darstellen (vgl. ebd.).

5.2 Aktuelle Grundsätze

Durch die Entfernung der Jugendhilfe vom Kontroll- und Sanktionscharakter hin zum Unterstützungs- und Begleitungscharakter, gelten in diesem Bereich heute die Grundsätze der Ganzheitlichkeit, Sozialraumorientierung und Partizipation, die wiederrum auch in der Mädchenarbeit bestehen (vgl.Sozialpädagogisches Fortbildungsinstitut Berlin Brandenburg 2008,S. 14). Dies zeigt, dass sich die Jugendhilfe und Mädchenarbeit in den vergangenen Jahren angenähert haben, was dazu führt, dass sich die Mädchenarbeit nicht mehr durch exklusive Grundsätze abgrenzen kann (vgl. ebd.).

[...]


1 Zu Deutsch: Leitbild der Geschlechtergerechtigkeit. „Das Leitbild der Geschlechtergerechtigkeit bedeutet, bei allen gesellschaftlichen und politischen Vorhaben die unterschiedlichen Auswirkungen auf die Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern grundsätzlich und systematisch zu berücksichtigen.“ (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2021).

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Mädchenarbeit als Teilbereich der Jugendarbeit. Historische Entwicklung, Ziele und Grundsätze
Hochschule
Internationale Fachhochschule Bad Honnef - Bonn
Note
1,0
Jahr
2022
Seiten
16
Katalognummer
V1190081
ISBN (Buch)
9783346631558
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mädchenarbeit, Kinder-und Jugendhilfe, Jungenarbeit
Arbeit zitieren
Anonym, 2022, Mädchenarbeit als Teilbereich der Jugendarbeit. Historische Entwicklung, Ziele und Grundsätze, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1190081

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