Diese Arbeit findet Antworten auf die Fragen, welche reformpädagogischen Elemente zur Verbesserung des deutschen Schulsystems beitragen könnten und welche Probleme der Einführung entgegenstehen. Tatsächlich gab es immer schon Kritik am Schulsystem. Seit einigen Jahren hat sich diese, insbesondere durch das schlechte Abschneiden deutscher Schüler bei internationalen Leistungsstudien, wieder verstärkt. Es häufen sich die Rufe nach mehr Praxisnähe und Selbsttätigkeit der Schüler, nach einer Schule, die nicht nur Lehranstalt, sondern auch Lebensraum für die Kinder und Jugendlichen ist. All dies sind keine neuen Forderungen, vielmehr gab es bereits vor über 100 Jahren Versuche, das Schulsystem praxisnäher und kinderfreundlicher zu gestalten. Diese Ansätze, die heute unter dem Begriff "Reformpädagogik" bekannt sind, erfreuen sich seit einigen Jahren wieder einer stärkeren Beachtung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Hinführung zum Thema
1.2. Ziel und Aufbau der Arbeit
1.3. Erläuterungen zur Durchführung der Umfrage
2. Was versteht man unter Reformpädagogik?
2.1. Entstehung der Reformpädagogik
2.2. Schulkritik
2.3. Grundgedanken der Reformpädagogik
2.4. Die Ahnväter der Reformpädagogik
2.4.1. Jean-Jacques Rousseau (1712 – 1778)
2.4.2. Johann Heinrich Pestalozzi (1746 – 1827)
2.5. Kritik an der Reformpädagogik
3. Die wichtigsten Reformpädagogen und ihre Theorien
3.1. Ellen Key (1849-1926) und ‚Das Jahrhundert des Kindes’
3.2. Die Arbeitsschulbewegung
3.2.1. Georg Kerschensteiner (1854 – 1932)
3.2.2. Hugo Gaudig (1860 – 1923)
3.3. John Dewey (1859 – 1952)
3.4. Die Landerziehungsheimbewegung
3.4.1. Hermann Lietz (1868 – 1919)
3.4.2. Alexander Sutherland Neill (1883 – 1973) und Summerhill
3.5. Maria Montessori (1870 – 1952)
3.6. Célestin Freinet (1896 – 1966)
3.7. Peter Petersen (1884 – 1952) und der Jena-Plan
3.8. Rudolf Steiner (1861 – 1925) und die Waldorfschulbewegung
3.9. Janusz Korczak (1878 – 1942)
3.10. Anton Semjonowitsch Makarenko (1888-1939)
4. Das aktuelle deutsche Schulsystem
4.1. Organisatorischer Aufbau des deutschen Schulsystems
4.2. Pädagogischer Aufbau des deutschen Schulsystems
4.3. Kritik am deutschen Schulsystem
4.4. Reformschulen in Deutschland heute
4.4.1. Überblick über aktuelle Reformschulen
4.4.2. Maria-Montessori-Grundschule Hausen
4.4.3. Montessori-Gymnasium Köln
4.4.4. Schule Schloss Salem
4.4.5. Freinet-Grundschule Köln
4.4.6. Peter-Petersen-Grundschule Berlin-Neukölln
4.4.7. Freie Waldorfschule Uhlandshöhe
4.4.8. Laborschule Bielefeld
4.4.9. Helene-Lange-Schule Wiesbaden
5. Reformpädagogik heute
5.1. Welche Schulkritik der Reformpädagogen ist heute noch aktuell?
5.2. Wie bekannt sind die Reformpädagogen heute?
5.3. Reformpädagogische Trends im deutschen Schulsystem
5.4. Welche weiteren Ansätze wären denkbar?
5.5. Welche Ansätze sind nicht mehr zeitgemäß oder können aus anderen Gründen nicht umgesetzt werden?
5.6. Ganztagesschule
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwiefern reformpädagogische Ansätze das heutige deutsche Schulsystem verbessern können und welche Hindernisse bei deren Implementierung bestehen. Die Autorin analysiert dazu historische Theorien und prüft deren aktuelle Relevanz anhand einer eigenen Umfrage unter Schülern und Lehrern.
- Historische Grundlagen und Konzepte bedeutender Reformpädagogen
- Struktureller und pädagogischer Aufbau des aktuellen deutschen Schulsystems
- Empirische Untersuchung zur Bekanntheit reformpädagogischer Ansätze bei Lehrkräften
- Kritikpunkte am heutigen Schulsystem, wie Selektion und Notendruck
- Möglichkeiten und Hürden bei der Einführung moderner reformpädagogischer Elemente
Auszug aus dem Buch
2.2. Schulkritik
Die Reformer kritisieren keine Einzelaspekte des Unterrichts, vielmehr sehen sie in der Schule einen Ort, an dem die Kinder psychisch und physisch leiden. Ihr Ziel ist es daher, die Schule zu einem Lern- und Entwicklungsraum umzugestalten, an dem die Schüler mit Freude arbeiten und sich frei entfalten können. Unterstützung erhalten sie in jenen Jahren in auffälliger Häufung von der Literatur. So schreiben unter anderem Frank Wedekind in ‚Frühlings Erwachen’ (1891), Hermann Hesse in ‚Unterm Rad’ (1905) sowie die Brüder Mann in den ‚Buddenbrooks’ (1901) sowie ‚Professor Unrat’ (1905) von den Schulleiden der Jugendlichen.
Auch wenn die Reformpädagogen unterschiedliche Schwerpunkte setzen, gründet ihre Kritik am Schulsystem und der Schule dennoch auf den gleichen Punkten: Die Schulgebäude erscheinen kahl und unpersönlich. Die frontal ausgerichteten Bänke und der damit verbundene monoton andauernde Frontalunterricht verhindern die Entwicklung individueller Fähigkeiten. Der starre, mit zu vielen lebensfernen Themen überfrachtete, Lehrplan verhindere, dass auf aktuelle, interessierte Fragen der Schüler eingegangen werden könne. Die, durch die Schulglocke streng eingehaltene, 45-Minuten-Taktung zerstückelt die Lernphasen unnötig. Die Strukturierung in wichtige Haupt- und unwichtigere Nebenfächer verhindere eine ganzheitliche Erziehung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zur Bedeutung der Reformpädagogik im Kontext des PISA-Schocks und Definition des Aufbaus der Arbeit.
2. Was versteht man unter Reformpädagogik?: Darstellung der historischen Entstehung, der zentralen Schulkritik der damaligen Zeit sowie der theoretischen Grundgedanken der Reformer.
3. Die wichtigsten Reformpädagogen und ihre Theorien: Detaillierte Vorstellung einflussreicher Persönlichkeiten wie Key, Kerschensteiner, Montessori, Steiner und Makarenko sowie ihrer jeweiligen pädagogischen Ansätze.
4. Das aktuelle deutsche Schulsystem: Analyse der organisatorischen und pädagogischen Struktur sowie Darstellung verschiedener in Deutschland existierender Reformschulmodelle.
5. Reformpädagogik heute: Erörterung der Aktualität klassischer Schulkritik sowie der Übertragbarkeit reformpädagogischer Elemente auf den heutigen Schulalltag.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Chancen und Risiken einer Umstrukturierung des deutschen Bildungssystems nach reformpädagogischen Idealen.
Schlüsselwörter
Reformpädagogik, Schulkritik, Montessori-Pädagogik, Waldorfpädagogik, Arbeitsschule, Jena-Plan, PISA-Studie, Bildungsgerechtigkeit, Selbsttätigkeit, Ganztagsschule, Schulentwicklung, Lehrerausbildung, Schulsystem, Individualisierung, Pädagogik vom Kinde aus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht, ob und wie reformpädagogische Konzepte des 19. und 20. Jahrhunderts dazu beitragen können, aktuelle Defizite des deutschen Schulsystems zu beheben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit deckt die historische Theoriebildung der Reformpädagogik, die Analyse des heutigen deutschen Schulaufbaus und die praktische Anwendung durch verschiedene Modellschulen ab.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Möglichkeiten und Hürden für die Integration reformpädagogischer Elemente in das heutige Schulwesen zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erkenntnisgewinnung verwendet?
Neben einer tiefgehenden Literaturanalyse führt die Autorin eine eigene Umfrage unter Lehrern und Schülern durch, um Daten über die Bekanntheit und Akzeptanz reformpädagogischer Ansätze zu erheben.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, die Vorstellung der wichtigsten Reformpädagogen, die Analyse des Ist-Zustands des deutschen Schulsystems und eine Auswertung von Reformschulbeispielen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Reformpädagogik, Schulkritik, Selbsttätigkeit, Ganzheitlichkeit sowie die Untersuchung von Selektionsmechanismen im deutschen Schulwesen.
Welche Bedeutung kommt der Umfrage in dieser Arbeit zu?
Die Umfrage liefert empirische Daten darüber, wie bekannt reformpädagogische Ansätze bei Lehrkräften sind und wie Schüler sowie Lehrer zentrale Kritikpunkte an der gegenwärtigen Schulsituation beurteilen.
Warum wird die Ganztagesschule als zentrales Element diskutiert?
Die Ganztagesschule wird als geeigneter Rahmen gesehen, um reformpädagogische Gemeinschaftselemente und individuelle Förderangebote außerhalb des klassischen Fächerkanons in den Schulalltag zu integrieren.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Reformbereitschaft?
Die Autorin stellt fest, dass Deutschland zwar den Anspruch an ein exzellentes Bildungssystem hat, jedoch durch hohe Kosten und Risiken bei einer flächendeckenden Umstrukturierung in einem Dilemma steckt.
- Quote paper
- Danielle Klußmann (Author), 2009, Reformpädagogik. Eine Chance für das deutsche Schulsystem?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1190290