Burnout im Lehrerberuf. Der Pädagoge im Spannungsfeld zwischen Anspruch und Wirklichkeit


Facharbeit (Schule), 2015

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Was versteht man unter Burnout?
2.2. Belastungsfaktoren im Lehrberuf
2.3. Welche Ansprüche werden an den Lehrer gestellt?
2.4. Der Spagat zwischen Anspruch und Wirklichkeit
2.5. Die Konsequenzen des Anspruchstrebens
2.6. Präventationsmaßnahmen
2.6.1. Verknüpfung des Lehrerberufs mit der Psychologischen Beratung
2.6.2. Erkennungsmöglichkeiten
2.6.3. Bewältigungsstrategien & Gegenmaßnahmen

3. Fazit

Literaturverzeichnis

Bücher

Internet

1. Einleitung

„Entweder du änderst deine Einstellung oder du landest irgendwann im Burnout.“ Diese unkonventionelle Aussage tätigte ein Kollege vor etwa einem Jahr. Anschließend begann ich mich mit dem Thema ‚Burnout im Lehrerberuf‘ zu beschäftigen. Daher war es für mich naheliegend in dieser Abschlussarbeit meinen Beruf mit dem Lehrgang zur Psychologischen Beraterin zu verknüpfen. Es ist mir ein Anliegen, dass mehr Lehrer erkennen, dass es einen Ausweg gibt, bevor sie in die Burnout-Spirale gelangen und wieder Spaß und Freude an ihrem Beruf haben, denn aus meiner Sicht ist es der schönste Beruf der Welt.

Da ich als Laie eine Burnout-Erkrankung, ebenso wie jede andere Erkrankung nicht diagnostizieren darf, habe ich mich auf die Prävention konzentriert. Nach einer kurzen Einordnung des Krankheitsbildes, beleuchte ich die Belastungsfaktoren im Bildungsbereich sowie die Ansprüche, die sowohl von außen an ihn herangetragen werden als auch vom Lehrer selbst kommen. Hieraus ergibt sich ein Spagat zwischen Anspruch und Wirklichkeit, welchen ich anschließend ebenso skizziere wie die möglichen Konsequenzen, welche diese Diskrepanz mit sich bringen kann.

Nach diesem theoretischen Teil verknüpfe ich im zweiten Teil meiner Arbeit den Lehrerberuf mit der Psychologischen Beratung und erkläre anhand von Beispielen, wie die Belastungsfaktoren erkannt werden können und welche Gegenmaßnahmen und Bewältigungsstrategien ergriffen werden können, sodass es erst gar nicht zu einer Burnout-Erkrankung kommt. Aufgrund des Umfangs kann dies selbstverständlich nur ein Auszug sein.

Die umfangreichste Studie zum Thema ‚Belastungen im Lehrberuf‘ ist die Potsdamer Lehrerstudie von 2007, auf welche ich mich statistisch beziehe.

Als Literatur diente mir zunächst das Werk von Manfred Nelting zum Thema Burnout im Allgemeinen sowie Wolfgang Hagemanns Buch, der sich speziell mit dem Thema ‚Burnout bei Lehrern‘ beschäftigt hat. Für die Präventionsstrategien lieferte Heike Frank gute Ideen.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde in dieser Arbeit auf eine geschlechtsspezifische Unterscheidung verzichtet. Die verwendeten Personenbezeichnungen sind geschlechtsneutral zu sehen.

2. Hauptteil

2.1. Was versteht man unter Burnout?

1974 führte der amerikanische Psychoanalytiker Herbert Freudenberger den Begriff ‚Burnout‘ ein. Unter Burnout versteht man einen völligen Erschöpfungszustand, ein ‚Ausgebrannt sein‘.1 Anfänglich als Syndrom in helfenden Berufen gesehen, entwickelte sich das Burnout im Laufe der Zeit zu einem in allen Berufs- und Altersgruppen auftretenden Krankheitsbild.2

Umgangssprachlich werden ‚Burnout‘ und ‚Burnout-Symptom‘ meist synonym verwendet. In der Fachsprache versteht man unter ‚Burnout-Symptom‘ jedoch „die Summe der Symptome und Krankheiten, unter denen jemand im selbst erlebten oder von den Personen der Umgebung so gesehenen bzw. vom Arzt diagnostizierten Burn-out leidet.“ 3 Unter dem Begriff ‚Burnout‘ versteht man in der Fachsprache hingegen „den weit fortgeschrittenen Krankheitsprozess als auch den vitalen (lebensbedrohlichen) Notfall, in dem ein Mensch zur Behandlung in ein Akut-Krankenhaus eingeliefert wird.“4 Da sich allgemein der Begriff ‚Burnout‘ durchgesetzt hat, werde ich hier diesen verwenden.

In der Internationalen Klassifikation der Erkrankungen (ICD-10) wird das Burnout im Abschnitt Z73 (Probleme mit Bezug auf die Lebensbewältigung) unter dem Diagnoseschlüssel Z73.0 erfasst.5 Das Burnout wird jedoch „als Rahmen- oder Zusatzdiagnose erfasst, nicht als Behandlungsdiagnose.“6 Diese Eingruppierung kommt daher, dass ein behandlungsbedürftiger Burnout nicht isoliert auftritt, sondern immer in Verbindung mit anderen Erkrankungen an Körper, Geist und/oder Seele. Zu den körperlichen Beschwerden gehören häufig Herz-Kreislauf-Probleme, Erkrankungen der Lunge, der Verdauung, des Immunsystems und im Bereich der Sinnesorgane sowie Hautirritationen, hormonelle Störungen und Stoffwechselprobleme.7 Ebenfalls typisch sind geistige Störungen wie Angstzustände, Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen, Interessens- und Leistungsverlust sowie Denkblockaden.8 Am häufigsten geht das Burnout wohl mit einer seelischen Erkrankung, speziell einer Depression, einher, welche sich in innerem Rückzug, depressiver Grundstimmung, Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit und Vernachlässigung der sozialen Beziehungen zeigt.9 Diese Auflistung macht deutlich, warum man als Psychologischer Berater einen Klienten mit Burnout-Symptomen an einen Therapeuten weitervermitteln muss und nicht selbst die Beratung übernehmen darf.

Lange Zeit galt das Burnout als Erkrankung vielbeschäftigter Manager und Menschen, die viel Ehrgeiz, Energie und Leidenschaft in ihren Beruf investieren. Inzwischen weiß man jedoch, dass Burnout „eine biopsychosoziale Krankheit ist, deren Ursachen sich nicht isoliert auf die Berufssituation zurückführen lassen.“10 Das bedeutet, dass ein stressiger Berufsalltag nicht zwingend zu einem Burnout führen muss; ebenso kann ein Angestellter mit einer gesunden Arbeitseinstellung in einen Burnout rutschen. Ein wichtiger Faktor, um sich vor einem Burnout zu schützen sind persönliche Bewältigungsstrategien im Umgang mit schwierigen Lebens- und Arbeitssituationen. Hierzu gehört die Achtung der eigenen Bedürfnisse, erkennen und durchsetzen der eigenen Grenzen und ein stabiles soziales Umfeld, welches frühzeitig unterstützt und Sicherheit gibt.11

2.2. Belastungsfaktoren im Lehrberuf

In den Jahren 2000 bis 2006 führten Wissenschaftler unter der Leitung von Prof. Dr. Uwe Schaarschmidt eine große Studie zum Thema Lehrergesundheit durch, die sog. Potsdamer Lehrerstudie. Hierbei wurde deutlich, dass bei über 60% eine Burnout-Gefährdung oder eine dauerhafte Gefährdung der Gesundheit durch Selbstüberforderung vorliegt. Diesen Wert erreicht keine andere Berufsgruppe.12 Schaut man sich die Faktoren13 an, die von Lehrern in dieser und ähnlichen Studien für die Gefährdung genannt werden, wird deutlich, dass es eine eklatante Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit gibt. Zur Verdeutlichung habe ich in der folgenden Grafik die Einflussfaktoren auf Lehrer optisch dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei der Betrachtung wird deutlich, dass praktisch alle Bevölkerungsgruppen einen Einfluss auf den Pädagogen haben, aus welchem sich Erwartungen an den Lehrer ergeben. Hinzu kommt seine persönliche Haltung zu seinem Beruf. Die Potsdamer Lehrerstudie hat ergeben, dass zwei Arbeits- und Verhaltensmuster bei Lehrern mit jeweils mehr als 30% besonders häufig vorzufinden sind. Das Risikomuster A, welches für Selbstüberforderung, exzessive Verausgabung und verminderte Erholungsfähigkeit sowie eine eingeschränkte Belastbarkeit und Zufriedenheit steht und das Risikomuster B, gekennzeichnet durch Resignation und reduziertes Engagement bei geringer Erholungs- und Widerstandsfähigkeit und Unzufriedenheit sowie Niedergeschlagenheit.14 Besonders Lehrer, die dem Risikomuster A angehören haben einen hohen Anspruch an sich selbst, welchem sie meist nicht gerecht werden können. Der Pädagoge bewegt sich also dauerhaft in einem Spannungsfeld von persönlichem Anspruch, kritischer Begutachtung von außen und dem realen Alltag.

2.3. Welche Ansprüche werden an den Lehrer gestellt?

Es stellt sich die Frage, welche Ansprüche konkret an den einzelnen Lehrer gestellt werden. Hierfür werde ich einige der oben genannten Einflussfaktoren beispielhaft näher erläutern.

Die Schulleitung hat primär den Anspruch, dass der Lehrer seinen Lehrauftrag erfüllt und den Schülern den vorgegebenen Stoff vermittelt, sodass diese am Ende ihrer Schullaufbahn die zentralen Abschlussprüfungen bestehen. Zudem erwartet die Schulleitung aber auch außerunterrichtliches Engagement, die Durchführung von Klassenfahrten, die Übernahme einer Klassenführung, Teilnahme an Fortbildungen, jedoch mit möglichst wenig Unterrichtsausfall, (auch kurzfristige) Übernahme von Vertretungsunterricht und vieles mehr.

Der Staat in Form der Kultusministerien erwartet primär die Umsetzung der Bildungspläne. Hinzu kommt die Umsetzung der nach dem PISA-Schock zahlreich durchgeführten Reformen, wie Verkürzung der Gymnasialzeit, Oberstufenreformen, Ausbau der Ganztagsschulen, etc.

Die Schüler erwarten interessanten Unterricht, der ihnen den Stoff nahebringt und sie gut auf die Prüfungen vorbereitet, eine permanente (geistige) Präsenz im gesamten Klassenzimmer, faire Noten, freundliche Lehrer. Verbunden jedoch mit der notwendigen Strenge und Konsequenz, was einen täglichen Balanceakt für den Pädagogen bedeutet.

Als neuer, junger Kollege in einem Kollegium hat man es nicht leicht. In den meisten Kollegien sind die Strukturen bereits so verfestigt und es herrscht so viel Resignation, dass engagierte, innovative Ideen neuer Kollegen im Keim erstickt werden.15 Dies ist besonders bemerkenswert, da sich die Altersstruktur der Kollegien in den letzten Jahren nach unten verändert hat. Dennoch sind auch die noch jungen Kollegen bereits so in diesem Muster von Konfliktvermeidung und Harmoniesucht gefangen, dass eine Veränderung fast unmöglich ist.

Ein sehr wichtiger Einflussfaktor, der in den letzten Jahren stark zugenommen hat, sind die Eltern. Grob gesagt, gibt es zwei problematische Sorten von Eltern: die Überbesorgten (umgangssprachlich Helikopter-Eltern genannt) und die Vernachlässigenden. Beide Sorten haben großen Einfluss auf den Lehrer und sein Wohlbefinden. Während die vernachlässigenden Eltern nie erreichbar sind, zu keinem Gespräch und Elternabend kommen und die Schule oft für völlig überbewertet halten, stehen die Helikopter-Eltern gerne auch unangemeldet vor dem Lehrerzimmer, überrumpeln den unvorbereiteten Lehrer mit der Erwartung sofort ein Gespräch führen zu wollen. Erschwerend kommt hier für den Lehrer die inzwischen normale permanente Erreichbarkeit hinzu. Ebenso wie viele Vorgesetzte erwarten Eltern umgehend Antwort auf ihre Mails, eine permanente Erreichbarkeit und kurzfristige Gesprächstermine. Dies führt bei Lehrern, ähnlich wie bei anderen Arbeitnehmern, zu einer ständigen Habacht-Stellung, welche sich auch körperlich auswirkt.16

[...]


1 Vgl. Nelting, Burnout, S.27.

2 Vgl. ebd.

3 Ebd. S.30.

4 Ebd.

5 Vgl. http://www.dimdi.de.

6 Nelting, Burnout, S.31.

7 Vgl. Hagemann, Burnout bei Lehrern, S.53.

8 Vgl. Hagemann, Burnout bei Lehrern, S.53.

9 Vgl. ebd.; Nelting, Burnout, S.47.

10 Ebd., S.13f.

11 Ebd.

12 Vgl. Frank, Lehrer am Limit, S.17.

13 Zu finden u.a. in Hagemann, Burnout bei Lehrern, S.15.

14 Vgl. www.bllv.de.

15 Vgl. Hagemann, Burnout bei Lehrern, S.45.

16 Vgl. Nelting, Burnout, S.93.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Burnout im Lehrerberuf. Der Pädagoge im Spannungsfeld zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Hochschule
Impulse e.V. - Schule für freie Gesundheitsberufe
Veranstaltung
Psychologische Beraterin
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
15
Katalognummer
V1190302
Sprache
Deutsch
Schlagworte
burnout, lehrerberuf, pädagoge, spannungsfeld, anspruch, wirklichkeit
Arbeit zitieren
Danielle Klußmann (Autor:in), 2015, Burnout im Lehrerberuf. Der Pädagoge im Spannungsfeld zwischen Anspruch und Wirklichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1190302

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