Die Arbeit beschäftigt sich mit Antisemitismus an der Bonner Universität zur Zeit des Deutschen Kaiserreichs. Hierbei werden die Einstellungen der verschiedenen Korporationen und anderer studentischer Gruppierungen zu antisemitischen Positionen beleuchtet. Außerdem wird sich mit der Entwicklung der jüdischen Studentenverbindungen in Bonn während der Kaiserzeit beschäftigt. Abschließend wird die Entwicklung des Antisemitismus innerhalb der Bonner Studentenschaft mit der Situation an anderen deutschen Universitäten verglichen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Situation der jüdischen Bevölkerung im Gebiet des deutschen Kaiserreiches im 19. Jahrhundert
3 Entwicklung des Antisemitismus in Deutschland
4 Die Rheinische Friedrich-Wilhelms Universität Bonn
5 Antisemitismus in der Bonner Studentenschaft
5.1 Der Verein Deutscher Studenten: „Die Speerspitze des Antisemitismus“
5.1.1 Antisemitenpetition
5.1.2 Politische Positionen des Dachverbandes „Kyffhäuserverband der Vereine Deutscher Studenten“ zur Zeit des Kaiserreiches
5.1.3 Prägende Persönlichkeiten
5.1.3.1 Adolf Stoecker
5.1.3.2 Heinrich von Treitschke
5.1.4 Der Bonner Verein Deutscher Studenten
5.1.5 „Ein weißer Rabe im Verein Deutscher Studenten“ Ein Bericht über das 25. Stiftungsfest des VDSt Bonn
5.2 Dachverbände der anderen Bonner Studentenverbindungen
5.2.1 Allgemeiner Deputierten Convent
5.2.2 Coburger Landsmannschafter Convent
5.2.3 Der Cartellverband und andere katholische Verbände
5.2.4 Der Wingolfsbund
5.2.5 Der Kösener Seniorenconvents Verband
5.2.6 Akademische Turnvereine
5.2.7 Reformburschenschaften
5.3 Die Bonner Finkenschaft
5.4 Juristische Vereine
6 Jüdische Verbindungen in Bonn
6.1 Die jüdische Verbindung Rheno-Silesia Bonn
6.1.1 Rheno Silesia und die Bonner Vertreterversammlung
6.1.2 Fechtbetrieb der Rheno-Silesia
6.2 Die Verbindung VJSt Kadimah Bonn
7 Bonn im Vergleich zu anderen Universitätsstädten
7.1 Die Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin
7.2 Leipzig
7.3 Albertus-Universität Königsberg
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Aufkommen und die Verbreitung des völkisch geprägten Antisemitismus an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn im Zeitraum zwischen der Reichsgründung 1871 und dem Beginn des Ersten Weltkrieges, um dessen Stellenwert innerhalb der studentischen Kultur im Vergleich zu anderen deutschen Universitätsstädten einzuordnen.
- Entwicklung des organisierten studentischen Antisemitismus
- Die Rolle des "Vereins Deutscher Studenten" (VDSt)
- Konflikte und Positionierungen der verschiedenen studentischen Dachverbände
- Existenz und Herausforderungen jüdischer Studentenverbindungen
- Vergleichende Analyse der Situation in Bonn, Berlin, Leipzig und Königsberg
Auszug aus dem Buch
5.1.1 Antisemitenpetition
Die Gründung der Vereine Deutscher Studenten ab dem Jahr 1881 wurde wesentlich durch die sogenannte Antisemitenpetition aus dem Jahr 1880 bedingt. Die Antisemitenpetition kann nicht nur als maßgeblich für die Gründung dieser Vereine betrachtet werden, sondern als eine Grundlage für die Entstehung des gesamten organisierten studentischen Antisemitismus.
In den Gebieten des späteren Deutschen Kaiserreiches waren die Bürger jüdischen Glaubens seit 1869 rechtlich mit der übrigen Bevölkerung gleichgestellt. Im Alltag änderte dies jedoch wenig an der Skepsis, mit der die übrige Bevölkerung die jüdischen Deutschen betrachtete. Als es ab dem Jahr 1873 zu einer Wirtschaftskrise, der sogenannten Gründerkrise, kam, wandelte sich diese Skepsis in Antisemitismus, oft unter dem Deckmantel der Kritik am Wirtschaftssystem.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema des völkisch geprägten Antisemitismus an Universitäten im deutschsprachigen Raum ein und erläutert den Fokus auf die Situation in Bonn.
2 Situation der jüdischen Bevölkerung im Gebiet des deutschen Kaiserreiches im 19. Jahrhundert: Das Kapitel skizziert die rechtliche Entwicklung der Emanzipation der jüdischen Bevölkerung im 19. Jahrhundert, die von Phasen der Gleichstellung bis hin zur Stigmatisierung im Zuge gesellschaftlicher Krisen reichte.
3 Entwicklung des Antisemitismus in Deutschland: Hier wird der historische Wandel vom religiös motivierten Antijudaismus hin zum rassenbiologisch argumentierenden, völkischen Antisemitismus der 1870er Jahre dargelegt.
4 Die Rheinische Friedrich-Wilhelms Universität Bonn: Das Kapitel beschreibt das akademische Milieu in Bonn, geprägt von der Gründung der Universität im Jahr 1818 und den sich entwickelnden studentischen Subkulturen und Konfliktlinien.
5 Antisemitismus in der Bonner Studentenschaft: Dieses zentrale Kapitel analysiert detailliert, wie sich der Antisemitismus in verschiedenen Verbindungen, insbesondere dem VDSt, und deren Dachverbänden in Bonn äußerte und institutionalisierte.
6 Jüdische Verbindungen in Bonn: Der Fokus liegt hier auf der Entstehung und dem schwierigen Alltag jüdischer Studentenverbindungen, wie Rheno-Silesia und VJSt Kadimah, als Antwort auf die Ausgrenzung.
7 Bonn im Vergleich zu anderen Universitätsstädten: Das Kapitel vergleicht die Bonner Verhältnisse mit den Entwicklungen in Berlin, Leipzig und Königsberg, um Besonderheiten der Bonner Situation hervorzuheben.
Schlüsselwörter
Antisemitismus, Studentenschaft, Bonn, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Kaiserreich, Verbindungswesen, Verein Deutscher Studenten, Rheno-Silesia, VJSt Kadimah, Antisemitenpetition, Völkischer Antisemitismus, Studentenpolitik, Studentische Dachverbände, Studentenverbindungen, Akademischer Kulturkampf
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit behandelt die Entstehung und Verbreitung des Antisemitismus in der Bonner Studentenschaft zwischen der Reichsgründung 1871 und dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Entwicklung des studentischen Korporationswesens, die politischen Ideologien der Verbände (insbesondere der VDSt) und die daraus resultierende Ausgrenzung oder Emanzipation jüdischer Studenten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, das Ausmaß und die Spezifika des Antisemitismus an der Bonner Universität wissenschaftlich zu erfassen und in den Kontext der deutschlandweiten akademischen Entwicklungen dieser Zeit zu setzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Arbeit, die auf der Auswertung zeitgenössischer Quellen, Verbandsunterlagen, zeitgenössischer Fachliteratur und einschlägiger Forschungsliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Rolle einzelner Organisationen wie des Vereins Deutscher Studenten, vergleicht verschiedene Dachverbände und beleuchtet die spezifische Situation jüdischer Verbindungen in Bonn.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Antisemitismus, studentisches Verbindungswesen, Kaiserreich, völkisches Denken und Universität Bonn charakterisieren.
Warum spielt die sogenannte "Gründerkrise" eine zentrale Rolle für das Thema?
Die Wirtschaftskrise ab 1873 diente vielen Antisemiten als Sündenbock-Szenario, um Ressentiments gegen jüdische Mitbürger unter dem Deckmantel der Wirtschaftskritik in der Gesellschaft und an den Universitäten zu schüren.
Welchen Stellenwert hatten die jüdischen Verbindungen Rheno-Silesia und Kadimah?
Sie fungierten als notwendige Schutzräume für jüdische Studenten, die in den meisten anderen studentischen Korporationen aufgrund ihrer Religion oder Abstammung systematisch ausgegrenzt wurden.
Wie unterscheidet sich die Situation in Bonn von der in Berlin?
Während Berlin als ein Zentrum der "Berliner Bewegung" einen sehr starken und offensiven Antisemitismus verzeichnete, war der Antisemitismus in der Bonner Studentenschaft zwar präsent, erreichte jedoch nie die gleiche Intensität und Breitenwirkung wie an der Berliner Universität.
- Arbeit zitieren
- Thilo Becker (Autor:in), 2021, Antisemitismus in der Bonner Studentenschaft zwischen Reichsgründung und dem Ersten Weltkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1190333