Reformation und Puritanismus

Ursprung und Aufstieg des Puritanismus im Zeitalter der Reformation


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Von Heinrich VIII. bis Elisabeth
2.1. Die Gründung der Staatskirche – Heinrich VIII
2.2. Reformation und altgläubige Restauration – Edward VI. und Maria
2.3. „Elizabethan Settlement“ – Elisabeth I
2.4. Forschungsstand

3. Ursprung und Aufstieg des Puritanismus
3.1. Die Geburt der puritanischen Partei
3.2. Separatismus
3.3. Die theologische Antwort

4. Quintessenz

5. Literatur

1. Einleitung

Schlagzeilen, Reportagen, Bücher – die USA ist in den deutschen Medien sehr präsent. Im Jahr 2008 werden die Präsidentschaftswahlen mitverfolgt. Bei der Beschäftigung mit dem drittgrößten Land der Erde (Bevölkerung) wird häufig dessen religiöses Leben thematisiert. Eine besondere Rolle wird dabei dem Puritanismus zugesprochen:

Kaum eine Diskussion um die kulturellen Besonderheiten der Vereinigten Staaten kommt ohne den Hinweis auf das puritanische Erbe dieses Landes aus.[1]

Das Heimatland der „Pilgrim fathers“ war England, hier finden sich ihre Wurzeln. Die Hausarbeit beschäftigt sich mit den Anfängen des Puritanismus, den historischen Hintergrund dazu stellt die Reformationsgeschichte Englands dar. Um dem Rahmen des Seminars „Geschichte der Reformation“ Rechnung zu tragen, wird der Forschungsstand zur Englischen Reformation skizziert. Hierbei erwies sich die Überblicksdarstellung von Ehrenpreis und Lotz-Heumann in Reformation und konfessionelles Zeitalter[2] als wertvolle Hilfe. Unentbehrlich für die Beschäftigung mit der Geschichte des Puritanismus ist Deppermanns Aufsatz „Der Englische Puritanismus“[3]. Als nützlich erwiesen sich auch die Darstellungen von Greyerz in England im Jahrhundert der Revolutionen 1603-1714[4] und Religion und Kultur. Europa 1500-1800[5]. Als Nachschlagewerk, gerade auch für weiterführende Literaturhinweise, kann Wende Großbritannien 1500-2000[6] dienen.

„Puritaner“ – was zunächst ein Spottname war – sei eine Sammelbezeichnung für alle nonkonformistischen, calvinistischen Gruppen am Rande der englischen Staatskirche gewesen, so Hochgeschwender, die energisch dafür eingetreten seien, den Anglikanismus von sämtlichen papistischen, katholischen Relikten, namentlich in der Liturgie, aber auch im Bereich der kirchlichen Institutionen, der Hierarchie und der Theologie zu reinigen.[7]

Im folgenden ersten Teil wird ein Überblick über die Reformationsgeschichte Englands gegeben, mit Hinweisen auf die puritanische Bewegung, um dann im zweiten Teil der Arbeit den Ursprung und die Anfänge des Puritanismus offen zulegen.

2. Von Heinrich VIII. bis Elisabeth

2.1. Die Gründung der Staatskirche – Heinrich VIII.

Die englische Reformation wird von Wende in zwei Etappen unterteilt: zum einen die Kirchentrennung von Rom und zum anderen die theologische und schließlich allgemein religiöse Erneuerung im Zeichen des Protestantismus.[8] Die Trennung von Rom war nicht aus einer theologischen Kritik der bestehenden kirchlichen Verhältnisse erwachsen, sondern „das politische Kalkül monarchischer Staatsraison.“[9] Heinrich VIII. hatte kurz nach seiner Thronbesteigung 1509 Katharina von Aragon geheiratet, die in 15 Ehejahren lediglich eine Tochter gebar, was keine sichere Thronfolge garantierte. Die Scheidung der Ehe mit Zustimmung des Papstes scheiterte daran, dass dieser in unmittelbarer politischer Abhängigkeit von Karl V. stand, gegen den England gerade im System der europäischen Allianz Position bezogen hatte und der zudem ein Neffe Katharinas war. In dieser Situation habe Heinrich mit seinem leitenden Minister Thomas Cromwell eine Politik der Repressionen gegenüber der Kirche bzw. den Heiligen Stuhl geleitet, die schließlich in der Trennung von Rom und der Einrichtung einer englischen Nationalkirche gegipfelt sei.[10] Die Verfügung Act of Supremacy (1534) gibt an:

That the king…shall be taken, accepted and reputed the only supreme head in earth of the Church of England, called Anglicana Ecclesia.[11]

In seinem Reich trat Heinrich VIII. damit an die Stelle des Papstes, die englische Kirche war fortan Nationalkirche im Kompetenzbereich staatlicher Souveränität.

Zwar habe unter Heinrich eine Öffnung für die protestantischen Lehre stattgefunden, doch sei der „Defender of the Faith“, wie in der Papst 1521 aufgrund seines Widerstandes gegen Luther noch tituliert habe, bei seiner orthodoxen Grundeinstellung, insbesondere am Ende seiner Regierungszeit, geblieben.[12] Die nächsten drei Jahrhunderte seien geprägt worden durch die Spannung zwischen den politischen Ergebnissen und den religiösen Konsequenzen der Reformation:

Auf der einen Seite setzte die Umwandlung der Kirche in eine Staatskirche mit dem Herrscher an der Spitze aus politischen Gründen die Einheit des Glaubens um die Einheit des Staates willen voraus; auf der anderen Seite war mit der Freigabe der Diskussion von Glaubensdingen die Voraussetzung für die Formulierung und Etablierung dissertierender Meinungen geschaffen. Religion und Politik waren daher untrennbar miteinander verknüpft und dementsprechend änderte die offizielle Kirchenpolitik nach dem Tode Heinrichs VIII. 1547 dreimal radikal ihren Kurs.[13]

2.2. Reformation und altgläubige Restauration – Edward VI. und Maria

Zunächst wurde der Protestantismus unter der Herrschaft seines Sohnes Eduard VI. (Regierungszeit: 1547-1553) zur Staatsreligion.[14] Unter ihm, so urteilt Greyerz, habe die Staatskirche die Gestalt angenommen, die sie in ihren Grundzügen bis zum Bürgerkrieg in den 1604er Jahren beibehalten habe.[15] Hierzu zähle eine im wesentlichen protestantische, vor allem zwinglianisch-calvinistische, d.h. reformierte Ausrichtung der Lehre, gepaart mit einer in ihren hauptsächlichen Elementen katholische gebliebenen Form des Gottesdienstes und all dies sei aufgehoben in einer bischöflichen Kirchenorganisation mit den Erzbischöfen von York und Canterbury an der Spitze.[16] Seine Nachfolgerin Maria die Katholische versuchte in ihrer kurzen Regierungszeit (1553-1558) die gesamte Reformation rückgängig zu machen. Etwa 300 Protestanten, darunter der Bischof Thomas Cranmer, wurden unter „Bloody Marie“ verbrannt. Die sechs Jahre der Rekatholisierung des Landes seien für die Geschichte, so Greyerz, vor allem in zweierlei Hinsicht von Belangen gewesen: Zum einen habe der Puritanismus eine breite Wirkung erzielen können, weil man nicht müde geworden wäre, die katholische Gefahr – zum Teil unter apokalyptischen Vorzeichen – zu beschwören und zum anderen sei eine große Zahl protestantischer Geistlicher ins Exil gegangen („marianische Exulanten“).[17] In Emden, Frankfurt, Basel, Zürich und Genf seien sie in direkten Kontakt insbesondere mit der reformierten kirchlich-religiösen Tradition des Kontinents in Kontakt getreten.[18] Unter dem Eindruck der persönlichen Erfahrung des kontinentaleuropäischen Protestantismus haben manche unter ihnen die Reformation als ein unvollständiges Werk empfunden.[19] Der nächste Wechsel der religiösen Ausrichtung Englands setzte dann mit dem Regierungsantritt Elisabeths (1558-1603) ein, der jedoch das Unbehagen der heimkehrenden Exulanten über die Unvollständigkeit der Reformation nicht beseitigen konnte.

[...]


[1] Hochgeschwender, Michael: Amerikanische Religion. Evangelikalismus, Pfingstlertum und Fundamentalismus. Frankfurt am Main/ Leipzig 2007, S. 32.

[2] Ehrenpreis, Stefan/ Lotz-Heumann, Ute: Reformation und konfessionelles Zeitalter (Reihe: Kontroversen um die Geschichte) Darmstadt 2002.

[3] Deppermann, Klaus: „Der Englische Puritanismus.“ In: Martin Brecht (Hg.): Der Pietismus vom siebzehnten bis zum frühen achtzehnten Jahrhundert. (Geschichte des Pietismus Bd. 1) Göttingen 1993, S. 11-55.

[4] Von Greyerz, Kaspar: England im Jahrhundert der Revolutionen 1603-1714. Stuttgart 1994.

[5] Von Greyerz, Kaspar: Religion und Kultur. Europa 1500-1800. Göttingen 2000.

[6] Wende, Peter: Großbritannien 1500-2000. (Oldenbourg Grundriss der Geschichte Bd. 32) München 2001.

[7] Vgl. Hochgeschwender: Amerikanische Religion, S. 36.

[8] Vgl. Wende: Großbritannien 1500-2000. S. 64.

[9] Ebd., S. 64.

[10] Vgl. ebd., S. 64.

[11] Zit. n. ebd., S. 65.

[12] Vgl. ebd., S. 66 u. 67.

[13] Ebd., S. 67.

[14] Zu der Frage, wann sich der Protestantismus durchgesetzt hat, siehe Punkt 2.4. „Forschungsstand“.

[15] Vgl. Von Greyerz: England im Jahrhundert der Revolutionen, S. 77.

[16] Vgl. ebd., S. 77.

[17] Vgl. Von Greyerz: Religion und Kultur. Europa 1500-1800, S. 137.

[18] Vgl. ebd., S. 137.

[19] Vgl. ebd., S. 137.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Reformation und Puritanismus
Untertitel
Ursprung und Aufstieg des Puritanismus im Zeitalter der Reformation
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Hauptseminar "Geschichte der Reformation"
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V119037
ISBN (eBook)
9783640221943
ISBN (Buch)
9783640223725
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Reformation, Puritanismus, Hauptseminar, Geschichte, Reformation
Arbeit zitieren
Philipp vom Stein (Autor:in), 2007, Reformation und Puritanismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119037

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