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Werther, Literatur und Dilettantismus

Die eingenommene Seele und der tote Buchstabe

Title: Werther, Literatur und Dilettantismus

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 21 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Philipp vom Stein (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Goethes schriftstellerischer Durchbruch endet blutig – mit Werthers Selbstmord.
Auf dem Pult lag Emilia Galotti aufgeschlagen. Die Beziehung des Protagonisten
zur Literatur ist ein Erzählstrang, der sich durch den ganzen Roman hindurchzieht:
Werther ist ein lesender Held. „Werther lebt nicht nur mit und von der Literatur, er
stirbt auch mit ihr, um nicht zu sagen: an ihr.“ Den Funktionen seiner wechselnden
Lektüre nachzugehen ist Aufgabe der Hausarbeit. Dabei liegt der Betrachtungsschwerpunkt
auf Werthers Lektüre von James Macphersons (1736-1796) Ossian.
Im Zusammenhang mit der Frage nach Werthers Verhältnis zu Kunst bzw. Literatur
wird in der Forschung häufig auf einen Aspekt der Gesamtdeutung aufmerksam
gemacht – die Betrachtung Werthers als Dilettanten. Exemplarisch sei auf Pütz’
Einleitung seines Aufsatzes Werthers Leiden an der Literatur aufmerksam gemacht,
in der er die Bemerkung Thomas Manns, Goethe habe sich nicht umgebracht,
weil er den Werther zu schreiben gehabt habe, umkehrt:
Werther tötet sich, weil er nichts zu schreiben hatte, nichts jedenfalls,
was seinen Ansprüchen genügt hätte.
Einführend soll so ein Überblick über Werther als Leser und Dilettant gegeben werden,
wobei die Klopstockszene und seine Lektüre der Odyssee skizziert wird. Bei
diesem Überblick erwies sich Marx’ Studie Erlesene Helden als unentbehrlich und
für die Dilettantismusproblematik sei auf Vagets Aufsatz Die Leiden des jungen
Werthers hingewiesen. Für den Hauptteil der Arbeit, die Beschäftigung mit Macphersons
Dichtung, erwies sich besonders das Kapitel Der ästhetisch-poetische
Diskurs: Ekstase, Entsagung und Erinnerung – die Funktionen der ossianischen
Gedichte im Werther aus der Dissertation Schmidts als nützlich. Wenn nicht anders angegeben, wird die Textfassung von 1787 (Leiden des jungen
Werthers) zitiert. Der Briefroman erschien 1774 unter dem Titel Die Leiden des
jungen Werthers.

[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Werther als Leser

2.1. „Laß mir sie vom Halse!“ – die Geniepose

2.2. „Klopstock“ – die Losung

2.3. „Mein Homer“ – die archaische Welt

3. „Könntest du das ausdrücken“ – Werther als Dilettant

4. Ossian – der „Homer des Nordens“

4.1. Wie mir Ossian gefiele

4.2. Ossian verdrängt Homer

4.3. Die Gesänge Ossians

4.3.1. Das Vorspiel

4.3.2. Das Vorlesen der Gesänge

5. Quintessenz

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Hausarbeit untersucht die zentrale Rolle der Literatur im Roman „Die Leiden des jungen Werthers“ von J.W. von Goethe. Der Fokus liegt dabei auf der Analyse von Werther als lesendem Helden und Dilettanten, wobei insbesondere die funktionale Bedeutung der Lektüre von Homer und James Macphersons Ossian für Werthers Selbstbild und sein Verhältnis zur Welt sowie seine letztendliche Lebenskatastrophe ergründet werden.

  • Werther als lesender Held und Dilettant
  • Die Funktion literarischer Referenzen (Homer, Klopstock, Ossian)
  • Das Spannungsfeld zwischen ästhetischem Erleben und künstlerischer Unfähigkeit
  • Die Identifikation mit literarischen Vorbildern und deren Einfluss auf den Suizid

Auszug aus dem Buch

3. „Könntest du das ausdrücken“ – Werther als Dilettant

In seiner „glänzenden Studie“ zu diesem Thema zeichnet Vaget ein gelungenes Portrait eines Dilettanten: Es sind Menschen, deren fein differenzierte Fähigkeit zum Empfinden an ihrer Unfähigkeit zum Tun zuschanden wird und die die subjektiven Bedingungen ihres Handelns mit objektiven verwechseln – kurz Menschen, die in permanenter Selbsttäuschung leben.

Lessings Emilia Galotti taucht namentlich zwar erst in der Schlussszene des Werthers auf, wird aber schon im zweiten Brief des Romans (10. Mai) „herbeizitiert“. Werther beschreibt in diesem Brief, wie ihn die Natur beeindruckt und er dies nicht recht auszudrücken weiß: Ich könnte jetzt nicht zeichnen, nicht einen Strich, und bin nie ein größerer Mahler gewesen als in diesen Augenblicken.

Das literarische Vorbild scheint hier Conti zu sein, der in einem Dialog mit dem Prinzen Gonzaga darstellt, dass bei dem langen Weg aus dem Auge durch den Arm in den Pinsel viel verloren gehe und dass er aus dem Verlorengegangenen erkenne, dass er wirklich ein großer Maler sei, dass es aber seine Hand nicht immer sei.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung etabliert Werther als lesenden Helden und definiert die Untersuchung von dessen Lektüren – primär Homer und Ossian – als Untersuchungsgegenstand zur Beleuchtung des Dilettantismus-Motivs.

2. Werther als Leser: Dieses Kapitel analysiert Werthers differenziertes Verhältnis zu Büchern, seine Ablehnung der Gelehrsamkeit zugunsten der Genie-Ästhetik sowie die identitätsstiftende Rolle von Klopstock und Homer.

3. „Könntest du das ausdrücken“ – Werther als Dilettant: Hier wird Werthers Scheitern als Künstler beleuchtet, wobei seine Unfähigkeit, das ästhetische Erleben in künstlerische Gestaltung zu überführen, als zentrales Dilettantismus-Merkmal herausgearbeitet wird.

4. Ossian – der „Homer des Nordens“: Dieser Abschnitt untersucht den Übergang von Homer zu Ossian, dessen Funktion für die Eskalation von Werthers Todessehnsucht sowie die Rolle der gemeinsamen Lektüre mit Lotte.

5. Quintessenz: Das abschließende Kapitel fasst Werthers Selbstdeutung als Opfer für Lotte zusammen und reflektiert die verschiedenen wissenschaftlichen Ansätze zur Ursachenbestimmung seines Suizids.

Schlüsselwörter

Werther, Johann Wolfgang von Goethe, Literatur, Dilettantismus, Homer, Ossian, James Macpherson, Lektüre, Genie-Ästhetik, Suizid, Identität, Empfindsamkeit, ästhetischer Diskurs, Klopstock, Literaturrezeption

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit analysiert die fundamentale Bedeutung literarischer Lektüre für die Charakterisierung und den Werdegang der Titelfigur in Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“.

Welche Autoren und Texte stehen im Fokus der Untersuchung?

Neben Goethes Roman bilden insbesondere die Schriften von James Macpherson (Ossian) sowie Referenzen auf Homer, Klopstock und Lessings Emilia Galotti die zentralen Bezugspunkte.

Was ist die Forschungsfrage hinsichtlich des Dilettantismus?

Die Arbeit geht der Frage nach, wie sich Werthers Unfähigkeit zur künstlerischen Produktion bei gleichzeitig hohem ästhetischen Empfindungsvermögen als Dilettantismus manifestiert und wie dieser zur Lebenskatastrophe beiträgt.

Welche methodischen Ansätze werden zur Analyse genutzt?

Es werden rezeptionsästhetische Methoden, intertextuelle Analysen sowie Ansätze der Diskursanalyse angewandt, um Werthers Verhältnis zur Literatur zu entschlüsseln.

Welche Rolle spielt die Ossian-Lektüre für den Ausgang des Romans?

Die Ossian-Lektüre wird als Katalysator für Werthers Identitätsfindung und letztlich als Medium zur Legitimation seines Suizids im zweiten Teil des Romans gedeutet.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?

Die zentralen Schlagworte sind Werther, Dilettantismus, Literaturrezeption, Identität, Ossian, Homer und der ästhetische Diskurs der Genie-Epoche.

Warum wird Werther als „Dilettant“ bezeichnet?

Werther wird als Dilettant beschrieben, weil sein exzessives, mediales Erleben der Welt durch die Brille der Literatur eine reale, gestalterische Umsetzung verhindert und ihn in eine permanente Selbsttäuschung führt.

Welche Bedeutung hat das „Vorlesen der Gesänge“ durch Werther?

Das Vorlesen fungiert als Versuch der poetischen Distanzschaffung zu Lotte und dient gleichzeitig als entscheidender Moment für die Verschmelzung von Werthers Identität mit den ossianischen Helden.

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Details

Title
Werther, Literatur und Dilettantismus
Subtitle
Die eingenommene Seele und der tote Buchstabe
College
University of Wuppertal
Course
Hauptseminar "Goethes Romane"
Grade
1,7
Author
Philipp vom Stein (Author)
Publication Year
2008
Pages
21
Catalog Number
V119038
ISBN (eBook)
9783640221950
ISBN (Book)
9783640223732
Language
German
Tags
Werther Literatur Dilettantismus Hauptseminar Goethes Romane
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Philipp vom Stein (Author), 2008, Werther, Literatur und Dilettantismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119038
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