Perikles, ein charismatischer Redner und Staatsmann, Schaffer der Demokratie und Repräsentant der Blütezeit des griechischen Athens im 5. Jahrhundert v. Chr. In der allgemeinen Auffassung gilt das „perikleische Zeitalter“ als Inbegriff der aufglänzenden klassisch-griechischen Kultur. Doch die spärlichen historischen Quellen und Zeitzeugen deuten ebenso darauf hin, Perikles hätte in seiner Zeit als Stratege eine Tyrannis etabliert und ähnlich einem Monarchen regiert.
Die folgende Ausarbeitung setzt sich mit der Frage auseinander, ob der Vergleich des Perikles mit einem „Tyrannos“ berechtigt sein könnte. Um das Jahr 430 v.Chr. glich das Bild eines Tyrannen dem Gegenteil eines demokratischen Herrschers. Eine Tyrannis „gewährt […] weder Gleichheit und polit. Mitwirkung noch legt sie Rechenschaft ab. Der [Tyrann] ist gewalttätig, zugänglich für Schmeichler, ruhmsüchtig, habgierig und überheblich.“
War die Person des Perikles mit seinen politischen Handlungen mit solch einer Begrifflichkeit gleichzusetzen oder glich seine Charakteristik doch eher einem demokratischen Staatsmann? Was hat es damit auf sich, dass der berühmt berüchtigte Perikles, der sonst als Schaffer der Demokratie, als Friedenspolitiker bezeichnet wird, doch so oft von HistorikerInnen und Zeitgenossen als Tyrann in einen Zusammenhang gebracht wird?
Zur Begründung der Auswahl der Fragestellung ist zu betonen, dass die Begrifflichkeiten „Tyrann“ und „Demokratie“ in der Zeit der alten Geschichte auflebten und auch heute von großer Aktualität sind. Das Thema erscheint in der Geschichtsforschung als zeitlos und ist von der Vergangenheit bis in die Gegenwart von wichtiger Bedeutung.
Im Hinblick auf die Fragestellung soll diese Arbeit, nach einer kurzen Begriffserklärung des „Tyrannos“ und der „Tyrannis“, die Person und das Leben des Perikles sowie sein Einstieg in die athenische Politik kurz betrachten. Weiterhin bezieht sich die Arbeit auf einige Aspekte der Handlungen und Taten des Perikles, um Bezug auf seine vermeintlich demokratische Herrschaft zu nehmen und somit den Vorwürfen seiner Tyrannenherrschaft auf den Grund gehen. Hierbei ist zu erwähnen, dass der Bezug auf Perikles Außenpolitik sowie auf den peloponnesischen Krieg (431 - 404 v. Chr.) den Rahmen der Arbeit überschreiten würde und deshalb weniger Einfluss auf die Untersuchungen nimmt. Vielmehr geht es um die Person des Perikles und sein Wirken in Bezug auf seine politische Machtergreifung in Athen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffserklärung und Bedeutungswandel „Tyrannos“ (Tyrann) und „Tyrannis“
3. Der Aufstieg des Perikles in die athenische Politik
3.1 Perikles als Tyrann in Bezug auf seine politischen Handlungen
4. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die kritische Fragestellung, inwiefern der athenische Staatsmann Perikles berechtigterweise als Tyrann bezeichnet werden kann. Dabei wird analysiert, ob sein politisches Handeln tatsächlich den Idealen der athenischen Demokratie entsprach oder ob es, trotz seiner Rolle als Vorkämpfer der Demokratie, Züge autokratischer oder tyrannischer Herrschaftsausübung aufwies.
- Semantische Untersuchung der Begriffe „Tyrann“ und „Tyrannis“ im antiken Kontext.
- Biographische und politische Analyse des Aufstiegs von Perikles.
- Kritische Beleuchtung von Machtmitteln wie dem Bauprogramm auf der Akropolis.
- Gegenüberstellung von demokratischer Rhetorik und machtpolitischem Kalkül.
Auszug aus dem Buch
3.1 Perikles als Tyrann in Bezug auf seine politischen Handlungen
Nach der im vorherigen Kapitel kurzen Darlegung der ersten Lebensabschnitte des Perikles, ist von einem tyrannischen Strategen noch kaum eine Spur zu erkennen. Der junge Perikles erweckt eher den Anschein eines vernünftigen Demokraten, der nicht unbedingt egoistisch denkt, sondern eher für das Volk handelt. Seine familiäre Abstammung von dem demokratieschaffenden Kleisthenes, sein überaus guter Bildungsstand oder seine Begabung als hervorragender Redner erscheint bis jetzt mit dem Bild eines demokratischen Staatsmannes übereinzustimmen. Gerade deshalb stellt sich die Frage, weshalb den Perikles doch eher „die Herrschaft des ersten Mannes“ vorgeworfen und er der Tyrannei bezichtigt wird.
Zu betonen ist, dass viele große Reformen, die Perikles zwischen 460 und 455 im Sinne der Demokratie Athens ausgebaut haben soll, entweder nicht auf ihn selbst zurück geführt werden können oder einer späteren Zeit und anderen Absichten entstammen. Daher können bereits viele Argumente, die für Perikles als demokratischen Staatsmann sprechen, angezweifelt werden.
„Aus diesem Grunde führte Perikles zu jener Zeit das Volk besonders locker im Zügel und richtete seine Politik so ein, daß sie der Menge wohlgefiel. Stets wußte er in der Stadt irgendein feierliches Schauspiel, einen öffentlichen Schmaus oder Aufzug zu veranstalten und den Athenern gediegene Unterhaltung und Belustigung zu bieten.“
Wie der Quellenauszug von Plutarch zeigt, wollte bzw. musste sich Perikles vor allem am Anfang seines politischen Aufstiegs Ansehen und Bewunderung bei dem Volk schaffen. Einerseits geschah dies eine demokratischen Handlungen, wie zum Beispiel seine Einführung der „Remunerations- und Sicherungssysteme für die Polisbürger“, welche eine Form der Sozialhilfe für „Kriegswaisen und Hinterbliebenen“ sowie für „Behinderte und Erwerbsunfähige“ darstellte. Des Weiteren sorgte Perikles für Ablenkung und Unterhaltung des Volkes im Sinne von öffentlichen Festen und Veranstaltungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Person des Perikles ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage, ob der Vergleich des Politikers mit einem Tyrannen gerechtfertigt ist.
2. Begriffserklärung und Bedeutungswandel „Tyrannos“ (Tyrann) und „Tyrannis“: In diesem Kapitel wird die semantische Entwicklung der Begriffe analysiert, wobei der Fokus auf dem Wandel vom aristokratischen Kampfbegriff zur allgemeinen Bezeichnung für antidemokratische Herrscher liegt.
3. Der Aufstieg des Perikles in die athenische Politik: Das Kapitel beleuchtet die familiäre Herkunft, die Ausbildung und die frühen politischen Schritte des Perikles bis hin zu seiner Etablierung als führender Stratege.
3.1 Perikles als Tyrann in Bezug auf seine politischen Handlungen: Hier werden spezifische politische Maßnahmen, wie das Akropolis-Bauprogramm und die Strategie der Volksunterhaltung, kritisch auf ihre tyrannischen Züge hin untersucht.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Tyrannen-Vorwürfe gegen Perikles vor allem aus einem Spannungsfeld zwischen demokratischer Rhetorik und tatsächlicher machtpolitischer Dominanz resultieren.
Schlüsselwörter
Perikles, Athen, Antike, Demokratie, Tyrann, Tyrannis, Machtpolitik, Akropolis, Stratege, politisches Handeln, Plutarch, Volksherrschaft, Staatsmann, Kleisthenes, Macht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch das Bild des athenischen Politikers Perikles im Spannungsfeld zwischen demokratischem Staatsmann und tyrannischem Herrscher.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die historische Einordnung der Begriffe „Tyrann“ und „Tyrannis“, die biographische Entwicklung des Perikles sowie seine spezifischen politischen Instrumente der Machtausübung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es zu klären, ob der Vorwurf einer „Herrschaft des ersten Mannes“ beziehungsweise einer tyranneiähnlichen Regierungsweise historisch durch das politische Handeln des Perikles stützbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quellenkritische Analyse vorgenommen, wobei vor allem die antiken Berichte von Plutarch sowie moderne biographische Forschung zu Perikles herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden neben der Begriffsgeschichte insbesondere die politische Strategie des Perikles, sein Auftreten als Stratege und die Finanzierung sowie symbolische Bedeutung seiner Bauprojekte untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Demokratie, Tyrannis, Perikles, Machtpolitik und athenische Politik charakterisiert.
Inwiefern spielte die Akropolis-Baupolitik eine Rolle bei den Tyrannenvorwürfen?
Die Finanzierung der Bauten durch Gelder des Seebundes wurde von Zeitgenossen als Ausdruck von Selbstüberhebung und als Missbrauch öffentlicher Gelder wahrgenommen, was Vergleiche mit tyrannischer Machtausübung provozierte.
Wie beeinflusste das „Sowohl-als-auch“ der Quellen die Bewertung des Perikles?
Die Quellen zeichnen ein widersprüchliches Bild: Perikles agierte einerseits innerhalb demokratischer Strukturen, schuf sich aber andererseits eine nahezu unangefochtene Machtposition, die bei Kritikern den Anschein einer Alleinherrschaft erweckte.
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- Anonym (Author), 2021, Perikles. Sinnbild des demokratischen Staatsmannes oder doch Herrschaft eines Tyrannen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1190403